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Karrierepfade

Was kann ich mit meiner Berufserfahrung eigentlich noch machen?

Jobsuche Erstellt am: 03. September 2026 13 Min.

Jede Jobsuche setzt voraus, dass du den Jobtitel schon kennst. In der Orientierungsphase ist das genau das, was fehlt. Wie du den Umweg über deine Fähigkeiten nimmst und was dabei herauskommt, wenn du es ausprobierst.

Du willst etwas anderes machen. Also öffnest du die Jobsuche. Der Cursor blinkt im leeren Feld, und dann kommt der Moment, an dem viele hängen bleiben: Was tippst du ein?

Du kannst nur suchen, was du benennen kannst. Und wenn du wüsstest, wie die Rolle heißt, die zu dir passt, wärst du vermutlich nicht in der Orientierungsphase.

Das Problem ist selten das Jobangebot #

Wer sich beruflich verändern will, scheitert selten daran, dass es zu wenige Stellen gibt. Der Engpass liegt früher: beim Suchbegriff.

📌 Jobtitel & Berufsbezeichnung

Berufsbezeichnungen sind klar definiert und meist rechtlich geschützt (Ärzt*in, Architekt*in, Handwerker*in). Sie beschreiben einen erlernten Beruf basierend auf einer abgeschlossenen Ausbildung.

Jobtitel sind eine unzuverlässige Sprache. Dieselbe Aufgabe heißt in einem Unternehmen Teamlead, im nächsten Gruppenleitung und im dritten Coordinator. Dazu kommt das eigentliche Problem: Rollen, die du noch nie gemacht hast, kennst du auch nicht als Suchwort. Du tippst also weiter deinen aktuellen Jobtitel ein und bekommst Ergebnisse aus genau dem Feld, aus dem du eigentlich raus willst.

Deshalb bringt die Jobsuche in dieser Phase wenig. Sie ist ein Werkzeug für Menschen, die ihr Ziel schon kennen.

Dein Jobtitel ist eine Abkürzung, deine Fähigkeiten sind der Inhalt #

Ein Jobtitel fasst zusammen. Was du tatsächlich kannst, steht darunter und dieser Teil ist übertragbar.

💡 Ein Beispiel:

Nimm eine Filialleitung im Handel. Im Titel steht ein Wort. Dahinter stehen Personaleinsatzplanung, Warenwirtschaft, Umsatzverantwortung, Ausbildung von Lehrlingen, Beschwerdegespräche und Inventur. Jede einzelne dieser Fähigkeiten wird auch in Rollen gebraucht, in deren Bezeichnung das Wort Filiale nicht auftaucht: in der Personaleinsatzplanung eines Pflegeheims, im Category Management, in der Betriebsleitung eines Gastronomiebetriebs.

Der Wechsel der Perspektive ist einfach beschrieben und trotzdem ungewohnt: Statt zu fragen, welcher Beruf zu dir passt, fragst du, wo deine Fähigkeiten sonst noch gebraucht werden. Der erste Weg führt zu einer Wunschvorstellung. Der zweite zu einer Liste.

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Drei Richtungen statt einer Entscheidung #

Der zweite Denkfehler in der Orientierungsphase ist die Annahme, es gäbe eine Antwort. Tatsächlich gibt es meist mehrere Richtungen und die unterscheiden sich weniger im Ziel als im Aufwand und im Risiko:

Richtung Was sie zeigt Wann sie passt
Klassisch Weiterentwicklung entlang deiner bisherigen Laufbahn – fachlich tiefer oder mit Führungsverantwortung Du willst im Feld bleiben, aber nicht auf der Stelle
Ambitioniert Die nächste Stufe: Die Grundlagen bringst du mit, einzelne Lücken bleiben Du willst mehr Verantwortung und wissen, was dir noch fehlt
Neu gedacht Rollen abseits deiner Laufbahn, in denen deine Fähigkeiten anders eingesetzt werden Du willst nicht weiter, sondern anders

Der Nutzen dieser Tabelle liegt darin, dass es die Frage entschärft. Du musst dich nicht zwischen Bleiben und Neuanfang entscheiden. Du kannst dir zuerst ansehen, was in allen drei Richtungen überhaupt möglich wäre und danach entscheiden, wie weit du gehen willst.

