Erstellt am 29. Juni 2020 · Bewerbung · von

Berufseinsteiger: 4 Tipps für eine erfolgreiche Bewerbung als Absolvent

Lesezeit: 6 Minuten

Vom Hörsaal direkt ins Großraumbüro: Der erste Vollzeitjob symbolisiert ein neues, aufregendes Kapitel im Leben von Hochschulabsolventen, denn vielen vermittelt der Einstieg in den Berufsalltag das Gefühl, dass der Ernst des Lebens nun tatsächlich angebrochen ist. Bei der Suche nach einem passenden ersten Job gibt es jedoch allerhand zu beachten. Bewerben als Berufseinsteiger? Wir haben vier wertvolle Tipps für dich.

Die meisten Studenten fiebern darauf hin, endlich das Abschlusszeugnis in Händen halten und das Erlernte in der Praxis auf die Probe stellen zu können. Aber vorher muss ein geeigneter erster Job her, an dem man sich ausprobieren und messen kann. Mitunter gar nicht so einfach.

Wer bereits regelmäßig Jobportale durchforstet, weiß, dass in Stellenanzeigen stets von Bewerbern die Rede ist, die über ein gewisses Ausmaß an Berufserfahrung verfügen. Als frischgebackener Akademiker kann man da nur eine Grimasse ziehen und hoffnungsvoll das nächste Inserat anklicken.

Was viele nicht wissen, ist, dass mangelnde Berufserfahrung nicht unbedingt ein Knock-Out-Kriterium ist und die Bewerbung nicht zwingend im digitalen Papiermüll landen muss. Zum einen, weil bereits während des Studiums wichtige Qualifikationen erworben werden (dazu weiter unten mehr) und zum anderen, weil Soft Skills und Hard Skills ähnlich gewichtet werden. Soll heißen: Mit deiner Persönlichkeit kannst du vieles wettmachen, was dir fachlich vielleicht noch fehlt.

4 Bewerbungstipps für Hochschulabsolventen

1. Das Fundament schon im Studium legen

Bereits während des Studiums haben manche Menschen eine klare Vorstellung von dem, was sie einmal beruflich machen möchten. Ist das bei dir der Fall, solltest du diese Gewissheit nutzen und versuchen, erste Kontakte zur Berufswelt herzustellen.

Die kommen beispielsweise auf Berufsmessen zustande. Die meisten Unis laden mehrmals im Jahr Unternehmen aus verschiedenen Branchen zu sich ein, um Studenten das Netzwerken direkt am Campus zu ermöglichen. Praktika sind eine weitere Möglichkeit, um in interessante Tätigkeitsbereiche hineinzuschnuppern und Beziehungen zu Arbeitgebern aufzubauen. In vielen Studiengängen ist ein verpflichtendes Berufspraktikum vorgesehen. Allerdings lohnt es sich, solche auch freiwillig zu absolvieren.

Wer mit einem bestimmten Arbeitgeber oder einer spezifischen Branche liebäugelt und am Ende des Studiums keine Lust hat, ein trockenes Theoriewerk zu verfassen, kann die Abschlussarbeit dazu nutzen, den Fuß in die Tür zur Arbeitswelt zu setzen, und sie praxisbezogen gestalten.

2. Auch Anfänger haben Berufserfahrung

Eins vorweg: Nur, weil du noch keine facheinschlägigen Praktika absolviert oder bis dato noch keinem Nebenjob nachgegangen bist, bedeutet das nicht, dass du über keinen Funken Berufserfahrung verfügst. Fähigkeiten entwickelt der Mensch zu einem gewissen (oder vielleicht sogar großen) Teil außerhalb der unternehmerischen Gefilde.

Insbesondere Hobbys dienen der persönlichen Entwicklung und Entfaltung. Ob Wohnzimmerkünstler oder in den Bergen beheimatete Sportskanone – auch unsere Freizeitgestaltung verlangt uns unterschiedliche Fähigkeiten und Charakterzüge ab, die wir erst nach und nach entwickeln. Während künstlerisch veranlagte Menschen kreatives Out-of-the-box-Denken benötigen bzw. ihr Handwerk zunächst erlernen müssen, brauchen die Sportler unter uns vor allem Willensstärke und Durchsetzungsvermögen. Beides Qualitäten, von denen Unternehmen profitieren.

