Erstellt am 4. September 2019 · Bewerbung · von

Das Bewerbungsgespräch: Alle Infos auf einen Blick

Lesezeit: 8 Minuten

Das Bewerbungsgespräch ist das Herzstück des  Bewerbungsprozesses. Mit deiner Selbstpräsentation, deinem Auftreten und deiner Vorbereitung auf diesen Termin steht oder fällt deine Chance, deinen Wunschjob zu ergattern. Ob du nun ein alter Hase bist oder dir dein allererstes Bewerbungsgespräch bevorsteht: Unser Leitfaden behandelt alle wichtigen Aspekte und Fragen, die es zu diesem Thema gibt.

Termin vereinbaren

Das Telefon klingelt, du hebst ab und freust dich wahnsinnig, als am anderen Ende der Leitung die Ansprechperson deines Wunscharbeitgebers erklärt, dich zu einem Bewerbungsgespräch einladen zu wollen. Vielleicht erreicht dich die frohe Kunde auch per E-Mail. In welcher Form auch immer du über die Einladung benachrichtigt wirst, du kannst dich freuen: Der erste Schritt zum Traumjob ist geschafft.

Nun kommt es darauf an, den richtigen Gesprächstermin zu finden. Möglicherweise hat deine Ansprechperson bereits einen Vorschlag und du musst nur noch„Ja“ und „Amen“ sagen. Wenn dir die freie Wahl eingeräumt wird, kann das Ganze ein bisschen komplizierter werden.

Versetz dich in die Position deines Ansprechpartners. Nicht alle Wochentage sind gleich gut geeignet, um ein Bewerbungsgespräch durchzuführen, und auch die Uhrzeit muss passen. Wie so oft im Leben, geht es auch beim Bewerbungsgespräch um das richtige Timing. Und obwohl ein gut gelegter Termin nicht automatisch eine Zusage bedeutet, so kann der passende Zeitpunkt sehr wohl Einfluss auf deine Chancen haben.

Erfahre mehr: Termin für Bewerbungsgespräch festlegen

Vorbereitung ist das A und O

Der schlimmste Fehler beim Bewerbungsgespräch: Vollkommen unvorbereitet und auf gut Glück beim Unternehmen antanzen und der Überzeugung sein, dass das schon irgendwie funktionieren wird. Spoiler Alert: Wird es nicht. Ein erfahrener Personaler kann bereits nach wenigen Gesprächsminuten einschätzen, wie intensiv du dich mit dem Unternehmen und der ausgeschriebenen Stelle auseinandergesetzt hast. Bekommt er den Eindruck, dass dich die Hintergründe überhaupt nicht interessieren, kann das ein schlechtes Licht auf dich werfen und dich sogar die Jobzusage kosten.

Vor deinem Gespräch solltest du dir zu folgenden Punkten Gedanken machen:

  • Organisatorisches zu Beginn erledigen, z.B. Terminbestätigung geben lassen oder Anreisemöglichkeiten recherchieren
  • Recherchiere auf Online-Jobbörsen, Unternehmenswebseiten, Social Media, Bewertungsplattformen sowie auf Messen und Infotagen oder Google.
  • Was kannst du? Reflektiere über dich und deine Skills.
  • Überlege dir, wer du bist und was dich auszeichnet.

Erfahre mehr: Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch

Dresscode: Vermeide fashion fails

Die Frage nach dem richtigen Dresscode fällt ebenfalls in die Rubrik „Vorbereitung“. Während in manchen Branchen ein etablierter Dresscode herrscht – im Bankenwesen wird zum Beispiel Wert auf einen seriösen, eher konservativen Kleidungsstil gelegt – ist er in anderen nicht ganz so offensichtlich. Vermeide peinliche Reinfälle, indem du bei der Terminvereinbarung nach dem Status quo im Unternehmen fragst. Erschwert wird die Kleiderwahl durch Temperaturextreme in den Sommer- und Wintermonaten.

Insbesondere im Sommer, wenn die Sonne unbarmherzig mit 36 Grad vom Himmel brennt, ist es schwierig, das passende Outfit auszuwählen. Du willst dich nicht in langen Hosen und Ärmeln durch die Hitze plagen, aber kurze Hose und Minikleid sind auch keine Option. Was also anziehen?

