18. September 2017 · Arbeitsleben · von

Das Einmaleins der Plauderei: So wirst du zum Meister des Smalltalks

Peinlich berührtes Schweigen im Lift, unbehagliche Gesprächspausen bei Tisch oder zähe Konversation in der Veranstaltungspause. Hand aufs Herz: Wer führt schon leidenschaftlich gerne Smalltalk? Weil die hohe Kunst des leichten Gesprächs zum Berufsleben aber einfach dazu gehört, kommt für euch jetzt Unterstützung. Wie Smalltalk funktioniert, was Dominosteine mit dem Wetter zu tun haben und wie ihr zum Meister der kleinen Konversation werdet:

Die hohe Kunst des leichten Gesprächs

Carolin Lüdemann

Carolin Lüdemann

Smalltalk ist ein Türöffner zu neuen Kontakten, interessanten Gesprächen und vielleicht sogar einem neuen Job. Vor allem im beruflichen Umfeld landet man immer wieder in Situationen, die spontane Gespräche erfordern. Kein Networking ohne Smalltalk! Wer die leichte Konversation beherrscht, überbrückt damit Wartezeiten, meistert neue Begegnungen und hinterlässt bei Gesprächspartnern einen guten Eindruck. Das beiläufige Geplaudere erfordert allerdings viel Fingerspitzengefühl und mitunter gute Nerven. Smalltalk führen kann aber trainiert werden und wer ein paar einfache Regeln beachtet, dem kommten die Alltagsgespräche leicht über die Lippen. Wir haben bei Businesscoach Carolin Lüdemann nachgefragt: Was ist an Smalltalk eigentlich so verdammt schwierig?

“Wir besprechen zwar viele Themen, kratzen aber nur an der Oberfläche – und dann geht der Gesprächsstoff aus.”

Smalltalk zu führen steht bei den meisten nicht unbedingt auf der Liste der Dinge, die sie gerne tun. Warum fallen uns diese Gespräche so schwer?

Lüdemann: Den meisten Menschen fällt Smalltalk schwer. Mit hoher Wahrscheinlichkeit treffen wir in Smalltalk-Situationen also auf jemanden, dem es ebenfalls nicht ganz leicht fällt. Solch ein Gespräch zu führen fällt schwer, weil wir uns gerne in Standardgespräche flüchten. Damit meine ich weit verbreitete Abfolgen von Floskeln: Wie geht’s? Danke gut – und selbst? Ja, auch gut. Egal, auf wen man trifft, das Gespräch ist immer dasselbe, der Gesprächspartner ist austauschbar. Kurzum: Floskeln erschweren ein gutes Gespräch. Außerdem ist vieles, das man über Smalltalk hört, nicht sehr hilfreich. Man plaudert wie geraten über das Wetter, Kultur und tagesaktuelle Ereignisse und hofft, dass sich daraus weitere Themen ergeben – dem ist aber oft nicht so. Es liegt daran, dass wir zwar viele Themen besprechen, aber nur an der Oberfläche kratzen. Dann geht uns der Gesprächsstoff auch schnell aus.

Tipps: Vom Smalltalk zum richtigen Gespräch

Das Wetter ist der Klassiker unter den Smalltalk-Themen. Eine gute Wahl oder eher nicht?

Lüdemann: Das Thema Wetter ist besser als sein Ruf. Darüber kann man vor allem zu Beginn gut sprechen. Allerdings verhält es sich mit den Themen beim Smalltalk wie mit aufgereihten Dominosteinen. Das Thema Wetter muss also ein anderes Gesprächsthema anstoßen. Vom Wetter könnte man zum Beispiel auf die Jahreszeit zu sprechen kommen, dann auf den Urlaub und so auf die Pläne für die Ferienzeit. Dabei allerdings nicht zu lange verharren. Taucht das Thema Wetter mitten im Smalltak dann noch einmal auf, ist das kein gutes Zeichen: Fällt einem nichts mehr ein, rettet man sich üblicherweise wieder zurück zum Wetter.

Gibt es abgesehen vom Wetter noch andere Themen, die sich gut eignen?

Lüdemann: Grundsätzlich ist es immer gut, auf etwas Konkretes in der Umgebung Bezug zu nehmen. Auf einer Veranstaltung bietet es sich natürlich an, über das Event zu plaudern, über einen Vortrag, den man dort gerade gehört hat oder über das Buffet – was sich vor Ort eben so anbietet. Der Vorteil: Über Konkretes zu sprechen macht es dem Gegenüber einfach, auch etwas dazu beizusteuern.

