Aktualisiert am 14. Oktober 2019 · Arbeitsleben · von

So eine verf*** Sch*** – Warum Fluchen im Job gut für dich ist

Lesezeit: 3 Minuten

Wer in der Arbeit flucht, wirkt auf seine Kollegen ehrlicher, glaubwürdiger und überzeugender. So das Ergebnis einer doch ungewöhnlichen Studie. Doch nicht nur für den Teamspirit ist Fluchen im Job gut, es soll sogar körperlich stärker machen …

Da hat man stundenlang am Text gefeilt, das Zwischenspeichern vergessen und plötzlich stürzt der Computer ab. So ein Mist! Der Drucker frisst das Papier, genau dann, wenn man ohnehin schon zu spät zum Meeting kommt und dann hat man noch einen superpeinlichen Tippfehler genau in der Headline übersehen … Verf*** Sch***, das ist ja echt zum Aus-der-Haut-Fahren!!! – Wer seinen Gefühlen in solch ärgerlichen Situationen schimpfend Ausdruck verleiht, machts Studien zufolge genau richtig. Denn Fluchen im Job ist gut.

Soziales Fluchen vs. genervtes Fluchen: Team-stärkend und stresslindernd

Prinzipiell unterscheiden die Studien zwei Formen des Fluchens. Das „genervte“ dient dem Stressabbau – etwa wenn man seiner Wut über den ständigen Papierstau im Drucker Luft macht. Das „soziale Fluchen“ hingegen zeigt Solidarität mit Kolleginnen und Kollegen. Es stärkt damit die zwischenmenschlichen Beziehungen und wirkt positiv aufs Team. Wichtig dabei: Die Wut darf nicht in Beleidigungen ausarten und auch schimpfen über Kollegen oder den Chef ist weniger förderlich. Ärger über Gegenstände oder Situationen ist aber in Ordnung.

Fluchen im Job - ja oder nein

Die Vorteile des Fluchens

Emotionen kommen besser an

Warum Fluchen im Job prinzipiell positiv wirkt, zeigen nicht nur die oben genannten Beispiele, auch unser Gehirn ist daran schuld. Schimpfwörter werden nämlich im selben Teil des Gehirns gespeichert wie Emotionen, und diese merkt man sich stärker als reine Informationen. Was fluchend geäußert wird, kommt bei anderen also besser an. Zudem wirken Menschen, die ihren Ärger impulsiv zeigen, glaubwürdiger und authentischer – solange es nicht zum Dauerzustand wird.

Weniger Schmerzen, mehr Stärke

Und noch etwas kann das Schimpfen: Es ersetzt das Fitnessstudio, wenn man einer Studie von 2009 glaubt. Testpersonen, die vor Kraft- und Ausdauerübungen fluchten, konnten um fast fünf Prozent schneller in die Pedale treten und ihr Handgriff war um zwei Kilogramm stärker als bei nicht-fluchenden Probanden. Die Vermutung: Fluchen enthemmt Menschen. Man denkt dadurch weniger über die Folgen von Überanstrengung nach und gibt Vollgas. Eine weitere Studie zeigte sogar geringere Schmerzempfindlichkeit, die vom Fluchen herrühren soll. Der Zusammenhang konnte wissenschaftlich aber nicht erklärt werden.

Fluchen füllt die Kasse

volles fluchglas

Das Fluchglas: Jedes Schimpfwort füllt die Kasse

Von keiner Studie nachgewiesen, aber Fakt ist: Wer fürs Fluchen immer ein paar Münzen ins Fluchglas werfen muss, flucht dadurch wahrscheinlich nicht weniger, fettet damit aber die Teamkasse auf. Vielleicht stellt ihr ja mal eins auf und schaut, wie schnell es voll ist … Das nächste Teamevent kann kommen! ;)

Wer flucht wo am liebsten?

Schimpfen ist menschlich und Kraftausdrücke helfen uns dabei, aufgestaute Emotionen zu artikulieren und loszuwerden. Hat das Dampfablassen auch am Arbeitsplatz seine Berechtigung, wer flucht am häufigsten und wo wird am meisten geschimpft? Eine Studie von Wrike untersuchte, wie die informelle Kommunikation am Arbeitsplatz abläuft und bei wem Schimpftiraden an der Tagesordnung stehen. Befragt wurden dafür mehr als 1.500 Angestellte in den USA. Das Ergebnis: Die Fluchenden sind mit 57 Prozent in der Mehrheit. 41 Prozent finden dagegen, dass Schimpfereien im Job zu unprofessionell sind. Einige Ergebnisse aus der Wrike-Studie:

  • Fluchen ist analog: Wer Schimpfwörter sprechen lässt, tut das am liebsten unter Seinesgleichen. 94 Prozent fluchen bei zwischenmenschlichen Gesprächen, 36 Prozent am Telefon. Wird schriftlich kommuniziert, z. B. per E-Mail oder Messenger, wird weniger häufig geflucht.
  • An diesen Plätzen wird der rauhe Ton bevorzugt: am Schreibtisch und in privaten Meetings.
  • Fluchen – und das vor Kunden oder Klienten? Geht gar nicht, meinen 62 Prozent und tun das niemals. Zwei Prozent schimpfen aber auch in Gegenwart von Kundschaft regelmäßig.
  • Auch wenn am Arbeitsplatz Schimpfwörter an der Tagesordnung stehen und man selbst nicht mitflucht: Laut Wrike-Studie fühlen sich nur 0,6 Prozent der Befragten durch den Sprachgebrauch im Job gestört.

Was sagst du zu Kraftausdrücken am Arbeitsplatz: Fluchen – ja oder nein?

Bildnachweis: shutterstock/Dean Drobot, Suzanne Trucker

Redaktion

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