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Berufliche krise

Berufliche Krisen und schwierige Lebenssituationen überwinden

Gesundheit Erstellt am: 09. Oktober 2017 4 Min.

Von der existenziell bedrohlichen Krise des Jobverlustes bis hin zur Karriere, die sich seit Jahren einfach nicht vorwärtsbewegen möchte: Vor Krisen ist man auch im Berufsleben nicht gefeit. Verhindern kann man sie nicht immer, den Weg aus der Krise heraus kann man sich jedoch erleichtern. Wann wird ein Rückschlag zur Krise und wie bewahrt man sich Zuversicht und Gesundheit? Wir haben bei Karrierecoach Sonja Rieder nachgefragt.

Berufliche Krise: Wege aus dem Dilemma

Gestern noch im Büro, heute schon ohne Job. Auf Bewerbungen nur Absagen kassieren. Die lang erhoffte Beförderung doch nicht bekommen. Im Arbeitsleben geht es mal bergauf und mal bergab. Und im Fall einer Krise kann es sich auch so anfühlen, als befände man sich im freien Fall. Kann man trotz der ausweglos erscheinenden Situation wieder Zuversicht gewinnen und sich nicht unterkriegen lassen? Man kann! Karrierecoach Sonja Rieder über berufliche Krisen und was man sich von resilienten Menschen abschauen kann.

Worin besteht der Unterschied zwischen einer Krise und einem Rückschlag?

Rieder: Rückschläge sind weniger komplex. Sie sind Schwierigkeiten auf dem Weg zur Zielerreichung, allerdings erscheinen sie überwindbar. In den Auswirkungen sind sie begrenzt - einen Rückschlag muss ich zwar hinnehmen, aber danach geht es weiter. Krisen sind anders, mit ihnen verbunden sind richtige Ohnmachtsgefühle: Ich stecke fest. Ich fühle mich ausgeliefert. Ich weiß nicht mehr weiter. Ich sehe keinen Ausweg aus dieser Situation. Sprechen wir von Krisen im Berufsleben, sind das immer psychologische, innere Krisen - der Verlust des seelischen Gleichgewichtes. Man sieht sich mit Ereignissen konfrontiert, die man nur schlecht bewältigen kann.

Welche Arten der Krisen im Berufsleben gibt es, haben Sie ein paar Beispiele?

Rieder: Es gibt die großen, existenziellen Krisen, wie z.B. den Jobverlust. Was es auch oft gibt sind Entscheidungs- oder Ambivalenzkrisen. Dabei stehen Menschen oft vor einer Wahlmöglichkeit und tun sich schwer, eine Wahl zu treffen. Sie kommen mit Pro- und Kontra-Listen einfach nicht weiter und hängen in der Situation hilflos drin. Eine dritte Art der Krisen sind die Zielerreichungs- oder Entwicklungskrisen. Jemand macht eine postgraduale Ausbildung, weil er denkt, dass ihn das im Unternehmen weiterbringen wird, das tritt dann aber nicht ein. Ein anderes klassisches Beispiel: Ich rechne fest mit einer Führungsposition und dann wird daraus aber nichts. Bei diesen Krisen hat man Ziele, die man nicht wie geplant erreichen kann. Diese Entscheidungs- und Entwicklungskrisen werden nicht so bedrohlich wie existenzielle Krisen erlebt, belasten aber sehr.

„Resiliente Personen bringen eine positive Grundhaltung mit.“

Sonja Rieder
Sonja Rieder

Junge Menschen befinden sich beim Einstieg in die Arbeitswelt oft in einer Krise. Entweder, weil sie lange Zeit in prekären Arbeitsverhältnissen stecken oder, weil die Arbeitswelt eine andere ist, als die Ausbildungswelt. Plötzlich zählen nicht mehr Noten und Leistung alleine, sondern es kommen Faktoren wie gute Selbstvermarktung dazu. Später im Berufsleben können andere Krisen auftauchen. Nach der Karenz stehen Frauen oft vor dem Problem, dass ihr alter Job weg ist und das neue Angebot nicht mehr ihren Vorstellungen entspricht. Bei älteren Arbeitnehmern kann es sein, dass sie nach einem Jobverlust nur schwer wieder eine neue Anstellung finden oder sich aus einer schwierigen Jobsituation nicht befreien können, weil Perspektiven fehlen.

Manche Menschen stecken Krisen leichter weg als andere. Warum? Was kann man sich davon abschauen?

Rieder: Resiliente Personen haben gelernt, auf das Positive zu schauen. Sie haben sich eine spezielle Haltung zu eigen gemacht: Egal, wie schwierig es auch ist - ich versuche, das Beste aus der Situation zu machen. Sie bringen eine positive Grundhaltung mit, finden auch an unangenehmen Situationen positive Aspekte und wachsen über Widerstände hinaus. Das ist zum Teil erzieherisch mitgegeben, aber auch trainierbar.

Wie kann ich mir diese Haltung antrainieren?

Rieder: Jeder hat z.B. die Wahl, sich von negativem Gerede im Kollegen- oder Freundeskreis zu distanzieren. Aus solchen Situationen kann man sich bewusst zurückziehen oder in Gesprächen positive Aspekte aufzeigen. Ein weiterer Weg ist die Distanzierung von negativen Nachrichten: Nicht ausgerechnet vor dem Einschlafen noch einmal die Weltnachrichten konsumieren. Sehr viel kann man aus den Lebensgeschichten besonders resilienter Personen lernen: Wie können Menschen, die Schreckliches erlebt haben, dennoch das Positive im Leben oder in Menschen sehen? Die Auseinandersetzung mit solchen Lebensläufen kann stärken: Wenn jemand anderer das geschafft hat, dann kann ich das vielleicht auch schaffen.

Was tun, wenn ich mich plötzlich in einer Krise wiederfinde?

Rieder: Wichtig ist, dass man sich nicht zu sehr isoliert. Entweder fachliche Hilfe holen oder auch aus dem privaten Umfeld: Von der Familie, Freunden oder dem Partner. Ich erlebe oft, dass in Partnerschaften über Krisen nicht gesprochen wird. Dabei ist es sehr wichtig, sich auszutauschen. Außenstehende können andere Sichtweisen und Ideen einbringen. Von außen Inputs zulassen, das ist in Krisenzeiten besonders wichtig. Gut ist es auch, Abstand zu gewinnen: Auf Urlaub fahren oder wenn möglich eine Auszeit nehmen. Gut tun auch Ortsveränderungen oder ein Gang in die Natur.

Bis zu einem gewissen Maß kann man sich für Krisen bereits vorab wappnen, indem man sich auf deren Möglichkeit einstellt. Mir fällt auf, dass viele Menschen davon ausgehen, dass sich das Berufsleben gleichmäßig und linear entwickelt - wie ein ruhiger Fluss. Diese unrealistische Vorstellung kann dazu führen, dass Menschen unter Krisen dann mehr leiden, als notwendig wäre. Aber kaum eine Karriere kommt ohne Brüche, Schwierigkeiten oder Krisen aus. Hier hilft die Vorstellung, dass das Leben oft unvorhersehbar ist und man sich im Berufsleben auf so manchen Bruch einstellen muss. Vieles muss man sich auch erst erkämpfen, daraus können Krisen entstehen. Ist man auf solche Schwierigkeiten nicht eingestellt, trifft einen die Krise besonders hart.


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