Aktualisiert am 18. März 2019 · Bewerbung, Gehalt · von

Finanztipps vom Profi – Teil 2: Gehaltsfragen im Bewerbungsgespräch

Lesezeit: 7 Minuten

Die Frage nach dem (bisherigen) Gehalt ist vielgefürchtet, doch irgendwann im Laufe der Bewerbungsgespräche fällt sie. Wie reagiert man nun, wenn der Personaler danach fragt? Ein Finanzexperte erklärt uns, warum du dein aktuelles Gehalt nie verraten solltest und wie du möglichst viel aus dem Vorstellungsgespräch rausholst.

„Was haben Sie bisher verdient?“ Die Gehaltsfrage im Vorstellungsgespräch ist eine der wichtigsten, aber auch schwierigsten für Bewerber. Schließlich erhofft man sich vom neuen Job ja auch eine finanzielle Verbesserung und nicht denselben mickrigen Lohn wie im aktuellen Job. Nachdem uns die Finanzplaner von FiP.S im ersten Teil ihrer Serie Tipps fürs perfekte Einstiegsgehalt gegeben haben, erklären sie uns nun, wie man mit der Frage nach dem Gehalt im Bewerbungsgespräch umgeht.

Ein Gastartikel von Florian Märzendorfer, CEO von fip-s.at

Wieso du dein bisheriges Gehalt im Bewerbungsgespräch nicht preisgeben solltest

Was haben Odysseus und die Sirenen mit der Frage nach deinem bisherigen Gehalt zu tun? Die Sirenen entstammen der griechischen Mythologie. Sie waren gefährliche weibliche Fabelwesen, die Seemänner mit ihrem Gesang anlockten (und kentern ließen). Odysseus hatte Angst vor den Sirenen, war aber neugierig, was sie für ihn singen würden. Deshalb ließ er sich von seinen Männern am Mast festbinden. Seine Männer verklebten sich die Ohren mit Wachs. Als er die Sirenen hörte, flehte er seine Männer an, ihn doch freizulassen. Stattdessen zogen sie die Stricke noch enger und er entkam der Versuchung der Sirenen. Sich auf die Sirenen einzulassen, wäre der sichere Tod gewesen.

Etwas Ähnliches passiert im Vorstellungsgespräch bei der Frage nach deinem bisherigen Gehalt.

Du bist nicht auf hoher See, aber trotzdem in gefährlichen Gewässern. Deine Sirenen sind die Personaler und die HR-Abteilung und sie „singen“: „Was haben Sie denn in Ihrem bisherigen Job verdient?“ Wenn du darauf antwortest, wirst du natürlich nicht sterben. Was jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit stirbt, ist deine Chance auf einen richtig großen Gehaltssprung. Deshalb solltest du niemals dein bisheriges Gehalt preisgeben oder es zumindest nicht zu früh verraten.

Aber wieso vermindert das die Chance auf einen großen Gehaltssprung?

Du schränkst damit dein Potenzial nach oben ein. Vielleicht ist die Range des Unternehmens ja viel höher als dein jetziges Gehalt. Wenn du dein bisheriges Gehalt aber nennst, dann ist das automatisch ein Richtwert. Die Wahrscheinlichkeit, dass du jetzt 50 Prozent mehr bekommst, sinkt rapide. Generell solltest du bei einem Vorstellungsgespräch das Thema Gehalt so weit wie möglich nach hinten verschieben.

Der richtige Zeitpunkt für Gehaltsthemen im Bewerbungsgespräch

Über das Gehalt darfst du erst sprechen, wenn du dir sicher bist, dass dich das Unternehmen unbedingt haben will. Stell dir vor, du siehst eine Werbung zu einem technischen Gadget, das du unbedingt haben willst. Egal ob Handy, Tablet, ein spezieller TV, eine Drohne oder ein Robotor-Hund. Tun wir mal so, als wärs letzteres. Nehmen wir an, der kleine Technik-Wauki erfüllt alles, was du dir gewünscht hast. Er schießt Laser aus seinen Augen, kann E-Mails beantworten und zeigt dir deinen aktuellen Instagram Feed. Er ist einfach perfekt. Also gehst du online, suchst nach ihm und findest noch mehr Bestätigung dafür, dass der Robo-Hund wie für dich gemacht ist. Aber er ist noch nicht erhältlich. Es dauert noch eine Woche, bis er offiziell am Markt ist. Also wartest du. In der einen Woche denkst du immer wieder mal daran, wie cool es wird, wenn du mit ihm Gassi gehst. Eine Woche später bist du wieder online …

Und dann siehst du den Preis

Puhh, ganz schön teuer. Richtig teuer sogar. Aber er ist sooo perfekt. Als ob er nur für dich gemacht wurde, und zusätzlich ist er zeitlich begrenzt verfügbar. Also, was solls. Du schlägst zu und kaufst …

Siehst du, was passiert ist?

