14. Februar 2017 · HR · von

Mitarbeiterbindung: 7 Faktoren für motivierte Arbeitnehmer

Es sind die kleinen Dinge, die Freundschaften erhalten. Auch ein Unternehmen lebt vom Nehmen UND Geben. Um Mitarbeiter zufrieden zu machen und langfristig zu binden, sollten ein paar Faktoren beachtet werden. Mit diesen Tipps erreichen Sie mit wenig Aufwand ein motivierendes Arbeitsumfeld.

Sich respektiert, geschätzt, ernst genommen und als Teil eines Teams zu fühlen – das wünschen sich die meisten Mitarbeiter. Wird das vom Arbeitgeber beherzigt, fällt es Arbeitnehmern ungleich leichter, nicht nur Dienst nach Vorschrift zu machen. Wenn alles passt, stellen sie sich auf den Kopf, erreichen Unglaubliches und verhelfen dem Unternehmen zu mehr Größe (im zweifachen Sinn).

Motivierte und zufriedene Mitarbeiter zu haben ist kein Ding der Unmöglichkeit, fällt einem Unternehmen aber auch nicht in den Schoß.

Sieht sich ein Mitarbeiter bereits um, welche Jobs es am Markt gibt, ist er mit einem Fuß schon aus der Tür draußen. Dementsprechend wichtig ist es, das Problem zu behandeln, bevor es überhaupt existiert. Das beginnt beim Bewerbungsgespräch (Stichwort: Candidate Experience), geht über das Onboarding und endet bei regelmäßigem Feedback (wozu übrigens auch das Absageschreiben gehört). Damit ein Gegenangebot zur Kündigung gar nicht erst nötig wird, kann man rechtzeitig gegenlenken.

5 Gründe, warum es sich auszahlt, Mitarbeiter zu motivieren

Mitarbeiterbindung und -motivation werden oft als eher zweitrangige Unternehmensziele wahrgenommen. Zufriedene Mitarbeiter zu haben hat allerdings viel weitreichendere Auswirkungen, als nur gut gelaunte Menschen. Zwar fördert man mit entsprechenden Maßnahmen in erster Linie das Arbeitsumfeld, Unternehmenskultur und die Stimmung, allerdings lässt sich das Engagement von Mitarbeitern auch an harten Fakten festmachen:

  1. Motivierte Mitarbeiter setzen sich über ihre Komfortzone für ihre Arbeit ein. Sie arbeiten engagiert und deswegen meist effizienter.
  2. Sind Mitarbeiter zufrieden, empfehlen sie ihren Arbeitgeber und dessen Produkte weiter (und was gibt es Besseres, als Werbung aus den eigenen Reihen?)
  3. Glückliche Angestellte zeigen Initiative, arbeiten gerne an neuen Projekten und stehen zu ihren Fehlern, während sich unzufriedene Mitarbeiter eher in Ausreden üben, sich beschweren und nur das Nötigste erledigen.
  4. Zufriedenere Mitarbeiter arbeiten lieber im Team und ein gutes Teamgefüge führt zu mehr Motivation und Produktivität.
  5. Sind Mitarbeiter im Unternehmen glücklich, bleiben sie auch und mindern Fluktuation und auf Dauer auch die Time-to-Hire.

7 essenzielle Faktoren für bessere Mitarbeiterbindung

Demotivierte Mitarbeiter sind ein Symptom eines größeren Problems und oft liegt es am HR-Management, diese Probleme zu lösen.

Officevibe hat dazu eine längerfristige Datenerhebung (2013 bis 2016) mit mehr als 50.000 Teilnehmern in 1.000 Unternehmen in über 150 Ländern gemacht.

#1 Wertschätzung

Lob nur in Maßen austeilen – ein Credo, das gehörig nach hinten losgehen kann. Laut dem Buch „How Full is your Bucket“ ist zu geringe Wertschätzung der Nummer eins Grund dafür, warum Arbeitnehmer kündigen. Wenn ein Mitarbeiter immer solide Leistungen liefert, sollte er auch Wertschätzung dafür erfahren. Gibt es doch kaum etwas Frustrierenderes, als keine Anerkennung zu bekommen, wenn man sie verdient hätte.

65 % der Arbeitnehmer fühlen sich zu wenig wertgeschätzt – Unternehmen, die das berücksichtigen, haben 31 % weniger Fluktuation.

Einen Job gut oder nur halbherzig zu machen, wird für den Mitarbeiter irgendwann zur Nebensache, wenn ihm dafür keine Anerkennung zuteilwird. Auch kleine Errungenschaften sollten gelobt werden. Mehr Wertschätzung ist der erste Schritt zu zufriedeneren Mitarbeitern und bedeutet zudem weniger Personalwechsel – was bekanntlich bares Geld wert ist. Und dabei geht es in erster Linie um immaterielle Dinge: Mitarbeiter schätzen Lob mehr als Geschenke! Laut der Umfrage von Officevibe werden mehr als zwei Drittel der Mitarbeiter weniger als einmal pro Woche gelobt.

