Den Sinn im Beruf finden: Wer suchet, der findet auch?

von in Arbeitsleben, HR am Montag, 9. Januar 2017 um 11:20

Das steht bei wohl jedem Jobsuchenden auf der Wunschliste ganz oben: Ein Job der mehr ist, als bloßer Broterwerb. Wir haben uns mit Sophia von Rundstedt von der gleichnamigen Talent- und Karriereberatung über Sinnhaftigkeit im Job unterhalten: Wie viel Wert legen Jobsuchende auf einen erfüllenden Berufsalltag und wie profitieren Arbeitgeber von sinnstiftenden Jobs?

Was einen sinnvollen Job ausmacht

Sophia von RundstedtIhre persönliche Einschätzung: Ist der Wunsch nach einer sinnvollen beruflichen Tätigkeit in den vergangenen Jahren größer geworden?

Von Rundstedt: Ja, durchaus. Nicht nur die Vertreter der vielzitierten Gen Y hinterfragen ihre Tätigkeit und Arbeitgeber. Der Wunsch, etwas zu tun, das einen höheren Sinn hat als nur die Miete zu sichern, zieht sich durch alle Altersklassen. Zusätzlich führen die permanenten Veränderungen in der Arbeitswelt dazu, dass Karrieren immer weniger planbar werden. Wenn schon niemand sagen kann, wohin der berufliche Weg letztlich führen wird, möchte man wenigstens die Gewissheit haben, etwas Sinnvolles zu tun. Gleichzeitig steigt die Lebensarbeitszeit. Somit wird es immer wichtiger, die Tätigkeit an die eigenen Bedürfnisse der jeweiligen Lebensphase anzupassen.

Welche Wege gibt es um herauszufinden, was der eigenen beruflichen Tätigkeit Sinn verleiht?

Von Rundstedt: Stellen Sie sich die Frage: „Was motiviert mich morgens aufzustehen und zur Arbeit zu fahren?“ Ein solcher Sinn kann darin liegen, anderen Menschen etwas Gutes zu tun, einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Oder aber auch darin, ein bestimmtes Problem oder den Teil eines Problems für das Unternehmen oder einen Kunden zu lösen. Es muss also nicht zwangsläufig darum gehen, die Welt zu verändern. Sinn lässt sich auch in kleinen, manchmal auf den ersten Blick banalen Tätigkeiten finden. Oft reicht es schon, das Blickfeld etwas zu erweitern.

Wie kann ich erkennen, ob eine Stelle oder ein Arbeitgeber meinen Wunsch nach Sinnhaftigkeit im Job erfüllen kann?

Von Rundstedt: Ein guter Indikator ist ein Abgleich der persönlichen Werte, mit denen die das Unternehmen verkörpert oder die sich aus dessen Handeln ableiten lassen. Ein guter Startpunkt ist die Website. Wie werden dort das Unternehmen und sein Zweck beschrieben? Eventuell gibt es sogar konkrete Informationen über die Unternehmenswerte. Des Weiteren eignet sich dieses Thema auch sehr gut für Nachfragen im Bewerbungsgespräch. Wir erleben es immer wieder, dass Bewerber nach den Unternehmenswerten oder nach Projekten im Bereich Corporate Social Responsibility fragen.

Ein weiterer Indikator ist die Unternehmens-, Kommunikations- und Karrierekultur. Sind Hierarchien von starker Bedeutung? Welche Möglichkeiten haben die Mitarbeiter zur Mitgestaltung? Je größer der Spielraum ist, Aufgaben und Prozesse mitzugestalten, je eher lässt sich der Wunsch nach Sinnhaftigkeit erfüllen. Ein Karrieremodell, das Mitarbeitern und Unternehmen gleichermaßen Flexibilität verschafft, ist die Mosaikkarriere. Ist es in einem Unternehmen möglich, auch Seitschritte zu machen, zeitlich begrenzt bestimmte Projekte zu übernehmen, sich in neue Bereiche zu entwickeln oder die Arbeitszeit flexibel zu gestalten? Dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass der Arbeitgeber bzw. der Job den Wunsch nach Sinnhaftigkeit erfüllen kann.

Kann der Anspruch an Sinnhaftigkeit im Beruf nicht auch Stress auslösen? Für manche ist Arbeit vielleicht auch nur ein Job.

Von Rundstedt: Sicherlich besteht der Sinn ihrer Arbeit für viele Menschen darin, vor allem den Lebensunterhalt für sich selbst und die Familie zu sichern. Das ist vollkommen legitim. Oft haben diese Menschen Hobbies, die sie mit großem Engagement und Herzblut ausüben, in denen sie dann den Wunsch nach einem übergeordneten Sinn befriedigen. Überlegt man einmal, wie viel Lebenszeit wir mit und auf der Arbeit verbringen, macht es allerdings das Leben sehr viel angenehmer, einer Tätigkeit nachzugehen, hinter der man wirklich steht und die einen erfüllt. Wie schon Konfuzius sagte: „Wähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag in deinem Leben mehr zu arbeiten.“ Nicht zuletzt deshalb entstehen aus Hobbies oder ehrenamtlichen Initiativen oft neue Geschäftsideen.

Was hat ein Arbeitgeber davon, wenn Mitarbeiter ihre Tätigkeit als bedeutsam und sinnvoll empfinden?

Von Rundstedt: Sinnhaftigkeit sorgt für eine starke intrinsische Motivation. Mitarbeiter sind mit Herzblut bei der Sache und bringen sich und ihre Ideen ein, um Aufgaben, Prozesse und Arbeitsergebnisse zu optimieren. Passen Kompetenzen sowie die Motivation und Werte des Mitarbeiters optimal mit dem Bedarf des Arbeitgebers zusammen, erreichen Mitarbeiter ihre höchste Leistungsfähigkeit. Hinzu kommt, dass durch eine solche Übereinstimmung die Bindung an das Unternehmen steigt und Mitarbeiter auch bereit sind, dem Unternehmen in schwierigen Zeiten die Treue zu halten.

Von der Suche nach dem Glück

Bildnachweis: Thapana Apisariyakul / Shutterstock, von Rundstedt

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.