Erstellt am 13. Januar 2020 · Arbeitsleben · von

Abenteuer Auslandssemester: Die Ferne ruft!

Lesezeit: 5 Minuten

Für viele Studenten ist ein Auslandsaufenthalt das Highlight des gesamten Studiums. Während es manche nur für ein Semester in die Ferne zieht, verlegen andere ihre gesamte akademische Ausbildung dorthin. In diesem Artikel haben wir für Interessierte die wichtigsten Infos rund um die Organisation eines Auslandssemesters gesammelt.

Das Auslandssemester

Auch ein Auslandsaufenthalt, der „nur“ ein Semester lang dauert, macht sich bezahlt. Während dieser Zeit besuchst du eine ausländische Hochschule und absolvierst dort Kurse, die dir an deiner Universität oder Fachhochschule angerechnet werden können. Obwohl das Auslandssemester an den meisten Bildungseinrichtungen auf freiwilliger Basis ermöglicht wird, ist es an anderen sogar verpflichtend.

Verlässliche Informationen und Hilfestellungen, die dir bei der Planung helfen, erhältst du im Auslandsbüro deiner Hochschule. Jede Universität bzw. Fachhochschule verfügt über Partneruniversitäten. Im Auslandsbüro wirst du daher ausführlich über deine Möglichkeiten beraten. Bevor du das Gespräch im Auslandsbüro suchst, solltest du dir aber bereits einige Gedanken über deine Vorstellungen und Wünsche gemacht haben. Denn nur so kannst du dir essenzielle Informationen aus dem Gespräch mitnehmen.

Auch Erasmus-Programme werden über Hochschulen organisiert. Erneut ist das Auslandsbüro der erste Anlaufpunkt, um dein Abenteuer in die Wege zu leiten. Bist du mutig und organisiert genug, dann kannst du deinen Aufenthalt als sogenannter Freemover auch auf eigene Faust planen und koordinieren. Das kann aber mitunter ganz schön anstrengend und fordernd sein. Folgende Organisationen und Anlaufstellen beraten dich kompetent und ausführlich:

Wie bewirbt man sich für ein Auslandssemester?

Wie so vieles andere heute wird auch die Bewerbung für ein Auslandssemester an den meisten Universitäten online abgewickelt. Halte am besten trotzdem Rücksprache mit den Kontaktpersonen aus dem Auslandsbüro, nur um sicher zu gehen. Doch was braucht es eigentlich an Unterlagen?

Lebenslauf und Zeugnisse

Auch bei der Bewerbung für ein Auslandssemester ist ein Lebenslauf gefragt, der deine Ausbildung, Berufserfahrung, Sprachkenntnisse und andere Kompetenzen zusammenfasst. Der Europass-Lebenslauf bietet sich hierfür besonders an, weil er die internationale Vergleichbarkeit der Inhalte ermöglicht. Zeugnisse, die deine Angaben bestätigen, sind ebenfalls gefragt. Informationen über deine bisherigen Studienleistungen werden nicht von allen Partneruniversitäten verlangt. Hier legst du bei Bedarf dein Studienblatt dazu. Worauf du ebenfalls nicht vergessen darfst: ein aktuelles Passfoto! Erkundige dich außerdem, in welcher Sprache der Lebenslauf und die Zeugnisse verfasst sein sollen.

Motivationsschreiben

Ähnlich wie beim Motivationsschreiben, das du einer Bewerbung für einen Job beilegst, geht es auch bei der Bewerbung für ein Auslandssemester darum, dich von deiner besten Seite zu präsentieren. Erkläre, warum ausgerechnet du dafür qualifiziert bist, eine Zeit lang im Ausland zu leben. Darüber hinaus solltest du erläutern, weshalb du dich für eine bestimmte Hochschule bzw. für ein bestimmtes Land entschieden hast. Auch hier gilt: Geh sicher, dass du das Motivationsschreiben in der geforderten Sprache abgibst.

