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Jammern stoppen

Als „psychologische Mülltonne“ missbraucht: Wie werd ich die Jammerer los?

Gesundheit Erstellt am: 06. August 2019 3 Min.

Manche Menschen ziehen Suderanten und Jammerlappen förmlich an. Als vertrauensvolle, gutmütige Zuhörer bekannt werden sie schnell zur „psychologischen Mülltonne“, bei denen alle Kollegen ihre Leiden und Probleme abladen. Keine angenehme Situation für die Betroffenen, denn wie kommt man aus dieser Rolle wieder raus? Die Psychologin gibt Rat.

Die psychologische Mülltonne: eine Funktion, in die man reinrutscht

Wie wird man aber zur „psychologischen Mülltonne“, zum Seelsorger oder, wie man es nennen mag? „Das ist eine Funktion, in die man hineinrutscht“, erklärt die Psychologin. Man hört den Kollegen geduldig zu, wenn sie über ihre Probleme reden, zeigt Verständnis und bleibt diskret – mit der Absicht, dem Gegenüber zu helfen oder es aufzumuntern. Genau dazu kommt man aber gar nicht, wenn das Gegenüber lediglich jemanden sucht, bei dem es seinen seelischen Ballast abwerfen kann. Der zieht im Worst Case beide runter.

Das ewige Jammern nervt: So wirst du es los

„Wenn mir ein Kollege ein Problem anvertrauen will, darf ich mich natürlich darum annehmen. Aber oft erzählen dieselben Kollegen dieselben Probleme immer wieder und da muss man die Notbremse ziehen“, empfiehlt Christa Schirl. Das schafft man, indem man vom Zuhörer zum Interviewer wird und dem „Jammerlappen“ konkrete Fragen stellt: Was kann ich in dieser Angelegenheit für dich tun? Was genau brauchst du von mir, wie kann ich dir helfen? Denn Klagen, so Schirl, ist nur die halbe Miete. „Man muss die Menschen wieder in die eigene Verantwortung bringen!“

Zeigen wann genug ist

Dem Jammern Einhalt zu gebieten, erfordert Mut.

Immer dieselbe Leier ruiniert die Stimmung

„Da kann man nichts machen. Du kannst das nicht ändern.“ – Häufig werden konkrete Hilfsversuche mit derartigen Floskeln abgetan. Hier rät Schirl dazu, die Misere offen und mutig anzusprechen, denn Jammern kann das ganze Arbeitsklima vergiften.

„Wenn es nur dazu dient, das Herz auszuschütten, und niemandem gehts danach besser, sollte man den Mut haben, das zu unterbinden.“

Erzählt jemand also schon zum dritten Mal, wie gemein der Chef ist, ohne konkrete Hilfe zu erwarten, weil man an der Situation nichts ändern könne, wirds Zeit, Tacheles zu reden: Was hat das für einen Sinn? Psychologin Christa Schirl rät: „Das kann man ruhig ansprechen. ‚Dir gehts dadurch nicht besser, mir gehts auch schlecht, wenn ich das höre – was hat das für einen Sinn, darüber zu reden, wenn wir es nicht ändern können?‘“

Nix zu machen: Kannst du nicht oder willst du nicht?

Der Weg raus aus der Rolle der psychologischen Mülltonne führt schließlich zur ursprünglichen Intention: zur Verbesserung oder sogar Lösung des Problems. „Wichtig ist, sich in alle Beteiligten hineinzuversetzen und sich zu überlegen, was man ändern kann. Wenn Sie im Urlaub am Strand draufkommen, weder Sie noch Ihr Partner haben ein Handtuch dabei, kann man sich jetzt stundenlang darüber auslassen, wie ärgerlich das ist. Das ändert aber nichts an der Situation. Besser ist, man überlegt sich, wie man zu einem Handtuch kommt.“ Ganz so einfach ist das jedoch nicht immer, denn manches muss man einfach hinnehmen.

„Gewisse Dinge kann ich tatsächlich nicht ändern. Aber wie ich darauf reagiere, das liegt sehr wohl in meiner Verantwortung.“

Christa Schirl
Christa Schirl 300x200

Das ist eine Frage der richtigen Einstellung und auch der richtigen Sprache, zeigt die Psychologin: „Statt mich zu beklagen: ‚Meine Chefin ist Pünktlichkeitsfanatikerin!‘ kann ich auch einfach feststellen: ‚Meine Chefin legt Wert auf Pünktlichkeit.‘ Damit habe ich eine ganz andere Ausgangssituation, um damit umzugehen.“

Richtig helfen: eine Frage der Fragen

Wer seinen Kollegen also gern helfen möchte, ohne zur psychologischen Mülltonne degradiert zu werden, sollte sich nicht mit runterziehen lassen, sondern neutral (in der Sprache) bleiben und Fragen stellen: Wozu wirst du diese Situation nutzen? Wie kannst du aus dem Müll Dünger machen? So erkennt man vielleicht, dass aus Frust neue Ideen entstehen können und hinter jedem Problem auch eine Chance steckt.

Bildnachweis: shutterstock/fizkes, Stefano Garau


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