Rund um den Kran­ken­stand kommt es viel­fach zu Fra­gen, wie etwa: Wann muss ich wem was mel­den und wie lan­ge habe ich Anspruch auf Ent­gelt­fort­zah­lung? Hier die Antworten!

Rechtsgrundlage

Für Ange­stell­te sind die­se Fra­gen in § 8 Abs. 1, 2 und 8 des Ange­stell­ten­ge­set­zes geregelt.

Voraussetzungen des Entgeltfortzahlungsanspruchs

Unab­hän­gig davon, ob die Dienst­ver­hin­de­rung auf eine Krank­heit oder einen Unglücks­fall zurück­zu­füh­ren ist, besteht der Anspruch. Die Ver­hin­de­rung darf aber nicht vor­sätz­lich oder grob fahr­läs­sig her­bei­ge­führt wor­den sein. Dies bedeu­tet, dass z. B. bei Ver­let­zun­gen nach Trun­ken­heit am Steu­er oder Rauf­han­del etc. kei­ne Ent­gelt­fort­zah­lung zusteht.

Dauer des Entgeltfortzahlungsanspruchs

Die­se ori­en­tiert sich an der Dau­er der Betriebs­zu­ge­hö­rig­keit wie folgt:

0 – 5 Jahre6 Wochen volles Entgelt + 4 Wochen halbes Entgelt
5 – 15 Jahre8 Wochen volles Entgelt + 4 Wochen halbes Entgelt
15 – 25 Jahre10 Wochen volles Entgelt + 4 Wochen halbes Entgelt
ab 25 Jahre12 Wochen volles Entgelt + 4 Wochen halbes Entgelt

Auch ein Arbeits­un­fall wird groß­teils wie eine Krank­heit behan­delt. Nur in den ers­ten 5 Jah­ren eines Arbeits­ver­hält­nis­ses erhöht sich der vol­le Ent­gelt­an­spruch um 2 auf 8 Wochen.

Tritt inner­halb eines hal­ben Jah­res nach Wie­der­an­tritt der Arbeit wie­der eine Dienst­ver­hin­de­rung ein, so gebüh­ren noch die Rest­an­sprü­che aus der o.a. Dau­er des Ent­gelt­fort­zah­lungs­an­spruchs. Dar­über hin­aus hat er dann noch Anspruch auf die Hälf­te die­ses Anspruchs. Wenn nur noch ein Anspruch auf hal­bes oder ein Vier­tel des Ent­gelts besteht, kann bei der Gebiets­kran­ken­kas­se zusätz­lich Kran­ken­geld bean­tragt werden.

Meldung, Nachweis

In vie­len Unter­neh­men ist es üblich, dass man zwar den Kran­ken­stand unver­züg­lich mel­den, aber bei Kran­ken­stän­den bis zu 3 Tagen kei­nen Nach­weis brin­gen muss. In allen sons­ti­gen Fäl­len kann aber der Arbeit­ge­ber eine Bestä­ti­gung der Gebiets­kran­ken­kas­se oder eines sons­ti­gen Arz­tes verlangen.

Bringt der Arbeit­neh­mer – trotz wie­der­hol­ter For­de­rung des Arbeit­ge­bers – die­se Bestä­ti­gung nicht, so ver­liert er für die­sen Zeit­raum sei­nen Entgeltanspruch.

Krankenstand und Urlaub

  • Dauert eine Erkrankung während des Urlaubs bis zu 3 Kalendertage, so zählen diese Tage dennoch als verbrauchte Urlaubstage. Bei einer längeren Erkrankung zählen die Krankenstandstage nicht als Urlaubstage. Die dadurch nicht verbrauchten Urlaubstage verlängern aber nicht den Urlaub, sondern werden dem restlichen Urlaubskonto gutgeschrieben.

  • Die Erkrankung darf nicht vorsätzlich oder grob fahrlässig herbeigeführt worden sein.

  • Die Erkrankung muss dem Arbeitgeber unverzüglich mitgeteilt werden.

  • Bei einer Erkrankung im Ausland muss dem Arbeitgeber zusätzlich zur Krankenstandsbestätigung eine behördliche Bestätigung vorgelegt werden.

Krankenstand und Beendigung des Arbeitsverhältnisses

Erfolgt wäh­rend eines Kran­ken­stan­des eine Kün­di­gung durch den Arbeit­ge­ber, eine (frist­lo­se) Ent­las­sung ohne wich­ti­gen Grund oder ein vom Arbeit­ge­ber ver­schul­de­ter Aus­tritt, so muss der Arbeit­ge­ber bei einem lan­gen Kran­ken­stand die vol­le Dau­er der Ent­gelt­fort­zah­lung leis­ten, und zwar auch dann, wenn das Arbeits­ver­hält­nis vor­her enden würde.

Hin­weis: Im Arbeits­pro­gramm der öster­rei­chi­schen Bun­des­re­gie­rung sind fol­gen­de Punk­te zum The­ma Kran­ken­stand vorgesehen:

  • Aufkommensneutrale Angleichung der Entgeltfortzahlung von Arbeitern und Angestellten: Wiedererkrankung und Arbeitsunfall nach dem transparenten und einfacheren Arbeitermodell mit Anrechnung der Feiertage auf den Entgeltfortzahlungsanspruch

  • Tätigkeitsbezogene Krankschreibungen gesetzlich sicherstellen

  • Entgeltfortzahlung im Krankenstand über das Ende des Dienstverhältnisses hinaus bei einvernehmlicher Auflösung (analog zur Arbeitgeberkündigung)

Stand: Mai 2018

Autor: Mag. Dr. Klaus Mayr LL.M. ist Refe­rent in der Kam­mer für Arbei­ter und Ange­stell­te (Abt. Kom­pe­tenz­zen­trum Betrieb­li­che Inter­es­sen­ver­tre­tung), Mit­glied der Selbst­ver­wal­tung der GKK, Lek­tor der Uni­ver­si­tä­ten Linz & Wien, Fach­kun­di­ger Lai­en­rich­ter beim OGH.

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