Erstellt am 30. April 2019 · Arbeitsleben, Gehalt · von

Finanztipps vom Profi – Teil 3.1: So gehst du richtig mit deinem Gehalt um

Lesezeit: 6 Minuten

Finanzplanung klingt ja erst mal unsexy … Wenn dir aber nach Miete, Lebensmitteln und Co. am Monatsende kaum was übrigbleibt oder du am Beginn deiner Berufslaufbahn stehst, solltest du lernen, richtig mit deinem Gehalt umzugehen. Die Finanzprofis von FiP.S erklären uns, wie viel man für Fixkosten, Spaß und Absicherung ausgeben soll und warum.

„Über Geld spricht man nicht, man hat es“, soll jemand mal gesagt haben. Meist hat man es aber nur sehr kurz – und fragt sich am Monatsende: „Wo ist schon wieder mein ganzes Gehalt hin?“ An Geldanlage oder Versicherungen ist da erst gar nicht zu denken. Was aber, wenn man diese Dinge von Anfang an miteinplant? Unser Gastautor Florian Märzendorfer, Finanzplaner bei FiP.S, erklärt, wie man sein Gehalt optimal nützt, und wird dabei zum Jongleur …

Ein Gastartikel von Florian Märzendorfer

Wie du mit deinem Gehalt richtig umgehst

Florian Märzendorfer

Florian Märzendorfer, CEO von fip-s.at

Wenn du darüber nachdenkst, wofür du dein Geld ausgibst, dann kannst du dir das vorstellen, wie wenn du fünf Bälle jonglierst. Die Bälle sind:

  • deine Fixkosten für Wohnen, Essen & Co.
  • deine mittelfristigen Ziele wie eine Eigentumswohnung, die teure Afrika-Safari und für was du sonst noch in den nächsten fünf bis zehn Jahren sparst
  • dein Spaßbudget: Kino, Kurzreisen, Shopping & Co.
  • deine Altersvorsorge: also das Geld, das du brauchst, um im Alter finanziell frei zu sein
  • deine persönliche Absicherung – also deine Versicherungen

Die meisten Menschen schauen vor allem auf drei Bälle: die Fixkosten, das Spaßbudget und vielleicht noch die mittelfristigen Ziele. Die Altersvorsorge und die persönliche Absicherung sind jene Bälle, an die vor allem junge Leute fast gar nicht denken. Wenn du dich beim Jonglieren nicht konzentrierst, dann kann schon mal ein Ball auf den Boden fallen. Das Problem dabei ist, dass der Versicherungs-Ball aus leicht zerbrechlichem Glas ist. Wenn du ihn fallen lässt, dann ist er im schlimmsten Fall komplett kaputt oder zumindest irreparabel beschädigt.

Wenn du dich allerdings früh genug auf den Versicherungs-Ball konzentrierst, dann passiert etwas richtig Cooles: Du kannst ihn aus dem Spiel nehmen. Ab jetzt musst du nur noch vier Bälle jonglieren. Der Versicherungsball aus Glas liegt etwas abseits auf einem sehr weichen Polster. Ja, ich mach mich jetzt gleich mal unheimlich beliebt, indem ich mit dem Lieblingsthema aller Menschen starte: Versicherungen.

Gehalt richtig nützen: Sind Versicherungen nötig?

Wenns um Versicherungen geht, dann solltest du das versichern, was für dich existenzbedrohend werden kann. Aus diesem Grund sind die folgenden drei Versicherungen für dich essenziell:

