Erstellt am 25. September 2019 · Arbeitsleben · von

Write it down: ein Plädoyer fürs Schreiben mit der Hand

Lesezeit: 5 Minuten

Die Technologien des digitalen Zeitalters haben das Schreiben per Hand mit Stift und Papier so gut wie obsolet gemacht. Eine Entwicklung, über die wir kritisch reflektieren sollten. Denn unzählige Studien bezeugen: Unser psychisches Wohlbefinden profitiert wesentlich vom Schreiben mit der Hand. Welche Vorteile das geschriebene Wort noch birgt und wie du damit deine Ziele schneller erreichen kannst, liest du hier nach.

Untersuchungen zeigen: Kinder können nicht mehr mit der Hand schreiben

Wir befinden uns in der Epoche der digital natives. Wo Kinder vor zehn Jahren noch nach draußen gescheucht wurden, um sich eigenständig an der frischen Luft zu beschäftigen, werden ihnen heute immer früher technologische Devices in die Hand gedrückt, um sie vor der Langeweile zu bewahren und fit zu machen für die technikdominierte Welt.

Kinderärzte warnen jedoch, dass die exzessive Nutzung von Touchscreens schwerwiegende Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern hat. Die Fingermuskulatur ist bei ihnen nicht einmal mehr stark genug ausgeprägt, um einen einfachen Stift richtig in der Hand zu halten. Außerdem mangelt es ihnen an Handstärke und Geschicklichkeit. Das größte Problem: Mit der Entwicklung einer eigenen Handschrift kristallisieren sich gleichzeitig die Kommunikationsfähigkeiten eines Menschen heraus. Wird das eine vernachlässigt, leidet logischerweise auch das andere. Und wenn es eines gibt, wovon man nicht genug haben kann, dann ist es Kommunikationsstärke.

Schreiben verbessert das Erinnerungsvermögen

In der Schule wurde mir immer eingebläut: Was man mit der Hand aufschreibt, bleibt einem länger im Gedächtnis. Und auch auf der Universität hat sich gezeigt, dass sich der Lernstoff viel leichter verinnerlichen ließ, wenn ich ihn auf Papier festhielt anstatt in meinem Laptop. Dafür gibt es auch eine einfache Erklärung: Informationen, die wir mit der Hand niederschreiben, werden in einem eigenen Teil des Gehirns verarbeitet und abgespeichert und bleiben deswegen über einen längeren Zeitraum erhalten.

Schreiben ist außerdem dafür bekannt, die Konzentration zu fördern. Diese Handlung fordert uns nämlich in erster Linie dazu auf, intensiver über abstrakte Dinge nachzudenken und ihnen eine Form zu verleihen – etwaige Ideen und Geistesblitze werden somit greifbarer und lassen sich in weiterer Folge leichter umsetzen. Probleme, denen man auf den ersten Blick nicht Herr werden kann, können auf kleine Schritte heruntergebrochen werden, die dann nicht mehr so einschüchternd wirken. Dadurch erleichtert sich auch die Priorisierung von Aufgaben, die aus den einzelnen Schritten abgeleitet werden können.

Mehr Struktur und psychisches Wohlbefinden

Bei dir ist der Alltag vermutlich von Hektik geprägt. Zwischen Job, häuslichen Verpflichtungen, Hobbys, Freunden und Familie ist es gar nicht so ungewöhnlich, hier und da einmal den Überblick zu verlieren. Ein bewährtes Allheilmittel: Die To-do-Liste. Studien haben gezeigt, dass jene Menschen, die ihre Tage anhand dieser strukturieren, viel produktiver und effizienter sind. Sogar das Stressempfinden konnte nachweislich durch dieses banal wirkende Werkzeug gemindert werden. Die wichtigsten Tasks werden zum einen nicht vergessen. Und zum anderen löst das Abhaken erledigter Aufgaben ein positives Gefühl in uns aus.

Auch unsere psychische Hygiene profitiert von regelmäßigem Schreiben. Haben wir viel um die Ohren, belastet uns das oft sogar im Unterbewusstsein und schränkt uns im Alltag ein. Bei sogenannten „brain dumps“ schreibst du dir alles, was dich bedrückt oder stresst, von der Seele und bekommst dadurch den Kopf frei für das, was wirklich zählt. Du bist danach nicht nur produktiver, sondern auch kreativer – und hoffentlich zufriedener.

Und ein Tipp für Notfälle, wenn du dich über einen Kollegen ärgern musst oder irgendetwas anderes Unerfreuliches erlebt hast: Schreib den Grund für deinen Unmut auf, wirf den Zettel weg und trenn dich damit symbolisch von deinen negativen Gedanken. Das kann dir in Momenten, in denen du dich hilflos fühlst, dein Kontrollgefühl zurückgeben.

Schreib dich gesund

Zwei kanadische Professoren haben sich eingehend mit den Vorteilen von Schreiben beschäftigt und untersucht, welchen Einfluss die Verschriftlichung unserer Ziele auf deren Verwirklichung und welche gesundheitlichen Effekte Schreiben hat. Dabei stützten sie sich auf die Erkenntnisse des amerikanischen Psychologieprofessors James Pennebaker, demzufolge das verschriftlichte Narrativ sowohl die mentale als auch die körperliche Gesundheit verbessert.

