Neu im Job: Wer richtig fragt, kann kompetenter wirken

von in Arbeitsleben am Montag, 16. Februar 2015 um 11:41

Als Neuling im Team die alten Hasen bloß nicht nach Rat fragen? Wer so denkt, liegt falsch. Denn Ratsuchende werden als kompetent wahrgenommen – sofern sich der Ratschlag auf eine schwierige Aufgabe bezieht und die Frage keine Inkompetenz anderer Personen aufdeckt. Wie das funktioniert, haben Forschungen herausgefunden.

Neu im Job: Um Rat fragen oder alles selbst herausfinden?

Die ersten Tage im neuen Job. Ein aufregendes Aufgabengebietet wartet – klar, dass nicht alles klar ist und Fragen auftauchen. Weil man vor den neuen Kollegen glänzen möchte versucht man, alles möglichst im Alleingang zu erledigen, statt um Rat zu fragen. Eine gute Entscheidung? Eher nicht. Andere Menschen um Rat zu fragen hat nämlich positive Auswirkungen: Die meisten Menschen genießen Schmeicheleien. Fragt jemand um Rat, bestätigt das die eigene Expertise und das positive Selbstbild. Das wiederum kann dazu führen, dass der Befragte auch den Ratsuchenden als kompetent wahrnimmt: Schließlich war er oder sie so schlau, genau den Richtigen um Rat zu fragen!

Kompetente Personen bitten den Richtigen um Rat

Das Phänomen hat ein Forscherteam der Harvard Business School wissenschaftlich untersucht. 114 Studienteilnehmer wurden gebeten, schwierige mathematische Aufgaben am Computer zu bearbeiten. Ihnen wurde gesagt, dass sie mit einer anderen Person ein Team bilden und der Teampartner die Aufgabe nach ihnen bearbeiten würde. In Wirklichkeit war die andere Person aber computersimuliert. Nach Bearbeitung der Aufgaben erhielten die Testpersonen eine von drei möglichen Nachrichten. Eine mögliche Chatnachricht des Teampartners war eine Begrüßung, in einer weiteren wurde um Rat für die Bearbeitung der Aufgabe gefragt. In einer Nachricht stand, dass der Kollege jemand anderen um Rat gefragt hat. Danach bewerteten alle Teilnehmer die wahrgenommene Kompetenz ihres Teampartners und ihr eigenes Selbstvertrauen.

Es ist nicht egal, wen man fragt

Das Ergebnis: Teilnehmende, die um Rat gefragt wurden, stuften den Teampartner als kompetenter ein als jene Testpersonen, die nur begrüßt wurden oder die die Nachricht erhalten haben, dass jemand anders um Rat gefragt wurde. Es zeigte sich, dass die Ergebnisse durch das gesteigerte Selbstvertrauen der Testpersonen zustandekommt. Weitere Studien zeigten, dass die wahrgenommene Kompetenz der Ratsuchenden nur dann steigt, wenn es ich um schwierige Aufgaben handelt oder sich die gefragte Person auf dem Gebiet gut auskennt. Bei einfachen Aufgabenstellungen oder geringer Expertise steigt die Kompetenz der Ratsuchenden nicht an. Im Gegenteil: Testpersonen, die zu einem Thema nach Rat gefragt wurden, das nicht ihr Spezialgebiet ist, stuften ihren Teampartner sogar als weniger kompetent ein.
Deshalb: Keine Angst vor Fragen! Bevor man um Rat bittet, sollte man sich aber gut überlegen, wen man mit der Frage betraut – und ob die Aufgabenstellung auch komplex genug ist.

Bildnachweis: Milles Studio / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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