Erstellt am 13. Juli 2021 · Arbeitsleben · von

Richtig abschalten im Urlaub: So machst du das Beste aus den freien Tagen

Lesezeit: 6 Minuten

Bald beginnt dein Sommerurlaub und du willst dich endlich so richtig erholen? Damit du im Urlaub richtig abschalten kannst, findest du hier neun Tipps von Urlaubsplanung bis zu Digital Detox. Ideen, Anregungen und Ergänzungen sind herzlich willkommen!

Du bist urlaubsreif? Dann gehörst du zu jenen 49 Prozent, die laut einer aktuellen karriere.at-Umfrage dringend eine Auszeit vom Job brauchen. Gut, dass die Sommerferien mittlerweile in ganz Österreich begonnen haben.

Arbeitspsychologin Christa Schirl

Psychologin Christa Schirl

Doch nicht nur die freien Tage und Wochen im Sommer solltest du zur Entspannung nützen, rät Psychologin Christa Schirl. „Der wichtigste Urlaub beginnt im Alltag.“ Mit kleinen Urlaubsphasen, die die Hektik des Alltags auch abseits des großen Sommerurlaubs durchbrechen.

Bei aller Gelassenheit im Alltag, geht es ohne die heiß erwartete Urlaubszeit dann aber doch nicht. Fünf Wochen bezahlter Urlaub stehen laut Urlaubsrecht jedem Arbeitnehmer zu – und diese sollte man so gut wie möglich nützen!

Richtig abschalten im Urlaub: Von Planung bis Rückkehr

Urlaub planen: Wann, wo und wie?

  • Urlaub richtig timen

Wenn man sich urlaubsreif fühlt, ist es für die eigene Erholung oft schon zu spät. „Viel wichtiger als der Urlaub selbst sind die kleinen Urlaubsinseln im Alltag, dann ist der große Urlaub nicht mehr so dringend nötig“, erklärt Schirl. Statt ein halbes Jahr durchzuarbeiten, um sich dann zwei oder drei Wochen gönnen zu können, sollte man lieber auch zwischendurch ein bisschen Zeit für verlängerte Wochenenden und Kurzurlaube einplanen.

Aber nicht nur die arbeitsfreien Zeiten gehören gut getimed, auch Abreise- und Ankunftstage gehören klug gewählt. Dass du beispielsweise nach dem Überfliegen mehrerer Zeitzonen lieber noch ein paar Tage für die Erholung einplanen solltest, erklären wir dir in diesem Artikel – anhand eigener Erfahrungen.

  • Welcher Urlaubstyp bin ich?

Kaum zu glauben, aber manche tun sogar im Urlaub Dinge, die ihnen eigentlich nicht gefallen. „Es gibt immer wieder Menschen, die genau den falschen Urlaub buchen“, sagt Schirl: Jemand sehnt sich nach Bergluft und grenzenlosem Weitblick vom Gipfel – im Urlaub findet man sich dann mit Kind und Kegel auf Cluburlaub in der Türkei. Das geschieht laut Schirl, wenn man sich vorher nicht ehrlich überlegt, was man eigentlich möchte, oder die Urlaubsplanung anderen Personen überlässt.

  • Aktiv oder doch lieber gemütlich?

Die Psychologin rät dazu, im Urlaub das Gegenteil von dem zu machen, was im Job getan wird. Wer viel sitzt, möchte sich in seiner Urlaubszeit vielleicht viel bewegen und Sport treiben. Hat man beruflich sehr viel mit Menschen zu tun, sehnt man sich wahrscheinlich nach Ruhe und Rückzug. Wichtig ist, dass man den Urlaub wirklich als Auszeit vom Beruf nützt und entsprechend nicht das macht, was man im Arbeitsalltag tun muss. Wer im Job viel liest, sollte also eher in die Natur gehen und den Blick in die Ferne schweifen lassen. Hat man einen eher körperlich aktiven Beruf, ist es sinnvoll, im Urlaub dem Körper Ruhe zu gönnen und stattdessen die grauen Zellen etwas zu fordern.

Die letzten Arbeitstage vor dem Urlaub

  • In den Urlaub hineingleiten

Der Klassiker: Die letzten Arbeitstage vor dem Urlaub sind gefüllt mit Meetings, Überstunden und Dingen, die man noch erledigen muss. Mit Hochdruck wird daran gearbeitet, dass alles fertig wird, pünktlich zu Urlaubsbeginn wird man dann krank oder fühlt sich völlig leer. Die sogenannte Entlastungsdepression ist laut Schirl ein Zeichen dafür, dass man vor der Erholungsphase zu viel Gas gegeben hat. Stressige Tage vor dem Urlaub lassen sich nicht immer vermeiden, man kann aber versuchen, die Arbeitsbelastung etwas einzudämmen.