Das gleiche gilt für ehrenamtliches Engagement. Unterstützt du beispielsweise geflüchtete Menschen bei der Integration, indem du ihnen beim Deutschlernen hilfst oder ihnen bei der Bewältigung des Alltags unter die Arme greifst, zeugt das von ausgeprägter Empathie und Solidarität sowie deinem interkulturellen Feingefühl. Ein freiwilliger Dienst beim Roten Kreuz dagegen zeigt, dass du mit Stress und psychischer Belastung umzugehen weißt und ein Händchen für Menschen jedes Alters hast.

Und auch an den Hochschulen ist man bemüht, die Studenten an die Arbeitswelt heranzuführen. Zwar ist dieser Aspekt an den praxisorientierten Fachhochschulen mehr ausgeprägt als an den eher theorielastigen Universitäten. Aber auch an letzteren haben junge Menschen die Möglichkeit, sich im Rahmen von Projekten zu beweisen, die häufig in Zusammenarbeit mit Unternehmen entstehen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wenn du das nächste Mal in einer Stellenanzeige etwas von „Berufserfahrung mind. 2 Jahre“ liest, lass dich davon nicht abschrecken. Überlege stattdessen, welche Erfahrungen aus Uni, Freizeit oder Ehrenamt dich für den Job qualifizieren. Für einen guten Start in die Berufswelt braucht es als Anfänger vor allem eine gute Portion Selbstvertrauen und ein Bewusstsein für die eigenen Fähigkeiten.

3. Bewerbungsunterlagen: Auf Sorgfalt und Vollständigkeit kommt es an

Für vollständige Bewerbungsunterlagen braucht es ein Bewerbungsschreiben, den Lebenslauf, optional ein Motivationsschreiben sowie relevante Zeugnisse und Zertifikate.

Im Bewerbungsschreiben – auch Anschreiben genannt – musst du dem Recruiter darlegen, warum du die geeignete Person für den Job bist. Konzentriere dich am besten auf deine vorhandenen Fähigkeiten und führe bereits absolvierte Praktika an.

Der Lebenslauf sollte bei Berufseinsteigern bis maximal zur Matura zurückführen. Etwaige Ferialjobs oder Praktika werden nur dann inkludiert, wenn sie zur ausgeschriebenen Stelle passen oder anderweitig relevant sind. Hobbys können im Lebenslauf angeführt werden, aber auch hier muss ein ersichtlicher Nutzen für den Arbeitgeber vorhanden sein.

Wird in der Stellenanzeige explizit danach verlangt, ist zusätzlich noch ein Motivationsschreiben zu verfassen. Dieses bietet ausreichend Platz, um deinen persönlichen Antrieb zu erläutern und auszuführen, weshalb genau dieser Job oder dieses Unternehmen bei dir Interesse geweckt hat. Hast du konkrete Ziele, was deine berufliche Zukunft anbelangt, kannst du diese beschreiben und einen Bogen spannen zur angestrebten Position und erklären, weshalb diese dich bei der Umsetzung unterstützen würde. Hobbys oder ehrenamtliches Engagement können im Motivationsschreiben ebenfalls detaillierter beleuchtet werden.

4. Bewährungsprobe Bewerbungsgespräch

Wird man aufgrund der eingereichten Unterlagen zu einem Vorstellungsgespräch ins Unternehmen eingeladen, ist zumindest die erste Hürde überwunden. Aber das Verfassen einer Bewerbung und das persönliche Vorsprechen beim potenziellen Arbeitgeber sind zwei Paar Schuhe, und letzteres ruft bei vielen Neulingen Nervosität auf den Plan. Was soll man da bloß erzählen, wenn sich bis dato nur in Hörsälen herumgetrieben hat?