Die drei essenziellen Versicherungen

  1. Privathaftpflichtversicherung: Die Privathaftpflichtversicherung übernimmt – einfach gesagt – Schäden, die du jemand anderem zufügst. Das kann zum Beispiel die aus Versehen zerstörte Brille eines Freundes sein. Vor allem gehts aber um Personenschäden. Wenn du beim Radfahren einen Fußgänger übersiehst, mit ihm zusammenstößt und er dadurch im Rollstuhl sitzt, dann ist das rein finanziell betrachtet (ohne auch nur an die psychischen Auswirkungen zu denken) „der Super-GAU“. Genau das deckt eine Privathaftpflichtversicherung ab. Bei uns in Österreich ist diese übrigens immer in der Haushaltsversicherung inkludiert. Für die Haftpflichtversicherung brauchst du übrigens keine komplizierte Wahrscheinlichkeitsrechnung. Sie ist extrem billig, aber wenn du keine hast und der Worst Case eintritt, dann bist du finanziell ruiniert.
  2. Unfallversicherung: Die Unfallversicherung soll DICH schützen, wenn du einen Unfall hast. Im Worst Case sitzt DU im Rollstuhl. Was wird dann notwendig sein? Die Wohnung oder das Haus muss barrierefrei gemacht werden. Vielleicht gehört ein Auto umgebaut, damit du wieder mobil bist. Das alles kostet Geld (egal ob du im Rollstuhl sitzt oder eine künstliche Gliedmaße brauchst). Genau dafür soll die Unfallversicherung da sein: Wenn du einen dauerhaften Schaden erleidest, der dein Leben stark beeinträchtigt, dann soll einmalig eine größere Summe Geld zur Verfügung stehen. Vergiss so Kleinigkeiten wie eine Knochenbruchpauschale oder ob du ein paar hundert Euro bekommst, wenn du dir ein Band reißt. Das ist zwar wahrscheinlicher, aber: Werden ein paar hundert Euro dein Leben verändern, wenn du dir etwas brichst? NEIN. Wirklich viel Kohle brauchst du bei einem dauerhaften Schaden. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist zwar geringer, aber genau dann benötigst du wirklich eine finanzielle Spritze. Genau dafür ist eine sinnvolle Unfallversicherung da.
  3. Berufsunfähigkeitsversicherung: Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung gehts darum, dass du dich für jenen Fall absicherst, dass du aufgrund von Krankheit (inkl. Burnout und anderer psychischer Erkrankungen) oder Unfall nicht mehr arbeiten kannst. Falls du dich gerade fragst: „Überschneidet sich das nicht mit der Unfallversicherung?” Nein. Denn erstens werden „nur” ca. 3 bis 10 Prozent der Menschen aufgrund eines Unfalls berufsunfähig – die anderen Fälle sind krankheitsbedingt. Zweitens gehts bei der Berufsunfähigkeitsversicherung um eine monatliche Zahlung (und nicht um eine Einmalzahlung). Und drittens werden vor allem auch vorübergehende Ausfälle abgedeckt und nicht nur dauerhafte Schäden bzw. Ausfälle bis zum Lebensende.

Speziell im Fall der Berufsunfähigkeitsversicherung solltest du dir das Thema Wahrscheinlichkeit vor Augen führen. Wie viel Prozent aller Uni- und FH-Absolventen werden bis zum 65. Lebensjahr irgendwann einmal berufsunfähig (sprich: Sie fallen für 6 Monate oder länger am Stück aus)? Es sind zwischen 20 bis 25 Prozent – je nach exaktem Beruf ist die Wahrscheinlichkeit etwas höher oder niedriger.

Falls du beim Durchlesen gerade gedacht hast: Hab ich, hab ich, hab ich. Thema abgehakt. Stopp. Du solltest die Verträge auch ab und zu überprüfen. Du nimmst den Versicherungs-Ball also manchmal von seinem Polster und fragst dich: Gibts inzwischen etwas Besseres? Reicht der Schutz, den du aktuell hast? Der erste Schritt, um richtig mit dem Gehalt umgehen zu lernen, also die Erstellung eines vernünftigen Finanzplanes inkl. Versicherungen, Vorsorge & Co., ist enorm wichtig. Aber genauso wichtig ist es, diesen up to date zu halten, zu erweitern oder je nach Lebenssituation abzuspecken.

Was Versicherungen kosten dürfen

Natürlich wird es je nach Lebenslage zu Unterschieden kommen, aber grob solltest du dich bei folgenden Prämien bewegen:

  • Privathaftpflichtversicherung: 3 bis 5 € pro Monat
  • Unfallversicherung: 15 bis 25 € pro Monat (je nach Höhe, Bundesland, Beruf, Hobbys, etc. unterschiedlich)
  • Berufsunfähigkeitsversicherung: 20 bis 35 € pro Monat für 1.000 bis 1.200 € monatliche Rente

Bitte nimm diese Werte nicht als in Stein gemeißelt an. Aber als Grobindikator sollten sie passen. Wenn du für deine Unfallversicherung zum Beispiel 50 € bezahlst, dann ist sie vermutlich einfach zu teuer und/oder du bist überversichert. Wenn sie 5 € kostet, dann ist sie nicht einfach günstig, sondern du bist wahrscheinlich stark unterversichert.

