21. Februar 2018 · Bewerbung, Jobsuche · von

Vorstellungsgespräch im Restaurant: Iss dich nach oben!

Was tun, wenn das Vorstellungsgespräch anders läuft, als erwartet? Wenn es nicht, wie in neun von zehn Fällen, im Büro des künftigen Chefs stattfindet, sondern kurzerhand in ein Restaurant oder gar in die Betriebskantine verlegt wird? Was für viele komisch wirken mag, wird immer häufiger praktiziert – nicht nur in Werbeagenturen oder Zwei-Mann-Betrieben. Worauf es also ankommt, wenn man sich beim Bewerben plötzlich in einem Nobel-Italiener wiederfindet und nichts als pure Angst hat, dass einem die Suppe nicht nur die eigens umgebundene Krawatte , sondern die ganze Karriere ruinieren könnte.

„Ach, hier sind Sie ja schon! – Hätten Sie was dagegen, wenn wir unser Gespräch zum Italiener an der Ecke verlegen? Ich sterbe vor Hunger…“ – „Ähem, natürlich nicht…“
Über Wochen war es geplant, das Bewerbungsgespräch. Alle Frage-Antwort-Möglichkeiten wurden im Vorfeld abgecheckt, den bekannten Aufwärm-Smalltalk über die im Lebenslauf angegebenen Hobbys inklusive. Sogar hat man geplant, ob man einen Kaffee annimmt oder nicht – man will ja nicht noch mehr zittern…
Und nun – mit einem Schlag – findet man sich in einem völlig neuen Setting wieder, wo es nicht allein auf die bestmögliche Präsentation der eigenen Stärken ankommt, sondern auch auf Tischmanieren, Smalltalk-Fertigkeit und Flexibilität. Und darauf, dass man sich durch die neue Situation nicht aus der Ruhe bringen lässt. Denn ganz genau das will dein Gegenüber neben anderen Punkten  höchstwahrscheinlich abtesten: Wie reagiert der Bewerber in Momenten der Anspannung, wenn er plötzlich umdisponieren muss? Zeigt er Flexibilität? Ist er für alle Eventualitäten gewappnet? Außerdem ist das Vorstellungsgespräch beim Italiener eine hervorragende Gelegenheit, Soft-Skills eines Bewerbers abzuchecken: Weiß er, wie man sich in semi-offiziellen Situationen zu verhalten hat? Verliert er sein Ziel (=den Job zu bekommen!!!) aus den Augen, wenn man Smalltalk als Blendgranaten einstreut? Schlägt gar der „Bis-vor-kurzem-noch-Student“ durch und der Bewerber bestellt vier Gänge und nur vom Teuersten, weil: „Ist ja gratis…“?

Sechs Punkte, wie du das Vorstellungsgespräch beim Essen mit Bravour meisterst

  • Manieren! Die Grundprinzipien der Etikette sind das Um und Auf! Das beginnt damit, nicht vor dem Chef in spe zu bestellen, den Kellner anzupflaumen (Daran denken: Der Chef hat das Lokal ausgesucht!) und das Essen mit aufgestütztem Ellenbogen in sich hineinzuschaufeln. Wer zu einem Bewerbungsgespräch beim Mittagessen eingeladen wird, von dem wird auch erwartet, dass er sich selbst auf Geschäftsterminen beim Essen tadellos schlägt. Darum auch dieser „Test“. In puncto Körperhaltung und –sprache gelten dieselben Regeln wie beim Inhouse-Bewerbungsgespräch.
  • Outfit! Hier gilt dasselbe wie beim klassischen Vorstellungsgespräch: Schon vorher abchecken, dass man eher over- als underdressed ist! Denn gerade in einem schickeren Restaurant wirkt man schnell deplaziert, wenn man mit Kapuzensweater aufkreuzt – auch oder gerade wenn man sich in der lockeren Kreativbranche bewirbt
  • Professionalität! Selbst wenn das Gespräch gleich in lockerer Atmosphäre stattfindet – vergiss nie, dass du hier bist, um dich vorzustellen! Nutze die Zeit, um deine Botschaften anzubringen, um interessiert nachzufragen und dich beruflich, aber auch persönlich bestmöglich zu präsentieren. Lass dich nicht durch zur Schau gestellte Vertraulichkeit täuschen. Seie dir sicher: Du wirst gerade beurteilt.
  • Smalltalk! Wenn du von deinem Gegenüber auf die aktuellen Fußballergebnisse, das Wetter oder das latente Verkehrschaos angesprochen wirst– nutze die Chance, um auf diese Art und Weise das Eis zu brechen. Niemand erwartet von dir, dass du einen wissenschaftlichen Diskurs vom Zaun brichst. Trotzdem – gerade wenn es um lockere, persönliche Fragen geht: Bringe deine Botschaften an den Mann oder die Frau!
  • Sicherheit! Zeige, dass du durch den spontanen Ortswechsel angenehm überrascht bist. Wer deswegen bereits von nervösen Zuckungen heimgesucht wird, dem überantwortet eine Führungskraft auch nicht gerne einen verantwortlichen Arbeitsbereich! Auch wenn es sich leicht sagt: Flexibilität ausstrahlen! Einen Restaurantbesuch hast du 1000 Mal „geübt“ – nun einfach deine Vorbereitungen zum Vorstellungsgespräch einfließen lassen: Was soll schon passieren? Und: Kleine Hoppalas wie einen Soßenfleck kannst du mit weltmännischer Gelassenheit und etwas Humor sogar noch für dich nutzen.
  • Contenance! Wieder einmal. Selbst wenn das Bewerbungs-Essen ultra-locker verläuft und du scheinbar bereits eine freundschaftliche Basis mit deinem künftigen Chef hast: Niemals allzu offenherzig über Konkurrenten, deinenfrüheren Arbeitgeber oder gar den Vorgänger deines Gegenübers  vom Leder ziehen. Was dein  Gegenüber will, ist ein kompetenter, verlässlicher und loyaler Arbeitnehmer. Und das solltest du auch ausstrahlen.
Christoph Weissenböck

Christoph war viele Jahre bei karriere.at im Content-Team. Er ist leider weg, seine Beiträge bleiben zum Nachlesen aber hier im Blog.

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