Gehaltsangaben im Inserat: Lästige Pflicht oder Recruitingchance?

von in Gehalt, HR am Dienstag, 9. August 2016 um 10:26

Fünf Jahre Mindestgehalt im Stelleninserat. Zum Jubiläum der Gesetzesvorschrift werfen wir wieder einen Blick auf aktuelle Jobinserate und fragen bei einem Arbeitgeber nach: Wie praktikabel sind die Angaben in Stelleninseraten wirklich – oder ist für Bewerber Geld nicht alles?

Sie sollte für mehr Transparenz bei den Gehältern sorgen und lässt Bewerber dennoch meist ratlos zurück: Die Gehaltsangabe im Stelleninserat. Seit fünf Jahren ist sie verpflichtend, Klarheit bringt die genannte Zahl im Inserat meist nicht. Wie viel für welche Position genau bezahlt wird das geben die meisten Arbeitgeber nach wie vor nur ungern preis. Die Entscheidung für oder wider eine Bewerbung wird Kandidaten so nicht einfacher gemacht: Mit welchem Gehalt kann ich rechnen? Wie viel Verhandlungsspielraum werde ich im Jobinterview haben? Die Antworten darauf können Jobinserate meist nicht geben. Dabei könnten klare Gehaltsangaben als Personalmarketingmaßnahme auch ganz schön die Werbetrommel rühren.

Wie transparent geben sich heimische Unternehmen?

Stefan Siedler

Stefan Siedler

Den aktuellen Ist-Stand hat die Personalberatung Xenagos wieder untersucht. Dazu wurde im Juli 2016 ein Stichproben-Sample von 100 Print- und Online-Stelleninseraten für Fach- und Führungspositionen auf Gehaltsangaben hin untersucht. 96 Prozent der Unternehmen machen Angaben zum Gehalt – mehr oder weniger konkret. „Ein Drittel der Anzeigen beinhalten entweder gar keine Gehaltsangabe oder nur die Angabe des kollektivvertraglichen Mindestlohns mit der Zusatzinformation, dass die Bereitschaft zur Überzahlung besteht. Somit hat der Bewerber keinen wesentlichen Anhaltspunkt, in welcher Höhe das Gehalt tatsächlich ausfallen wird“, sagt Studienautor und Xenagos-Geschäftsführer Stefan Siedler.

Mindestgehalt Stelleninserat 2016

Immerhin: Elf Prozent der Unternehmen greifen auf die Angabe einer klaren Gehaltsbandbreite zurück. Wo sich die Bewerber dann jeweils einordnen lassen, wird von deren Berufserfahrung und Verhandlungsgeschick abhängen – vielleicht aber auch von internen Gehaltsschemata, die fix für jeden Mitarbeiter gelten.

Warum lassen sich Arbeitgeber ungern in die Karten schauen?

„Firmen erhoffen sich einen Vorteil bei den Gehaltsverhandlungen und geben deshalb nicht zu viel preis. Das ist legitim, aber nur sinnvoll, wenn sie sich aus Unternehmenssicht in einem Verkäufermarkt befinden – sprich, wenn es nur wenige Jobs gibt und viele diese haben wollen. Gerade bei Fach- und Führungskräften hat sich der Arbeitsmarkt aber zum Käufermarkt entwickelt. Oftmals können Bewerber zwischen vielen Angeboten entscheiden und wollen daher auch den Preis (also ihr Gehalt) vergleichen können“, erklärt Siedler. Besonders bei Führungspositionen sei die Kluft zwischen KV-Gehalt und dem, was Arbeitgeber tatsächlich bezahlen, sehr groß. Durch klare Angaben könnten Arbeitgeber hier punkten und Top-Performer für sich und den Job begeistern.

Übrigens: Vier der Arbeitgeber, deren Inseraten untersucht wurden, halten sich an die Regelung zum Mindestgehalt gar nicht und geben überhaupt kein Gehalt im Inserat an. Waren es in den Vorjahren noch ausländische Organisationen, bei deren Inserate die Angaben fehlten, sind es heuer österreichische Unternehmen darunter sogar ein Personaldienstleister.

Das Mindestgehalt in der Praxis

Loxone CEO Martin Öller

Martin Öller

Wie handhaben Arbeitgeber die Gehaltsangaben im Stelleninserat und welchen Bedeutung hat Geld im Personalmarketing? Wir haben bei Martin Öller, Gründer und CEO von Loxone nachgefragt. Das oberösterreichische Unternehmen hat sich dem Thema Smart Home verschrieben und steht als Arbeitgeber abseits des Ballungsraumes auch vor der Herausforderung, Jobsuchende für sich zu begeistern. Im Personalmarketing steht nicht das Gehalt im Vordergrund sondern das, was der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern sonst noch bieten kann.

Welche Form der Gehaltsangabe verwendet Loxone in den Inseraten und warum?

Öller: Wir geben den konkreten Gehaltswert inklusive Hinweis auf Überzahlung je nach Qualifikation an. Ich persönlich bin der Meinung, dass von dieser Art des Hinweises weder der Arbeitgeber noch der Jobsuchende profitiert und würde bevorzugen, wenn das diesbezügliche Gesetz abgeschafft würde.

Haben Sie die Erfahrung gemacht, dass Kandidaten in ihren Bewerbungen bereits eine konkrete Gehaltsvorstellung nennen?

Öller: Ja, in seltenen Fällen und dann von Bewerbern aus Deutschland. Zurückzuführen ist das darauf, dass viele deutsche Unternehmen diese Angaben in den Bewerbungsunterlagen fordern. Bei österreichischen Bewerbungen kommt dies kaum vor, wenngleich ich dies begrüßen würde. Es würde uns eine schnelle Orientierung ermöglichen. Außerdem wäre das ein viel positiverer Zugang zum Thema Gehalt als nur eine Angabe seitens Loxone im Inserat.

Geld vs. Benefits: Loxone räumt den Zusatzleistungen in den Inseraten viel Platz ein. Wie wichtig sind Bewerbern non-monetäre Gehaltsbestandteile?

Öller: Nicht-monetäre Benefits werden zunehmend wichtiger. Das Gesamtpaket muss stimmen. Unsere Mitarbeiter schätzen es sehr, dass es ein hauseigenes Restaurant mit täglich frisch zubereiteten, ausgewogenen Mahlzeiten, flexible Arbeitsplätze, Rückzugszonen, kurze Entscheidungswege, ein professionelles Arbeitsumfeld, Top-Arbeitsplatzausstattung, Entfaltungsmöglichkeiten sowie ein Büro mit 360° Grad Blick ins Grüne gibt. Wir haben als Arbeitgeber viel zu bieten. Deshalb kommunizieren wir das auch bewusst.

Welchen Stellenwert nehmen Gehalt bzw. Benefits im Personalmarketing bei Loxone ein?

Öller: Gehalt hat bei uns in der Kommunikation einen nachrangigen Stellenwert, wenngleich wir exzellente Gehälter für Spitzenleistungen bezahlen. Allerdings bieten wir auch die Rahmenbedingungen, die Spitzenleistungen erst möglich machen. Im Personalmarketing möchten wir nicht diejenigen ansprechen, deren Wechselmotivation Geld ist sondern diejenigen, die sich mit einer neuen Herausforderung bei uns entfalten möchten. Wir suchen Mitarbeiter, die – so wie wir – für das Thema Smart Home brennen. Mitarbeiter, die mit ihrem Einsatz und Können einen ganz wesentlichen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten wollen. Bildlich gesprochen: Wäre Loxone ein Steakhouse, würden wir für Service oder Küche leidenschaftliche Steak-Esser suchen.

Bildnachweis: Marian Weyo / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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