Psychologie: Was die Angst um den Job bewirken kann

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 19. Juli 2012 um 10:09

Fürchten Mitarbeiter um ihre Jobs, schadet dies auch den Unternehmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine kürzlich veröffentlichte Studie von Psychologen der Johannes Kepler Universität Linz. Werden die Arbeitnehmer nämlich in Krisenzeiten zu stark unter Druck gesetzt, sind diese eher bereit, das Unternehmen zu verlassen. Den spannenden Zusammenhang zwischen Unsicherheit am Arbeitsplatz und der Bedeutung der Arbeit im Allgemeinen erklärt Forscherin Barbara Stiglbauer.

Arbeitsplatzunsicherheit: Gibt es ein Gegenmittel?

Barbara Stiglbauer, JKU

Barbara Stiglbauer, JKU

Wer schon einmal Angst um seinen Job haben musste, der weiß, wie bedrückend diese Situation ist. Dass die Unsicherheit und die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust negative Auswirkungen haben, ist bekannt und wurde bereits in mehreren internationalen Studien thematisiert und auch bewiesen. Ein Forscherteam der Linzer JKU hat nun jedoch untersucht, welche Faktoren die negativen Konsequenzen von Arbeitsplatzunsicherheit abschwächen können. Die Ergebnisse überraschen und lassen viel Interpretationsspielraum zu.

Hoher Stellenwert der Arbeit

Als wichtiger Faktor im Zusammenhang mit der Arbeitsplatzunsicherheit stellte sich das so genannte Work Involvement heraus. Darunter versteht man den Grad, mit dem sich eine Person mit der Arbeit identifiziert, sprich: wie wichtig einer Person Arbeit ist.  „Basierend auf der Erkenntnis, dass Arbeitslose, die ein hohes Work Involvement haben, schlechter mit der Arbeitslosigkeit umgehen können, dachten wir, dass dies in Zusammenhang mit Arbeitsplatzunsicherheit ähnlich sei. Es gibt jedoch auch Theorien, nach denen der Effekt in die andere Richtung geht, und genau diese haben sich auch in unserer Forschung bestätigt“, erklärt Stiglbauer. Denn die Ergebnisse der Längsschnitt-Studie haben gezeigt, dass sich bei Personen, denen Arbeit generell sehr wichtig ist, Arbeitsplatzunsicherheit weniger stark auf das Wohlbefinden auswirkt als bei jenen, denen Arbeit generell weniger wichtig ist. Weshalb dies so ist, erklärt die Forscherin anhand zweier möglicher Theorien.

Rosarote Brille vs. Vogel-Strauß-Politik

Zum einen könnte es sein, dass Menschen mit hohem Work Involvement durch proaktives Coping reagieren. „Sie bewerten die Situation und Ressourcen einfach besser.“ Eine weitere mögliche Erklärung wäre, dass gerade diese Personengruppe die Arbeitsplatzunsicherheit verdrängt, und nur deshalb damit besser umzugehen scheint. Unabhängig davon, was diese „Widerstandsfähigkeit“ ausmacht, ist diese nicht zeitlos. „Besteht über einen längeren Zeitraum Unsicherheit und Angst um den Arbeitsplatz, so schadet dies auch dem Wohlbefinden von Personen mit hohem Work Involvement.“

Unsicherheit lässt Kündigungsbereitschaft steigen

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist die – weniger überraschende – Tatsache, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen geringem Wohlbefinden und einer höheren Kündigungsabsicht gibt. „Eine mögliche Erklärung hierfür ist jene, dass die Betroffenen fliehen, um dem Stressfaktor Arbeitsplatzunsicherheit zu entkommen. Eine zweite ist jene, dass das Commitment gegenüber dem Arbeitgeber sinkt, wenn der Arbeitnehmer von diesem enttäuscht wurde“, erklärt die Psychologin. Denn wer eine Stelle annimmt, unterzeichnet nicht nur den Arbeitsvertrag auf Papier, sondern geht auch einen „psychologischen Vertrag“ mit dem Unternehmen ein. Darin enthalten sind wichtige Faktoren wie die Tatsache, dass der Arbeitsplatz sicher ist, es Karrierechancen gibt, und der Mitarbeiter sich wohlfühlt.

Unterstützung statt zusätzlicher Druck

„Es ist daher aus Unternehmenssicht ganz wichtig, dass die Mitarbeiter in Krisenzeiten nicht zusätzlich unter Druck gesetzt, sondern unterstützt werden. Dies kann etwa durch Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung passieren“, nennt Stiglbauer Trainings zur Stressbewältigung oder Entspannung als Beispiele. Nicht vergessen werden dürfe darüber hinaus das soziale betriebliche Umfeld, welches eine große Rolle bei der Jobzufriedenheit spielt.

Die Längsschnitt-Studie wurde im Jahr 2009 per Online-Fragebogen im Zeitraum von sechs Monaten erhoben, die Ergebnisse wurden kürzlich im Journal of Occupational Health Psychology veröffentlicht.

Fotonachweis: Colourbox, JKU

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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