Wie kann man Wertschätzung im Unternehmen umsetzen? Beispielsweise, indem Sie Vergünstigungen und Benefits anbieten, die Ihren Mitarbeitern zeigen, dass Sie dankbar sind. Etwa durch

  • kostenlose Snacks, gesundes Essen
  • die Möglichkeit von Home Office
  • Vergünstigungen für Sportkurse
  • Teamevents auf Kosten des Unternehmens
  • etc.

Diese Dinge sind allerdings nur ein Bonus, der ein stabiles Fundament von gegenseitigem Respekt, Wertschätzung und guter Kommunikation nicht ersetzen kann.

#2 Feedback

„Durchs Reden kommen die Leut´ zamm“ – eine offene Gesprächskultur aufzubauen, kann viele Probleme im Keim ersticken. Direktes Feedback zu geben, hilft Mitarbeitern ebenso wie regelmäßiger Kontakt. Nur durch Rückmeldung zu ihrer Arbeit können Mitarbeiter wachsen und sich entwickeln.

35 % der Arbeitnehmer warten länger als 3 Monate auf Feedback von ihren Vorgesetzten.

Eine gute Arbeitgeber/Arbeitnehmer-Beziehung basiert auf Kommunikation, Vertrauen und Respekt. Dies kann nur stattfinden, wenn die Beziehung zwischen unterschiedlichen Hierarchieebenen positiv oder zumindest nicht negativ ist. Mischt sich Angst in den Arbeitsalltag, etwa weil der Abteilungsleiter niemals grüßt und nur mit den Mitarbeitern spricht, wenn es Probleme gibt, ist die Atmosphäre vergiftet. 82 Prozent der Arbeitnehmer wünschen sich Feedback, egal ob es positiv oder negativ ausfällt. Dieses kann übrigens auch von Kollegen kommen, da sie oft einen besseren Einblick in den Arbeitsalltag haben – ermutigen Sie Kollegen, sich gegenseitig Rückmeldungen zu geben.

Wie erreicht man eine gesunde Feedback-Kultur im Unternehmen?

  • Die „Basics“ von zwischenmenschlicher Kommunikation sollten gegeben sein: Grüßen, „Bitte“ und „Danke“ und ein Lächeln im Arbeitsalltag sind die Basis
  • Sorgen Sie dafür, dass Sie als Manager Teil des Teams sind und nicht darüber oder daneben stehen
  • Der Arbeitsplatz sollte für niemanden ein Ort der Angst sein – eine Atmosphäre von Respekt und Vertrauen sorgt dafür, beispielsweise indem man bei offensichtlichen Problemen nachfragt, Anteilnahme zeigt. Fehler sollten außerdem nicht zum Stigma werden – immerhin kann das ganze Team davon lernen
  • Das Mitarbeitergespräch einmal im Jahr ist zu wenig – regelmäßige Meetings, Besprechungen von Angesicht zu Angesicht und Zielerreichungs-Gespräche sorgen für mehr Verbindlichkeit und eine gute Beziehung

Wichtig: Die Qualität von Feedback! Sinnvolle, aussagekräftige und konstruktive Rückmeldungen erreichen mehr.

#3 Happiness

Wer mit seinem Job „happy“ ist, der wird ihn zweifelsohne auch besser machen. Mitarbeiter kann man nicht nötigen, ihre Arbeit mit Herzblut zu verrichten – jedoch kann man für ein positives Arbeitsumfeld sorgen und mit kleinsten Änderungen im Arbeitsalltag (siehe Punkt 1 und 2) Großes bewirken.

Ein Drittel der befragten Arbeitnehmer fühlt sich in ihrer Arbeit nicht glücklich. Oftmals hat das auch private Gründe – immerhin gibt ein Viertel der Befragten an, auch im Privatleben nicht ganz glücklich zu sein.

Sind Mitarbeiter demotiviert, beschweren sie sich auch eher über ihre Arbeit und füllen ihren Tag mit vielen Pausen oder Social Media. Dann sollte man sich fragen:

  • Machen meine Mitarbeiter oft Überstunden?
  • Sind sie mit ihrer Workload über- oder unterfordert?
  • Werden sie auch an Wochenenden oder im Urlaub mit Arbeitsaufgaben betraut?
  • Erhalten sie genug Anerkennung und Feedback für ihre Arbeit?
  • Zeige ich Anteilnahme auch für private Probleme?

Wirkt ein Mitarbeiter unzufrieden, sollte die jeweilige Situation jedenfalls genauer betrachtet und evaluiert werden, wie man diese für beide Parteien verbessern könnte. Eine konkrete Problemlösung könnte sein, in einer offenen Konversation die Rolle des Mitarbeiters im Unternehmen zu erarbeiten und zu eruieren, wo er sich in Zukunft sieht.

#4 Persönliche Weiterbildung

Mitarbeitern professionelle Programme zur Förderung und Weiterentwicklung anzubieten, fördert die persönliche Motivation, die Lust zum Wachstum mit dem Unternehmen und die Mitarbeiterbindung.

