Das richtige Einstiegsgehalt für Berufseinsteiger*innen
Wie viel Gehalt ist zum Berufseinstieg realistisch?
Diese Frage stellen sich viele, bevor sie ihre erste Bewerbung abschicken oder im Gespräch nach ihrer Gehaltsvorstellung gefragt werden. Mit der richtigen Recherche findest du eine realistische Gehaltsspanne und kannst deinen Wunsch später nachvollziehbar begründen.
So findest du dein Einstiegsgehalt auf einen Blick #
Bevor du eine Zahl nennst, solltest du vier Dinge machen:
- Schau dir den passenden Kollektivvertrag an,
- nutze einen Gehaltsrechner,
- vergleiche ähnliche Stelleninserate
- und sprich mit Menschen aus deinem Umfeld oder deiner Branche.
So bekommst du keine Fantasiezahl, sondern eine realistische Spanne, die zu deiner Position passt.
„88 Prozent der befragten User*innen haben bereits ein konkretes Mindestgehalt für ihre angestrebte Position im Kopf und 72 Prozent sagen, dass sie ihr Wunschgehalt im Bewerbungsprozess auch begründen können.“
Wovon hängt dein Einstiegsgehalt ab? #
Dein Einstiegsgehalt hängt nicht nur von deinem Abschluss ab. Auch Branche, Region, Unternehmensgröße, konkrete Aufgaben und erste praktische Erfahrung spielen eine Rolle. Ein Pflichtpraktikum, Werkstudent*innenjob oder einschlägige Projektarbeit kann beim Berufseinstieg einen Unterschied machen, selbst wenn du noch keine klassische Vollzeit-Berufserfahrung hast. Genau deshalb lohnt es sich, nicht nur auf Berufsbezeichnungen zu schauen, sondern immer auf die tatsächliche Rolle.
💡 Stell dir zum Beispiel zwei ähnliche Junior-Positionen vor: einmal in einem kleinen Unternehmen in einer eher preissensiblen Branche, einmal in einem größeren Unternehmen mit spezialisierterem Aufgabenbereich. Obwohl der Jobtitel ähnlich klingt, kann die Gehaltsspanne unterschiedlich ausfallen. Deshalb brauchst du immer mehrere Vergleichswerte statt nur einer einzelnen Zahl.
So recherchierst du eine realistische Gehaltsspanne #
1. Prüfe den Kollektivvertrag #
Der Kollektivvertrag ist deine erste Orientierung. In Österreich gibt es wegen der hohen Abdeckung durch Kollektivverträge keinen gesetzlichen Mindestlohn. Stattdessen regeln KVs unter anderem Mindestgehälter, Arbeitszeit, Zulagen und oft auch Sonderzahlungen. Wichtig für dich: Das KV-Gehalt ist in vielen Fällen die Untergrenze, nicht automatisch das Gehalt, das du verlangen solltest.
2. Nutze den Gehaltsrechner als Startpunkt #
Ein Gehaltsrechner gibt dir eine erste Marktorientierung. Besonders nützlich wird er, wenn du nicht nur den Berufstitel eingibst, sondern auch Branche, Region, Ausbildung und Unternehmensgröße mitdenkst. So kommst du weg von einer pauschalen Zahl und näher an das, was für deine Situation realistisch ist. Auf karriere.at wird der Gehaltsrechner laufend mit internen Daten aktualisiert.
3. Vergleiche Stelleninserate #
Schau dir ähnliche Jobs an und achte darauf, welche Mindestgehälter im Inserat stehen und welche Aufgaben beschrieben werden. Seit 2011 müssen Arbeitgeber in Österreich in Stelleninseraten ein Mindestgehalt anführen. Diese Angabe ist für Bewerber*innen ein wichtiger Anhaltspunkt, auch wenn oft nur das KV-Mindestgehalt genannt wird und je nach Qualifikation eine Überzahlung möglich ist.
4. Frag in deinem Netzwerk nach #
Wenn du Studienkolleg*innen, ehemalige Praktikums-Kontakte oder Menschen aus deiner Branche kennst, nutze diese Gespräche. Du musst nicht direkt fragen: „Was verdienst du?“ Besser ist:
„Ich recherchiere gerade mein mögliches Einstiegsgehalt für eine ähnliche Position. Kommt dir diese Spanne realistisch vor?“
5. Denk Branche und Unternehmen mit #
Nicht jede Firma zahlt gleich. Unternehmensform, wirtschaftliche Lage, Branche und Gehaltsstruktur spielen mit hinein. Ein Start-up, ein KMU und ein Konzern können für vergleichbare Rollen unterschiedliche Spielräume haben. Auch das ist in deiner Präsentation stark angelegt und sollte im Artikel sichtbar werden.
