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Podcast: Wie arbeiten wir nach der Krise? Ein Blick in die ungewisse Zukunft

Zusammenarbeit Erstellt am: 20. April 2020 6 Min.

Wie wird die Corona-Krise unseren Arbeitsalltag verändern? Und welche Fähigkeiten werden wir in Zukunft brauchen? „Arbeitsphilosoph“ und New-Work-Experte Frank Eilers wirft mit uns einen Blick in eine unsichere Zukunft und erklärt, wie wir uns darauf vorbereiten können.

Es ist etwa ein Jahr her, als wir Frank zum ersten Mal trafen. Er war Keynote-Speaker der karriere.session 2019 und wir führten im Vorfeld ein Interview zum Thema „Zukunft der Arbeit“. Vieles hat sich seither geändert, dennoch sind einige der damaligen Aussagen von Frank brandaktuell. Wir haben den „Arbeitsphilosophen“ daher zum neuerlichen Interview gebeten und ihn gefragt, wie sich die Arbeitswelt durch die Corona-Krise entwickeln wird. In diesem Artikel fassen wir die wichtigsten Aussagen für euch zusammen, das gesamte Interview findet ihr in unserem Podcast „Wie du willst!“.

Arbeitsalltag nach Corona: Es geht auch anders!

Bevor wir mit Frank über die Zukunft sprechen, werfen wir einen Blick zurück. Vor etwa einem Jahr wies er im Interview darauf hin, dass Veränderung wie ein Naturgesetz sei. Alles ist immer in Bewegung, auch die Arbeitswelt. Das merken wir dieser Tage besonders, denn, so Frank, die wesentliche Veränderung in der aktuellen Krise ist die Geschwindigkeit, mit der wir uns an die nötigen Änderungen anpassen.

Zwischen Geschwindigkeit und Entschleunigung: Paradoxe Gegenwart

Trotz der enormen Schnelligkeit, mit der wir Veränderungen im Moment umsetzen, ist „Entschleunigung“ in aller Munde und viele empfinden das Leben in der Krise als ruhiger und entspannter als zuvor.

„Das ist wie Yin und Yang. Das eine ermöglicht das andere.“

Pressefoto Frank Eilers 1

Frank erklärt dieses Paradoxon so: „Dadurch, dass viele Dinge unseres früheren Alltags nicht mehr möglich sind, sparen wir uns viel Zeit. Der tägliche Einkauf, der Weg ins Fitnessstudio, zur Arbeit oder zum Stammtisch – das fällt weg. Diese Reduktion empfinden viele von uns als entschleunigend, wir haben plötzlich viel mehr Zeit und weniger Stress. Genau dadurch gelingt uns gleichzeitig dieses schnelle Anpassen an Veränderungen. Das ist wie Yin und Yang. Das eine ermöglicht das andere.“

Die Gegenwart ist „VUKA extreme“

In seiner Keynote in den karriere.sessions in Linz und Wien wies Frank im vergangenen Jahr bereits darauf hin, dass die Arbeitswelt „VUKA“ sei – „volatil, unsicher, komplex und ambivalent“. Was wir jetzt erleben, das bezeichnet er als „VUKA extreme“: „Die Veränderungen der letzten Jahre sind jetzt massiv zugespitzt. Um damit umgehen zu können, brauchen wir vor allem sehr viel Flexibilität – im Privaten, aber auch im Arbeitsleben. Ich finde es toll, wie viele Unternehmen jetzt zeigen, dass sie flexibel sein können, und ich hoffe, sie behalten das auch nach Corona bei.“ Die Gefahr, so Frank, sei, dass New-Work-Ansätze, wie sie jetzt in weiten Teilen der Arbeitswelt gelebt werden (müssen), wie Homeoffice, virtuelle Meetings, reduzierte Arbeitszeiten und vor allem gegenseitiges Vertrauen, nach der Krise wieder verworfen werden.

Fähigkeiten der Gegenwart sind auch in Zukunft gefragt

Dabei bietet uns die aktuelle Situation die große Chance, neue Arbeitsweisen, neue Ideen und eine bessere Arbeitskultur zu etablieren, die uns zu echtem „New Work“ führen können, zur Freiheit, so zu arbeiten, wie man es möchte – egal wo, wie und wann. „Ich wünsche mir, dass alle so arbeiten können, wie sie arbeiten wollen. Das ist mein grundsätzlicher Antrieb“, betont Frank. Dazu brauche es Flexibilität, Vertrauen und vor allem die „Vielfalt des Denkens“, so der Experte.