57 % der Arbeitnehmer glauben, dass sie keine Möglichkeiten haben, ihre Karriere voranzutreiben.

Selbstständigkeit und Unabhängigkeit bedingen zu einem großen Teil die Mitarbeiterzufriedenheit und nur die wenigsten Arbeitnehmer haben das Gefühl, selbstständig arbeiten zu können (42 Prozent finden, ihnen wird zu wenig Autonomie zugestanden).

Was können Sie dagegen tun?

  • Schenken Sie Vertrauen! Gestehen Sie Mitarbeitern eigene Projekte zu
  • Motivation erwächst auch aus dem Gefühl, gebraucht zu werden und sich stets weiterzuentwickeln: Persönliche Weiterbildung sollte deshalb immer auf dem Plan stehen
  • Machen Sie Weiterbildungsmöglichkeiten transparent: Wenn Fortbildung eingefordert werden muss, vergrault das wissensbegierige Mitarbeiter

#5 Kollegen/Teamwork

Ob es die Unternehmensatmosphäre ist, das angemessene Gehalt oder der bewältigbare aber fordernde Arbeitsaufwand – ein passendes Umfeld sorgt dafür, dass Mitarbeiter gerne bleiben.

Jeder Zweite ist mit den angebotenen Benefits nicht zufrieden, jeder Dritte findet, dass er nicht angemessen bezahlt wird.

Auch Freundschaften am Arbeitsplatz sollten gefördert werden: 70 Prozent der Arbeitnehmer sagen, dass Freunde im Job das Wichtigste für Zufriedenheit im Job sind. Verstehen sich Kollegen gut, verbessern sich Kommunikation und Arbeitsabläufe.

  • Transparenz macht viel aus! Arbeitnehmer sollten das Gefühl haben, für ihre Arbeit angemessen vergütet zu werden (auch im Vergleich mit Kollegen), ansonsten verfliegt die Motivation (in der Psychologie besagt das die sogenannte Equity-Theorie)
  • Ein gegenseitiges Kennenlernen (vor allem bei neuen Mitarbeitern) sollte auch außerhalb des Arbeitsplatzes gefördert werden: Teamevents machen Spaß und verbinden Menschen
  • Ein gemeinsamer Kaffeetratsch einmal die Woche oder ein Mittagessen auswärts stärkt das Teamgefüge
  • Ein gemeinsames Meeting zu Beginn der Woche bringt alle auf den gleichen Stand und sorgt zudem dafür, dass jeder im Blick hat, was die Kollegen umtreibt

#6 Gesundheit

Stress ist die Nummer eins an Gesundheitskillern. 48 Prozent empfinden Stress in der Arbeit und viele fühlen sich überarbeitet – das ist schlecht für beide Seiten. Auf lange Sicht leidet die Produktivität der Arbeit und im schlimmsten Fall folgt das Burn-out.

42 % der Befragten finden, ihr Schlaf sei nicht ausreichend.

Stress lässt sich durch klare Ziele reduzieren: Weiß der Mitarbeiter nicht, wodurch seine Arbeitsleistung bewertet wird, wächst die Verwirrung und somit der Stress – das wiederum führt zu demotivierten Mitarbeitern. Work-Life-Balance ist ein essenzieller Bestandteil eines gesunden, glücklichen und produktiven Mitarbeiters.

Das können Sie außerdem tun:

  • Bieten Sie ein gesundes Arbeitsumfeld an – egal ob es sich um kleine Coachings, einen Gesundheitstag oder einen Obstkorb handelt
  • Pausen sollten von oberster Stelle gewünscht und respektiert sein
  • Gleitzeitmodelle oder die Möglichkeit von Home Office machen Arbeitnehmer unabhängiger
  • Machen Sie Ziele klar und erreichbar

#7 Gemeinsame Werte

Stimmen die Unternehmenswerte mit den Idealen der Mitarbeiter überein, empfehlen letztere das Unternehmen auch eher weiter.

59 % der befragten Arbeitnehmer würden ihren Arbeitgeber nicht weiterempfehlen.

Eine positive Unternehmenskultur und ein wertschätzendes Arbeitsumfeld zu schaffen, fördert Mitarbeiterbindung und begeisterte Mitarbeiter. Echter Cultural Fit entsteht nur dann, wenn die Werte von Mitarbeitern und Unternehmen zusammenpassen.

  • Ziel sollte es sein, das Gefühl zu haben, Teil eines großen Ganzen zu sein
  • Eine gemeinsame, offen kommunizierte Vision des Unternehmens verbindet
  • Werte festlegen, die Mitarbeiter darüber informieren (z.B. durch eine Wertebroschüre) und diese auch leben

 

Infografik: So unterscheiden sich motivierte von unzufriedenen Mitarbeitern

Engaged Vs. Disengaged Employees

Bildnachweis: Chompuu/Shutterstock; Officevibe

Tanja Karlsböck

Tanja Karlsböck verfasst Blogposts rund umʼs Arbeitsleben, denn Schreiben ist ihre liebste Kulturtechnik.

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren