Erstellt am 10. Juni 2020 · Arbeitsleben · von

Schädliche Schreibtischarbeit: Warum langes Sitzen so ungesund ist

Lesezeit: 4 Minuten

Sitzen ist das neue Rauchen, heißt es. Bürojobs sind aber zumeist mit langem Sitzen am Schreibtisch verbunden und können damit langfristig unserer Gesundheit schaden. In diesem Artikel zeigen wir euch, wie ihr dem Dauersitzen bei der Arbeit ent„gehen“ könnt.

Wie viele Stunden täglich sitzt du? Bei mir sind es … naja, zu viele. Und das macht sich bemerkbar. Verspannungen im Rücken, Kopfschmerzen und kribbelnde Beine sind vielleicht auch deine lästigen Begleiter im Arbeitsalltag. Um sie loszuwerden, gibts zum Glück schlaue Erfindungen und effektive Tipps, die man ganz einfach anwenden kann. Gerhard Altenhofer, Sportwissenschafter und Mitbegründer von Healthquarter erklärt uns mehr dazu.

Gesundheitsrisiko Dauersitzen: Warum Schreibtischarbeit schädlich ist

Eine Warnung vorweg: Wenn du gerne viel sitzt, solltest du diesen Artikel vielleicht lieber nicht lesen. Definitiv nicht solltest du googlen, warum Sitzen so schädlich ist. Was man da zu lesen bekommt, lässt einen allein vor Schreck vom bequemen Sessel hochschnellen. Bequem? Nein, tödlich! Sitzen führt zu Durchblutungsstörungen, Muskelabbau, erhöhtem Diabetesrisiko und wer mehr als drei Stunden täglich am Schreibtisch verbringt, verkürzt seine Lebenserwartung um bis zu zwei Jahre, so die Ergebnisse diverser Studien.

Unkonzentriert und unkreativ: Unser Gehirn sitzt nicht gern

Sportwissenschafter Gerhard AltenhoferSportwissenschafter Gerhard Altenhofer relativiert etwas, betont aber dennoch die negativen Folgen von langer Sitzarbeit: „Per se spricht nichts gegen Sitzen, aber wie so oft macht die Dosis das Gift. Sitzen wir zum Beispiel Stunden vor dem PC, ohne uns zu bewegen, nimmt die Durchblutung im Gehirn ab.“

„Sitzen wir Stunden vorm PC nimmt die Durchblutung im Gehirn ab.“

Dass das für die Arbeit im Büro, die ja häufig Denkarbeit ist, nicht förderlich ist, liegt auf der Hand. „Unser zentrales Denkorgan wird dadurch mit weniger Nährstoffen und Sauerstoff versorgt, welche wir benötigen, um konzentriert, kreativ und entscheidungsfähig zu bleiben beziehungsweise zu werden.“

„Mit zunehmender Sitzdauer nimmt die Speicherung von Fett zu.“

Auch die körperlichen Folgen erklärt Altenhofer: „Des Weiteren nimmt mit zunehmender Sitzdauer die Speicherung von Energie in Form von Fett zu. Dieses gespeicherte (Bauch)Fett kann Auslöser eines entzündungsfördernden Kreislaufes sein, welcher immer öfter im metabolen Syndrom endet: Bluthochdruck, erhöhter Blutzuckerspiegel, Adipositas und gestörter Fettstoffwechsel.“ Ganz schön erschreckend. Doch keine Sorge: Mit Bewegung lassen sich die schädlichen Auswirkungen des Dauersitzens kompensieren.

Bewegung kompensiert das Dauersitzen

Menschen sind Bewegungstiere. Speziell unsere Wirbelsäule ist darauf ausgelegt. „Die Wirbelsäule ist für drei Bewegungsabläufe ausgerichtet: das Beugen und Strecken, die Rotation und die Neigung zu den Seiten. Sie ist nicht dafür gemacht, lange in festen Positionen zu verharren“, schreibt Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer (ja, der Bruder des berühmten Sängers) in seinem „Rückenbuch“ – übrigens eine persönliche Leseempfehlung für alle, die oft Rückenbeschwerden haben.