3 Tipps für den Hitze-Dresscode im Sommer:

  1. Dünne, luftige Stoffe aus Naturmaterialien bevorzugen
  2. Locker sitzende Schnitte
  3. Keine Verkleidung – Persönlichkeit zeigen ist erlaubt

Der Winter hält ebenfalls Stil-Fallen bereit. Unter den vielen Schichten gerät man (vor allem bei Nervosität) schnell ins Schwitzen, während die Lieblingshaube die Frisur ruiniert und einen Struwwelpeter aus einem macht. Nicht die besten Voraussetzungen, um beim Bewerbungsgespräch ein gutes Bild abzugeben.

3 Tipps für den Kälte-Dresscode im Winter:

  1. Keine Stiefel anziehen
  2. Nicht zu dicke Kleidung wählen
  3. Elegante Mützen und Schals tragen

Erfahre mehr: Outfit im Sommer und im Winter

Eigene Fragen zurechtlegen

Wenn du verdeutlichen möchtest, dass du ernsthaftes Interesse an der ausgeschriebenen Stelle hast, solltest du dir im Vorhinein ein paar Fragen überlegen, die du deinem Gesprächspartner stellen willst. Mithilfe von Rückfragen findest du außerdem heraus, ob der Job überhaupt für dich in Frage kommt und ob du dir vorstellen kannst, dich im Unternehmen langfristig wohlzufühlen.

Zu folgenden Themen macht es Sinn, vertiefende Fragen zu stellen:

  • Zum Unternehmen selbst (Herausforderungen, Arbeitszeiten etc.)
  • Zur ausgeschriebenen Stelle (Erwartungshaltung vonseiten des Unternehmens, Einarbeitungsphase etc.)
  • Sonstiges (Hunde erlaubt, Möglichkeit zum Home Office etc.)

Vorsicht! Bevor du dein Gegenüber wie einen Schweizer Käse mit Fragen löcherst, darfst du nicht vergessen, dass einige davon vielleicht tabu sind. Zum Beispiel, ob man mit vielen Überstunden rechnen muss. Das kann dein potenzieller neuer Arbeitgeber schnell in den falschen Hals bekommen.

Erfahre mehr: Fragen stellen im Bewerbungsgespräch

Stärken und Schwächen argumentieren

Sie ist gefürchtet und niemand kann ihr entrinnen: die Frage nach den persönlichen Stärken und Schwächen. Bei ersterem gilt es, den Balanceakt zwischen Unter- und Übertreibung zu meistern. Man will sich weder unter seinem Marktwert verkaufen, noch als überheblicher Idiot gelten. Das mit den Schwächen ist auch so eine Sache und knifflig, weil man sich nicht selbst ins Aus schießen möchte.

Die eigenen Stärken lassen sich zumeist leichter identifizieren. Wenn du trotzdem Probleme hast, deine Kompetenzen zu benennen, kannst du die Meinungen von Freunden und Familie einholen, über deine bisherigen Tätigkeiten reflektieren oder einen Persönlichkeitstest durchführen.

Wenn dich der Gesprächspartner nach deinen Schwächen fragt, behaupte niemals – auch nicht im Scherz – du hättest keine. Geh stattdessen taktisch vor, nimm die Stellenanzeige noch einmal genauer unter die Lupe und überlege, trotz welcher angegebener Mängel du dennoch im Rennen bleiben würdest. Zwei oder drei Schwächen reichen, die du anschließend in ein Beispiel verpackst und im nächsten Schritt relativierst, indem du erklärst, dass du an dir selbst arbeitest.

Bedenke: Sowohl bei Schwächen als auch bei Stärken kommt es auf die richtige Formulierung an, um den Gesprächspartner letztendlich zu überzeugen.

Erfahre mehr: Stärken und Schwächen argumentieren

Bewerbungsgespräch auf Englisch

Im Zeitalter der Globalisierung sind Unternehmen immer öfter über Ländergrenzen hinweg miteinander in Kontakt. Der Austausch findet da zumeist auf Englisch statt. Bewirbst du dich bei einem großen internationalen Konzern, wird man vermutlich exzellente Englischkenntnisse von dir erwarten. Aber auch kleinere Unternehmen legen immer mehr Wert darauf, dass sich ihre Mitarbeiter in dieser Fremdsprache verständigen können.

Ob dein Bewerbungsgespräch auf Englisch abgehalten werden wird, lässt sich schon von der Stellenbeschreibung und den dort notierten Anforderungen ableiten. Bevor du dich für einen Job bewirbst, der fundierte Englischkenntnisse fordert, solltest du dir im Klaren darüber sein, wie gut du die Sprache tatsächlich beherrschst.