Grobes Kursprogramm

Dieser Punkt wird ins Motivationsschreiben integriert. Hier sollst du einen groben Überblick über jene Kurse geben, die du während deiner Zeit an der Partneruniversität belegen möchtest.

Sprachzertifikate

So gut wie jede ausländische Hochschule verlangt das Vorzeigen eines Sprachzertifikats. Manchmal reicht der Nachweis deiner Kenntnisse durch das Maturazeugnis. Ist das bei der von dir gewählten Hochschule nicht der Fall, musst du ein anerkanntes Sprachzertifikat erwerben, zum Beispiel durch den TOEFL-Test.

Empfehlungs- und Referenzschreiben

Viele englischsprachige Hochschulen oder jene, die im südeuropäischen Raum angesiedelt sind, verlangen ein Empfehlungsschreiben. Der Verfasser sollte möglichst objektiv sein, dabei kann es sich um den Arbeitgeber, einen Professor oder einen Lehrer handeln. Dieses Schreiben wird in der Ich-Form formuliert und beurteilt deine Kompetenzen. Es sollte jedoch nicht nur deine Kenntnisse und Fähigkeiten darstellen, sondern auch deine Charaktereigenschaften. Ein Empfehlungs- und Referenzschreiben sollte nicht länger als eine Seite sein.

Finanzielle Bestätigung

Insbesondere nordamerikanische Hochschulen setzen für ein Auslandssemester einen Nachweis über die Zahlungskraft eines Studenten voraus. Dadurch soll sichergestellt werden, dass du die Kosten eines Auslandsaufenthalts auch tatsächlich stemmen kannst. Bestätigt werden kann dies durch deine Eltern oder eine Institution, die dir zum Beispiel mit einem Stipendium finanziell unter die Arme greift. Eine Bank oder ein Rechtsanwalt müssen dieses Formular („Declaration and Certification of Finances“) unterschreiben und damit die Richtigkeit der Angaben bestätigen.

Zwei Anlaufstellen für finanzielle Unterstützung in Form von Stipendien sind:

Woher kamen die Studenten?

Quelle: Erasmus+ Statistiken

Bewerbungsinterview

Ähnlich wie in der Arbeitswelt wird auch bei der Bewerbung für ein Auslandssemester im Rahmen eines Interviews ausgesiebt. In erster Linie sollst du dieses Gespräch dafür nutzen, um dein Interesse an einem Auslandsaufenthalt zu unterstreichen und dich als die richtige Wahl zu präsentieren. Auf Fragen wie diese musst du vorbereitet sein:

  • Warum entscheidest du dich gerade für dieses Land? Warum kein anderes?
  • Was weißt du über dein Zielland?
  • Was bedeutet Kultur für dich?
  • Wo siehst du die Unterschiede zwischen deinem Heimatland und dem Land, wo du dein Semester verbringen möchtest?
  • Warum sollte man sich für dich entscheiden? Warum nicht?
  • Welche Kurse möchtest du belegen?
  • Wie würdest du deine Hochschule an der Partneruniversität repräsentieren?

Es ist durchaus sinnvoll, sich früh mit solchen Fragestellungen auseinanderzusetzen, wenn du am Interviewtag nicht ins Stottern geraten willst. Übe das Gespräch daher zu Hause mit Freunden oder Familienmitgliedern, bis du dich selbstbewusst und sicher fühlst.

Darauf solltest du besonders achten

Finanzierung

Auch wenn die Erfahrungen und Erlebnisse unbezahlbar sind: Ein Auslandsaufenthalt kann ganz schön kostspielig sein. Studierende, die ein Mobilitätsprogramm in Anspruch nehmen, sind glücklicherweise von den Studiengebühren der Partneruniversität als auch von jenen an der eigenen Hochschule befreit. Zusätzlich dazu gibt es für die Dauer des Auslandssemesters Stipendien. Doch finanzielle Zuschüsse dieser Art können nicht alle Kosten decken. Mach dir also früh genug darüber Gedanken, wie du für zusätzliche Reisen, Wohnen und Leben, das Visa und die notwendigen Versicherungen aufkommen willst.

