Auf Jobsuche: Welcher Arbeitgeber macht mich wirklich glücklich?

von in Arbeitsleben am Montag, 21. September 2015 um 19:03

Karrierewege verlaufen heutzutage längst nicht mehr so homogen wie früher, als man sich oft vom Ausbildungsplatz bis zur Pensionierung an einen oder zwei Arbeitgeber gehalten hat. Ob der Beruf dann auch Berufung war oder der Arbeitsplatz zur Persönlichkeit passte, stand dabei nicht immer im Vordergrund. Mittlerweile legen Bewerber bei der Wahl eines Jobs und eines Arbeitgebers Wert auf diese Dinge. Karrierecoach Svenja Hofert über die Bedeutung des richtigen Arbeitsumfeldes und warum es wichtig ist zu wissen, welcher Karrieretyp man ist.

Welcher Arbeitgeber darf’s denn sein?

Svenja Hofert

Svenja Hofert

Die Arbeitswelt wandelt sich, die Frage ist nur – wer verändert sich schneller? Bewerber oder Arbeitgeber? Menschen sind längst nicht mehr bereit, einem Job alles andere unterzuordnen. Flexibilität? Ja, aber bitte auf beiden Seiten.  Der Ruf danach zwingt auch Arbeitgeber zum Umdenken. Für beide Seiten geht es darum herauszufinden, wie gut man zusammen passt. Svenja Hofert beobachtet diesen Wandel in ihrer täglichen Arbeit bereits mehr als ein Jahrzehnt. Dabei fiel ihr auf, wie unterschiedlich sich die Arbeitswelten gestalten. Warum wird ein Mitarbeiter bei einem Unternehmen als „unfähige Führungspersönlichkeit“ entlassen, blüht aber bei einem anderen Arbeitgeber als Teamleiter auf? Es liegt an der Passgenauigkeit zwischen Mitarbeiter und einem Arbeitgeber. Svenja Hofert hat Strategien ausgearbeitet, die bei der persönlichen Karriereplanung helfen. Wir haben uns mit ihr über verschiedene Karrieretypen und die Suche nach Traumjob und -arbeitgeber unterhalten und folgendes erfahren:

  • Warum es nicht gut tut, bei der Karriereplanung nur an einen Job zu denken.
  • Warum Bewerber im Jobinterview meist die falschen Fragen stellen.
  • Warum das Arbeitsumfeld viel wichtiger ist, als manche meinen.

Die Spielregeln von gestern vergessen

Was sind Ihre Ziele für die nächsten fünf Jahre? Wo liegen Ihre Stärken? Typische Fragen, die so gut wie jeden Bewerber im Jobinterview ereilen. Sie sind laut Hofert auch berechtigt – nur, dass man den Spieß auch umdrehen kann und als Bewerber seinen Wunscharbeitgeber nach diesen Dingen fragt. „Offenheit im Jobinterview ist noch nicht selbstverständlich – auch nicht für junge Bewerber“, erklärt Hofert. Die Karrierexpertin rät dazu, Mut zu fassen und im Bewerbungsgespräch auch Fragen zu stellen. Aber Achtung, hier lauert laut Hofert bereits die erste Falle: „Bewerber stellen immer nur die sicheren Fragen. Diejenigen, die eigentlich zeigen sollen, wie gut man sich über das Unternehmen informiert hat. Man darf aber ruhig Fragen stellen, die nicht so typisch sind. Zum Beispiel, wie es um die Unternehmenskultur bestellt ist, welche Werte gelebt werden oder wie ein Arbeitgeber Teamarbeit definiert.“

