Arbeiten und Bewerben bei NGOs: „Es wird immer professioneller“

von in Arbeitsmarkt, HR am Dienstag, 10. Juni 2014 um 10:34

Bei einer Non-governmental Organization (NGO) zu arbeiten ist irgendwie Ehrensache. In den vergangenen Jahren hat sich in diesem Bereich viel getan und die wirtschaftliche Lage hat die NGO-Landschaft stark verändert und professionalisiert. Welchen Einfluss dies auf Bewerbungen hat und weshalb in Zukunft alle im selben Teich nach Bewerbern fischen werden, erklärt Licht für die Welt-HR-Leiter Stephan Spatt im Interview.

„Der Gewinn liegt in etwas anderem als Geld“

Welche Rolle spielen NGO-Jobs am Arbeitsmarkt?

Stephan Spatt

Stephan Spatt

Stephan Spatt: Generell kann man das nicht beantworten, die NGO-Landschaft ist breit und umfasst viele Aufgabengebiete. Was wahrscheinlich alle vereint, ist die soziale Ausrichtung, weil es nicht darum geht, Gewinne zu erzielen. Der Gewinn liegt in etwas anderem als Geld.

Was hat sich in den vergangenen Jahren getan?

Stephan Spatt: Die Sichtweise hat sich gewandelt. Hieß es früher noch, dass NGOs unprofessionell arbeiten, so ist dies heute nicht mehr der Fall. Viele arbeiten sogar sehr professionell und zwar auch, weil sie müssen. Die Mittel sind immer weniger geworden und die Anforderung ist, dasselbe oder sogar mehr als früher zu erreichen. Das bedeutet einerseits eine gewisse Professionalisierung, andererseits führt es dazu, dass sich NGOs immer mehr den Kriterien der Privatwirtschaft unerwerfen müssen.

Sie sind HR-Verantwortlicher bei Licht für die Welt. Gibt es beim Recruiting selbst Unterschiede?

Stephan Spatt: Ja. Ein wesentlicher Unterschied ist, dass man in NGOs kritischere Personen anzieht und dass bei uns neben der fachlichen und der persönlichen Qualifikation auch ganz stark die Identifikation mit dem Mandat im Vordergrund steht. Wenn jemand sagt, es ist mir egal, was ihr macht, wird das wohl auf lange Sicht nicht funktionieren. Wenn man viel Geld oder Karriere machen möchte, wird er sich wohl ohnehin nicht für eine NGO entscheiden. Die Gehälter sind gerade bei höheren Positionen meistens immer noch deutlich unter jenen der Privatwirtschaft.

Stärkerer Wunsch nach Sinn während der Krise

Wer bewirbt sich bei Ihnen?

Neubeginn nach KriseStephan Spatt: Das kommt ganz auf die Situation an. Während der Finanzkrise etwa haben wir sehr viele Bewerbungen aus der Privatwirtschaft bekommen. Eines der gängigsten Argumente war: „Ich möchte etwas Sinnvolles tun“.

„Wofür setze ich meine Arbeitskraft ein?“

Wird dieser Wunsch, etwas Sinnvolles zu tun, generell mehr? Merken Sie dies an Bewerberzahlen?

Stephan Spatt: Das kommt ganz darauf an, welche Stelle wir ausschreiben. Aktuell haben wir eine Position für Öffentlichkeitsarbeit ausgeschrieben, da kann es schon sein, dass an die 300 Bewerbungen kommen  – weil es da auch wahnsinnig viele Personen aus der Privatwirtschaft gibt. Bei Programmkoordinatoren, die sehr inhaltlich arbeiten, gibt es deutlich weniger. Bei Jobs, wo sich das überschneidet, spüren wir aber schon eine Zunahme. Ein starker Schub war – wie gesagt – während der Finanzkrise, das ist dann wieder abgeflacht. Was jetzt kommt, ist, dass es bei vielen Menschen ein gewisses Umdenken gibt. Früher kamen mehr Bewerbungen aus der Szene, also von Menschen, die Bereits im NGO-Bereich tätig waren. Heute ist das anders. Viele stellen sich die Frage: Wofür setze ich meine Arbeitskraft ein?

Gute, interessante Arbeitsbedingungen als größte Herausforderung

Haben Sie durch den großen Zulauf keine Probleme, Stellen zu besetzen?

NGO begehrter ArbeitgeberStephan Spatt: Ist für uns auch schwierig, bestimmte Stellen zu besetzen und wirklich gute Leute zu finden. Wir sind ja auch nicht der einzige Arbeitgeber in diesem Gebiet und stehen noch dazu nicht so sehr in der Öffentlichkeit wie manch andere Organisationen. Die größte Herausforderung ist es, gute, interessante Arbeitsbedingungen zu bieten, die für bestens qualifizierte Personen ansprechend sind.

„Fischen mehr und mehr im selben Teich nach qualifizierten Bewerbern“

Wie denken Sie wird sich die Situation von NGOs in Zukunft entwickeln?

Stephan Spatt: Die Professionalisierung wird sich auf jeden Fall fortsetzen. Für Arbeitsmarkt oder Recruiting heißt das aus meiner Sicht, dass es immer mehr verschwimmen wird, ob es sich um ein privates Unternehmen oder einen Verein handelt. Ich denke auch, dass sich die Gehälter immer mehr angleichen werden. Wir fischen mehr und mehr im selben Teich nach qualifizierten Bewerbern.

Zur Person: Stephan Spatt

Stephan Spatt ist HR-Teamleiter bei Licht für die Welt und zudem für die Organisationsentwicklung zuständig. Der Betriebswirt hat neben der Personalverantwortung für das Büro in Wien mit 47 hauptamtlichen Mitarbeitern unter anderem den Aufbau der Länderbüros von Licht für die Welt in Burkina Faso, Mosambik und Äthiopien geleitet.

Bildnachweis: Licht für die Welt, Rawpixel /Quelle Shutterstock, Brian A Jackson /Quelle Shutterstock, racorn /Quelle Shutterstock

 

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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