„Es braucht Flexibilität, Vertrauen und vor allem die Vielfalt des Denkens.“

„Vielleicht brechen einige Einkommenszweige völlig weg, aber dafür werden sich andere entwickeln. Auf die kommen wir nur, wenn wir es zulassen, dass Menschen anders denken. Wenn ich nur gleichdenkende Mitarbeiter im Unternehmen beschäftige, werde ich keine neuen Wege finden.“ Als Beispiele für neue (Einkommens-)Wege und Geschäftsmodelle nennt Frank etwa Autohersteller, die aktuell Beatmungsgeräte produzieren. „Das ist die Art von Flexibilität und Querdenken, die wir jetzt und in Zukunft brauchen.“

Die Zukunft ist ungewiss: Wie werden wir nach Corona arbeiten?

Beim Gedanken an die Zukunft machen sich viele Menschen aktuell große Sorgen. Niemand weiß, wie sie aussehen wird. Dennoch möchten wir uns darauf einstellen, uns darauf vorbereiten. Aber wie plant man das Ungewisse? Frank hat Tipps dazu: „Man muss verstehen, dass alles immer unvorhersehbar ist. Das Unvorhersehbare ist immer allgegenwärtig. Also, die Zukunft ist immer ungewiss. Wir denken nur, dass wir sie planen können. Wir erstellen Business- und Budgetpläne, aber in Wahrheit können wir nie wissen, wie sich die Zukunft entwickeln wird.

„Szenarien helfen mir besser als Pläne.“

In stabilen Phasen werden wir in unseren Plänen zwar oft bestätigt, aber in Wahrheit können wir nicht alles planen.“ Statt detaillierter Plänen empfiehlt Frank eher die Beschäftigung mit verschiedenen Szenarien. „Sich mit Plänen zu beschäftigen, ist gut und schön, aber Szenarien helfen mir zumindest besser – und viele große Unternehmen arbeiten auch so. Sie überlegen sich: Was passiert, wenn dieses Szenario eintritt? Was tu ich dann? Was mach ich in einem anderen Fall? So stelle ich mich mental darauf ein, habe es gedanklich schon mal durchlebt und kann dann, wenn es eintritt, besser damit umgehen.“

Die Arbeitswelt nach der Krise: Back to the roots oder ein neuer Alltag?

Welches Szenario nach Corona eintritt, wissen wir nicht. Denkbar sind aber im Wesentlichen zwei: Entweder wir kehren so schnell wie möglich zu unserem gewöhnten Alltag vor der Krise zurück, oder wir entwickeln die aktuellen Veränderungen weiter und integrieren sie in einen neuen Alltag. Frank wünscht sich letzteres:

„Müssen wir wirklich wieder zurück zu Präsentismus und 9 to 5?“

„Was Arbeit angeht, sehen wir im Moment: Es geht auch anders. Ich hoffe, dass das auch unsere Einstellung beeinflusst: Wie sehen wir Arbeit jetzt? Wie entlohnen wir in Zukunft? Müssen wir wirklich wieder zurück zu Präsentismus und 9 to 5? Oder erkennen wir, dass es Wege gibt, produktiver zu arbeiten, und dass wir den digitalen Schub, den wir jetzt erfahren, dafür nützen können? Wir sehen jetzt auch, was weg kann. Müssen Meetings in Zukunft 1,5 Stunden dauern oder reichen 30 Minuten? Und macht das, was wir jetzt tun, wirklich Sinn für uns oder können wir uns sinnvolleren Dingen widmen?“ In Wahrheit, so Frank, sind wir selbst dafür verantwortlich, welches der Szenarien eintritt. Unsere Einstellung zur Gegenwart, zur Zukunft und unser Umgang mit dieser Krise sind dafür entscheidend.

„Wie die Zukunft wird, liegt an uns selbst.“

„Letztlich ist das eine Frage der Haltung: Ist das Glas für uns hab leer oder halb voll? Sehen wir in der aktuellen Situation nur das Negative oder können wir Positives daraus mitnehmen? Wie die Zukunft wird, das liegt am Ende an uns selbst.“

Wie arbeiten wir in Zukunft? Die Podcast-Folge zum Anhören

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Über Frank Eilers

Der gebürtige Ostfriese Frank Eilers widmete sich bereits während seines BWL-Studiums den Themen Technologie und Innovation. Seit 2014 beschäftigt er sich beruflich in seinem Podcast „Arbeitsphilosophen“ und als Keynote-Speaker mit der Zukunft der Arbeit. 2017 wurde er dafür mit dem Coaching Award als „Übersetzer von Zukunftsthemen“ in Vorträgen und Podcasts ausgezeichnet.

Bildnachweis: unsplash.com/Bethany Legg; Frank Eilers/Daniel Mühlebach, Jan Konitzki


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