10. August 2017 · Arbeitsleben · von

Frauennetzwerke: Das Positive, das Negative und das Komische

Jedes Ding hat drei Seiten: eine positive, eine negative und eine komische, meinte der Münchner Komiker Karl Valentin. Ich habe für mich herausgefunden, dass dies bei vielen Sachen zutrifft. Bei Frauennetzwerken ganz besonders.

Ein Gastbeitrag von TEDxVienna-Autorin Zaphira Rohde.

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In unterschiedlichen Phasen im Berufsleben – Berufseinstieg nach der Uni, längere Elternzeit vor dem Wiedereinstieg – habe ich manches Frauennetzwerk hautnah erlebt. Es ist vieles, aber nicht alles gut. Es ist auch nicht alles schlecht. Und eine Seite davon ist einfach urkomisch.

Das Gute: Schwesterherz und Frauenpower!

Du triffst auf einige beeindruckende Frauen in Frauennetzwerken. Jeden Alters. Mit exzellenten Qualifikationen, klasse Lebensläufen und wertvoller Lebenserfahrung. Geballte Frauenpower eben. Du lernst aus Vorträgen von Frauen in Führungspositionen und Coaches, die ja immer mit solchen Vereinen zusammenarbeiten. Wenn sie in der Runde bereit sind, aus dem Nähkästchen zu plaudern und anderen Frauen wertvolle Tipps aus der Praxis zu geben, ist das ein tolles Erlebnis: unheimlich inspirierend, dynamisch, beflügelnd, und, und, und. Ein Abend voller Erfahrungsaustausch und plaudern, plaudern, plaudern mit anderen „Schwestern“ bis zum Umfallen. Denn, glaub mir, es wird gern und viel geplaudert in Frauennetzwerken. Ohne Punkt und Komma. Willkommen auf dem Planeten Sisterhood!

An meiner amerikanischen Frauenuni gab es auch solche Frauenpower. Prompt nach der Graduation bekam ich umfangreiche Karriere-Beratung und Zugriff auf eine Alumni-Datenbank mit den Namen von 10.000 Frauen. Ich durfte mir Personen aussuchen, die in Berufsfeldern gearbeitet haben, für die ich mich interessiert habe. Ich durfte sie manchmal einen Tag lang im Büro beschatten oder einen Termin vereinbaren, um Insider-Infos über ihre Branche zu erfahren. Was will Frau als Berufseinsteigerin mehr?

Das Negative: Hilfe! ich bin in ein High-School-Klassentreffen hineingestolpert

Es gibt einen Grund warum so viele Hollywood-Filme die viel befürchteten high school reunions (Klassentreffen) thematisieren: die Selbstzweifel am eigenen Lebenslauf, der nie gut genug sein kann, um so einen Abend zu überstehen. Denn die Konkurrenz schläft bekannterweise nicht.

Ich finde, Frauennetzwerke sind ein bisschen wie solch ein Klassentreffen. Eine geschlossene Gesellschaft, in der frau sich bemüht, als die perfekte Version von sich selbst zu erscheinen. Denn, Vergleiche sind hier vorprogrammiert. In punkto Jobtitel, Familiensitutation bis hin zum Outfit und der Handtasche. Nach dem Motto: Wer ist hier erfolgreicher oder glücklicher? Oder zumindest schlanker? Die Karrierefrau ohne Kinder, die Karrierefrau mit Kindern, die Selbstständige, die Wiedereinsteigerin, die Unentschlossene nach einer längeren Elternzeit? Oft hat jede ihren eigenen Tunnelblick und lässt dies alle anderen deutlich spüren. Diese Nulltoleranz für andere Lebensentwürfe rutscht in einem solchen Frauen-Mikrokosmos in den Vordergrund und kann Selbstzweifel hervorrufen bzw. den Weg zur eigenen Frauenpower erschweren. Warum eigentlich? Für enge Freundschaften ist der Rahmen zu unentspannt. Studien zeigen, dass er in punkto Karriere auch nur bedingt förderlich sein kann.

Das Komische: Der Hahn im Korb und das ewige Weib

Ein Frauennetzwerk ist eine künstliche Welt. Wie künstlich, wird einem erst klar, wenn plötzlich männliche Vortragende an einem Abend dazustoßen. Es muss für einen Mann seltsam bis furchteinflößend sein, so eine Runde. Hinzu kommt: Man(n) muss vorsichtig sein, um nicht in ein feministisches Fettnäpfchen zu tappen. Denn das passiert garantiert irgendwann im Laufe des Abends.

Aber Mann ist auch der Hahn im Korb. Wie sehr, wird es einem klar, wenn plötzlich eine zweistellige Zahl Frauenaugen auf einen gerichtet sind und mehrere weibliche Fans sich dafür entscheiden, im Nachhinein ganz spontan für einen extra Prosecco doch noch zu bleiben. Fast wie Groupies. Es wird geflirtet und manchmal fragt man sich, ob man es mit kichernden Teenager-Mädels zu tun hätte. Mein Gott, ist das peinlich! Kaum ist ein Vertreter des anderen Geschlechts da, werden wir alle zu „Weibern“?
Wiederum werde ich an meiner Frauenuni in Amerika erinnert. Manch eine Kommilitonin ist dort während der Woche konsequent in ihrem Pyjama zur Vorlesung gekommen. Der schlabbrige Amazonenpyjama-Look wurde bei den gemischten Wochenendpartys für das knallenge kleine Schwarze, Pumps und knallroten Lippenstift ausgetauscht.

Andererseits, ist es bei Männern wirklich anders? Jeder, der pubertierende Jungs hat, merkt wie sie plötzlich mehr Zeit im Bad vor dem Spiegel verbringen und Push-ups machen, wenn sie anfangen, sich für Mädchen zu interessieren.
Also mein Fazit: Frauennetzwerke sind geschlossene Gesellschaften. Sei dir dessen einfach bewusst und mache deine eigenen Erfahrungen.

Bildnachweis: Dean Drobot / Shutterstock

Redaktion

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