  • Helfen (lassen)

Damit der Workload vor dem Urlaub nicht ausartet, gilt: Anderen helfen und selbst auch aktiv um Hilfe bitten, wenn kurz vor der geplanten Auszeit eigentlich alles zu viel wird.

  • Die Vertretung regeln

Je nach Position und Situation sollte unbedingt die eigene Vertretung geregelt werden – und damit ist nicht der Abwesenheitsassistent in Outlook gemeint. Wichtige Aufgaben sollten auch frühzeitig an die Vertretung übergeben werden, damit man gut in den Urlaub hineingleiten kann.

Wer übernimmt was wann? Die Urlaubsvertretung muss frühzeitig geregelt werden.

  • Rückkehr ins Büro planen

Damit du einen guten Start nach dem Urlaub hast, kannst du dir die Rückkehr ins Büro erleichtern. Dazu gehört auch die Vereinbarung, dass Urlaubsrückkehrer an ihrem ersten Tag im Büro nicht gleich mit Terminen und Tasks eingedeckt werden. Tipp: Blockiere deinen ersten Arbeits(vormit)tag im Kalender, damit dir niemand Termine eintragen kann. Du wirst die Zeit brauchen, um Mails zu lesen.

  • Aufräumen

Der letzte Tag eignet sich hervorragend, um den Schreibtisch und das E-Mail-Postfach aufzuräumen. Was kann weg? Was muss nach dem Urlaub gleich wieder bearbeitet werden? Sortiere deine Unterlagen, Notizen oder Mails so, dass für deine Abwesenheit und deine Rückkehr alles vorbereitet ist.

  • Abschalten – vor allem Mails und Diensthandy

Ständige Erreichbarkeit, die Flut an Nachrichten und Informationen – all das strengt an. Gerade im Urlaub, der freien Zeit zur Erholung, sollte das aber nicht der Fall sein. Daher: Mails aus der Arbeit sollten nur dann gelesen werden, wenn es wirklich nicht anders geht. Und meistens geht es anders, auch wenn das für einige schwer zu glauben ist.

Im Urlaub: Richtig abschalten lernen!

  • Erst mal runterkommen!

Damit im Urlaub nicht gleich wieder Stress angesagt ist, empfiehlt Psychologin Christa Schirl: „Nicht sofort am ersten Urlaubstag ins Flugzeug steigen, sondern einen ruhigen Tag zu Hause einplanen: zum Abschalten, Urlaub begrüßen und Koffer packen.“

  • Geh offline!

Längere Zeit offline zu sein, ist gar nicht so einfach. Denn auch im Ausland lockt überall das WLAN. Nur mal schnell auf Instagram posten und vielleicht – sicher ist sicher – kurz die Mails checken. Dabei tut es gut, eine Zeit lang einfach offline zu bleiben. Heavy User müssen sich ja nicht sofort an einen einwöchigen Digital Detox wagen. Ein oder zwei Stunden Offline-Zeit sind auch für Anfänger schaffbar.

Wer besonders anfällig dafür ist, im Urlaub „always on“ zu sein,  sollte sich „Internet-freie Zonen“ suchen. Denn es gibt sie noch, Plätze auf dieser Welt, in denen es einfach kein Internet gibt.

Im Urlaub erreichbar sein

Fotografieren: ja – Nachrichten lesen: nein! Achtung vor ständiger Erreichbarkeit im Urlaub!

  • Benachrichtigungen aus

Im Urlaub richtig abschalten – das inkludiert auch alle Nachrichten-Apps am Smartphone, die man beruflich nützt. „Urlaub im Standby-Modus“ machen den Erholungseffekt nämlich schnell zunichte. Mit den Kollegen am besten eine Vereinbarung treffen: Angerufen wird der Urlaubende nur in wirklichen Notfällen. Ein Kollege, der zu faul ist, um eine Datei zu suchen, zählt nicht dazu.

Manche müssen sich im Urlaub selbst austricksen

  • Müßiggang

Nichts tun. Das klingt so einfach, aber viele haben die hohe Kunst des Müßiggangs bereits verlernt. Wie lange schaffst du es, einmal wirklich nichts zu tun? Eine Portion gepflegter Langeweile bewahrt dich vor dem „Freizeit-Burn-out“. Die Seele baumeln zu lassen ist auch deshalb wichtig, weil sich in diesen Momenten neue Dinge auftun können. In Zeiten des Nichtstuns wandert der Geist und manchmal offenbart sich so, wohin man im Leben eigentlich möchte.