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KV, Mindestgehalt und 14 Gehälter: Was du in Österreich wissen musst #
Wer in Österreich ins Berufsleben startet, sollte drei Dinge auseinanderhalten:
- das Mindestgehalt laut Kollektivvertrag,
- die mögliche Überzahlung
- und die Frage, ob in 12 oder 14 Gehältern gerechnet wird.
In Bewerbungen und Gesprächen solltest du dein Gehalt immer brutto angeben, nicht netto. Und du solltest dazuschreiben oder mitdenken, ob es sich um ein Monats- oder Jahresgehalt handelt. In Österreich werden Gehälter typischerweise in 14 Zahlungen gedacht, also inklusive Urlaubs- und Weihnachtsgeld.
Brutto-Netto-Rechner
Mit dem Brutto-Netto-Rechner erfährst
du, wie viel Geld am Ende des Monats
auf deinem Konto landet.
So formulierst du deinen Gehaltswunsch #
Wenn du deine Spanne recherchiert hast, brauchst du keine perfekte, sondern eine nachvollziehbare Antwort. Am überzeugendsten wirkst du, wenn du kurz erklärst, worauf sich deine Einschätzung stützt: Recherche, Vergleichswerte, Branche und dein Profil.
Ein guter Aufbau ist:
- Ich habe recherchiert.
- Ich habe mehrere Quellen verglichen.
- Daraus ergibt sich für mich eine realistische Spanne.
- Innerhalb dieser Spanne ordne ich mich aufgrund meiner Qualifikationen ein.
💡 Wichtig ist auch das Wording: brutto statt netto, realistische Spanne statt Fantasiezahl und ein sachlicher Ton statt Rechtfertigung.
Praxisbeispiel: So kann das für Berufseinsteiger*innen aussehen #
Angenommen, du bewirbst dich nach Uni oder FH auf eine wirtschaftliche Junior-Position. Du hast den Kollektivvertrag geprüft, ähnliche Inserate verglichen, mit Leuten aus deinem Umfeld gesprochen und den Gehaltsrechner genutzt. Daraus ergibt sich für dich eine realistische Einstiegsspanne von 2.700 bis 3.000 Euro brutto pro Monat.
So könnte deine Antwort im Gespräch klingen:
„Ich habe mich intensiv mit dem Thema beschäftigt, online recherchiert, ähnliche Positionen verglichen und auch mit Personen gesprochen, die bereits in einem ähnlichen Bereich arbeiten. Daraus ergibt sich für mich eine realistische Einstiegsspanne von 2.700 bis 3.000 Euro brutto pro Monat. Aufgrund meiner Qualifikationen und meiner bisherigen Erfahrung sehe ich mich im oberen Bereich dieser Spanne.“
Das Gute an dieser Antwort: Sie ist klar, vorbereitet und begründet. Gleichzeitig lässt sie Raum für Gespräch und wirkt nicht aus der Luft gegriffen.
Häufige Fehler beim Einstiegsgehalt #
| Nur eine Quelle nutzen | Wer sich nur an einem einzelnen Inserat oder nur an einer Aussage aus dem Bekanntenkreis orientiert, landet schnell daneben. Gute Gehaltsrecherche braucht mehrere Perspektiven. |
| KV-Mindestgehalt mit realistischem Zielgehalt verwechseln | Das Mindestgehalt ist wichtig, aber eben oft nur die Untergrenze. Je nach Qualifikation und Position kann mehr drin sein. |
| Netto statt Brutto denken | Für Bewerbungen und Gehaltsgespräche ist die Bruttoangabe der Standard. Das spart Missverständnisse. |
| Zu früh klein beigeben | Viele Berufseinsteiger*innen unterschätzen ihren Marktwert. Gerade deshalb ist Vorbereitung so wichtig. In deiner Präsentation ist das einer der zentralen Punkte: Recherchieren ist die Basis. |
FAQ zum Einstiegsgehalt #
Ist das Gehalt im Stelleninserat fix? #
Nicht unbedingt. In Österreich steht im Inserat oft das Mindestgehalt laut KV. Je nach Erfahrung und Qualifikation ist eine Überzahlung möglich.
Muss ich mich beim Einstiegsgehalt am Kollektivvertrag orientieren? #
Ja, als Untergrenze und Einordnung. Aber dein tatsächliches Zielgehalt kann darüber liegen, wenn Rolle, Qualifikation und Markt es hergeben.
Soll ich eine Zahl oder eine Spanne nennen? #
Für viele Situationen ist eine realistische Spanne sinnvoller als ein einzelner fixer Betrag, weil sie Orientierung gibt und Gesprächsspielraum lässt. Das ist auch die Logik im Beispiel aus deiner Präsentation.
Brutto oder netto? #
In Bewerbung und Gespräch immer brutto angeben. Achte zusätzlich darauf, ob von Monats- oder Jahresgehalt gesprochen wird. In Österreich wird oft mit 14 Gehältern gerechnet.