Wenn du im Alltag nur wenig mit Englisch zu tun hast und die Schul- oder Unizeit etwas länger zurückliegt, hat dein Vokabular wahrscheinlich merklich abgenommen. Wenn bis zum Bewerbungsgespräch keine Zeit mehr bleibt, um einen Auffrischungskurs zu absolvieren, hast du aber noch andere Möglichkeiten, um dir das Wichtigste wieder in Erinnerung zu rufen:

  • Bewerbungsunterlagen ins Englische übersetzen
  • Fachvokabular nachschlagen
  • Englische Podcasts, Hörbücher oder Youtube-Videos für das Hörverständnis
  • Englische Texte lesen
  • Mit Freunden, Familie etc.
  • Englisch sprechen

Um optimal vorbereitet zu sein, kannst du das Gespräch zu Hause vorab mit jemandem üben. Auf die gängigsten Fragen solltest du auf jeden Fall eine Antwort parat haben. Phrasen können hier einen guten Ausgangspunkt bilden und geben dir die nötige Sicherheit.

Erfahre mehr: Bewerbungsgespräch auf Englisch

Ortswechsel: Bewerbungsgespräch im Restaurant

Dass ein Bewerbungsgespräch in einem Restaurant oder Café abgehalten wird, ist eher ungewöhnlich. Arbeitgeber nutzen diese Möglichkeit jedoch immer häufiger, um die Social Skills ihrer Bewerber zu testen und herauszufinden, wie geschickt sie auf solche Überraschungen reagieren und sich in der neuen Situation zurechtfinden.

Am Inhalt des Bewerbungsgesprächs ändert sich aufgrund eines Tapetenwechsels nicht sonderlich viel. Allerdings musst du auf mehr Stolpersteine gefasst sein. Denn die lockere Stimmung verleitet schnell dazu, nachlässig zu werden. Unter anderem solltest du auf folgende Dinge Acht geben:

  • Kleiderwahl
  • Pünktlichkeit
  • Gute Manieren

Die Entscheidung für ein Gericht kann im Kontext des Bewerbungsgesprächs zu einer echten Herausforderung werden. Bei Suppen besteht akute Tropfgefahr, bei Spaghetti Bolognese grüßen fiese Tomatensaucenflecken. Zu teuer darf es obendrein auch nicht sein. Bevor du dir ob der Qual der Wahl den Kopf zerbrichst, orientiere dich am besten einfach an deinem Gesprächspartner – so bist du im Fall der Fälle auf der sicheren Seite. Und was die Rechnung geht: Auch wenn für gewöhnlich der Einladende die Rechnung übernimmt, solltest du sicherheitshalber die Geldbörse zücken.

Erfahre mehr: Bewerbungsgespräch im Restaurant oder Café

Das etwas andere Bewerbungsgespräch: Telefon- und Skype-Interview

Besonders in großen Unternehmen oder bei solchen mit hohem Arbeitnehmerbedarf werden passende Bewerber im Vorhinein durch Telefon- oder Skype-Interviews ausgesiebt. Arbeitgeber sparen dadurch einiges an Geld ein. Du als Bewerber verschwendest weniger Zeit mit der Anreise. Eine ziemlich feine Sache, oder? Was man dabei jedoch nicht vergessen darf, ist die Tatsache, dass die Vorbereitung für ein Bewerbungsgespräch via Telefon oder Skype etwas anders aussieht als bei einem herkömmlichen.

Bei Telefoninterviews ist ein Überraschungsanruf zum Beispiel nichts Ungewöhnliches. Trifft er dich in einem unerwarteten Moment, kann das für dich schnell ins Auge gehen – bereite dich also zeitgerecht vor. Für den Erfolg deines Bewerbungsgesprächs ist aber auch deine Umgebung von Bedeutung. Wenn du dich gerade zu Hause aufhältst und nicht alleine bist, achte darauf, dass …

  • … kein Hintergrundlärm herrscht
  • … du nicht gestört werden kannst
  • … du nicht abgelenkt bist (essen, rauchen etc.)
  • … du Notizblock und Stift bereithältst

Und auch wenn man dich beim Telefonieren nicht sehen kann: Eine gute Haltung und eine freundliche Mimik sind durchaus „hörbar“.

