17. Mai 2018 · Arbeitsleben · von

Die Welt als Büro: Arbeiten von unterwegs

Kennt ihr das auch? Phasen im Arbeitsleben, wo man sich in regelmäßigen Abständen denkt: Wenn ich jetzt nur eine kleine Auszeit nehmen könnte, wär alles besser. Einfach nur raus aus dem Büro und irgendwohin fahren, weit weg…
Wir haben mit zwei Menschen gesprochen, die genau das gemacht haben und bald beschlossen: Wir arbeiten von unterwegs – die Welt ist doch das beste Büro! Außerdem könnt ihr in unserem Gewinnspiel eure ganz persönliche Auszeit mit karriere.at und Easygoinc. gewinnen :-)

Eine kleine Auszeit vom Job kann vieles bewirken: In kleiner Ausführung – etwa als zweiwöchiger Urlaub (erst ab zwei Wochen Urlaub kann man wirklich abschalten) – kann die Off-Zeit es schaffen, uns neue Motivation zu verleihen, Kreativität zu befeuern und unsere Energiereserven aufzutanken. Bei vielen wächst sich der Wunsch nach einer Auszeit allerdings zum Wunsch aus, überhaupt nicht mehr ins altbekannte Büroleben zurückkommen zu müssen. Die sogenannten „digitalen Nomaden“ arbeiten dank dem heutigen Stand der Technik dann einfach dort, wo das WLAN gut ist und die Aussicht bestechend. Wir haben mit den „Lifetravellerz“ Melanie und Jürgen Schlotze gesprochen, die dem 08/15 Arbeitsalltag vor mehr als zwei Jahren abgeschworen haben und seither von unterwegs arbeiten.

Wie arbeitet ihr von unterwegs und wie sieht ein klassischer Arbeitstag bei euch aus?

Arbeiten von unterwegs

Melanie und Jürgen von Lifetravellerz

Lifetravellerz: Begonnen hat alles im Jahr 2014 als wir unseren Reiseblog www.lifetravellerz.com gegründet haben. Damals waren wir beide noch bei einer Webagentur tätig. Jürgen hat schon seit mehreren Jahren als Angestellter Großteils im Homeoffice gearbeitet und ich habe zwei Tage pro Woche von zu Hause aus gearbeitet. Unser Blog hat sich nebenbei sehr gut entwickelt und wir haben in unserer Freizeit schon ca. 20 Stunden pro Woche in den Blog gesteckt. Irgendwann im Jahr 2015 ist uns unser VW Bus „Luigi“ über den Weg gelaufen, den wir schließlich in Eigenregie komplett selbst ausgebaut haben – was wir dann auch am Blog dokumentiert haben. Als wir dann bei einem Bloggerwettbewerb auch noch einen Flug gewonnen haben, war der Punkt gekommen, alles auf eine Karte zu setzen und den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Mit unserem gewonnenen Flug haben wir uns für drei Monate nach Kapstadt begeben, um zu testen, ob das Arbeiten von unterwegs für uns überhaupt möglich ist und ob wir uns das auf Dauer vorstellen können.

Und jetzt können wir es uns ehrlich gesagt nicht mehr anders vorstellen. Wir haben unsere eigene Online Marketing bzw. Content Agentur und betreuen zum Beispiel Unternehmensblogs, haben unser erstes E-Book gelauncht und bekommen Einnahmen über Affiliate Marketing und auch über unseren Reiseblog, den wir nach wie vor mit viel Motivation betreiben. Für unsere Arbeit benötigen wir nur eine gute Internetverbindung, einen schnellen Laptop, ein Smartphone sowie Fotoausrüstung.

arbeiten vom Bus aus

Den klassischen Arbeitstag gibt es bei uns nicht mehr, viel mehr versuchen wir unsere Arbeitszeiten dem jeweiligen Land und unserem persönlichen Rhythmus und dem Wind bzw. dem Wetter anzupassen. Jürgen kitet leidenschaftlich seit fast 15 Jahren und wir sind eigentlich immer an Orten, an denen Kitesurfen möglich ist. Tendenziell arbeiten wir mehr als in unseren klassischen Bürojobs, allerdings fühlt sich nicht mehr alles wie Arbeit an, beziehungsweise sieht es auf unseren Social Media Kanälen auch nicht immer nach Arbeit aus, sodass wir schon sehr oft hören: „Ihr seid doch immer auf Urlaub.“ Aber für Leser und Follower wären Fotos, wie wir zwölf Stunden vor dem Laptop sitzen auch nicht interessant – auf einem Reiseblog will man schließlich Reisefotos sehen.