🔀Genau dieses Raster liegt den Karrierepfaden auf karriere.at zugrunde.

ℹ️ Die Karrierepfade sind ein kostenloses Tool von karriere.at. Sie analysieren dein Profil (Werdegang, Tätigkeiten, Ausbildung und Interessen) und leiten daraus mögliche Rollen in drei Richtungen ab: klassisch, ambitioniert und neu gedacht. Zu jedem Vorschlag siehst du, welche deiner Fähigkeiten dafür relevant sind und warum die Rolle zu dir passen könnte. Du brauchst ein karriere.at Profil mit mindestens zwei Positionen im Werdegang, die Analyse dauert wenige Minuten. Das Tool ist aktuell in der Beta-Phase

Was dabei herauskommt: ein Testprofil im Detail #

Damit das nicht abstrakt bleibt: Wir haben ein Testprofil angelegt und durch die Analyse geschickt.

„Seit 2015 bin ich im Projektmanagement tätig. Ich habe Wirtschaftswissenschaften studiert und war in einer HTL für Wirtschaftsingenieurwesen. Außerdem habe Weiterbildungen zu Jira und zu Stakeholder-Management und spreche fließend Englisch und Spanisch. Meine Interessen sind Bergwandern, DIY-Projekte und Inneneinrichtung.“

Alex Musterperson ein konstruiertes Profil, keine echte Person.
Profilbild Alex Musterperson

Das Ergebnis waren acht Vorschläge, verteilt über die drei Richtungen.

Entdecke den richtigen Weg für dich

Die Ergebnisseite nach der Profilanalyse im kostenlosem Beta-Feature "Karrierepfade".

  • Klassisch kam, was zu erwarten war: Senior IT-Projektmanagement und Programmmanagement, mit dem Hinweis, dass die Erfahrung in Projektsteuerung und Ressourcenplanung für die Koordination mehrerer Projekte qualifiziert. Bestätigend, wenig überraschend und genau das ist die Funktion dieser Kategorie. Sie zeigt dir, was du ohne Umbau erreichen kannst.
  • Ambitioniert wurde interessanter: Ressourcenmanagement, IKT-Beratung, Leitung einer Businessanalyse und Vertragsingenieurwesen. Der letzte Vorschlag ist ein gutes Beispiel für den Effekt, um den es hier geht. Vertragsingenieur*in ist eine Rolle, die im Ergebnis auftaucht, weil Projektmanagement- und Finanzkenntnisse zur technischen Vertragsgestaltung passen. In ein Suchfeld hätte das niemand freiwillig eingetippt.
  • Neu gedacht brachte Innenarchitektur und die Koordination von Outdoor-Aktivitäten. Beide Vorschläge speisen sich sichtbar aus den Interessen: DIY und Inneneinrichtung im ersten Fall, Bergwandern im zweiten, jeweils kombiniert mit den vorhandenen Projektmanagement-Fähigkeiten.

💡Diese Verteilung ist der eigentliche Erkenntnisgewinn.

Sie sagt dir nicht nur, welche Rolle infrage kommt, sondern womit du dann tatsächlich deine Tage verbringst.

Hinter jedem Vorschlag liegt eine Detailansicht, und die ist für eine Entscheidung nützlicher als der Titel selbst. Dort steht, was die Rolle im Alltag bedeutet, wie gut sie zum Profil passt und wie sich die Kompetenzen verteilen. Beim Senior IT-Projektmanagement machen Managementfähigkeiten den größten Anteil aus, gefolgt von Kommunikation und Informationskompetenzen; direkte Arbeit am Rechner spielt nur eine kleine Rolle. Bei der IKT-Beratung verschiebt sich das Bild deutlich in Richtung Kommunikation.