„Unsere Muskulatur hat die Kraft, die negativen Faktoren von dauerhaftem Sitzen auszugleichen.“

Gerhard Altenhofer ergänzt: „Unsere Muskulatur hat die Kraft – wenn sie regelmäßig bewegt wird, am besten halbstündlich für 1-2 Minuten – die negativen Faktoren von dauerhaftem Sitzen auszugleichen. Wenn wir uns aber nicht bewegen, werden unsere Muskeln abgebaut und Rückenschmerzen sind aufgrund von zunehmenden muskulären Dysbalancen immer öfter die Folge. Integriert man also Bewegungspausen in den Berufsalltag, kann man die Gesundheit in die eigenen Hände nehmen.“

Sitting Breaks: Kurze Bewegungspausen gegen das Nachmittagstief

Bewegung ist also die wenig überraschende Lösung des Sitzproblems. Wer regelmäßig Sport betreibt oder den Arbeitsweg zu Fuß beziehungsweise mit dem Rad zurücklegt, kompensiert das lange Sitzen. Der Sportwissenschafter empfiehlt zudem kleine Bewegungspausen im Arbeitsalltag: „Eine sehr wirksame Möglichkeit, um dem genannten Risiko entgegenzuwirken, ist das Ausüben von Sitting-Breaks. Kurze Bewegungspausen von ein bis zwei Minuten jede halbe Stunde sorgen nicht nur für frische Gedanken, sondern haben auch positive Auswirkung auf den Stoffwechsel und die Muskelspannung im Körper. Atemübungen erweitern diesen Effekt und reduzieren dadurch auch nachweislich das subjektive Stressempfinden.“ In diesem Video zeigt er uns, wie so ein Sitting Break aussehen kann.

Arbeiten im Stehen: Die Lösung gegen Dauersitzen?

arbeiten im stehenAls Alternative zum dauerhaften Arbeiten im Sitzen sind Stehschreibtische eine gute Möglichkeit. Sie gibt es in Form von Schreibtischaufsätzen oder aber als höhenverstellbare Schreibtische, mit denen man zwischendurch im Stehen arbeiten kann. Das ist eine willkommene Abwechslung für unseren Körper, ersetzt aber nicht regelmäßige Bewegung – denn auch Stehen ist langfristig nicht ideal für uns. Wenn man also schon steht, kann man sich auch gleich ein bisschen bewegen. Die „Venenpumpe“, also auf den Zehenballen auf und ab wippen, fördert zum Beispiel die Durchblutung und lässt sich gut mit der Arbeit kombinieren. Wer gern noch mehr Aktivität beim Arbeiten möchte – und gut multitasken kann – der findet vielleicht die Erfindung namens „Laufband-Schreibtisch“ gut …

Der Bügelbrettschreibtisch: Die Homeoffice-Variante fürs Arbeiten im Stehen

Für alle, die im Homeoffice, so wie ich, keinen Schreibtisch haben und trotzdem zwischendurch gern im Stehen arbeiten möchten, empfiehlt sich das Bügelbrett. Dieses Bild auf Instagram hat mich auf die Idee dazu gebracht, es einfach mal auszuprobieren:

bügelbrettstehschreibtisch

Und was soll ich sagen? Endlich habe ich Bügelmuffel eine sinnvolle Verwendung für mein Bügelbrett gefunden. Es wackelt zwar ein bisschen beim Tippen, ist aber insgesamt eine erfrischende Abwechslung zum Arbeiten im Sitzen.

Dieser Artikel wurde im Stehen geschrieben.

Über die Person:

Gerhard Altenhofer ist Sportwissenschafter, Mentaltrainer und Therapeut für klinische Psycho-Neuro-Immunologie. Als Mitbegründer und innovativer Ideengeber von Healthquarter vermittelt er wissenschaftliche Erkenntnisse und individuelle Lösungsansätze für Persönlichkeitsentwicklung, Gesundheit und Leistungsfähigkeit an Einzelpersonen und Unternehmen.

Bildnachweis: shutterstock/fizkes; karriere.at

Lisa-Marie Linhart

Lisas Liebe gilt dem Wort und der Musik. Bei uns kombiniert sie beides zu wohlklingenden Blogbeiträgen mit dem richtigen Groove für Themen, die das Arbeitsleben leichter und die Karriereplanung einfacher machen.