Und am meisten schätzen wir die freie Zeiteinteilung. Wenn das Wetter mal nicht so gut ist, arbeiten wir schon mal das Wochenende durch und lassen es dafür bei entsprechendem Wetter (und Wind!) auch mal ruhiger angehen. Insgesamt würde ich sagen, dass wir alles in allem ca. 60 Stunden pro Woche und Person arbeiten, aber das soll auch wieder weniger werden. Gerade am Blog führt in den seltensten Fällen die Arbeit unmittelbar zu einem Verdienst, aber der Blog ist sehr oft unsere Eintritts- und Visitenkarte und deshalb investieren wir hier gerne mehr Zeit.

Was sind die Vorteile vom digitalen Nomadentum?

Lifetravellerz: Wir haben nach wie vor eine Wohnung in unserem Haus in Mondsee (ein Teil des Hauses ist vermietet) und kommen auch immer wieder gerne zurück, aber wir wollen einfach dort arbeiten, wo die Bedingungen für uns perfekt sind und wo wir uns wohlfühlen. Wir lieben Sommer und Sonne, deshalb verbringen wir die Wintermonate zum Beispiel in Kapstadt. Kapstadt ist unser „home away“, das heißt wir fühlen uns dort schon wie zuhause, treffen viele Freunde und Bekannte mit einem ähnlichen Lebensstil und wir könnten uns keinen besseren Ort vorstellen, um zu überwintern.

Was wir aber schon im Laufe der Zeit festgestellt haben: Reisen und Arbeiten zu verbinden ist schwierig. Das heißt, wir suchen uns immer Orte, an denen wir mehrere Wochen oder auch Monate leben und ziehen dann weiter. Um konzentriert arbeiten zu können, brauchen wir Ruhe und auch ein entsprechendes Umfeld. In den Sommermonaten sind wir in Europa mit unserem VW Bus unterwegs und verbringen mehrere Wochen zum Beispiel an einem Campingplatz am Comer See, wo wir unser Vorzelt zum Büro umfunktionieren.
Ein Vorteil, wenn man von unterwegs aus arbeiten kann, ist sicherlich auch, dass es viele Länder gibt, in denen man mit weniger Geld besser leben kann als in Europa. Viele digitale Nomaden zieht es nach Asien, dort kann man mit weniger Einkommen sehr gut leben und trifft auf viele Gleichgesinnte.

„Das einzige, das wir auf Reisen sehr vermissen, ist ein ordentlicher Bürostuhl!“

Und wenn irgendwas nicht hinhaut… Habt ihr euch schon manchmal gewünscht, einfach einen „normalen“ Schreibtisch in einem „normalen“ Bürogebäude zu haben?

Lifetravellerz: Ehrlich gesagt trauern wir unserer Bürozeit nicht nach. Wenn wir Sehnsucht nach einem richtigen Büro hätten, könnten wir uns auch mal in einem Coworking Space einen Arbeitsplatz mieten. Diese Angebote gibt es schon an ganz vielen Orten rund um den Globus, aber wir arbeiten lieber alleine, mich lenken andere Menschen einfach zu viel ab. Das einzige, das wir beide auf Reisen sehr vermissen, ist ein ordentlicher Bürostuhl. Ich hoffe, irgendjemand erfindet mal einen reisetauglichen Bürosessel.

Gibt’s ein paar Rituale oder Kniffe, die euch das Arbeiten von unterwegs im Laufe der Zeit erleichtert haben?

