Das perfekte Bewerbungsfoto: Be yourself but professional!

von in Bewerbung, Jobsuche am Dienstag, 24. Januar 2012 um 10:51

Es sorgt bei vielen Bewerbungen für Unsicherheit: Das Bewerbungsfoto! Dieses kleine unscheinbare Bild am oberen Ende des Lebenslaufes ist dein erster Eindruck beim Personalverantwortlichen. Es kann verdeutlichen, wie ernst du die angestrebte Position nimmst. Ein gutes Bewerbungsfoto unterstreicht die Professionalität, kann im schlimmsten Fall aber auch zum Ausscheiden aus dem Bewerbungsverfahren führen. Darum sollte es mit Bedacht gewählt werden. Aber wie schwer ist es, ein gutes Bewerbungsfoto zu bekommen? Gar nicht! Unsere Profis geben praktische Tipps, die das Bewerbungsfoto zum Türöffner machen.

Es zählt zu den heißen Eisen im Bewerbungsverfahren: Das Bewerbungsfoto. Wie macht man es richtig? Worauf achtet man? Und was kann man alles falsch machen? So viel Gerede um ein Bild, das noch nicht einmal rechtlich notwendig ist. Ja, richtig gelesen – laut dem Gleichbehandlungsgesetz darf ein Arbeitgeber bei einer Bewerbung kein Foto vom Bewerber verlangen. Schließlich sollen nur die beruflichen Qualifikationen zählen und nicht das Aussehen auf einem Bild.

Dennoch, ein passendes Bewerbungsfoto ist ein Türöffner, bestätigt auch Bewerbungscoach Franz Bauer: „Ein gutes Bewerbungsfoto hat weiterhin eine sehr große Bedeutung. Wenn Sie ein professionelles Bewerbungsfoto verwenden, dann zeigen Sie dem potenziellen Arbeitgeber, wie wichtig Ihnen der Job ist. Wir leben in einer visuell dominierten Welt und das Foto transportiert oft mehr als der geschriebene Text.“

Unausgesprochene Regel

Franz Bauer, Bewerbungscoach

Was in Amerika bereits seit Jahren üblich ist, hat sich in Österreich bislang noch nicht durchgesetzt: Die anonyme Bewerbung. „Es gibt zwar Tendenzen zur anonymen Bewerbung, aber die sind in Österreich noch nicht angekommen“, stimmt Bauer zu. Entscheidet man sich also dazu, ein Foto in den Lebenslauf einzubetten, sollte man darauf achten,auf dem Foto professionell und sympathisch zu wirken. „Das Bewerbungsfoto zeigt dem Personaler, welche Position Sie anstreben, also ist der erste wichtige Schritt sich selbst klar zu machen: Wo will ich eigentlich hin“, rät Porträtfotograf Robert Gortana. „Die Position, die Sie anstreben wird durch das Bewerbungsfoto verdeutlicht.“

Das perfekte Bewerbungsfoto

„Mit einem schlechten Bewerbungsfoto können Sie sich die Chance auf eine Stelle verbauen. Mit einem guten Bewerbungsfoto können Sie sich von den anderen Bewerbern abheben, Sie können Sympathien gewinnen und haben damit ein wichtiges Medium mit dem Sie Ihre ganz persönliche Ausstrahlung vermitteln können“, meint Bauer. Auch Gortana ist der Meinung: „Es gibt keine Universalregel für das perfekte Bewerbungsfoto. Jeder Mensch ist anders und hat auch andere Vorstellungen für die eigene Karriere. Während der eine seine Karriere in Richtung Führungsposition lenken will, genügt dem Anderen vielleicht schon eine Assistenzfunktion. Mit einem guten Bewerbungsbild unterstreichen Sie die angestrebte Funktion!“

Auch die Qualität des Fotos ist entscheidend! Ist das Bild ausgeblichen, verpixelt oder hat eine schlechte Qualität, zieht der Personaler rasch auch Rückschlüsse auf den Bewerber. „Der Schnappschuss aus dem Urlaub oder das Foto mit dem Smartphone im Wohnzimmer sind tabu. Genauso wenig angemessen sind Fotos aus dem Automaten, gescannte Fotos, unscharfe Fotos oder grelle Farben bei Fotohintergrund und Bekleidung“, rät Bauer. Wer keine ambitionierten Foto-Profis kennt, sollte überlegen, zu einem professionellen Fotografen zu gehen.

