Erstellt am 7. September 2020 · Bewerbung · von

Bewerbung nach der Karenz

Lesezeit: 4 Minuten

Ins Berufsleben zurückzukehren, fällt vielen Eltern schwer. Die aufregende und vor allem intensive gemeinsame Zeit mit dem Nachwuchs vergeht oftmals schneller, als einem lieb ist. Doch auch der Wiedereinstieg birgt seinen Reiz, denn er symbolisiert einen neuen Lebensabschnitt. Vor allem, wenn ein neuer Job her muss. Wie die Bewerbung nach der Karenz gelingt, erfährst du hier.

Wohin soll die Reise gehen?

Wer nach der Karenz nicht in den alten Job zurückkehren möchte, muss sich während der Zeit zu Hause bereits Gedanken machen, welcher Weg stattdessen eingeschlagen werden soll. Die Frage, wie ein Wiedereinstieg aussehen kann, zieht mitunter einen riesigen Rattenschwanz nach sich.

So muss man sich beispielsweise im Klaren darüber werden, zu welchem Zeitpunkt der Antritt einer neuen Stelle realistisch und welches Stundenausmaß neben den elterlichen Pflichten machbar ist. Auch die Betreuung des Kindes bzw. der Kinder sollte so bald wie möglich geregelt werden. Sind Verwandte da, die auf den Nachwuchs aufpassen können oder muss man sich nach einer Einrichtung umsehen?

Da die zweite Option mit einem höheren organisatorischen Aufwand verbunden ist und gegebenenfalls Wartelisten existieren, ist es empfehlenswert, sich frühestmöglich für einen Betreuungsplatz anzumelden.

Wie gelingt die Bewerbung für einen Job nach der Karenz?

Sich für einen neuen Job zu bewerben, ist an sich schon eine große Sache. Aus der Karenz heraus auf Jobsuche zu gehen, ist aber noch um einen Funken aufregender und oft auch mit Selbstzweifeln verbunden. Kann ich meinen Job noch ausführen, nachdem ich eine so lange Pause eingelegt habe? Bin ich da nicht komplett aus der Übung? Und wollen Unternehmen überhaupt jemanden einstellen, der ein kleines Kind zu Hause hat und womöglich spontan ausfällt?

Diese Fragen sind berechtigt, aber nicht unlösbar und in den meisten Fällen kann man beruhigt sein. Manche Kenntnisse sind während der Karenz möglicherweise etwas eingerostet, aber nach einer kurzen Orientierungsphase findet man relativ schnell zurück in den alten Rhythmus.

Wie kann ich mich auf meinen neuen Job vorbereiten?

Das Ende der Karenz markiert einen neuen Lebensabschnitt, insbesondere dann, wenn ein neuer Job angestrebt wird. Bereits während der Karenz kann man sich darüber Gedanken machen, wo man in ein paar Jahren beruflich stehen möchte und die eigenen Stärken und Schwächen evaluieren.

Zunächst gehört jedoch eine wichtige Frage geklärt: Sieht man sich in der gleichen Branche mit dem gleichen Jobprofil oder ist es Zeit für eine tiefergehende Veränderung? Wer das Berufsfeld wechseln möchte, kann die Karenz zur Weiterbildung nutzen. Dazu gibt es on- und offline zig Möglichkeiten. Wer Lust hat und das nötige Grundverständnis mitbringt, kann sich auch mittels Fachlektüre neues Wissen aneignen. Bleibt man dem erlernten Beruf treu, kann die Zeit in die Auffrischung und Erweiterung bestehender Qualifikationen investiert werden.

Wie sichere ich mir den Job?

Für Diskriminierung aufgrund von Mutter- oder Vaterschaft sollte in einem modernen Unternehmen kein Platz sein. Dennoch ist es immer noch Usus, dass vor allem junge Mütter mit der Frage konfrontiert werden, ob sie Beruf und Kind überhaupt unter einen Hut bringen können. Das wird insbesondere dann in Frage gestellt, wenn ein höheres Stundenmaß angestrebt wird. Leider haben viele Frauen auch die Erfahrung gemacht, dass noch gar kein Kind da sein muss, um deswegen im Bewerbungsprozess benachteiligt zu werden. Karriere und Schwangerschaft, scheint es, verträgt sich in den Augen vieler immer noch nicht.

Manche Arbeitgeber befürchten, dass Elternteile aufgrund von Pflegeurlaub spontan ausfallen oder wegen der Kinderbetreuung zeitlich unflexibel sein könnten. In einer Arbeitswelt, die der Flexibilität wie einer Gottheit huldigt, kann das zu Skepsis führen und im schlimmsten Fall zu einer Absage.

Worauf kommt es also in der Bewerbung nach der Karenz an? Auf den Fokus aufs Fachliche. Im Bewerbungsschreiben sollten Eltern, die ins Berufsleben zurückkehren, klar und deutlich herausarbeiten, welche fachlichen Qualifikationen und Fähigkeiten sie vorweisen können. Wer in der Karenz Zeit und Energie hatte, sich fortzubilden, sollte dies im Bewerbungsschreiben betonen.

Auch persönliche Stärken können bei einer Bewerbung einiges rausreißen. Die Karenz ist eine intensive Phase mit neuen Herausforderungen – als Mensch nimmt man aus dieser Zeit viele neue Erfahrungen mit. In einem Bewerbungsschreiben könnte man dann in die Richtung argumentieren, dass einem die Karenz dabei geholfen hat, das Organisationstalent zu schärfen und die Belastbarkeit auszubauen.

Arbeitnehmer mit Betreuungspflicht sollten sich zwar nicht rechtfertigen müssen. Dennoch schadet es nicht, dem jeweiligen Unternehmen zu vermitteln, dass für die Betreuung des Kindes optimal vorgesorgt ist und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf nichts im Weg steht.

Du bist nicht alleine!

Nicht bei jedem Menschen funktioniert der Wiedereinstieg reibungslos. Manche tun sich schwer, einen neuen Rhythmus zu finden oder fühlen sich mit der Doppelbelastung überfordert. Gut zu wissen: Man ist mit diesen Problemen nicht alleine! Im Internet finden sich unzählige Blogs von Working Moms und Working Dads, die ihre Erfahrungen teilen und auch im Bekanntenkreis finden sich sicherlich Menschen, mit denen man sich austauschen kann. Auch unsere Mitarbeiter konnten aus dem Homeoffice einiges über die Betreuung ihrer Kinder berichten.

Ein Erfahrungsbericht

Ein ehemaliges Mitglied unseres Redaktionsteams hat vor ein paar Jahren ihren Wiedereinstieg in Form eines Artikels festgehalten. Darin dokumentiert sie den ersten Tag zurück im Büro. Eine spannende Lektüre:

Bianca Schedlberger

Biancas Traumjob seit Kindertagen? Schriftstellerin, ganz klar. Bis ihr erster Roman beim Buchhändler deines Vertrauens aufliegt, schreibt sie für karriere.at unter anderem auch Blogbeiträge.