Erstellt am 5. Mai 2020 · Arbeitsleben · von

Was fang ich mit meiner Zeit an? Wie du Motivation für Sinnvolles findest

Lesezeit: 4 Minuten

Hast du momentan mehr Freizeit, als du gewöhnt bist? Dann kennst du wahrscheinlich auch diese innere Stimme, die dir sagt, du solltest eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung finden. Aber wie gelingt das und wie motiviert man sich, überhaupt etwas zu tun? Die Psychologin gibt Rat:

Da hat man endlich die Freizeit, von der man geträumt hat – und weiß nichts damit anzufangen. Möglichkeiten gäbs ja viele: Online-Fortbildung, Bücher lesen oder Sport machen … Aber die Couch ist einfach zu bequem und es gibt noch so viele Serien zu schauen! – So hadert man mit dem schlechten Gewissen und der innere Schweinehund gewinnt doch meistens.

Wie man ihn austrickst und die Motivation für sinnvolle Freizeitbeschäftigungen findet, erklärt uns Arbeitspsychologin Christa Schirl – und beruhigt: Auch Serien schauen kann sinnvoll sein!

Was ist eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung? So findest du es raus

Arbeitspsychologin SchirlWarum sollten wir uns überhaupt eine „sinnvolle“ Freizeitbeschäftigung suchen? Christa Schirl erklärt den Grund anhand einer anschaulichen Metapher: „Stellen Sie sich ein Blumenbeet vor. Wenn man alles ausreißt und es leer liegen lässt, wird sich schnell das Unkraut durchsetzen. Genauso geht es uns jetzt auch. Wenn wir nichts Sinnvolles säen, entwickeln sich Dinge, die wir nicht wollen.“

Die 3 Wege zum Sinn

Was aber ist sinnvoll? Um diese Frage zu beantworten, erklärt die Psychologin das Sinn-Modell des Neurologen und Psychiaters Viktor Frankl. „Laut ihm gibt es drei Wege, um Sinn zu erkennen beziehungsweise Sinn zu erleben.“ Diese sind:

  • Schöpferisches: ein neues Projekt in der Arbeit beginnen oder zuhause etwas bauen, basteln, erstellen … Schöpferische Tätigkeiten, mit der du deine Kreativität ausdrückst, wirken sinnstiftend.
  • Erlebniswerte: eine Tasse Cappuccino, der Blick in den Himmel oder aber ein cooles Video bzw. ein spannender Film; bei diesen Erlebnissen tun wir nicht viel, sondern sind ganz im Moment. Sehen, hören, riechen, schmecken, spüren – mehr braucht es nicht, um Sinn zu erleben.
  • Einstellungswerte: Sehe ich das Glas halb leer oder halb voll? Wenn wir Tätigkeiten oder Situationen positiv empfinden, ihnen gegenüber optimistisch eingestellt sind, empfinden wir sie eher als sinnvoll.

Das Sinnvollste herausfinden: Was ist jetzt am besten für mich?

Die Wege zum Sinn sind also sehr vielfältig und fast alles kann als sinnvoll erachtet werden. Das macht die Entscheidung allerdings nicht einfacher. Denn wie kann man sich entscheiden, was aktuell das Sinnvollste ist und wie man die Zeit jetzt am besten nützt? Christa Schirl beruhigt: „Vergessen Sie das Beste! Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Alles, wofür man sich jetzt entscheidet, ist gut. Und danach ist Platz für etwas anderes. Wichtig ist nämlich, nicht nur einen Sinnaufruf zu vergötzen. Mehrere verschiedene Sinnaufrufe tun uns jetzt gut. Zum Beispiel kann ich am Morgen Yoga machen oder eine Runde um den Häuserblock laufen, danach das eine oder andere im Homeoffice erledigen.“

„Vergessen Sie das Beste!“

Bei der Wahl der „sinnvollen Beschäftigung“ sollte man sich, so Schirl, nicht zu sehr den Kopf zerbrechen, sondern in sich hineinhören und schauen, was sich gerade stimmig anfühlt. Darauf hat auch die Tageszeit einen Einfluss: „Wenn es Dinge gibt, bei denen man den inneren Schweinehund überlisten muss, dann macht man das am besten gleich in der Früh, denn da ist die Motivation für die meisten Menschen am größten“, erklärt die Psychologin.

Sinnvolles tun: So findest du die Motivation, wenn dich nichts freut

Wenn für dich im Moment aber nichts so richtig Sinn macht und es dir schwerfällt, dich aufzurappeln, solltest du deine Fragestellung ändern: Statt „Was freut mich?“ hin zu „Was ist notwendig?

„Freude ist oft ein schlechter Ratgeber.“

Christa Schirl meint dazu: „Freude ist oft ein schlechter Ratgeber. Lernen hätte mich zum Beispiel nie gefreut. Der Sinn ist ein viel besserer Ratgeber. Den kann ich auch finden, indem ich mich frage, was notwendig ist. Was wendet meine Not, was wendet die meiner Familie, meiner Nachbarn, meines Teams? Und egal, ob es mich freut, ich machs trotzdem. Denn Helfen stiftet nicht nur Sinn, sondern macht auch glücklich!“

Sinn und Zielsetzung sind die beste Motivation

Du kennst das wahrscheinlich. Du wachst in der Früh auf und dein erster Gedanke ist: Mich freuts nicht aufstehen. Dennoch gibst du diesem Gefühl nicht nach, sondern wählst einen anderen Gedanken: Aufstehen, los gehts! Genau diese Herangehensweise hilft dir aus Motivationstiefs: „Ein Gefühl ist nur ein Gefühl, zu jedem gehört ein Gedanke. Zum Gedanken ‚mich freuts nicht aufstehen‘ gehört das Gefühl Unlust. Zum Gedanken ‚ich steh jetzt auf und tu was‘ gehört das Gefühl Pflichtbewusstsein oder Sinnhaftigkeit.“

Genau darin liegt, so Schirl, die Motivation. Diese Sinnhaftigkeit kann sich jeder selbst erstellen: „Mein heutiger Sinn, aufzustehen, kann sein: Ich koche etwas Gutes und mache damit mir und meiner Familie, meinem Partner, meinen Mitbewohnern eine Freude. Oder ich ordne den Medikamentenschrank neu, ich räume auf, oder ich frage einfach bei meinen Liebsten nach, wie es ihnen geht. Das alles können Ziele sein, die meinem Tag Sinn verleihen. Das Allerwichtigste ist jedenfalls, dass wir uns nicht nur auf Corona und die Einschränkungen konzentrieren, sondern an die Fülle an Möglichkeiten denken, die uns gegeben sind.“

Das ganze Interview zum Ansehen:

Den ersten Teil des Interviews mit Christa Schirl kannst du hier ansehen. Teil 2 erscheint am Donnerstag, den 7.5.!

Bildnachweis: shutterstock/wavebreakmedia

Lisa-Marie Linhart

Lisas Liebe gilt dem Wort und der Musik. Bei uns kombiniert sie beides zu wohlklingenden Blogbeiträgen mit dem richtigen Groove für Themen, die das Arbeitsleben leichter und die Karriereplanung einfacher machen.