Du konntest schon gar nicht mehr drauf warten, Robo-Wuffi endlich in Händen zu halten. Der Preis hat dich zwar kurz schockiert, aber im Grunde war er egal.
Wenn du dich an Teil 1 dieser Blogreihe erinnerst, dann sollte dir jetzt noch mehr klar werden, was ich mit dem Satz „Der Preis (= dein Gehalt) ist nur mehr eine Kleinigkeit.“ gemeint habe.

Jetzt stell dir das Gegenteil vor …

Du siehst die Werbung vom Robo-Hund. Aber das erste, das du siehst, ist der Preis. Du denkst dir: „Schaut cool aus, aber der Preis geht gar nicht!“ und beschäftigst dich nicht mehr im Detail damit.

Du bist der Roboter-Hund

In der Bewerbungssituation bist du der Robo-Hund. DU wirst in dem Fall auch „gekauft“, und zwar vom Personaler und der HR-Abteilung. Genau deshalb ist es so wichtig, das Thema Gehalt so lange wie möglich nach hinten zu verschieben und dein bisheriges Gehalt nicht preiszugeben. Dein Gehalt ist in dem Fall der Preis und bevor du darüber sprichst, solltest du sicher sein, dass dich das Unternehmen unbedingt will.

Antworten auf die Frage nach dem Gehalt im Vorstellungsgespräch

Was sagst du jetzt aber, wenn du nach deinem aktuellen Gehalt gefragt wirst? Du kannst dir ja schlecht Wachs in die Ohren stecken und so tun, als ob du die Frage nicht gehört hast. Zumindest empfehle ich dir das nicht. Eine mögliche Antwort auf die Frage kann so aussehen:

  • „Ich habe mit meinem bisherigen Arbeitgeber beim Thema Gehalt Verschwiegenheit vereinbart. Dieses Versprechen möchte ich nicht brechen. Deshalb fühle ich mich unwohl dabei, über mein bisheriges Gehalt zu sprechen. Ich bin mir allerdings sicher, dass wir eine Zahl finden werden, die für uns beide passt und fair ist.“

Wenn du willst, dann kannst du hier auch noch hinzufügen, dass ihr beide zuerst der Meinung sein solltet, dass du genau die richtige Person für den Job bist. Dann wird sich beim Gehalt bestimmt auch eine Lösung finden, die für beide Seiten fair ist. Wenn du zum Beispiel nach zwei bis drei Jahren im ersten Vollzeitjob die Position wechselst, und du weißt, dass du bisher unterbezahlt bist, dann könnte folgende Antwort eine passende Variante sein:

  • „Mein bisheriger Job war meine erste Vollzeit-Position. Ich hatte beim Jobeinstieg also noch wenig Berufserfahrung und habe auch nicht auf marktübliche Gehälter geachtet. Ich denke, dass mein aktuelles Gehalt deshalb für diese Position nicht wirklich aussagekräftig ist. Bevor wir generell über das Gehalt sprechen, würde ich ohnehin lieber noch mehr über die Stelle und zukünftige Aufgaben erfahren. Und vor allem darüber sprechen, was ich für das Unternehmen erreichen kann.

Auch hier verschieben wir das Thema wieder nach hinten. Das machst du übrigens NUR, wenn das Thema zu Beginn der Gespräche oder eben im allerersten Gespräch angeschnitten wird. Vergiss nicht: Im Optimalfall sprichst du erst über das Gehalt, wenn klar ist, dass sie dich unbedingt wollen. Falls die Zeit schon reif ist, konkret über die Vergütung zu sprechen, dann kannst du die Frage nach dem bisherigen Gehalt exakt gleich abwehren. Anstatt das komplette Gehaltsthema nach hinten zu verschieben, sprichst du sofort darüber – nur nicht über dein bisheriges Gehalt.

Im Moment fragst du dich vielleicht noch: „Aber verärgere ich mit dem Verschieben und Verzögern nicht die HR-Manager?“ Einige wenige vermutlich schon. Aber viele beeindruckst du damit. Wenn du top vorbereitet bist und im Gespräch bisher geglänzt hast, dann kann das der letzte Punkt sein, der nochmals unterstreicht, dass du zu den besten Bewerbern gehörst, die sie jemals hatten. Es zeigt, dass du aus anderem Holz geschnitzt bist, als die üblichen Bewerber. Denn die Personaler wissen natürlich auch, dass dich dein bisheriges Gehalt eher einschränkt als beflügelt.

Der Umgang mit besonders hartnäckigen HR-Managern

Was machst du, wenn die HR-Manager nicht lockerlassen? Trotz deiner Antwort bohren sie nach deinem bisherigen Gehalt nach. Nachdem du es nochmal abzuwehren versuchst, sagen sie so etwas wie: „Okay, ich verstehe. Ich brauche aber eine Zahl. Sonst können wir nicht weitermachen.“ Du hast dann im Grunde zwei Optionen:

A) Trotzdem nichts sagen
Du wiederholst sachlich und freundlich deinen Standpunkt und lässt es „drauf ankommen“. Das würde ich machen, wenn dich das Unternehmen bisher sowieso nicht wirklich überzeugt hat und du nicht unbedingt dort arbeiten willst. Du kannst das dann als Training sehen und schauen, was passiert.