Spielkarten

Das passende Karriereumfeld finden

Es bringt wenig, seinen Traumjob zu finden wenn man später feststellt, dass das Arbeitsumfeld überhaupt nicht passt. Als Freigeist hält man in starren Hierarchien nicht lange durch, da kann die Arbeit noch so schön sein. Laut Hofert legen Bewerber noch zu wenig Augenmerk auf die Umgebung, in der man arbeiten möchte: „Oft orientiert man sich einfach an großen Namen. Das passiert vor allem in den ersten Karrierephasen. Es ist aber durchaus auch bei älteren Personen häufig so, dass sie diese Liste an Arbeitgebern durchgehen.“ Zweiter Ausgangspunkt für die meisten Karrieren ist das persönliche Interesse an einer Sache. Das kann gut gehen, muss aber nicht. „Angenommen, jemand interessiert sich für Autos. Automotive ist eine hoch prozessorientierte Branche mit ganz klarer Struktur, methodischer Orientierung und Arbeitsteilung. In so einem Umfeld wird nicht jeder glücklich, manche hassen das. Über so etwas macht man sich vor der Karriereplanung aber keine Gedanken. Das Interesse dreht sich in diesem Fall dann nur um Autos“, so Hofert.

Welcher Karrieretyp bin ich?

„Die Frage ‚In welchem Kontext will ich eigentlich arbeiten?‘ können vor allem junge Menschen oft nicht beantworten. Dazu fehlt oft die notwendige Erfahrung“, sagt Hofert zu Bewerbern, die vor Arbeitswelten stehen, die sie oft einfach noch nicht kennen. „Es gibt Softwarefirmen, die agil arbeiten, wo die Leute Spaß haben an ihrem Job und gerne hingehen. Da ist es auch ganz normal, dem Chef Feedback zu geben und es gibt Firmen, da läuft es komplett anders: Total strukturiert, alles mit klaren Vorgaben. Manche wollen auch genau das, die könnten sich in einem lockeren Umfeld überhaupt nicht wohlfühlen. Wieviel das ausmacht, ist vielen Bewerbern aber gar nicht bewusst“, so Hofert. Sie hat sieben verschiedene Karrieresysteme definiert, die eine Zuordnung zum idealen Arbeitsumfeld erleichtern.

Teamwork

Die Family Career ist ideal für Menschen, die gerne persönliche Beziehungen pflegen und lange in einem Unternehmen bleiben möchten. Viel Freiräume und Flexibilität bieten Arbeitgeber, die eine Dynamic Career ermöglichen. Konzerne mit Prozessen und Strukturen, die sich bewährt haben, bieten das ideale Umfeld für eine Conventional Career. Effizienz und Ziele spielen bei der Performance Career eine große Rolle. Hier wird Leistung gemessen und bewertet. Die Cooperative Career ist wie geschaffen für leidenschaftliche Teamplayer, die auch Erfolg gerne teilen. Die Flexi Career kommt ohne fixe Arbeitszeiten oder Arbeitsorte aus und bietet größtmögliche Flexibilität und Freiheit. Möglichkeiten zur Better World Career findet man in Unternehmen, die ihren Erfolg im Einsatz für eine bessere Welt sehen. Aber Vorsicht: NGOs zeichnen sich oft durch starre Strukturen aus und sind diesem Karrieresystem nicht zwingend zuzuordnen.

Anforderungsprofil an das ideale Unternehmen

Arbeitgeber wissen meist genau, was ein idealer Bewerber mitbringen soll. Und Jobsuchende sollten wissen, was ein idealer Arbeitgeber leisten sollte. Svenja Hofert empfiehlt, zu folgenden Bereichen jeweils sechs bis sieben Punkte auszuarbeiten:

  • Welche Rahmenbedingungen muss ein Arbeitgeber unbedingt erfüllen?
  • Was soll der Job bieten?
  • Was ist mein bevorzugtes Karrieresystem?
  • In welchen Räumen möchte ich arbeiten? (Klingt nach einer banalen Frage, ist aber wesentlich für alle, die keine Fans von Großraumbüros sind)

Hat man seine Werte definiert, kann man im Jobinterview gezielt danach fragen. Dann stellt sich nicht erst nach dem ersten Arbeitstag heraus, dass die versprochene Mittagsverpflegung ein besserer Verkaufsautomat ist oder sich der ruhige Arbeitsplatz als Schreibtisch in der hintersten Ecke eines Großraumbüros entpuppt.

Bildnachweis: alphaspirit / Shutterstock; Air Images / Shutterstock; Jacob Lund / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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