Erstellt am 22. Januar 2019 · Arbeitsleben, Arbeitsrecht · von

Kälte im Büro: Wie sehr muss man bei der Arbeit frieren?

Lesezeit: 3 Minuten

Die Kälte hat uns fest im Griff. Und mit ein wenig Pech schleicht sie sich auch ins Büro – dank zugiger Fenster, schlechter Isolierung oder schlicht zu wenig Heizen. „Kältefrei“ wünschen sich momentan wohl alle, die mit der Winterjacke am Schreibtisch sitzen und versuchen, trotz dicken Fäustlingen ihre Mails zu beantworten. Doch gibt es das in Österreich? Und wie kalt darf es bei der Arbeit sein? Wir haben nachgeforscht:

Es ist Winter, draußen herrschen Minustemperaturen. Aber muss man deswegen auch am Arbeitsplatz zittern? Während man zuhause die Heizung bis zum Anschlag aufdrehen und sich in eine Decke kuscheln kann, ist man im Büro höheren Mächten – ergo den Arbeitgebern  – ausgesetzt. Diese sind nicht selten der Meinung, dass eine gesunde Kälte noch niemandem geschadet hat. Aber gibt es Kälte-Richtlinien an Österreichs Arbeitsplätzen?

Eiszeit im Büro: Wann gibt es „kältefrei“ ?

Büros mit mehr als einer Person bergen besonders im Winter vorhersehbares Konfliktpotenzial. Da kämpft die Frischluftfanatikerin für jeden Millimeter offenes Fenster, der Warmduscher murmelt in seinen Wollschal und nippt im Sekundentakt anklagend an seinem Tee. Laut Arbeiterkammer gilt: Büroräume in denen die Mitarbeiter hauptsächlich vor den Computern sitzen, müssen mit 19 bis 25 Grad Celsius eine Temperatur deutlich über dem Gefrierpunkt aufweisen. Der regelmäßige Gang zum Kopierer gilt nicht als hohe körperliche Belastung und ist keine Indikation für ein generelles Absenken der Raumtemperatur. Arbeitnehmer, die sich mehr bewegen, haben ein Anrecht auf eine Raumtemperatur zwischen 18 und 24 Grad. Stärker körperlich arbeitende Personen dürfen bei mindestens 12 Grad ins Schwitzen kommen. Wenn diese Temperaturen unterschritten werden, sollte umgehend dem Betriebsrat oder der Arbeiterkammer Bescheid gegeben werden. Denn der Arbeitgeber verletzt in diesen Fällen seine Fürsorgepflicht und muss dafür sorgen, dass wieder zumutbare Arbeitsbedingungen herrschen. Ein schwacher Trost für akut betroffene Arbeitnehmer – kältefrei gibt es leider nicht.

Schockfrost nach dem Wochenende

Nicht selten folgt nach einem erholsamen Wochenende die kalte Überraschung: Die am Freitag noch wohltemperierte Arbeitskajüte hat sich in einen Iglu verwandelt. Die Arbeiterkammer lehrt: Arbeitgeber sind verpflichtet, den Arbeitsräumen Wärme zuzuführen. Dies muss so erfolgen, dass schon bei Arbeitsbeginn (auch am Montag!) die oben genannten Mindestwerte erreicht werden.

Unverbindliche Tipps der Redaktion:
1. Raumtemperatur Montag früh und zu anderen Zeiten messen, vergleichen, ob sie sich unterscheiden und bei eklatanten Temperaturgefällen der Chefetage melden
2. Wenn möglich, die Heizung über ein Thermostat steuern. Dieses kann so eingestellt werden, dass es Montag früh bei Eintritt ins Büro lauschig warm ist.
3. Thermoskanne mit Tee in Reichweite hinstellen, oder die Muskeln mit ein paar Fitnessübungen aufwärmen.

Arbeiten im Freien: Nix für Warmduscher …

… ist der Job am Gemüsestand oder am Bau. Laut Arbeiterkammer dürfen Arbeitnehmer an Verkaufsständen im Freien (die organisatorisch und räumlich im Zusammenhang mit Verkaufsläden oder sonstigen Betriebsgebäuden stehen) nur beschäftigt werden, wenn die Außentemperatur am Verkaufsstand mehr als 16 Grad beträgt. Für Bauarbeiter sollte der Arbeitgeber zum (jederzeitigen) Aufwärmen einen beheizten Arbeitsraum oder Aufenthaltsraum zur Verfügung stellen. Dieser sollte Wind und Wetter trotzen und lauwarme 21 Grad aufweisen. Zudem müssen Arbeitgeber ihre Mitarbeiter, die im Winter im Freien arbeiten, mit Schutzausrüstung (Wetter-, Kälteschutzkleidung) versorgen – natürlich kostenfrei. Ist die Kleidung abgenützt und erfüllt ihren Zweck nicht mehr, ist sie kostenfrei zu erneuern.

Ein Warm-up zur Mittagspause

Der Kälte in den Knochen kann man natürlich auch mit sportlicher Betätigung in der Mittagspause zu Leibe rücken. Hampelmänner machen oder am Stand joggen macht warm und auch Stiegen steigen statt mit dem Lift fahren hilft, die Kälte aus dem Körper zu vertreiben. Und: Wie heißt es in einer bekannten Model-Castingshow so schön? „Mach dir warme Gedanken!“ – Vielleicht an den nächsten Sommer, wenn wir uns wieder nach Abkühlung sehnen …

Frierst du auch im Büro? Wir freuen uns über deine Aufwärm-Strategien!

Bildnachweis: Antonio Guillem/shutterstock

Redaktion

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