29. Mai 2017 · Arbeitsleben · von

Ja zur Gedankenreise! Wie Tagträume deiner Karriere helfen

Physisch zwar bei der Arbeit, aber die Gedanken schweifen ständig ab? Bitte weiterträumen – denn die Luftschlösser sind besser als ihr Ruf. Warum gezieltes Tagträumen gut für uns ist und wie ihr die gedanklichen Streifzüge für eure Karriere nutzen könnt:

Tagträume werden meist als lästige Unterbrechung konzentrierter Phasen abgetan und wer kennt diesen Satz nicht aus seiner Kindheit: Hör auf zu träumen! Dabei können uns die gedanklichen Streifzüge sehr nützlich sein. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig und der Universität York in England haben folgendes herausgefunden: Das gezielte Nachhängen unserer Gedanken sorgt dafür, dass bestimmte Hirnstrukturen effektiver zusammenarbeiten und die kognitive Kontrolle steigern. Das könnte erklären, warum manche Menschen von ihren Tagträumen sogar profitieren können.

Generalprobe im Gehirn

Unkontrollierte Tagträume und die resultierende Unkonzentriertheit haben natürlich auch ihre Schattenseiten: Unfälle oder Fehler können im unaufmerksamen Zustand leichter passieren. Allerdings müssen Tagträume differenzierter betrachtet werden. Neben dem ungewollten Abschweifen der Gedanken gibt es auch kontrollierte, bewusst herbeigeführte Tagträume. Sie können als eine Art Probebühne dienen, auf der wir verschiedene Situationen gedanklich durchspielen oder sogar Probleme lösen.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts und der Universität York haben die positiven Eigenschaften der Tagträume jetzt belegt: „Wir haben herausgefunden, dass bei Menschen, die häufig gewollt mit ihren Gedanken abschweifen, der Stirnbereich der Großhirnrinde dicker ausgebildet ist“, erklärt Johannes Golchert, Doktorand am Leipziger Max-Planck-Institut. „Außerdem hat sich gezeigt, dass sich bei ihnen zwei entscheidende Hirnnetzwerke stärker überlappen. Zum einen das sogenannte Default-Mode-Netzwerk, das besonders aktiv ist, wenn wir unsere Aufmerksamkeit nach innen auf Informationen aus unserem Gedächtnis richten. Zum anderen das sogenannte fronto-parietale Kontrollnetzwerk, das als Teil unseres kognitiven Kontrollsystems unseren Fokus stabilisiert und etwa irrelevante Reize hemmt.“

Erst tagträumen, dann handeln

Wenn beide Hirnnetzwerke stärker miteinander verknüpft sind, kann das Kontrollnetzwerk intensiver auf die losen Gedanken einwirken und ihnen die Richtung weisen. Gezieltes Tagträumen setzt unsere geistige Kontrolle also keineswegs außer Kraft. Wer es schafft, Tagträume zu unpassenden Zeitpunkten zu unterdrücken, zu anderen Zeiten aber auch aktiv zu nutzen, kann großen Nutzen aus ihnen ziehen. Die gedanklichen Streifzüge geben Gelegenheit, in geschütztem Umfeld verschiedene Situationen durchzuspielen oder Lösungswege für knifflige Probleme zu finden. Vor der nächsten Gehaltsverhandlung, der schwierigen Präsentation oder einem Bewerbungsgespräch vielleicht einfach mal die Gedanken schweifen lassen – mit gutem Gewissen.

Bildnachweis: jakkapan/Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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