Richtig mit dem Gehalt umgehen: Sinnvolle Zusatzversicherungen

Eine Krankenzusatzversicherung kann extrem viel Sinn machen. Speziell in jungen Jahren den Fuß in die Tür des Zusatzversicherungssystems zu bekommen, zahlt sich langfristig aus. Wenn du richtig mit deinem Gehalt umgehen willst, sollte das als nächste Priorität auf der Agenda stehen. Je nachdem, wie alt du bist, kostet dich ein reiner Optionstarif „nur” 15 bis 25 € monatlich.
Ebenfalls sinnvoll kann eine Rechtsschutzversicherung sein. Die kostet nicht viel und du kannst sie dir wie eine Art Flat-Fee für Anwaltsthemen vorstellen. Die Versicherung ist sicher nicht die Wichtigste von allen, aber sie zählt definitiv noch zu den „good to have”-Versicherungen. Preislich solltest du je nach Umfang bei 10 bis 20 € monatlich liegen.

Auf diese Versicherungen kannst du verzichten

  1. Handy-Versicherungen: Die meisten Handy-Versicherungen sind preis-/leistungstechnisch nicht wirklich sinnvoll. Mehr muss man dazu eigentlich nicht sagen.
  2. Ablebensversicherung – je nach Situation: Wenn du noch keine Kinder hast und auch keine Wohnung oder ein Haus finanzierst, dann ist eine reine Ablebensversicherung meistens auch nicht notwendig. Sie wird aber relativ oft mit dem Schmäh verkauft: Je früher du sie abschließt, desto günstiger ist sie. Und später bekommt man sie vielleicht nicht mehr aufgrund von Krankheit & Co. Ja, das stimmt alles. Aber wenns zum Beispiel um die Absicherung eines Kredits geht, dann kann dir fünf Jahre vor dem Kredit keiner sagen, wie lange der laufen soll und in welcher Höhe. Wenn du richtig mit deinem Gehalt umgehen willst, solltest du das wirklich erst dann machen, wenns notwendig ist. Wenn es aktuell niemanden gibt, der finanziell auf dich angewiesen ist, dann ist es aktuell noch nicht wichtig.
  3. Todesfallschutz bei einer Unfallversicherung: Wenn du einen Todesfallschutz (= Ablebensversicherung) benötigst, dann solltest du eine reine Ablebensversicherung haben. Die deckt bei Krankheit und Unfall. Der Todesfallschutz in der Unfallversicherung ist preis-/leistungstechnisch teurer als eine explizite Ablebensversicherung. Wenn eine Ablebensversicherung benötigt wird, dann ist das im Paket mit der Unfallversicherung sowieso nicht ausreichend. Also vergiss diesen Baustein.

Ich könnte hier noch ewig weitermachen, aber so sehr will ich dich mit dem Versicherungsthema jetzt auch nicht nerven. Was du aber unbedingt realisieren solltest: Versicherungen sind notwendig, bevor du über langfristige und mittelfristige Geldanlage nachdenkst. Für den richtigen Umgang mit Geld solltest du immer bedenken: Ein nicht versichertes Ereignis kann deine gesamten Ersparnisse zerstören.

Must-Have: Versicherungen sind wie Sicherheitsgurte

Falls du noch unsicher bist … Du kannst dir eine Versicherung ein bisschen wie den Sicherheitsgurt beim Autofahren vorstellen. Fast niemand wird dir mit Funkeln in den Augen von seinem Sicherheitsgurt im Auto erzählen. Aber im Unglücksfall rettet der Sicherheitsgurt Leben. Falls du dir bei den entscheidenden Versicherungen weiter oben gedacht hast: „Ach, das brauche ich alles erst später. Ich bin ja noch so jung …” Denke an den Sicherheitsgurt. Wenn du beim Autounfall gerade am Weg durch die Windschutzscheibe bist, dann kannst du den Gurt auch nicht mehr anlegen. Wenn der Versicherungsfall erstmal eingetreten ist, dann ists zu spät.

Details zum Thema „Richtig absichern” erfährst du im Blog von FiPS.

Im nächsten Artikel erfährst du, wie viel du für die einzelnen Bälle einplanen solltest und wie du dein Gehalt vermehren kannst …

Mehr Tipps von den Finanzprofis gibts in Teil 1 und 2 der Serie:

Bildnachweis: shutterstock/Zakhar Goncharov; FiP.S

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