5. Juli 2018 · Arbeitsleben · von

Zum Tag der Workaholics: Pro und Contra der Arbeitssucht

Wenn die Arbeit zur Sucht und zum einzigen Lebensinhalt wird, ist die Diagnose schnell gestellt: Wir haben es mit einem Workaholic zu tun! Für ein Leben als solcher entscheidet man sich häufig nicht bewusst, sondern unterliegt dem Zwang der eigenen Persönlichkeit. Dabei ist es in manchen Fällen nicht der Job selbst, der einen Workaholic reizt – die Tatsache, dass Projekte fertiggestellt, Ziele erreicht und das Maximum an Produktivität aus einem selbst herausgeholt werden, sind die Hauptmotivatoren. Doch bei aller Produktivität und Effizienz – die goldene Medaille besitzt auch eine Kehrseite. Und die ist oftmals alles andere als schön anzusehen.

Die unbestreitbaren Vorteile

  • Unternehmen lieben Workaholics! Und wie könnten sie auch nicht? Denn Workaholics sind gewillt, sich mit jeder Faser ihres Körpers für das Unternehmen einzusetzen und mehr Leistung zu bringen als alle anderen Mitarbeiter. Und das unaufgeforderte Schieben von Überstunden ist sowieso selbstverständlich.
  • Benefits, Goodies und noch mehr Benefits! Bei wem die Leistung stimmt, der kommt auch in den Genuss vieler Zuckerl von Seiten des Unternehmens. Sei es eine saftige Prämie, ein cooles Firmenauto oder das neueste iPhone als Firmenhandy – und die Gehaltserhöhung gibts natürlich auch ohne Wenn und Aber.
  • Plötzlich arbeitslos? Kein Problem! Für einen Workaholic ist es aufgrund des guten Rufes, den er sich dank seines Fleißes erarbeitet hat, ein Leichtes, innerhalb seiner Branche einen neuen Job zu finden. Seine hohe Leistungsbereitschaft ist weithin bekannt, er konnte eine Reihe an wertvollen Kontakten knüpfen und muss sich bei der Arbeitssuche daher auch nicht so plagen.
  • Montage sind der neue Freitag! Wenn sich der Sonntag dem Ende zuneigt, kommt dem Workaholic kein Jammern über die Lippen. Denn ist der Montag endlich da, kann er auch schon loslegen und jene Tasks erledigen, die ihm das ganze Wochenende über im Kopf herumgeschwirrt sind.
  • Deadlines sind nicht nötig! Der Workaholic erledigt seine Aufgaben ohnehin schon lange vor dem eigentlichen Fälligkeitsdatum. Er ist durch seine Bereitschaft, auch bis spät in die Nacht oder am Wochenende zu arbeiten, auch nicht an die fixierten Arbeitszeiten gebunden und kann pausenlos an Problemlösungen tüfteln.
  • Geld. Viel Geld! Workaholics könnensich aufgrund ihrer außerordentlichen Leistungen oft wahnsinnig schnell die Karriereleiter hoch hangeln – und damit steigt natürlich auch das Gehalt. Der gute Verdienst ermöglicht es dem Workaholic, seine Familie finanziell abzusichern und sich extravagante Urlaube leisten zu können.

Die bitteren Nachteile

  • Die Liebsten müssen hinten anstehen! Die vielleicht bitterste Pille, die ein Workaholic schlucken muss, ist die Tatsache, dass die Beziehungen zum Partner, den Kindern oder Freunden heftig in Mitleidenschaft gezogen werden können. Wer sich nicht Zeit für seine Familie nimmt oder in deren Gegenwart ständig unaufmerksam ist, weil er gedanklich noch bei der Arbeit hängt, muss damit rechnen, dass Brüche entstehen.
  • Arbeitskollegen können diese Lücken nicht stopfen! Workaholics verbringen so viel Zeit in der Arbeit, dass sie ihr Team als eine Art Familie betrachten. Das ist schön und gut, doch diese Bande bleiben nicht für immer bestehen. Häufig sind sie sogar sehr kurzweilig! Workaholics laufen also Gefahr, kein beständiges soziales Umfeld zu haben, in dem sie sich sicher fühlen können.
  • In puncto Gesundheit werden bewusst Abstriche gemacht! Wer ständig unter Stress steht, hunderttausend Aufgaben zu erfüllen hat und den ganzen Tag im Büro verbringt, der kann schon mal vergessen, auf die eigene Gesundheit zu achten. Insbesondere ein ungesundes Essverhalten, ein unregelmäßiger Schlafrhythmus und mangelnde körperliche Bewegung können erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Doch vor allem Dauerstress kann gefährlich werden und letztlich zu einem Burnout führen.
  • Auszeiten können nicht genossen werden! Ein gemütliches Abendessen mit Freunden klingt eigentlich ganz nett, doch einem Workaholic fällt es oft schwer, nach Feierabend die Arbeit ruhen zu lassen. So verlernt er, die kleinen Dinge, die das Leben so schön machen, wahrzunehmen und zu schätzen.
  • Die eigenen Interessen verkümmern! Jeder hat seine eigenen Hobbys und Interessen, mit denen er sich in der Freizeit gerne auseinandersetzt. Doch unter all der Arbeit, die der Workaholic sich aufbürdet, können die auch schon mal untergehen. Wer beispielsweise seinen grünen Daumen ausleben und einen Gemüsegarten anlegen möchte, der muss sich auch Zeit nehmen, um sich in die Materie einzulesen – und letztlich auch um den Garten kümmern!
  • Der Selbstwert wird an der geleisteten Arbeit bemessen! Workaholics definieren sich häufig über die von ihnen geleistete Arbeit. Dabei vergessen sie, dass sich ihre Persönlichkeit aus viel wertvolleren Komponenten zusammensetzt.

Den Balanceakt meistern zwischen Work und Life: 4 Tipps

Irgendwann muss die Party aber auch enden. Ob nun das fortgeschrittene Alter nicht mehr erlaubt, dermaßen viel Leistung zu bringen, der Stress und der Druck überhand nehmen oder das Privatleben einem Scherbenhaufen gleicht und damit zu einer Notbremsung zwingt. Spätestens dann ist es an der Zeit zu reflektieren, die eigenen Werte zu hinterfragen und ihre Priorisierung neu zu überdenken. Zum Beispiel: Als Workaholic ist es durchaus möglich, eine Menge Geld zu verdienen. Aber hast du überhaupt genügend Zeit, es auch zu genießen?

Es gilt also, die Gratwanderung zwischen Work und Life zu meistern. Um zufrieden zu sein, benötigen Workaholics die Bestätigung, die sie aus ihrer Arbeit beziehen. Aber ebenso wichtig ist es, der Familie und den eigenen Interessen genügend Aufmerksamkeit zu schenken.

Folgende Punkte können Workaholics dabei helfen, ihre eigene Balance zu finden:

  1. Schreibe sowohl deine beruflichen als auch deine privaten Ziele nieder und stelle sie einander gegenüber! Dadurch wird dir klar, dass du dich auf beide Bereiche konzentrieren musst, um in ihnen erfolgreich zu sein.
  2. Schiebe alle Gedanken an die Arbeit bewusst zur Seite, wenn du zu Hause über die Türschwelle trittst. Beschäftige dich stattdessen mit deiner Familie und deinen Freunden – oder gehe deinen Hobbys nach.
  3. Arbeitsteilung lautet die Devise! Such dir einen pflichtbewussten Kollegen, dem du vertraust und der dir einen Teil deiner Arbeitslast abnehmen kann! Dadurch kannst du Stress reduzieren, früher Feierabend machen und zwischendurch auch mal ein bisschen entspannen.
  4. Wenn es ganz schlimm für dich ist, die Arbeit loszulassen: Such dir professionelle Hilfe! Es kann helfen, mit einem Außenstehenden offen über deine Zwänge zu sprechen und somit auch eine objektive Meinung einzuholen.
Bianca Schedlberger

Biancas Traumjob seit Kindertagen? Schriftstellerin, irgendwann. Bis dahin wird für karriere.at fleißig getextet, unter anderem auch Blogposts.

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