Anerkennung von Lehrveranstaltungen

Damit du auch akademisch von deinem Auslandssemester profitierst und am Ende nicht für die Katz büffeln musst, solltest du sicher sein, dass die von dir besuchten Lehrveranstaltungen an deiner Hochschule zu Hause angerechnet werden können. Das kannst du mit der zuständigen Studienprogrammleitung abklären. Wichtig ist das, weil du dich für ein Stipendium nur dann qualifizierst, wenn die von dir gewählten Kurse angerechnet werden.

Je früher du herausfindest, welche Kurse geeignet sind, desto mehr Spielraum hast du am Ende. Ein Tipp: Die Anrechnung als Erweiterungscurricula funktioniert in den meisten Fällen am unkompliziertesten. Und auch das Schreiben der Master- bzw. Doktorarbeit kann bis zu einem gewissen Grad mit ECTS vergütet werden.

Formalitäten nicht vergessen

Sobald du dir den Studienplatz an der Partneruniversität gesichert hast, kannst du mit der Planung deines Aufenthalts loslegen. Eine geeignete Wohnung findest du am einfachsten über spezialisierte Online-Plattformen. Du kannst dich aber auch bei ehemaligen Outgoings, die an der gleichen Hochschule waren, erkundigen, wo diese untergebracht waren oder ob sie Empfehlungen abgeben können. Den Kontakt zu diesen Personen stellt das Auslandsbüro her.

Verbringst du dein Auslandssemester außerhalb der EU, empfehlen wir dir, dich bei der Botschaft des Ziellandes über Visabestimmungen und Auslandsversicherungen zu informieren. Auch bei der Unterkunftssuche könnte sie eventuell behilflich sein.

Ganz oder gar nicht?

Dir ist ein einziges Semester nicht genug? Wenn Heimweh für dich ein Fremdwort ist und du dich voll und ganz in einer fremden Kultur verlieren möchtest, dann kannst du auch einfach dein gesamtes Studium ins Ausland verlegen. Die Vorbereitungsarbeiten und der Anmeldeprozess unterscheiden sich bei einem Auslandsstudium übrigens nicht von jenen, die für ein Auslandssemester nötig sind. Beraten lassen kannst du dich bei den oben bereits erwähnten Stellen.

Wohin gingen die Studenten?

Quelle: Erasmus+ Statistiken

Goodbye, hometown: Warum lohnt sich das Abenteuer?

Die Planung eines Auslandssemesters kann ganz schön mühsam sein und auch der Aufenthalt selbst ist nicht immer ein Zuckerschlecken. Diese fünf Punkte machen aber jede Anstrengung wett:

  1. Den Horizont erweitern: Endlich mal raus aus der heimischen Wohlfühlzone, weg von den altbekannten Gesichtern. Nichts verändert die eigene Weltanschauung mehr als ein Tapetenwechsel oder der Sprung in eine fremde Kultur.
  2. Eigenständig werden: Probleme lösen ohne den Beistand von Eltern und Freunden, das kann ganz schön hart sein. Aber nichts macht einen erwachsener, als selbstständig fürs eigene Überleben zu sorgen und neue Freundschaften zu knüpfen.
  3. Sprachenkenntnisse aufpolieren: Ein Sprachkurs ist schön und gut, doch dem intensiven Austausch mit Muttersprachlern kann er nicht das Wasser reichen.
  4. Internationale Kontakte: Als Austauschstudent kommst du mit vielen Menschen unterschiedlicher Herkunft in Berührung und schließt hoffentlich auch Freundschaften, die über viele Jahre bestehen.
  5. Lebenslauf aufwerten: Ein Auslandsaufenthalt macht im Lebenslauf einiges her und unterstreicht deine Selbstständigkeit und Organisationsfähigkeit.
Bianca Schedlberger

Biancas Traumjob seit Kindertagen? Schriftstellerin, irgendwann. Bis dahin wird für karriere.at fleißig getextet, unter anderem auch Blogposts.