Beim Skype-Interview genießt du den Vorteil, einen fixen Termin zugeteilt zu bekommen und dich somit wirklich intensiv darauf vorbereiten zu können. Zu einem Video-Interview kommt es in der Regel, weil du persönlich nicht erscheinen kannst (etwa bei einem Auslandsaufenthalt). Wesentliche Punkte fürs Skype-Interview sind:

  • seriöser Name und angemessenes Profilbild
  • stabile Internetverbindung
  • angemessene Kleidung
  • Ablenkungen minimieren

Und wenn die Technik unzähligen Checks zum Trotz doch versagen sollte: Ruhe bewahren und eventuell einen Ersatztermin anbieten, dann ist alles nur halb so schlimm.

Erfahre mehr: Telefon- und Skype-Interview

Fehler im Bewerbungsgespräch

Bewerbungsgespräche sind voll von potenziellen Fettnäpfchen. Die schlechte Nachricht: Schon vor dem eigentlichen Gespräch kann einiges schiefgehen. Die gute: Viele Patzer lassen sich vermeiden, besonders mit der richtigen Vorbereitung. Es gibt Fehler, die sind selbst verschuldet. Auf andere haben wir selbst recht wenig Einfluss, zum Beispiel, wenn die Zugverbindung plötzlich ausfällt und der Termin deshalb nicht zeitgerecht wahrgenommen werden kann. Zu diesen Missgeschicken kommt es am häufigsten:

  • Verspäten oder den Termin vergessen
  • Unpassende Kleiderwahl
  • Lügen
  • Arrogantes oder zu aggressives Auftreten
  • Anrufe entgegennehmen oder SMS beantworten
  • Mangelnde Vorbereitung

Was beim Personaler auch nicht sonderlich gut ankommt, ist, über den derzeitigen Arbeitgeber herzuziehen oder gleich beim ersten Gespräch über mögliche Beförderungen und Gehaltserhöhungen zu reden. Das sind Themen, die du erst dann anschneiden solltest, wenn du den Job bekommen hast, schon eine Weile im Unternehmen bist und Erfolge vorzeigen kannst. Beim Bewerbungsgespräch hingegen macht ein solches Verhalten einen ziemlich großkotzigen Eindruck.

Erfahre mehr: Fehler im Bewerbungsgespräch

Bewerbungsgespräch absagen

Als Bewerber verdammt unangenehm, aber was muss, das muss: Wenn du den Termin nicht wahrnehmen kannst, wirst du um eine Absage deines Bewerbungsgesprächs nicht herum kommen. Ob du das Gespräch nun aufgrund einer Terminkollision bloß verschieben oder doch ganz absagen möchtest, weil dir ein anderes Unternehmen besser gefällt … Kein Personaler wird dir die Absage übel nehmen, solange du rechtzeitig Bescheid gibst und bei der Wahrheit bleibst. Gehst du stattdessen einfach auf Tauchstation, wird sich der Arbeitgeber das sicherlich merken. Und damit vertust du deine Chance, dich zu einem für dich günstigeren Zeitpunkt noch einmal dort zu bewerben.

Erfahre mehr: Bewerbungsgespräch absagen

Tipps fürs Bewerbungsgespräch

Obwohl Bewerbungsgespräche immer nach dem gleichen Schema ablaufen, sorgen sie bei vielen Bewerbern für ein ungutes Gefühl in der Magengrube. Wenn du aber den Leitfaden bis hierher gelesen hast, solltest du einen guten Überblick darüber haben, was eine ideale Vorbereitung auf ein Bewerbungsgespräch ausmacht.

Abschließend haben wir hier noch die 6 wichtigsten Tipps für ein gelungenes Bewerbungsgespräch. Mit denen sollte dich nichts mehr aufhalten können.

  1. Recherchiere über das Unternehmen und deinen Gesprächspartner.
  2. Gib keine Standard-Antworten auf Fragen und bereite selber welche vor
  3. Checke deine Social Media Profile auf peinliche Fotos etc.
  4. Bekomm deine Nervosität – wenn vorhanden – in den Griff
  5. Letzter Check auf der Toilette, damit auch wirklich alles sitzt
  6. Körperhaltung ist alles und die Spiegeltechnik dein bester Freund

Erfahre mehr: Tipps fürs Bewerbungsgespräch

Bianca Schedlberger

Biancas Traumjob seit Kindertagen? Schriftstellerin, irgendwann. Bis dahin wird für karriere.at fleißig getextet, unter anderem auch Blogposts.

karriere.at verwendet Cookies, um dein Benutzererlebnis zu verbessern und personalisierte Werbung anbieten zu können. Weitere Informationen und deine Opt-Out Möglichkeit findest du auf unserer Datenschutzseite.