Erstellt am 14. September 2020 · Arbeitsleben, HR, Podcast · von

Podcast: Wie bleib ich zufrieden im Job? Was Arbeitgeber und Mitarbeiter dafür tun müssen

Lesezeit: 4 Minuten

Zufrieden sein im Job, das wollen wir doch alle. Aber sollten wir nicht sogar glücklich sein? In der neuen Podcast-Folge diskutieren Karrierecoach und Psychotherapeutin Sonja Rieder und Employee-Experience-Experte Max Lammer darüber, wie man im Job zufrieden bleibt, ob das überhaupt genug ist, und welche Rolle der Arbeitgeber und das Gehalt dabei haben.

Ist Zufriedenheit im Job genug?

Zufriedenheit ist etwas Wunderbares – aber reicht es, um sich auch langfristig im Job wohlzufühlen? Den echten „Traumjob“ finden immerhin nur wenige und für den Job „zu brennen“ bringt immer auch die Gefahr des Burnouts mit sich. Ist Zufriedenheit also besser als Leidenschaft? „Auf lange Sicht“, so Psychotherapeutin Sonja Rieder „ist es besser, Zufriedenheit anzustreben und nicht immer auf den nächsten Kick zu warten.“ Diese „Kicks“ sind aber sehr wichtig, damit uns nicht langweilig wird.

In diese Richtung könnte man auch die Ergebnisse unserer Studie (R)Evolution Arbeit (2019) interpretieren: 78 Prozent gaben damals an, zufrieden mit ihrem Job zu sein, dennoch machten sich 70 Prozent regelmäßig Gedanken über einen Jobwechsel. Nur 63 Prozent konnten sich mit ihrem Arbeitgeber und dessen Werten identifizieren. Zufriedenheit scheint also nicht zu reichen, um Mitarbeiter langfristig im Unternehmen zu halten. Max Lammer erklärt das folgendermaßen: „Zufriedenheit ist zwar in Ordnung, aber für das, was Unternehmen brauchen, ist es zu wenig. Du kannst grundsätzlich zufrieden sein im Job, bist aber nicht engaged. Je besser deine Experience ist, umso höher ist dein Engagement.“

„Passt scho“: Wir belügen uns vor anderen gerne selbst

Das Wichtigste am Weg zu mehr Zufriedenheit im Job, ist aber erst mal das Eingeständnis, dass man eben nicht mehr zufrieden ist. Mit Aussagen wie „passt schon“ oder „im Großen und Ganzen bin ich eh zufrieden“ wollen wir gern davon ablenken, dass wir mit einigen Dingen eben nicht mehr einverstanden sind. Haben wir das aber erst mal akzeptiert, können wir überlegen, was es denn ist, das nicht mehr passt und was wir daran ändern können. Karrierecoach Sonja Rieder gibt dabei zu bedenken, dass das nicht immer möglich ist. „Es geht oft auch darum, einen Frieden zu schließen mit einer unangenehmen Situation.“

Was wir tun können, um im Job zufrieden zu bleiben

Diese unangenehmen Situationen hatten oder haben wir aufgrund der Corona-Krise aktuell mehr, als uns lieb ist. In unserer diesjährigen Studie haben wir erfragt, inwiefern Corona die Jobwechselwilligkeit beeinflusst. Über die Ergebnisse haben wir in diesem Artikel berichtet. Das Thema Zufriedenheit ist dabei weit wichtiger geworden, als es noch im Vorjahr war. Die zweithäufigste Antwort auf die Frage nach dem Einfluss von Corona auf einen Jobwechsel lautete nämlich: „Ich möchte meine Talente für mehr Zufriedenheit nützen.“ Wie das funktionieren kann, beantwortet Sonja Rieder so: „Ein Jobwechsel ist oft sehr aufwendig oder überhaupt nicht möglich. Ich würde daher das Naheliegende versuchen und im Sinne des Jobcrafting kleine Veränderungen an der aktuellen Rolle vornehmen: neue Aufgaben übernehmen, eine Weiterbildung absolvieren, vielleicht in eine andere Abteilung wechseln.“

„Ich würde daher das Naheliegende versuchen und im Sinne des Jobcrafting kleine Veränderungen an der aktuellen Rolle vornehmen: neue Aufgaben, eine Weiterbildung oder in eine andere Abteilung wechseln.“