B) Du nennst doch eine Zahl
In dieser Zahl inkludierst du aber alles, was du an Benefits & Co. bei deinem bisherigen Unternehmen hast. Du rechnest also die Ersparnis durch eine Kantine, das Firmenhandy, alle Bonuszahlungen, Fortbildungen und jegliche andere Benefits in dein Gehalt ein. Deine Antwort könnte dann so aussehen:

  • „Normalerweise gebe ich mein bisheriges Gehalt nie preis. Aber es wäre wirklich schade, wenn wir nicht weitermachen können, da ich bisher ein sehr gutes Gefühl habe. Also mache ich mal eine Ausnahme. Meine komplette Kompensation beläuft sich aktuell auf 3.100 € monatlich.“

Du kannst hier je nach Situation noch hinzufügen, dass die Jobs aber nicht vergleichbar sind oder du damals weniger akzeptiert hast, weil’s dein erster Job war. Das kommt auf das jeweilige Gespräch und dich persönlich an. Was am besten passt, kannst du vermutlich selbst am besten einschätzen.

Warum bei Gehaltsfragen im Bewerbungsgespräch Vorsicht geboten ist

Eine letzte Sache denkst du dir vielleicht noch: „Ist dieses Katz- und Maus-Spiel wirklich notwendig?“

Kannst du nicht einfach sagen, was du dir vorstellst, und fertig? Erinner’ dich an den beschriebenen Kaufprozess des Hunde-Roboters von oben. Natürlich kannst du einfach sofort sagen, was du bisher verdient hast und was du dir jetzt vorstellst. Die Wahrscheinlichkeit, dass du dich unter Wert verkaufst oder dich selbst sofort rausschießt, steigt damit aber an. Du kannst das auch mit einem ersten Date vergleichen, bei dem du in den ersten zwei Minuten sagst: „Ich will übrigens in den nächsten drei Jahren zwei Kinder und heiraten.“ Manchmal wird das kein Problem sein, doch sehr oft wird das eher damit enden, dass dein Gegenüber davonläuft.

Bei der Geschichte der Sirenen habe ich übrigens einen entscheidenden Teil noch nicht erwähnt. Wenn jemand ihren Gesang hörte, aber ihnen entkam, dann waren die Sirenen dem Tode geweiht. Nachdem sie Odysseus nicht erwischten, stürzten sie sich ins Wasser und starben. In deiner Situation stirbt zum Glück niemand, wenn du der Frage nach dem bisherigen Gehalt entkommst. Ganz im Gegenteil.

Deine Chance auf einen merklichen Gehaltssprung lebt weiter.

Natürlich ist die Frage nach dem bisherigen Gehalt nur ein kleiner Teil deiner gesamten Gehaltsverhandlung. Um laufend und regelmäßig erfolgreich dein Gehalt zu verhandeln, ist mehr notwendig. Du musst ein unentbehrlicher Mitarbeiter sein, du musst eine Antwort (die nicht frech oder konfliktauslösend ist) auf alle Gegenargumente deiner Vorgesetzten haben und du musst wissen, wie du konkret dein Gehalt verhandelst bzw. darüber sprichst. Egal ob beim Jobwechsel oder im bisherigen Job.

Wie du das machst, behandeln wir von FiP.S im Detail in unserem Kurs „Einfach mehr Gehalt – das ultimative Gehaltsverhandlungstraining“. Eine kleine Kostprobe kannst du dir mit dem Fahrplan zur garantierten Gehaltserhöhung (inkl. drei häufiger Gegenargumente und wie du darauf antworten kannst) holen.

Du willst mehr Infos zum Bewerbungsgespräch?

In Sachen Gehalt bist du jetzt sattelfest. In unserem Leitfaden findest du aber noch andere Dinge, die genauso wichtig sind: Alle Infos rund ums Bewerbungsgespräch.

 

Über den Autor:Florian Märzendorfer

Florian Märzendorfer ist Founder & CEO bei fip-s.at und berät Akademiker beim Berufseinstieg und bei der Finanzplanung. Sein Hobby hat Florian quasi zum Beruf gemacht und gibt somit sein Wissen über Gehalt, Versicherungen und Vorsorge auch als Blogger weiter.

 

Bildnachweis: Pressmaster/shutterstock

Redaktion

karriere.at verwendet Cookies, um dein Benutzererlebnis zu verbessern und personalisierte Werbung anbieten zu können. Weitere Informationen und deine Opt-Out Möglichkeit findest du auf unserer Datenschutzseite.