Erstellt am 29. März 2019 · HR · von

Mehr Herzlichkeit: Wie gelingt Recruitment Marketing?

Lesezeit: 4 Minuten

Sex, Drugs & Online Marketing – das ist das Credo der Linzer Online Marketing Agentur Pulpmedia. Rock’n’Roll steht hier an der Tagesordnung und schwingt auch im Titel der agentureigenen Event-Reihe mit: pulp.rocks. Die Veranstaltung der vergangenen Woche widmete sich dem Thema Recruitment Marketing. karriere.at Unternehmenssprecher Tobias Prietzel hat am Podium während der Panel Discussion fleißig mitdiskutiert. Die wichtigsten Erkenntnisse der Talks fassen wir hier für euch zusammen.

The perfect match is needed – aber wie gelingt der?

In der einleitenden Panel Disscussion tauschten sich Tobias Prietzel (karriere.at), Stephanie Luftensteiner (kununu) und Bojan Bozic (eRecruiter) darüber aus, wie Unternehmen an den perfekten Kandidaten herankommen. Das sind ihre Meinungen dazu:

Tobias Prietzel

Soziale Medien betrachtet Tobias als einen wesentlichen Punkt, um suchende Unternehmen und Jobsuchende zusammenzubringen. Um zu verhindern, dass interessierte Bewerber in die Irre geführt werden, ist ein authentischer Auftritt besonders wichtig. Das bedeutet allerdings, dass es nicht ausreicht, die eigene Website bloß mit groben Angaben zum Unternehmen zu befüllen. Stattdessen sollte ein Arbeitgeber, der online als attraktiv wahrgenommen werden will, regelmäßig neuen Content liefern. Toby empfiehlt außerdem, unterschiedliche Social-Media-Kanäle auszuprobieren und herauszufinden, was am besten zum Unternehmen passt – durchaus mit der Bereitschaft, Fehler zu machen.

Als Trend im Recruitment Marketing nennt er Artificial Intelligence. Diese wird administrative Tätigkeiten zunehmend übernehmen.

Stephanie Luftensteiner

Transparenz ist in Stephanies Augen das wichtigste Schlagwort: Wie sieht es hinter den Kulissen im Unternehmen aus, was ist die Realität? Wissenswert kann auch sein, was bestehende oder ehemalige Mitarbeiter vom Unternehmen halten und ob dieses Kritikpunkte ignoriert oder an Problemstellen ansetzt. Sie weist außerdem darauf hin, dass Gehalt längst nicht mehr alles ist. Mit Benefits wie flexiblen Arbeitszeiten oder Home Office lässt sich Geld gut aufwiegen. Ein Unternehmen sollte offen und klar kommunizieren, was es Mitarbeitern bieten kann.

Zunehmende Transparenz ist für Stephanie ein klarer Trend. Jobsuchende informieren sich immer gründlicher über Unternehmen, bei denen sie sich bewerben, insbesondere was Themen wie Unternehmenskultur, Gehalt und Benefits betrifft.

Bojan Bozic

Bojan weiß:  Jedes Unternehmen hat individuelle Probleme, die eine eigene Lösung erfordern. Es macht also einen Unterschied, ob ein Unternehmen den Fachkräftemangel negativ zu spüren bekommt oder mit einer zu hohen Anzahl an Bewerbungen überlastet ist. Bojan weist außerdem auf die Nützlichkeit von Talent-Pools hin, also abgelehnte Bewerbungen, die in Evidenz gehalten werden. Während ein misslungener Absageprozess ein schlechtes Bild schafft, kann ein guter Absageprozess zu Bindung führen, was später dann doch in einer Anstellung des Bewerbers resultieren kann.

Als zukünftige Trends nennt Bojan gutes Storytelling, Authentizität und Transparenz. Ein weiterer, wesentlicher Faktor ist die Sinnfrage: Warum sollen Menschen in meinem Unternehmen arbeiten wollen?

Die Rolle von Social Media im Recruitment Marketing

Thoman Gaiswinkler ist bei LINKEDIN für Employer Branding und Recruiting zuständig. Dass soziale Medien Einfluss auf das Recruiting der heutigen Zeit nehmen, sieht er als unumgänglich. Bewerber recherchieren heutzutage intensiver über Unternehmen, für die sie sich interessieren. Letztere müssen also sicherstellen, dass es auf Social Media auch etwas zu finden gibt, das es sich zu sehen überhaupt erst lohnt.