Manchmal ist ein Jobwechsel unvermeidbar, doch auch der kann ein Wechsel vom Regen in die Traufe sein, erklärt Max: „Oft ist es nicht der Job, der uns nicht mehr gefällt, sondern die organisationalen Rahmenbedingungen. Die zu verändern, ist aber schwierig. Denn unsere Organisationen sind oft sehr ähnlich.“ Sonja ergänzt: „Man muss genau überlegen: Ist das Wechselmotiv eines, das mitgehen würde? Dann hat man dieselben Probleme im nächsten Job wieder.“

Wie wichtig Employee Experience für die Zufriedenheit ist

Damit leitet Max Lammer über zur Rolle des Arbeitgebers. Denn klar ist, für Zufriedenheit im Beruf sind beide Seiten verantwortlich. Damit Unternehmen ihren Teil erfüllen können, braucht es , so Max, viel individualisiertere Angebote in der Personalentwicklung. „Das beginnt damit, dass es uns wirklich interessiert, wie es den Mitarbeitern geht“, betont er.

Diese Grundeinstellung ist die Basis, auf der alle weiteren Maßnahmen aufbauen. Und da gibts viele Möglichkeiten, erklärt der Experte, um die Employee Experience zu verbessern: „Arbeitsplatz und Rahmenbedingungen, Tools und Methoden, mit denen man täglich arbeitet, und die gesamte Unternehmenskultur: In diesen drei Aspekten können Arbeitgeber sehr viel zugunsten des Mitarbeiters verbessern. Ebenso wichtig sind die sogenannten Moments that Matter, wie der erste Arbeitstag, aber auch tägliche Moments, wie das Verhalten der Führungskraft. Die müssen Arbeitgeber bewusst gestalten und sich überlegen: Wie gehen wir mit Situationen um, damit der Mitarbeiter sein Arbeitsleben bestmöglich erlebt?“

„Ebenso wichtig sind die sogenannten Moments that Matter (…). Die müssen Arbeitgeber bewusst gestalten und sich überlegen: Wie gehen wir mit Situationen um, damit der Mitarbeiter sein Arbeitsleben bestmöglich erlebt?“

Enttäuschte Erwartungen als Ursache für Unzufriedenheit

Eine weit verbreitete Ursache für Unzufriedenheit sind, so Max Lammer, enttäuschte Erwartungen. Vor allem, wenn der Frust sehr schnell nach der Einstellung eintritt, wird das deutlich. Schuld daran sind, so sind sich beide Gesprächspartner einig, falsche Versprechungen im Vorfeld – oder anders gesagt: Unauthentisches Employer Branding. „Ich glaube, wir wecken oft Erwartungen, die nicht mit der Realität übereinstimmen. Das sorgt dann für Frustration und Enttäuschung“, fasst Max zusammen. Employer Branding muss daher der Wahrheit entsprechen. Das beginnt beim Stelleninserat und geht über den Auftritt auf der Website und den Social Media Kanälen, bis hin zum Umgang miteinander im Arbeitsalltag. Kommunikation ist dabei essenziell, nicht nur in Krisenzeiten. Ein Tipp: Schon im Bewerbungsgespräch sollten die Erwartungen von allen Beteiligten besprochen werden. Was erwarte ich mir als Mitarbeiter? Was erwarte ich mir als Führungskraft? Was erwartet sich das Unternehmen? Wenn diese Fragen bei jedem Mitarbeitergespräch wieder thematisiert werden, ist eine gute Basis für langfristige Zufriedenheit geschaffen.

Sonja Rieder und Max Lammer

Sonja Rieder und Max Lammer

Die ganze Folge zum Anhören

Was Arbeitgeber und Führungskräfte sonst noch für mehr Mitarbeiterzufriedenheit tun können, wofür jeder selbst sorgen kann und welche Rolle das Gehalt dabei spielt, erfahrt ihr in der gesamten Episode 9:

Bildnachweis: shutterstock/GingerKitten; karriere.at

Lisa-Marie Linhart

Lisas Liebe gilt dem Wort und der Musik. Bei uns kombiniert sie beides zu wohlklingenden Blogbeiträgen mit dem richtigen Groove für Themen, die das Arbeitsleben leichter und die Karriereplanung einfacher machen.