Erstellt am 25. Oktober 2019 · Arbeitsleben · von

Zeit, Neues zu entdecken – die 7 besten Talks der TEDxVienna 2019

Lesezeit: 4 Minuten

Eine ganze Woche unter einer VR-Brille verbringen, die Grenzen der Biologie sprengen oder Kindern mit Superhelden-Comics ein schöneres Leben schenken? Jetzt ist genau die richtige Zeit dafür! Hier kommen unsere 7 Lieblingstalks zur TEDxVienna 2019:

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Liebes Geburtstagskind, wir wünschen dir alles Gute! Die TEDxVienna hat 10-Jähriges gefeiert – dieses Mal in einer neuen Location (dem Museumsquartier Wien), aber wie immer mit unglaublichen Speakern und atemberaubenden Performances. Zum Thema „About Time“ haben 19 internationale Speaker und 6 Performance-Acts aus Bereichen von Musik bis Poetry Slam einen ganzen Tag gefüllt und unseren Kopf mit Neuem, Spannendem und Faszinierendem erfüllt.

Wir haben euch unsere Lieblings-TEDxTalks mitgebracht und verraten euch passend zum Motto, wofür jetzt genau die richtige Zeit ist:

#1 Zeit für echte Superhelden

Chase Masterson ist Sängerin und Schauspielerin. Ihr kennt sie vielleicht aus „Star Trek: Deep Space Nine“, was ihr in den Neunzigern zu einiger Berühmtheit verhalf. Noch bekannter machte sie allerdings der in den USA als „Star Trek Actress Case“ groß gewordene Gerichtsfall um eine Online-Datingplattform und ein Fakeprofil, in dem geleakte Kontaktdaten der Schauspielerin und zweideutige Anmerkungen für ordentlich Wirbel sorgten. Nachdem sie die mitunter dadurch verursachte Depression und Alkoholsucht in den Griff bekam, entschied sie, anderen Menschen zu helfen, um sich selbst zu helfen.

„Hurt people hurt people – healed people heal people!“

In Los Angeles half sie mit der Organisation „Homeboy“ Menschen zu unterstützen und zu resozialisieren, an die sonst niemand mehr glaubte und gründete schließlich die „Pop Culture Hero Coalition“ – eine Initiative die mit Comics gegen Mobbing, Rassismus und Ungleichheit kämpft, Empathie vermitteln will und traumatisierte Kinder betreut. So macht man Menschen zu echten Superhelden!

#2 Zeit für mehr Unabhängigkeit

Die letzten Jahre haben der Antibabypille gehörig zugesetzt: Vermutete negative Langzeitauswirkungen und zahlreiche kritische Stimmen haben viele Frauen dazu gebracht, dieser Verhütungsmethode den Rücken zu kehren. Dabei mag man von der Pille halten, was man will – aber eines sollte man laut Sarah E. Hill keinesfalls tun: schlecht von ihr reden. Denn sie war ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur weiblichen Unabhängigkeit. Als Psychologin und Gesundheitsexpertin beschäftigt sich Hill seit einiger Zeit mit der Pille und räumte bei ihrem TEDxTalk gleich mit mehreren Vorurteilen auf.

Zum Nachdenken: Die Pille verändert die Welt, indem sie Frauen und ihr Verhalten ändert.

Etwa dass Sexualhormone das weibliche Gehirn beeinflussen … Oft wird Frauen ja vorgeworfen, besonders emotional in verschiedenen Stadien ihres Zyklus zu sein. Zumindest sei das aber sehr berechenbar, im Gegensatz zum männlichen Hormonhaushalt. ;-)

#3 Zeit, die Grenzen der Biologie zu sprengen

Für die einen ein Geschenk, für die anderen ein absoluter Alptraum: Erinnerungen, die vererbt werden können. Wäre es nicht praktisch, die mühsam im Fitnessstudio aufgebauten Muskeln an die eigenen Nachfahren weiterzugeben? Oded Rechavi erforscht das sogenannte „Zweite Gesetz der Biologie“, das in etwa Folgendes besagt: Deine Kinder bekommen den Inhalt der Bücher, die du in deinem Leben gelesen hast, nicht in ihren Genen mit. Schade eigentlich, oder?

Werden wir in Zukunft die Gedanken unserer Kinder kontrollieren können?

Warum eigentlich nicht? Dachte auch Rechavi und forscht seither mit mikroskopisch kleinen Würmern. Anhand vererbter RNA-Moleküle zeigt Rechavi, dass eben doch mehr möglich ist, als man bisher glaubte. Das Essverhalten betreffend hat man beispielsweise aufgrund des sogenannten niederländischen „Hungerwinters“ im Zweiten Weltkrieg herausgefunden, dass längerfristige Hungerperioden durchaus bleibende Veränderungen auch bei unseren Nachfahren bewirken können. In diesem konkreten Fall haben Informationen im Erbgut etwa z. B. verhältnismäßig oft zu Diabetes bei den Kindern der Hungerleidenden geführt.