Noch wichtiger als die Anforderung nach gutem Content (Stichwort Storytelling) ist aber, dass damit die richtige Zielgruppe erreicht wird. Immerhin möchte ein Unternehmen nicht irgendeine beliebige Person ansprechen, sondern vorzugsweise jene, die perfekt zur ausgeschriebenen Stelle passt. Thoman betont daher, dass grundlegende Informationen nicht förderlich sind, sondern in die Tiefe gearbeitet werden muss. Er empfiehlt, sowohl Marketing als auch PR in diesen Prozess miteinzubinden und herauszuarbeiten, warum Menschen im Unternehmen arbeiten möchten und worin der Reiz des Ganzen liegt.

„Erfahrungsberichte von Mitarbeitern sind immer als wertvoller zu betrachten. Denn die wirken nicht nur persönlicher, sondern vor allem authentischer!“

Runtastic: Linz auch international betrachtet lebenswert

Das Headquarter von Runtastic befindet sich, trotz der Unternehmensgröße, nach wie vor in Linz. Für Anna Nussbaumer und Barbara Schöfl nicht verwunderlich, hat die Stahlstadt doch so einiges zu bieten. Runtastic rekrutiert international. Aus diesem Grund kann es schon mal vorkommen, dass neue Mitarbeiter ihr Herkunftsland verlassen müssen. Linz ist ein idealer Ausgangspunkt, um Österreich und die umliegenden Länder kennenzulernen. Danach können die Mitarbeiter entscheiden, ob sie bleiben möchten oder nicht.

Wenn ja, ist Runtastic nicht nur bei der Abwicklung des Visa-Prozesses und beim Kontakt zum Magistrat behilflich. Neue Mitarbeiter werden auch intensiv bei der Wohnungssuche unterstützt und bekommen einen schriftlichen Guide zur Verfügung gestellt, der grundlegende Informationen über Österreich und das Leben hier beinhaltet.

Runtastic ist es ein Anliegen, eine angenehme Atmosphäre und Arbeitsumgebung zu schaffen, in der sich Mitarbeiter wohlfühlen und Wertschätzung erhalten. Äußert jemand Unzufriedenheit, hakt das Unternehmen nicht nur nach, sondern handelt auch, indem es zur gemeinsamen Beseitigung der Probleme einlädt.

Recruiting bei Runtastic

Was das Recruiting anbelangt, so wendet sich das Unternehmen mit Vorliebe an Head Hunter und Recruitment-Agenturen. Für Anna und Barbara ist der hohe Stellenwert einer starken Employer Brand dennoch unmöglich wegzudiskutieren. Auch die beiden sind der Meinung, dass nur eine solide Arbeitgebermarke in Verbindung mit klarer Ansprache zielführend ist, wenn es gilt, die richtigen Talente anzusprechen. Das Recruitment von Runtastic spielt sich überwiegend online ab und beinhaltet die intensive Nutzung sozialer Netzwerke. Wird im Ausland nach neuen Mitarbeitern gesucht, geht das Linzer Unternehmen gerne Kooperationen mit Universitäten und Schulen ein. Ohne Ehrlichkeit und Authentizität, wissen Anna und Barbara, ist ein Unternehmen heutzutage verloren. Deswegen werden auch jedem Bewerber, der eine Absage erhält, die Gründe dafür offengelegt.

Mehr Menschlichkeit im HR

Herz schlägt Kopf: HR braucht mehr Menschlichkeit

Als krönender Abschluss betritt Claude Silver, Chief Heart Officer der amerikanischen Allround-Agentur VaynerMedia, die Bühne. Sie betont, dass emotionale Intelligenz – also Freundlichkeit, Intuition und Dankbarkeit – IQ ganz klar trumpft und es aus diesem Grund wichtig ist, den Arbeitsalltag menschlicher zu gestalten. Denn Geheimniskrämerei, Demütigung und negative Konkurrenz vergiften nicht nur das Betriebsklima, sondern können schleichend das gesamte Business zerstören. Im Gegensatz dazu fördern eine sinnvolle Tätigkeit, Transparenz und Respekt nicht nur die Kultur eines Unternehmens, sondern auch dessen Erfolg.

Claude zufolge ist es wichtig, sich Gedanken darüber zu machen, was Menschen brauchen, um in ihrer Arbeitsumgebung aufzublühen. Sie nennt unter anderem klare Erwartungen, regelmäßiges Feedback, Anerkennung und die Möglichkeit, man selbst sein zu dürfen. Wer seinen Mitarbeitern diese Aspekte bieten kann, macht also schon einiges goldrichtig.

Diese drei Zitate von Claude sind mir nach ihrem spannenden Talk besonders in Erinnerung geblieben:

  • We stay in our jobs because of the people we work with. We leave because of the management, so relationships are everything.
  • The uniqueness of a person is what contributes to a culture.
  • The way you see people is how you treat them. And the way you treat them is what they become.
Bianca Schedlberger

Biancas Traumjob seit Kindertagen? Schriftstellerin, irgendwann. Bis dahin wird für karriere.at fleißig getextet, unter anderem auch Blogposts.

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