Zum Seiteninhalt springen
Übersicht Blog & Tipps
Jammern stoppen

Als „psychologische Mülltonne“ missbraucht: Wie werd ich die Jammerer los?

Gesundheit Erstellt am: 06. August 2019 4 Min.

Manche Menschen ziehen Suderanten und Jammerlappen förmlich an. Als vertrauensvolle, gutmütige Zuhörer bekannt werden sie schnell zur „psychologischen Mülltonne“, bei denen alle Kollegen ihre Leiden und Probleme abladen. Keine angenehme Situation für die Betroffenen, denn wie kommt man aus dieser Rolle wieder raus? Die Psychologin gibt Rat.

Die psychologische Mülltonne: eine Funktion, in die man reinrutscht #

Wie wird man aber zur „psychologischen Mülltonne“, zum Seelsorger oder, wie man es nennen mag? „Das ist eine Funktion, in die man hineinrutscht“, erklärt die Psychologin. Man hört den Kollegen geduldig zu, wenn sie über ihre Probleme reden, zeigt Verständnis und bleibt diskret – mit der Absicht, dem Gegenüber zu helfen oder es aufzumuntern. Genau dazu kommt man aber gar nicht, wenn das Gegenüber lediglich jemanden sucht, bei dem es seinen seelischen Ballast abwerfen kann. Der zieht im Worst Case beide runter.

Das ewige Jammern nervt: So wirst du es los #

„Wenn mir ein Kollege ein Problem anvertrauen will, darf ich mich natürlich darum annehmen. Aber oft erzählen dieselben Kollegen dieselben Probleme immer wieder und da muss man die Notbremse ziehen“, empfiehlt Christa Schirl. Das schafft man, indem man vom Zuhörer zum Interviewer wird und dem „Jammerlappen“ konkrete Fragen stellt: Was kann ich in dieser Angelegenheit für dich tun? Was genau brauchst du von mir, wie kann ich dir helfen? Denn Klagen, so Schirl, ist nur die halbe Miete. „Man muss die Menschen wieder in die eigene Verantwortung bringen!“

Zeigen wann genug ist

Dem Jammern Einhalt zu gebieten, erfordert Mut.

Immer dieselbe Leier ruiniert die Stimmung #

„Da kann man nichts machen. Du kannst das nicht ändern.“ – Häufig werden konkrete Hilfsversuche mit derartigen Floskeln abgetan. Hier rät Schirl dazu, die Misere offen und mutig anzusprechen, denn Jammern kann das ganze Arbeitsklima vergiften.

„Wenn es nur dazu dient, das Herz auszuschütten, und niemandem gehts danach besser, sollte man den Mut haben, das zu unterbinden.“

Erzählt jemand also schon zum dritten Mal, wie gemein der Chef ist, ohne konkrete Hilfe zu erwarten, weil man an der Situation nichts ändern könne, wirds Zeit, Tacheles zu reden: Was hat das für einen Sinn? Psychologin Christa Schirl rät: „Das kann man ruhig ansprechen. ‚Dir gehts dadurch nicht besser, mir gehts auch schlecht, wenn ich das höre – was hat das für einen Sinn, darüber zu reden, wenn wir es nicht ändern können?‘“

Nix zu machen: Kannst du nicht oder willst du nicht? #

Der Weg raus aus der Rolle der psychologischen Mülltonne führt schließlich zur ursprünglichen Intention: zur Verbesserung oder sogar Lösung des Problems. „Wichtig ist, sich in alle Beteiligten hineinzuversetzen und sich zu überlegen, was man ändern kann. Wenn Sie im Urlaub am Strand draufkommen, weder Sie noch Ihr Partner haben ein Handtuch dabei, kann man sich jetzt stundenlang darüber auslassen, wie ärgerlich das ist. Das ändert aber nichts an der Situation. Besser ist, man überlegt sich, wie man zu einem Handtuch kommt.“ Ganz so einfach ist das jedoch nicht immer, denn manches muss man einfach hinnehmen.

„Gewisse Dinge kann ich tatsächlich nicht ändern. Aber wie ich darauf reagiere, das liegt sehr wohl in meiner Verantwortung.“

Christa Schirl
Christa Schirl 300x200

Das ist eine Frage der richtigen Einstellung und auch der richtigen Sprache, zeigt die Psychologin: „Statt mich zu beklagen: ‚Meine Chefin ist Pünktlichkeitsfanatikerin!‘ kann ich auch einfach feststellen: ‚Meine Chefin legt Wert auf Pünktlichkeit.‘ Damit habe ich eine ganz andere Ausgangssituation, um damit umzugehen.“

Richtig helfen: eine Frage der Fragen #

Wer seinen Kollegen also gern helfen möchte, ohne zur psychologischen Mülltonne degradiert zu werden, sollte sich nicht mit runterziehen lassen, sondern neutral (in der Sprache) bleiben und Fragen stellen: Wozu wirst du diese Situation nutzen? Wie kannst du aus dem Müll Dünger machen? So erkennt man vielleicht, dass aus Frust neue Ideen entstehen können und hinter jedem Problem auch eine Chance steckt.

Bildnachweis: shutterstock/fizkes, Stefano Garau


Complex avatar 2025 04 23 094739 kakq

Redaktion
Mehr erfahren

  • Beitrag teilen:

Finde jetzt deinen Traumjob auf karriere.at

Jobs finden

Entdecke mehr zu diesem Thema

Diese Pausen gehen immer: Entspannungsübungen für jeden Tag

14. Juli 2021 4 Min.

Keine Zeit für eine Auszeit? Ob im Büro oder im Homeoffice: Für eine kleine Pause sollte immer Zeit sein. Diese kurzen Entspannungsübungen helfen dir, wieder zur Ruhe zu kommen und auch zuhause einen kühlen Kopf zu behalten:

„Ich bin eine Hochstapler*in!“ - Diagnose: Impostor Syndrom

08. November 2021 7 Min.

Das „Hochstapler*innen-Syndrom“, auch „Impostor-Syndrom“ genannt, beschreibt den Glauben an die eigene Unfähigkeit: Eine Prüfung hervorragend bestanden, den begehrten Job bekommen – "Das hab ich eigentlich gar nicht verdient".  Was es heißt, sich trotz eigens erkämpfter Erfolge als Betrüger*in zu fühlen, haben wir mit einer Arbeitspsychologin besprochen.

Führungsposition, nein danke! Warum kaum wer ins Management will

24. September 2019 2 Min.

Eine Führungsposition auf Managementebene ist für viele Arbeitnehmer nicht mehr das oberste Karriereziel – und nicht mal die Manager selbst machen ihre Jobs gern. Warum die Rollen der C – was auch immer für – Os so unbeliebt sind, hat eine Studie erhoben: