28. Mai 2018 · Arbeitsleben · von

Warum dein Plan B auch eine schlechte Idee sein kann

Legst du dir vor großen Vorhaben gerne einen Plan B zurecht? Einer Studie zufolge solltest du das vielleicht besser lassen, denn ein Backup-Plan kann unter bestimmten Voraussetzungen zu schlechteren Ergebnissen führen.

Sicher ist sicher! Für den Fall, dass etwas schiefgeht, legst du dir einen Backup-Plan zurecht. Wenn dein Vorhaben scheitern sollte, hast du mit Plan B ja noch ein Ass im Ärmel. Klingt nach einer schlauen Idee, ist es jedoch nicht immer, wie die Zusammenfassung einer Studie durch die Plattform Forschung erleben zeigt. Als „Backup Plan Paradox“ bezeichnen die Forschenden Christopher Napolitano und Alexandra Freund ein Phänomen, bei dem ein Plan B der Umsetzung des Ursprungsplans abträglich ist.

Sie vermuten, dass dieser Effekt auftritt, weil ein ausgearbeiteter Plan B eher genutzt wird und die Überzeugung hinsichtlich Plan A sinkt. So werden weniger Ressourcen in Plan A investiert, außerdem bringt ein Wechsel zu Plan B Leistungseinbußen mit sich. Anstatt den ursprünglichen Plan weiterzuverfolgen, wird – meist vorschnell – zum Backup gewechselt. Die damit verbundene Orientierungsphase kostet Zeit und Energie.

Untersucht wurden diese Annahmen so: Teilnehmer einer Studie sollten sich auf die hypothetische Verhandlung mit einem Chemiekonzern vorbereiten, um ihn von umweltfreundlicheren Praktiken zu überzeugen. Ihnen wurden drei mögliche Verhandlungsstrategien vorgestellt, die sich auf je einen Bereich, z.B. wirtschaftliche Vorteile, bezogen. Daraus sollten die Teilnehmenden ihren Plan A wählen und passende Argumente sichten. Es wurde ihnen außerdem freigestellt, sich auch mit Argumenten der anderen Bereiche zu beschäftigen.

Danach konnten die Teilnehmenden in mehreren Runden auswählen, zu welchem Bereich sie eine Frage erhielten. Dabei zeigte sich, dass Teilnehmende, die sich nur auf Plan A vorbereitet hatten, im Schnitt mehr Fragen richtig beantworteten als jene, die sich in der Vorbereitung auch mit einem anderen Bereich beschäftigt hatten. Wer sich einen Plan B zurechtgelegt hatte, erbrachte schlechtere Leistungen. Je mehr Teilnehmer Zeit in die Auseinandersetzung mit anderen Argumenten investiert hatten und je überzeugter sie von den Alternativen waren, desto eher griffen sie auch auf Fragen aus anderen Gebieten zurück. Dieses Einsetzen des Backup-Plans führte wiederum zu schlechterem Abschneiden.

Ist ein Plan B deshalb immer schlecht? Nein. In vielen Situationen kann ein Backup Sicherheit geben. Die Voraussetzungen dafür: Der ideale Plan B benötigt für die Erstellung nur sehr wenig Ressourcen und fungiert im Ernstfall allenfalls als grobe Stütze. Je detaillierter der Backup-Plan, desto größer die Gefahr, vorschnell darauf zurückzugreifen und sich zwischen beiden Modellen zu verzetteln.

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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