Der Fotograf – Profi in Sachen Bewerbungsfoto

Es fällt schwer, sich für einen Fotografen zu entscheiden, denn die Auswahl ist groß! Diese Dinge solltet ihr bei der Wahl des Fotografen beachten:

  • Herrscht im Studio Wohlfühlatmosphäre? Nicht jeder lässt sich gerne fotografieren, das richtige Umfeld trägt viel dazu bei, sich zu entspannen und auch auf den Fotos professionell zu wirken.
  • Ein guter Fotograf drückt nicht nur auf den Auslöser. Vor dem Shooting gibt er außerdem Ratschläge zur passenden Garderobe, No-Gos bezüglich Farben oder Mustern und stellt bei Bedarf Kontakt zu einem Make-up-Artist her.
  • Mit seinem Portfolio bewirbt sich der Fotograf bei euch. Gefallen euch seine Arbeiten, sein Stil und die Bilder, die er bisher gemacht hat?
  • Nach dem Shooting bekommt ihr zeitnah mehrere Varianten eurer Bilder in guter Auflösung.

Achtung – Darauf müsst ihr wirklich achten!

„Immer wieder habe ich Bewerbungsunterlagen bekommen, die sofort durch das Bewerbungsfoto negativ hervorgestochen sind“, erzählt Bauer. Das Bewerbungsfoto kann nur allzu schnell zum Knock-out Kriterium werden. Auch hier gibt es Standards, die von den Personalern auf dem ersten Blick gecheckt werden. Achtet ihr allerdings auf die folgenden zwölf Punkte, habt ihr die erste kritische Phase schon mal überstanden:

Zeig her deine Branche und ich zeig dir mein Bewerbungsbild

Fakt ist: Das Bewerbungsfoto zeigt den Kandidaten in der zukünftigen Position! Selbsterkenntnis ist daher die halbe Miete. Denn das Foto ist stark von der Art der Position abhängig und auch der Fotograf wird euch als Erstes nach dem angestrebten Job fragen. Warum? Robert Gortana hat für karriere.at die wesentlichen Merkmale zwischen einem Foto für Führungs- und Fachpositionen zusammengefasst. Eines sei vorweggesagt: Interpretation ist steuerbar!

Die Führungsposition
Der wesentliche Unterschied zwischen Führungs- und Fachkräften liegt im Aufnahmewinkel des Bildes. Bei Führungskräften zählt nach wie vor, Autorität und Stärke auf dem Foto zu vermitteln. Dazu verwendet der Fotograf eine leicht schräge Kameraperspektive von unten. Der Betrachter hat somit von Anfang an das Gefühl eine Führungsperson vor sich zu haben.

Die Mimik sollte weder ausdruckslos noch gekünstelt-freundlich sein. Ein starker Blick in die Kamera mit einem leichten Schmunzel-Lächeln kommt auf diesen Fotos am besten an. Wenn Sie ein cooler Brillen-Typ sind, kann auch eine moderne Brille Ihr professionelles Auftreten unterstreichen.

Durchaus skurril: Bei Frauen ist es wichtig, gerade beim Bewerbungsbild möglichst maskulin zu erscheinen. Die deutsche Sozialpsychologin Anke von Rennenkampff fand im Zuge ihrer Doktorarbeit heraus, dass gerade bei Führungspositionen männliche Merkmale im Bewerbungsfoto über Zu- oder Absage entscheiden können. Noch immer wird Stärke und Autorität mit Männlichkeit assoziiert.

