Achtsamkeit: Was ständiges Bewerten mit unserem Stresslevel macht

von in Arbeitsleben am Mittwoch, 20. Januar 2016 um 11:47

Ihr habt euch vorgenommen, das heurige Jahr stressfreier anzugehen? Ausgezeichnet! Gegen manche Formen von Stress ist nämlich ein Kraut gewachsen: Achtsamkeit. Was es damit auf sich hat und wie bewusstes Leben dabei hilft, Stress zu bewältigen, weiß Experte Harald Pachner. Außerdem verrät er Achtsamkeitsübungen, mit denen ihr sofort loslegen könnt.

E-Mails, Gespräche, Begegnungen, Nachrichten und andere Reize prasseln tagtäglich auf uns ein. Daran kann man nicht immer etwas ändern, wie man damit umgeht jedoch schon. Achtsamkeit ist für Buddhisten ein alter Hut, aber für Ungeübte eine nützliche Methode, um mit der Informationsflut fertig zu werden. Kernstück des Gedankens: Bewusst wahrnehmen, was im Augenblick passiert, es aber nicht bewerten.

Nur wahrnehmen – gar nicht so einfach

Reizüberflutung ist häufig der Auslöser dafür, dass wir uns gestresst fühlen. Im Berufsleben trifft das genauso zu, wie im Privatleben. „Das Problem ist aber nicht nur, dass wir zu vielen Reizen ausgesetzt sind, sondern dass wir falsch damit umgehen“, erklärt Harald Pachner, Dozent am GESU Institut. Anstatt Reize nur wahrzunehmen, bewerten wir sie auch: Wir freuen, ärgern oder sorgen uns. Der morgendliche Sonnenaufgang war schön, die E-Mail vom Chef weniger, das Gedränge und die Hitze im Bus anstrengend. „Mit der reinen Wahrnehmung der Reize hätte der Mensch kein Problem, aber die Interpretation verbraucht viele Ressourcen – das kann sich negativ auf die Gesundheit auswirken“, sagt Pachner. Ziel des Achtsamkeitstrainings ist es, vom permanenten Bewerten wegzukommen. Wer seine Perspektiven erweitert und ein Ereignis aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet, wird dadurch freier und weniger gestresst.

Achtsamkeitsübungen: Leben im Moment

Um mit mehr Achtsamkeit durchs Leben zu gehen, gibt es verschiedene Techniken. „Es braucht ein bisschen Übung, man darf da nicht so streng mit sich sein“, erklärt Pachner und ermutigt zum Durchhalten.

  • Im Hier und Jetzt
    Egal, ob im Meeting, beim Kochen oder während der Zugfahrt – Ziel der Übung ist es, die aktuelle Situation bewusst wahrzunehmen, ohne gedanklich abzuschweifen oder darüber zu urteilen.
  • Den Körper spüren
    Fühlt man sich körperlich wohl? Friert man oder passt die Temperatur? Sind Verspannungen zu fühlen? Pachner rät, seiner körperlichen Befindlichkeit mehrmals täglich auf den Grund zu gehen.
  • Leerlauf nutzen
    Statt zum Smartphone zu greifen, kann man Wartezeiten für eine Achtsamkeitsübung nutzen. Dabei bewusst auf die Atmung achten und sich nur darauf konzentrieren.
  • Widerstände ablegen
    Oft sorgt nicht die Sache an sich für Stress sondern der Umstand, dass wir uns dagegen sträuben. Pachner rät, jede Sache zuerst völlig neutral zu betrachten und nicht sofort zu bewerten: „Dadurch geht viel Stresspotenzial verloren.“
  • Mönchsgang
    Der Klassiker unter den Achtsamkeitstechniken: Beim schweigsamen Gehen in der Natur wird die eigene Achtsamkeit trainiert. Wahrgenommen werden nur die Natur und das eigene Empfinden.

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Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.