“Menschen plaudern mehr, wenn es um angenehme Dinge geht.”

Welche Gesprächsthemen sollten besser vermieden werden?

Lüdemann: Geläufig ist sicher, dass über Konfliktträchtiges wie Politik oder Religion besser nicht gesprochen wird. Das ist eher ein schwieriger Einstieg in ein Gespräch. Was mir häufig auffällt ist, dass in solchen Gesprächen dann auch nachgefragt wird: Wie finden Sie das? Jetzt muss der Gesprächspartner Farbe bekennen und sagen, ob er etwas gut oder weniger gut findet. Das birgt Konflikte, wenn der andere eine ganz andere Position einnimmt als man selbst. Deshalb im Smalltalk vorerst neutral bleiben.

Gut ist hingegen, positive Dinge anzusprechen, statt das Haar in der Suppe zu suchen. Oft tendieren wir nämlich dazu, negative Dinge anzusprechen: Der Wein ist etwas zu warm. Positive Dinge anzusprechen macht uns hingegen sympathisch und bringt auch mehr Gesprächsbeiträge hervor – von allen Seiten. Menschen plaudern mehr, wenn es um angenehme Themen geht.

Ist Smalltalk führen antrainierbar?

Lüdemann: Ja, aber nur unter den richtigen Bedingungen. Man muss sich die richtige Gelegenheit dafür herauspicken, z.B. ein Businessevent, wo jeder darauf eingestellt ist, auch Smalltalk zu führen. Die Situation muss passen.

Wie gelingt ein guter Ausstieg aus Smalltalk-Situationen?

Lüdemann: Manchmal ist Smalltalk ohnehin zeitlich begrenzt, weil man sich z.B. zufällig über den Weg läuft. Dann kann man einfach sagen, dass man leider schon weiter muss. Auf einer Veranstaltung würde auch passen: Ich habe dort hinten noch jemanden getroffen, der mit mir kurz ein paar Worte wechseln möchte. Es ist immer gut zum Ausdruck zu bringen, dass das Gespräch Spaß gemacht hat, aber man leider noch eine andere Verpflichtung hat. Was wenig charmant ist, aber oft gemacht wird, sind Ausflüchte wie: Ich gehe mir schnell die Hände waschen. Oder: Ich hole mir nur rasch etwas zu trinken. Das erweckt den Eindruck, als würde man wieder zurückkommen – tut es dann aber nicht.

Die Grundregel: Erzählen statt fragen

Welche Tipps haben Sie noch für guten Smalltalk?

Lüdemann: Ein klassisches Gesprächsverhalten, das immer wieder auftaucht ist: Selbst wenig zu sagen und dann sofort eine Frage nachzuschicken. Vor allem zu Gesprächsbeginn sind Fragen immer schwierig, weil sich das Gegenüber schnell ausgefragt vorkommt. Man scheut sich davor, von sich selbst gleich viel preiszugeben. Geschickter ist es, selbst in Vorleistung zu gehen und etwas mehr und länger von sich selbst zu erzählen. Erzähle ich von mir, erzählt auch der andere von sich. An der Frage “Wie geht’s?” kann man das gut veranschaulichen. Darauf würde ich nicht einfach “Danke, gut und Ihnen?” antworten sondern mehr erzählen. “Danke, es geht mir gut weil das Wetter am Wochenende prima wird und ich mich schon sehr auf eine geplante Wanderung freue.” So bringe ich Themen auf den Tisch, auf die andere gleich einsteigen können. Unterbewusst fühlt sich der Gesprächspartner dann auch unter Zugzwang: Ich habe einiges erfahren, jetzt muss ich auch etwas von mir erzählen. Das macht Smalltalk schnell individuell und führt rascher zu einem richtigen Gespräch.

Wenn das Gespräch stockt: Wie bringt man die Konversation wieder in Gang?

Lüdemann: Pausen entstehen meist, weil wir noch kein verbindendes Thema gefunden haben. Man plaudert zwar über viel, aber eben nur ein bisschen. Für ein gutes Gespräch muss man sich auf die Suche machen nach einem Thema, über das beide gerne sprechen möchten. Welches das ist, findet man aber erst heraus, wenn beide etwas mehr von sich erzählen. Weg von Floskeln und Standardfragen! Zwei Themen, die übrigens immer gut gehen: Kinder und Haustiere.

Vom Smalltalk zum Tischgespräch

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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