Always On-Mentalität: Flexibel heißt nicht ständig

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 25. April 2013 um 10:24

Das Internet wird für immer mehr Arbeitnehmer selbstverständlich und gerade Jüngere können sich einen Offline-Arbeitsplatz schwer vorstellen. Und, so viel sei an dieser Stelle verraten, man muss keine 30 sein, um sich noch sehr gut an eine Zeit ohne Internet erinnern zu können. Oder an den Ferialjob in einem Büro, in dem nicht einmal der Chef online war. Wozu auch? Heute sieht das Ganze natürlich anders aus – der Großteil der Arbeitnehmer ist online und zwar zunehmend während UND nach der Arbeit. Wie jedoch umgehen, mit der Always On-Mentalität?

Klare Vereinbarungen über die Erreichbarkeit fehlen

Wie eine aktuelle Studie des Hightech-Verbandes BITKOM zeigt, sind drei Viertel aller Berufstätigen in Deutschland außerhalb ihrer Arbeitszeiten für Kollegen, Vorgesetzte und auch Kunden per Handy oder E-Mail erreichbar. Nur für 16 Prozent bedeutet Dienstende wirklich Dienstende. Wie die Umfrage unter 505 Berufstätigen und Personalverantwortlichen weiters zeigt, gibt es in 62 Prozent der Unternehmen keinerlei Vorgaben, wann die Mitarbeiter erreichbar sein sollen/können/müssen. „Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollten klare Vereinbarungen über Arbeitszeiten und Erreichbarkeit treffen“, fordert BITKOM-Präsident Dieter Kempf. Insbesondere notwendig sei diese Maßnahme, da feste Arbeitszeiten und ortsungebundene Arbeitsplätze für viele Jobs heute nicht mehr zeitgemäß seien.

Fluch oder Segen?

Computer und Handy sind omnipräsent, 87 Prozent aller Berufstätigen arbeiten laut der Studie bereits per Computer und/oder Smartphone. Und das immer öfters im Home-Office oder unterwegs. Die Meinungen darüber, ob die mobile Arbeit Fluch oder Segen ist, gehen weit auseinander. Während etwa vier von fünf Berufstätigen meinen, durch Smartphone & Co. lassen sich Beruf und Familie besser vereinbaren, geben 55 Prozent der Befragten auch an Angst zu haben, dass sich durch Home Office Arbeit und Freizeit zu stark vermischen.

Moderne Arbeitskonzepte sind nötig

Ziel sollten moderne Arbeitskonzepte sein, die zum einen die Vorteile der neuen Technologien zur Gänze ausschöpfen, zum anderen aber den Nachteilen im Arbeitsalltag begegnen, so das Fazit der Studienautoren. Denn aktuell würden viele Berufstätige unter ihrem ständigen Standby-Modus leiden, so Kempf. Deshalb hat die BITKOM nun Regeln für Unternehmen und Berufstätige aufgestellt, um den Umgang mit modernen Kommunikationsmitteln zu verbessern:

Regeln für Unternehmen: Zielerreichung geht vor Anwesenheit

  • Klare Regeln: Vertrauen ist gut, Kontrolle besser. Geht es um flexible Arbeitszeiten, ist Kontrolle meist schwierig. Klare Regeln, an die sich alle halten, schaffen hier Vertrauen.
  • Leistung vor Anwesenheit: Die Leistungen der Mitarbeiter sollten objektiv definiert und gemessen werden. Zudem: Am Ende zählt die Leistung, nicht die abgesessenen Stunden.
  • Technologien nutzen: Durch Tools wie interne soziale Netzwerke kann die flexible Arbeit unterstützt werden.
  • Chef bleiben: Der Kontakt zur Führungskraft darf auch durch die Distanz nicht verloren gehen.
  • Der Schuh muss passen: Ein neues Arbeitsmodell muss auch zum Unternehmen passen.

Regeln für Arbeitnehmer

  • Selbstorganisation: Wer flexibel arbeiten will, braucht ein hohes Maß an Selbstorganisation. Verlässlichkeit ist zudem ein Muss.
  • Selbstschutz: Flexibel bedeutet nicht ständig. Deshalb ist es wichtig, Grenzen zu setzen und auf deren Einhaltung zu achten.
  • Präsent bleiben: Gerade jene Mitarbeiter, die seltener im Büro sind, müssen darauf achten, dass ihre Leistungen sowie die soziale Rolle im Team wahrgenommen werden.
  • Kommunizieren: Es ist wichtig, mit anderen zu kommunizieren und die Ergebnisse der Arbeit transparent zu halten.

Bildnachweis: Yuri Arcurs / Quelle Shutterstock, Hasloo Group Production Studio / Quelle Shutterstock, BITKOM

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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