Zum Zweck der Untersuchung wurden zwei Gruppen geformt. Während die eine dazu angehalten wurde, über traumatische, persönliche Ereignisse zu schreiben, sollte die andere willkürlich drauf loslegen. Nach drei Wochen erhob man dann den allgemeinen körperlichen Gesundheitszustand der Teilnehmer und siehe da: Die erste Gruppe hatte ihn merklich verbessern können und gab an, nun viel zufriedener mit dem eigenen Leben zu sein. Kürzlich entlassene Arbeitnehmer fanden schneller wieder einen Job, Studenten erhielten durchschnittlich bessere Noten. Der Ausprägungsgrad von Angststörungen und Depressionen konnte ebenfalls reduziert werden.

Als Grund für diese positiven Entwicklungen nennt Pennebaker die Entwicklung eines kohärenten Narrativ. Sorgfältiges, durchdachtes Schreiben organisiert und strukturiert Erinnerungen und ist quasi die formalisierte Form des Denkens. Ausgehend davon werden die Menschen befähigt, ihre Handlungen in der Vergangenheit zu analysieren und reflektieren und in weiterer Folge zu verstehen, warum die Konsequenz aus eben dieser Handlung zum Beispiel negativer Natur war. Diese Erkenntnis erlaubt es Menschen, ihr zukünftiges Verhalten zu adaptieren und die Wiederholung vergangener Fehler zu vermeiden. Gleichzeitig fällt es leichter, (schlechte) Erinnerungen an Vergangenes loszulassen und zu akzeptieren, dass daran nichts mehr geändert werden kann.

Schriftlich festgehaltene Ziele werden eher erreicht

Die Formulierung (und natürlich anschließende Verfolgung) von Zielen hat einen wesentlichen Einfluss auf das Verhalten und die Befindlichkeit eines Menschen. Denn damit wird die Zukunft als ein zeitlicher Ort wahrgenommen, für den Mühe und Anstrengung in der Gegenwart sich lohnen. Diese Aufwertung fördert nicht nur positive Emotionen, sondern beseitigt im gleichen Zug Unsicherheiten und Zweifel.

Allerdings ist es wichtig, zwischen den zwei primären Motivationsformen zu unterscheiden: intrinsisch und extrinsisch. Selbst definierte Ziele, die im Einklang mit unseren Interessen und Werten stehen, sind bewiesenermaßen effektiver als Ziele, die uns von anderen gesetzt werden, und werden deutlich häufiger umgesetzt. Kommt der Druck von außen (beispielsweise ausgelöst von Verwandten, Schuldgefühlen oder der eigenen unrealistischen Erwartungshaltung), dann geht das mit negativen Emotionen einher. Das schränkt vor allem jene Ausdauer ein, die wir benötigen, um unsere Pläne auch tatsächlich verwirklichen zu können.

Spezifische Ziele statt vager Ansprüche

Wenn du dich daran machst, deine Zukunft zu planen, dann greifst du mit Gedanken wie „Hauptsache ich gebe mein Bestes!“ viel zu kurz. Dein Bestes zu geben ist kein Ziel, sondern nur eine Intention, und die alleine reicht nicht aus, um erfolgreich zu sein. Was du stattdessen benötigst, sind eindeutige, präzise formulierte Ziele, die einer langfristigen Orientatierung folgen. Das verlangt dir ein gewisses Maß an strategischem Denken ab, denn es gilt, auch den Weg zur Umsetzung zu planen und zu meistern – welche Schritte sind notwendig, um den gesamten Prozess zu durchlaufen?

Nimm das große Ganze ins Visier: Wie stellst du dir deine persönliche, beste Zukunft in drei oder fünf Jahren vor? Wie könnte dein Leben aussehen, wenn du dich selber mal ordentlich am Krawattl nehmen und nicht immer alles beiseite oder auf später verschieben würdest?

Es gibt vermutlich unzählige Dinge, in denen du dich verbessern kannst. Fasse bildungs- oder karrierebezogene Ziele, entdecke neue Hobbys oder Talente für dich oder nimm dir vor, deine zwischenmenschlichen Beziehungen auf Vordermann zu bringen. Reservier einfach einmal eine halbe Stunde allein dafür, vor dich hin zu träumen und aufzuschreiben, in welcher Art und Weise du dein Leben verbessern möchtest. Anschließend kannst du diese Verbesserungsmöglichkeiten priorisieren und im Detail ableiten, ehe du dich daran machst, etwaige Strategien für die Umsetzung zu planen.

Dabei ist wichtig, auch die eigene Motivation miteinfließen zu lassen. Ein banales Beispiel: Nehmen wir an, du möchtest mehr Bücher lesen. Das kann verschiedene Gründe haben. Zum einen erweiterst du damit dein Wissen und steigerst deine Fähigkeit zur Empathie. Du verfügst gleichzeitig aber auch über neues, spannendes Material, über das du dich mit Freunden, Arbeitskollegen oder deiner Familie austauschen kannst – und damit deine Beziehung zu ihnen vertiefst. Trittst du einem Buchclub bei, lernst du neue Leute kennen und brichst vielleicht sogar aus deiner Komfortzone aus. Wie du siehst, kann ein unbedeutend wirkendes Ziel ganz nach dem Schneeballprinzip eine Vielzahl an weiteren Veränderungen in deinem Leben bewirken.

Welche Ziele willst du erreichen?

Du hast auch Ziele, weißt aber nicht, wie du sie umsetzen sollst? Mit unserer kostenlosen Vorlage kannst du nicht nur deine Vorhaben definieren, sondern auch die Schritte, die dich dorthin bringen. Du kannst sie hier downloaden: Monatliche Ziele

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Bianca Schedlberger

Biancas Traumjob seit Kindertagen? Schriftstellerin, irgendwann. Bis dahin wird für karriere.at fleißig getextet, unter anderem auch Blogposts.

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