Die Forscherin aus Mannheim ist überzeugt: „Harte Gesichtszüge signalisieren Durchsetzungsfähigkeit und Aggressivität, die als typische männliche Eigenschaften und als notwendig für Führungskräfte gelten.“ Darum profitieren auch Sie von diesem simplen Trick. Lassen Sie sich einfach von einer Visagistin beraten! Ein extra Tipp des Experten: Ein schwarz/weiß Foto wirkt oft stärker und kann Sie aus der Masse an Bewerbungen positiv hervorstechen lassen!

Die Fachkraft

Authentizität, Sympathie und Vertrauenswürdigkeit sind Eigenschaften, die bei einer Fachkraft für einen positiven ersten Eindruck sorgen. Genau diese Eigenschaften sollte auch Ihr Bewerbungsfoto vermitteln. Subjektiv erzielt man diesen Effekt, indem der Fotograf den Aufnahmewinkel ändert. Statt leicht von unten, ist hier der Winkel von oben leicht schräg nach unten ideal.

Auch die Mimik unterscheidet sich stark von der Führungskraft. Hier könnt ihr eure Persönlichkeit voll zur Geltung bringen. Das Leuchten in den Augen vermittelt dem Personaler, dass ihr euch auf eure Aufgabe freut. Und das Lächeln kann von dezentem Schmunzeln zu vollem Perlweiß-Lächeln gehen. Je nachdem, wie ihr euch wohlfühlt. Achtung: Authentisch bleiben, denn Fakes werden beim Bewerbungsfoto schnell enttarnt!

Das Make-up sollte typgerecht sei: Keine grellen Farben, auf dem Bild soll die Persönlichkeit dominieren, nicht das Make-up. Wer als Frau einen Job in der Kommunikationsbranche anstreb, kann die Haare auch offen lassen. Von Rennenkampff fand in ihrer Studie ebenfalls heraus, dass weibliche Züge gerade in der Kommunikationsbranche gut ankommen.

Kreative Bewerbung
Ihr seid es leid, euch in Kategorien einstufen zu müssen? Dann werdet kreativ! Hier zählt allein die Idee. Mit einem kreativen Foto zeigt ihr dem Arbeitgeber, dass ihr euch Gedanken über die Position und das Unternehmen selbst gemacht haben. Das ist mit Sicherheit eine gute Möglichkeit, um aus der Masse an Bewerbern hervorzustechen.

Die Mimik kann bei kreativen Bewerbungsfotos auch schon mal frech oder keck sein. Schließlich wollt ihr durch dieses Foto auffallen. Ein farbiger Hintergrund kann dem Foto bestimmte Aspekte mitgeben, allerdings sollte ein auffälliger Background nicht von der Person am Bild ablenken. Diese Methode ist mit Bedacht zu wählen. Schnell kann Kreativität in Übertreibung ausarten. Auch auf kreativen Fotos immer professionell bleiben!

Kompetent und dennoch ihr selbst

Ein gutes Bewerbungsfoto kann die Chancen auf den Traumjob erhöhen, aber letztendlich kann auch das beste Bewerbungsfoto keine Garantie dafür sein. Bei all dem Trubel um das beste Foto nicht vergessen, sich auch um den Lebenslauf und das Anschreiben zu kümmern. Das Bewerbungsfoto öffnet Türen beim Personaler, aber entscheidend sind immer noch fachliche Qualifikationen.

Zum Fotografen

Robert Gortana

Robert Gortana

Robert Gortana wurde 1970 in Wels geboren und studierte Fotografie an der Prager Fotoschule. Seit 2004 ist er selbstständiger Werbefotograf, spezialisiert auf People Fotografie. Seit 2006 ist er auch Vortragender an der Prager Fotoschule. Seine Werke wurden unter anderem in der Vogue publiziert.

Bildnachweis: Ilya Oreshkov / Shutterstock, alle Bewerbungsfotos wurden fotografiert von Robert Gortana/ Model: Petra Steinkellner/P2P

Redaktion