Personalchefs verraten: Das sind die absoluten No-Gos in Bewerbungen

von in Bewerbung am Dienstag, 21. August 2012 um 07:23

„Serh geerter Herr …“ Seien es bloß Tipp- oder Flüchtigkeitsfehler, so etwas darf in einer Bewerbung nicht passieren: Denn schlechte Rechtschreibung, schlampige Aufmachung und eine unübersichtliche Formatierung sind, das ergab eine aktuelle karriere.at-Umfrage, absolute No-Gos in Bewerbungen für zwei Drittel der österreichischen Personaler. Für jeden fünften Unternehmensvertreter ist es hingegen am Schlimmsten, wenn eine Standard-Bewerbung eintrudelt.

Mut zur Lücke: Kommentieren statt verschweigen

Weitere zwölf Prozent der 264 befragten Personaler gaben an, dass unkommentierte Lücken im Lebenslauf für sie das größte Ausschlusskriterium darstellen würden. Weitere drei Prozent bezeichneten es als absolutes No-Go, wenn das Foto des Kandidaten in den Unterlagen fehlt – Bewerber, die dies vergessen oder weglassen, würden sie erst gar nicht zu einem Bewerbungsgespräch einladen. Tipp- und Rechtschreibfehler würden sich ja prinzipiell leicht verhindern lassen, doch wie stehen Bewerber grundsätzlich zu den Schreiben, die der Grundstein für eine Karriere sein können? Und fallen Ihnen diese leicht? Auch dies wurde per Online-Umfrage erhoben.

Trick der Bewerber: Alte Unterlagen werden neu adaptiert

Und es zeigt sich: Der größte Teil der Umfrageteilnehmer, nämlich 46 Prozent, gab an, seine fertigen Unterlagen jeweils neu für die aktuelle Bewerbung zu adaptieren. Jeder Dritte der 636 befragten Arbeitnehmer fühlt sich sattelfest beim Aufsetzen seiner Bewerbung und hält das dafür notwendige Wissen als „Allgemeinbildung“. 14 Prozent bitten Freunde und Kollegen um Tipps und sechs Prozent der Befragten gaben an, keine Ahnung zu haben, worauf es bei Bewerbungsschreiben ankommt – sie würden sich im Netz schlau machen. „Die meisten Arbeitnehmer sind hinsichtlich ihres Bewerbungs-Wissens relativ gut aufgestellt. Das eindeutige Votum der Unternehmensvertreter macht jedoch klar, dass vermeidbare Fehler wie schlechte Rechtschreibung, Schlampigkeit und Unübersichtlichkeit in vielen Bewerbungsschreiben Realität sind“, kommentiert karriere.at-Geschäftsführer Jürgen Smid die Umfrageergebnisse.

Hast ist der Feind der erfolgreichen Bewerbungen

Viele dieser Fehler – vor allem Tippfehler – müssten jedoch wirklich nicht sein, und auch wenn man begeistert von einem Jobinserat ist. Hast ist der Feind der Bewerbungen und wirft zudem kein gutes Licht auf den Bewerber. Eine Bewerbung sollte gut überlegt sein, die Unterlagen geprüft und aktuell sein – nichts ist peinlicher, als wenn das Bewerbungsschreiben etwa an den Personaler einer anderen Firma adressiert ist. Zudem sollten mindestens zwei Korrekturleser aus dem Freundes- oder Familienkreis die Texte kritisch durchsehen.

Lebenslauf: Auf Herz und Nieren geprüft

Dass ein professioneller und auf das angestrebte Unternehmen zugeschnittener Lebenslauf das A und O einer Bewerbung ist, zeigen auch ältere Umfragen, wie etwa die Workplace Survey des Personaldienstleisters Robert Half. Demnach investieren rund zwei Drittel aller österreichischen Finanzchefs bis zu 15 Minuten in die Sichtung von interessanten Papieren – 12 Prozent der Befragten gaben sogar an, die Unterlagen bis zu 20 Minuten auf Stimmigkeit zu prüfen. Der Lebenslauf sollte daher, so das Fazit der Studienautoren, inhaltlich wie strukturell überzeugend sein, weiters ist eine gezielte Anpassung an die jeweilige Stellenausschreibung sinnvoll. „Lebensläufe, die offensichtlich einmalig erstellt und dann pauschal für mehrere Stellenangebote genutzt werden, fallen auf und werden nicht selten zur Seite gelegt“, erklärt Sven Hennige, Managing Director bei Robert Half International.