  1. Mit Persönlichkeit punkten. Dein Charakter und deine Soft Skills sind als Berufseinsteiger deine größte Stärke. Hebe diese während des Gesprächs gezielt hervor und überlege dir im Vorfeld am besten Beispiele, mit denen du deine Aussagen belegen kannst.
  2. Fokus aufs Studium. Halte in der Stellenanzeige Ausschau nach Anknüpfungspunkten zu deinen Schwerpunkten aus dem Studium. Hast du bereits Uni-Projekte abgewickelt, die Anforderungen aus dem Stellenprofil benötigten, kannst du davon berichten.
  3. Nebenjobs erwähnen. Ob 08/15-Studentenjob oder facheinschlägiges Berufspraktikum – Erfahrungen sammelt man immer, egal, was man tut. Um sie im Gespräch bestmöglich an den Recruiter zu verkaufen, braucht es nur den richtigen Blickwinkel.
  4. Auf der Suche nach Kompetenzen. Oft sind uns unsere eigenen Fähigkeiten gar nicht so richtig bewusst, weil wir im Alltag auf sie zurückgreifen, ohne groß darüber nachzudenken. Nutze eine ruhige Minute daher für eine tiefergehende Reflektion über deine Kompetenzen.

Bereite dich im Vorfeld auch auf jene Fragen vor, die im Bewerbungsgespräch immer wieder auftauchen. Wirf einen Blick auf unseren Fragenkatalog. Dort findest du die gängigsten Fragen, die von Recruitern gestellt werden. Auch über dein Einstiegsgehalt solltest du dir Gedanken machen.

Wann kann ich mit einer Antwort rechnen?

Viele Berufseinsteiger fragen sich, wie lange sie nach einem persönlichen Gespräch auf eine Rückmeldung warten müssen und ab wann Nachhaken nicht als ungeduldig bewertet wird. Eine pauschale Antwort können wir dir nicht bieten, denn jedes Unternehmen agiert unterschiedlich. Bei größeren Betrieben kann es beispielsweise schon mal etwas länger dauern, weil sie mehr Bewerbungen sichten müssen als ein 10-Mann-Unternehmen. In der Regel geben die beim Bewerbungsgespräch anwesenden Personen ein Zeitfenster an. Wird dieses überschritten, kannst du gern mit einem persönlichen Anruf nachfragen. Gibt es keine Zeitangabe, solltest du ein bis zwei Wochen warten, bis du nachfragst.

Solltest du trotz penibler Vorbereitung eine Absage kassieren, lass dich davon nicht entmutigen. Besonders als Berufseinsteiger ist es schwierig, sich gegen Bewerber mit mehr Erfahrung durchzusetzen. Dranbleiben lautet die Devise!

Was wollen Berufseinsteiger?

Die Absolventenstudie aus dem Jahr 2017 beschäftigte sich mit der Frage, welche Anforderungen Berufseinstiger an ihre Arbeitgeber stellen. Die Zeiten, in denen Arbeitnehmer sich angebiedert haben, um einen Job zu ergattern, sind in vielen Branchen aufgrund des Fachkräftemangels nämlich Geschichte. Stattdessen liegt es nun an den Arbeitgebern, qualifizierte junge Menschen zu umwerben und sie ans Unternehmen zu binden.

Die Studie hat herausgefunden, dass folgende Punkte Absolventen besonders wichtig waren:

  • Flexible Arbeitszeitmodelle, die eine ausgewogene Work-Life-Balance ermöglichen
  • Beständiger, sicherer Arbeitsplatz
  • Wertschätzung, Anerkennung und die Möglichkeit, Weiterbildungsangebote wahrzunehmen
  • Kollegiales, ungezwungenes Arbeitsklima mit gemeinsamen Events und Aktivitäten

Worauf legen Arbeitgeber wert?

Unternehmen, die Berufseinsteiger einstellen wollen, sichten eingehende Bewerbungen ebenfalls mit einer gewissen Erwartungshaltung.

  1. Cultural Fit. Jeder Arbeitgeber weiß: Wenn die Zusammenarbeit stimmen soll, müssen Bewerber und Unternehmen miteinander harmonieren. Mitarbeiter, die sich mit den Werten ihres Arbeitgebers identifizieren können, sind nicht nur tendenziell zufriedener im Job, sondern auch produktiver.
  2. Persönliche Eigenschaften und soziale Kompetenz. Unternehmen wünschen sich Bewerber, die im Arbeitsalltag selbstständig Aufgabenstellungen erkennen und lösen können. Ausgeprägtes Engagement, Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit und ein hohes Maß an Lernbereitschaft werden gern gesehen.
Bianca Schedlberger

Biancas Traumjob seit Kindertagen? Schriftstellerin, irgendwann. Bis dahin wird für karriere.at fleißig getextet, unter anderem auch Blogposts.