Lifetravellerz: Wir versuchen, uns das Arbeitsleben so einfach wie möglich zu machen, das heißt wir haben ordentliche Laptops, einen tragbaren zweiten Monitor und sind eigentlich nur an Orten unterwegs, an denen wir auch gutes Internet haben und die Infrastruktur stimmt. Darüber hinaus haben wir im Laufe der letzten Jahre damit begonnen, alle unsere Dokumente in der Cloud abzuspeichern, um von überall auf der Welt darauf Zugriff zu haben.
Wir haben einen großen Vorteil und zwar, dass wir zu zweit sind. Wenn etwas schief geht, können wir uns gegenseitig motivieren.

„Richtig Urlaub haben wir schon lange nicht mehr gemacht, weil sich Arbeit für uns nicht mehr wie ein Zwang anfühlt.“

Wie sieht bei euch eine Auszeit aus, wenn ihr ohnehin viel unterwegs seid?

Lifetravellerz: Wenn wir unterwegs sind, verbringen wir meist mehrere Wochen am selben Ort und versuchen die Umgebung so gut wie möglich kennenzulernen und in unserer Freizeit zu erkunden. So richtig Urlaub haben wir schon lange nicht mehr gemacht, weil sich unsere Arbeit für uns nicht mehr wie ein Zwang anfühlt, sondern weil wir es gerne machen. Wir arbeiten nicht mehr auf Freitagnachmittag oder den nächsten Urlaub hin, sondern versuchen jede freie Minute sinnvoll zu nutzen. Ich bin zum Beispiel unendlich dankbar dafür, nicht mehr 1,5 Stunden am Tag mit dem Auto pendeln zu müssen. Das sind 30 Stunden im Monat, die ich mehr zur Verfügung habe und sinnvoll für kleine Auszeiten einsetzen kann.

Habt ihr Tipps, wie man auch am heimischen Arbeitsplatz ein Stückchen „digitales Nomadentum“ kreieren kann? Bzw. für die Leute, die darüber nachdenken, auch den klassischen Bürojob an den Nagel zu hängen?

Lifetravellerz: Sehr viele Jobs wären eigentlich Homeoffice-geeignet – zumindest tageweise. Leider sind die wenigsten Arbeitgeber bereit, dies zu ermöglichen, was ich sehr schade finde. Wenn man aber die Möglichkeit hat, sollte man es ausprobieren, um festzustellen, ob man das überhaupt mag und ob man das Bürogeschehen nicht vermisst. Man muss im Homeoffice eine gewisse Disziplin mitbringen oder sich anerziehen, sonst wird man mittags vielleicht immer noch im Bett liegen. Wenn ich mal einen schlechten Tag habe und vielleicht nicht so motiviert bin, dann halte ich mir immer vor Augen, was die Alternative wäre und dann bin ich eigentlich schnell wieder auf „Kurs“.

Ich bin auch ein großer Fan von flexiblen Arbeitszeiten, denn so kann man sich den Tag entsprechend einteilen und zum Beispiel morgens vor der Arbeit Sport und vielleicht noch ein paar Erledigungen machen und startet den Arbeitstag erst um 10 Uhr. Ich bin zum Beispiel ein Morgenmensch und habe immer gerne früh begonnen und hatte lieber am Abend etwas mehr Zeit. Wenn es der Job erlaubt, kann ich nur allen Arbeitgebern raten, flexible Arbeitszeiten einzuführen.

Wenn man die Zeit und die entsprechende Idee hat, könnte man beispielsweise ein kleines Projekt nebenbei aufziehen. Dann bekommt man schon einen kleinen Einblick, was es heißt, ein Projekt oder ein kleines Unternehmen zu führen und ob man das überhaupt will. Eventuell kann man durch die Nebentätigkeit die Stundenanzahl im Hauptberuf senken und hat trotzdem noch die Sicherheit, ein monatliches Gehalt zu beziehen. Die Möglichkeit, dass man in ein Angestelltenverhältnis zurückkehrt, gibt es eigentlich immer. Ich bin immer dafür, Sachen gleich auszuprobieren und später nicht zu bereuen, dass man es nicht zumindest versucht hat.

 

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Bildnachweis: Lifetravellerz/Easygoinc.

Tanja Karlsböck

Tanja Karlsböck verfasst Blogposts rund umʼs Arbeitsleben, denn Schreiben ist ihre liebste Kulturtechnik.

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