  • Neues erleben

Neue Menschen, neue Orte, neue Kulturen – kurz, den eigenen Horizont erweitern. Genau das ist ein wunderbares Rezept für Menschen, die Probleme dabei haben, richtig abzuschalten. Außerdem kommt einem ein ereignisreich verbrachter Urlaub viel länger vor – was wiederum gut für den Erholungsfaktor ist. Warum das so ist? Weil Zeit, die monoton verbracht wird, kürzer empfunden wird als jene Zeit, die wir mit neuen Dingen verbringen. Spannend, nicht wahr?

  • Souvenirs

Und: Eine Postkarte oder kleine Aufmerksamkeiten für die Kollegen heben die Stimmung im Team. Ein Mitbringsel für deinen eigenen Schreibtisch hilft dir, auch nach dem Urlaub noch ein Stück Erholung als Erinnerung mitzunehmen.

Urlaubsfeeling am Arbeitsplatz

Mitbringsel für den Schreibtisch bringen Urlaubsfeeling ins Büro.

Nach dem Urlaub: langsam wieder hochfahren!

Wäsche und Haushalt können warten

  • Kein Stress bei der Rückkehr

Egal ob weite Reise samt Jetlag oder Ferien im Nachbarort: Ein Urlaub sollte entspannt beendet werden. Denn sonst ist der Erholungseffekt rasch weg und die positiven Erinnerungen verblassen.

Tipp: Plane einen Extra-Tag zum langsamen Ankommen ein. Wäsche und Haushalt können warten, nicht immer muss alles perfekt sein. Stattdessen lieber noch einmal auf den Urlaub anstoßen und vielleicht sogar schon vom nächsten träumen.

  • Sich Zeit geben

„Rom wurde nicht an einem Tag gebaut“. Daran sollte man zurück am Arbeitsplatz denken. Denn ob aus Pflichtbewusstsein, Schuldgefühlen den Kollegen gegenüber oder einfach Übereifer – wer sich nach dem Urlaub übernimmt, ist schnell wieder urlaubsreif. Daher: langsam angehen und sich Zeit für einen ersten Überblick nehmen, wichtige Meetings wenn möglich nicht am ersten Tag ansetzen. Dann bleibt neben der Bräune hoffentlich auch noch etwas von der neuen Energie erhalten.

Übrigens: Wenn du nach dem Urlaub sämtliche Passwörter und Arbeisabläufe vergessen hast, ist das gut – denn es zeigt, das du wirklich abschalten konntest.

  • Urlaubsdepression? Vielleicht steckt mehr dahinter

Schon beim Gedanken, wieder in die Arbeit gehen zu müssen, wird dir ganz übel und die ersten Tage im Büro steckst du in einer richtigen Post-Urlaubs-Depression? Das kann ein Anzeichen dafür sein, dass dein Job nicht mehr zu dir passt. Wenn du diese Emotionen bei dir wahrnimmst, überlege, ob dich vielleicht beruflich verändern solltest. Das macht auch im Sommer Sinn!

  • Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub: Plane gleich den nächsten!

„Urlaub ist etwas Tolles … Warum machen wir das nicht öfter?“ – Der Satz kommt dir vielleicht bekannt vor. Und tatsächlich solltest du das Momentum direkt nach der Rückkehr nützen, um gleich die nächsten Auszeiten zu planen. Dass du nach dem dreiwöchigen Sommerurlaub schon allein deinen Kolleg*innen zuliebe nicht gleich wieder länger weg kannst, ist klar. Aber ein paar freie Tage in den kommenden Wochen sollten drin sein, um deine Erholung möglichst lange zu bewahren. Vielleicht entdeckst du ja im Zwickeltagskalender ein paar gute Gelegenheiten.

  • Oasen schaffen

Du kannst in nächster Zeit keinen Urlaub genießen, weil du im Büro die Stellung hältst, während die anderen urlauben? Dann schaff dir kleine Inseln der Auszeit im Alltag und versüße dir wenigstens den Feierabend. Hier gibt es einige Ideen für Feierabendrituale.

Eure Ideen: Wie schaltet ihr richtig ab?

Hinterlasst uns in den Kommentaren eure Erfolgsrezepte für maximale Erholung im Urlaub!

Kleines Urlaubs-ABC

Bildnachweis: shutterstock/Roman Samborskyi

Lisa-Marie Linhart

Lisas Liebe gilt dem Wort und der Musik. Bei uns kombiniert sie beides zu wohlklingenden Blogbeiträgen mit dem richtigen Groove für Themen, die das Arbeitsleben leichter und die Karriereplanung einfacher machen.