IKT-Berater*in

Detailansicht einer vorgeschlagenen Rolle mit Passsung, Beschreibung und Kompetenzverteilung

Der Unterschied liegt in deinem Profil #

Beim Testlauf ist etwas deutlich geworden, das für die Nutzung praktisch relevant ist: Die Qualität der Vorschläge hängt direkt daran, wie viel in deinem Profil steht.

Die Analyse braucht mindestens zwei Positionen im Werdegang und wertet Tätigkeitsbeschreibungen, Ausbildung, Qualifikationen und Interessen aus. Wer nur Jobtitel und Zeiträume einträgt, bekommt Vorschläge auf Titel-Ebene – also genau die naheliegenden Rollen, die man selbst schon kennt.

⚠️ Am stärksten wirkt sich das auf die Kategorie "Neu gedacht" aus. Ohne ausgefüllte Interessen fehlt dem System die Information, aus der überraschende Kombinationen entstehen. Im Testprofil kamen Innenarchitektur und Outdoor-Koordination nicht aus dem Werdegang, sondern aus zwei Zeilen bei den Interessen.

Checkliste: Vor der Analyse – was in dein Profil gehört #

  • Mindestens zwei Positionen mit Zeitraum
  • Zu jeder Position die tatsächlichen Aufgaben, nicht nur den Titel
  • Weiterbildungen und Zertifikate, auch kurze
  • Sprachen mit realistischer Einschätzung
  • Interessen und Hobbys – der Hebel für die Kategorie "Neu gedacht"
  • Projekte, die du geleitet oder begleitet hast

Hard Skills: Was sie sind und wie du sie für deine Karriere nutzt

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Messbare Kompetenzen öffnen dir Türen. Mit den richtigen Hard Skills überzeugst du Personaler*innen und steigst schneller auf.

Was ein Vorschlag nicht leisten kann #

Ein algorithmischer Vorschlag kennt dein Profil, aber nicht dein Leben. Das ist keine Nebenbemerkung, sondern entscheidet darüber, wie du mit dem Ergebnis umgehst.

Im Testlauf zeigt sich das an der Innenarchitektur. Als Interessenstreffer ist der Vorschlag nachvollziehbar. Praktisch bedeutet er allerdings eine eigene Ausbildung und in Österreich abhängig von der Tätigkeit auch eine Gewerbeberechtigung. Das ist kein Wechsel, sondern eine Neuausbildung. Der Vorschlag ist damit nicht falsch, aber er ist ein Denkanstoß und kein Plan. Möglicherweise ist der brauchbare Kern auch ein anderer: Projektsteuerung in einer Branche, die mit Räumen und Einrichtung zu tun hat.

Auch die Gehaltsangaben sind mit Vorsicht zu lesen. Sie sind als grobe Richtwerte für den gesamten deutschsprachigen Raum ausgewiesen und sagen wenig darüber, was in deiner Branche und deinem Bundesland realistisch ist. Für eine belastbare Einordnung führt der Weg über den Gehaltsvergleich.

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Und schließlich: Was ein Vorschlag über Kinderbetreuung, Pendelwege, finanzielle Spielräume oder deine Belastungsgrenze weiß, ist nichts. Diese Fragen bleiben bei dir. Ein Vorschlag ist der Anfang einer Recherche – Gespräche mit Menschen, die die Rolle ausüben, ein Blick in echte Stelleninserate, gegebenenfalls eine Beratung.

Der nächste Schritt #

Wenn du an dem Punkt bist, an dem das leere Suchfeld dich blockiert, dann ist die nützlichste Handlung nicht, länger nachzudenken. Sie ist, dir eine Liste möglicher Richtungen zu besorgen und diese Liste dann zu prüfen.

Nimm dir zwanzig Minuten für dein Profil, lass die Analyse laufen und sieh dir vor allem die Vorschläge an, die dich irritieren. Die naheliegenden kennst du schon.

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Sarah Chlebowski

Sarah Chlebowski
Teamlead Marketing Communications
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