Was uns jedenfalls zu denken geben sollte: Können Eltern in Zukunft vielleicht die Gedanken ihrer Kinder steuern? „Black Mirror“ lässt grüßen …

#4 Zeit, im Moment zu leben

Wer von euch hatte schon mal eine VR-Brille auf? Okay, aber wer hat sie eine ganze Woche getragen, ohne sie jemals abzunehmen? Jak Wilmot hat sieben Tage lang in der virtuellen Realität verbracht und die Beziehung zwischen menschlicher Psychologie und Technologie erforscht. Seinen ganzen Alltag hat er unter der virtuellen Brille verbracht: Egal ob beim Essen, Yoga oder Duschen … was körperlich und mental natürlich extrem fordernd war.

Wofür er sich außerdem stark macht: Dass Lernstoff in Schulen via Virtual Reality vermittelt wird. Denn Studien haben gezeigt, dass der oft so abstrakte Stoff dadurch viel leichter erlebbar wird und Schüler bei Tests viel besser abschneiden, wenn sie etwa den Kosmos durch die VR-Brille quasi „live“ erleben, anstatt die Planeten nur auf dem Papier zu sehen.

#5 Zeit, Skeptikern den Garaus zu machen

Post-Truth“ ist ein Problem, mit dem sich der aufgeklärte Mensch spätestens seit Donald Trump herumschlagen muss. Wenn nicht mehr Fakten regieren, sondern Emotionen, Instinkt und Befindlichkeiten und politische Anführer einer Weltmacht den freien Journalismus verunglimpfen, fühlen sich viele Menschen zunehmend machtlos und kehren der Politik und anderen wichtigen Themen den Rücken zu. Der Philosophie-Professor Martin Kusch hat sich den Skeptikern verschrieben – und zwar der Aufklärung dieser Menschen, die nicht an den Klimawandel glauben oder mittelalterlich anmutende Meinungen (etwa über Impfungen) vertreten. Und wir alle sollten uns bei der Nase nehmen und uns immer wieder fragen: Ist das wirklich so?

#6 Zeit, um Zeit zu verschwenden

In unserer schnelllebigen Welt haben alle immer Angst, unnötig Zeit zu verschwenden. Social Media bietet uns schließlich genug Nährboden für Stunden unproduktiven Scrollens. Der Student und Filmemacher Alexander Leitner hat zehn Jahre lang die Freizeit seines jungen Lebens damit zugebracht, Stop Motion Filme mit Legosteinen zu produzieren. Im Nachhinein fragt er sich: War das alles umsonst? Was hat es ihm gebracht (außer Auszeichnungen)?

Waren die letzten zehn Jahre meines Lebens vergeudet?

Aber was ist eigentlich vergeudete Zeit? 1. Nichts tun 2. Nichts Kreatives tun 3. Dinge erledigen, die absolut keine Priorität haben (Prokrastinieren). Aber was zählt als vergeudete Zeit und kann man Zeit überhaupt verschwenden? Unproduktiv verbrachte Zeit ist gar nicht so sinnbefreit, wie wir vielleicht denken. Irgendwo profitieren wir doch immer davon, auch mal „nichts“ zu tun. Studien bestätigen sogar, dass wir produktiver und konzentrierter arbeiten können, wenn wir einfach mal nichts tun und unser Hirn „ausschalten“. In diesem Sinne: Schönes Nichtstun!

#7 Zeit, Erlebnisse zu teilen

Wie schmeckt eigentlich 200 Jahre alter Schnee? Der Wissenschaftler und YouTuber Joe Hanson („It´s Okay To Be Smart“) findet, dass digitales Storytelling der beste Weg ist, um unsere Welt für Menschen besser verständlich und erlebbar zu machen.

Erzähl deine Geschichte, um die Welt zu retten!

Täglich sterben 200 Arten aus. Wenn wir unsere Umwelt bewusster wahrnehmen und Geschichten und Bilder über unseren Lieblingssee oder ein Tier teilen, das uns fasziniert, machen wir allen anderen auch bewusster, was alles Schönes verloren geht, wenn wir nichts dagegen tun. Denn in Zukunft werden viele nichts vermissen, wenn sie es nie kennengelernt haben. Her mit euren Geschichten!

 

10 Jahre TEDxVienna – Happy Birthday!

 

Bildnachweis: Daniel Auer / TEDxVienna

Tanja Karlsböck

Tanja macht Instagram, YouTube & Co. für karriere.at und als Abwechslung Blogposts, denn Schreiben ist ihre liebste Kulturtechnik.

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