Wenige Minuten entscheiden über eine Karriere

Die Unterlagen müssen einer kritischen Prüfung standhalten – so weit, so gut. Aber wie schafft man es, dass sich die eigene Bewerbung – und zwar positiv! – von anderen abhebt? Und was veranlasst einen Personaler dazu, die eigene Bewerbung in die engere Auswahl zu nehmen? Fünf Minuten – also 300 Sekunden – nimmt sich jeder zweite Personalverantwortliche in Österreich laut einer Umfrage von Robert Half aus dem Jahr 2010 Zeit, um zu entscheiden, ob er eine Bewerbung ein zweites Mal in die Hand nimmt, oder auf den „Leider nicht“-Stapel legt. „Für Bewerber bedeutet dies, dass sie bereits in den ersten Zeilen ihres Anschreibens und des Lebenslaufs punkten müssen“, erklärt Hennige, weshalb alle Alleinstellungsmerkmale, die einen besonders für die ausgeschriebene Stelle qualifizieren, gleich zu Beginn angeführt werden sollten. Und zwar kurz und knackig – denn lange und verschachtelte Kleist-Sätze verwirren auch Personaler.

Alles richtig machen: Von A wie Anschreiben bis Z wie Zusage

Ganz wichtig ist auch, Wert auf das korrekte Anschreiben zu legen. Auf dem Schreibtisch eines Personalchefs landen unzählige Bewerbungen. Falsch adressierte oder fehlerhafte Unterlagen manövrieren einen Kandidaten vielleicht schnell ins Aus.

  • Name des Unternehmens und des Personalchefs richtig anführen
  • Bei Initiativbewerbungen: Vor Versand (telefonisch) nachfragen, an wen man die Unterlagen schicken darf.
  • Aus dem Anschreiben muss hervorgehen, für welche Stelle man sich bewirbt. Im Inserat ist manchmal eine Referenznummer angeführt.
  • Nach dem Versand: Abwarten und Tee trinken. Nicht vorschnell nachhaken, das könnte als lästig gelten. Zwei Wochen Zeit darf man durchaus verstreichen lassen. So hakt man übrigens richtig nach.

Per Kreativ-Bewerbung zum Traumjob – oder doch Flop?

Kreativbewerbung schreiben

Um sich von anderen Bewerbern abzuheben, kann es vor allem in kreativen Branchen – wie etwa Webdesign – ein genialer Schachzug sein, eine Kreativ-Bewerbung anzuhängen. In der Kreativwirtschaft sind solche Bewerbungen, die gleichzeitig ja auch Arbeitsproben darstellen, gern gesehen – ein Bewerber kann so etwa zeigen, ob er vom Stil her zu dem Unternehmen passt. Es geht also auch bei der Kreativ-Bewerbung um die Persönlichkeit, die durch die Sprache der jeweiligen Kunst transportiert wird. Erzwungen sollte die Kreativität jedoch nicht werden und too much ist auch nicht gut. Denn meist ist der erste Adressat einer Bewerbung ein Personaler und dieser sollte rasch erkennen, wer sich für welche Stelle bewirbt. Es gibt jedoch – wie so oft im Bewerbungsprozess – auch hier nur Richtlinien, denn am Ende kommt es immer auf das jeweilige Unternehmen, die ausgeschriebene Position und die Menschen an, die miteinander zu tun haben. Inspiration für kreative Bewerbungen gibt es übrigens zahlreiche – und zwar online, etwa auf vizualresume.com oder mashable.com

Auf die Soft Skills kommt es an

Hat es die Bewerbung auf den „Interessant“-Stapel geschafft, sind es in vielen Fällen die Soft Skills, die den endgültigen Ausschlag für die Einladung zu einem Bewerbungsgespräch geben. Teamfähigkeit ist hierbei jene Eigenschaft, auf die am meisten Wert gelegt wird, die Kommunikationsfähigkeit eines Bewerbers ist für jeden fünften Personalverantwortlichen wichtig. Hier gilt es daran zu denken, dass auch die Hobbys im Lebenslauf nicht vergessen werden dürfen: Teamsportarten etwa können die im Text beschriebene Teamfähigkeit eines Menschen positiv unterstreichen, mit Hobbys wie „Fernsehen“ wird man hingegen weniger punkten.

Fotos: Colourbox, rawpixel/ Shutterstock

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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