Vollzeit-Anteil steigt wieder: Was das für dein Stelleninserat bedeutet
Unternehmen schreiben aktuell 75 Prozent der Stellen auf karriere.at in Vollzeit aus. Zum ersten Mal seit über zehn Jahren ist dieser Anteil wieder gestiegen. Gleichzeitig arbeiten in Österreich wieder mehr Menschen in Teilzeit. Wir zeigen dir, woher diese Lücke kommt und was sie für deine Stelleninserate bedeutet.
Der Anteil an Vollzeitstellen in Stelleninseraten steigt wieder. Laut aktueller Auswertung von karriere.at werden 75 Prozent der offenen Stellen in Vollzeit und 15 Prozent in Teilzeit ausgeschrieben. Der Rest entfällt auf sonstige Anstellungsverhältnisse wie Lehrstellen oder Praktika. Damit endet ein Trend, der über Jahre nur eine Richtung kannte, zumindest vorläufig.
Für dein Recruiting ist allerdings eine zweite Zahl mindestens genauso wichtig: Laut Statistik Austria ist die Teilzeitquote im zweiten Quartal 2026 wieder gestiegen, auf 32,1 Prozent. Unternehmen schreiben wieder öfter Vollzeit aus, während mehr Menschen Teilzeit arbeiten. Wer jetzt nur Vollzeit anbietet, erreicht einen Teil der passenden Fachkräfte möglicherweise nicht.
Das Wichtigste in Kürze: #
📊 75 Prozent Vollzeit, 15 Prozent Teilzeit: So verteilen sich die Stelleninserate auf karriere.at im Kalenderjahr 2025 und im ersten Halbjahr 2026.
📈 Erstmals seit über zehn Jahren ist der Vollzeit-Anteil wieder gestiegen, gegenüber 2024, dem Jahr mit dem bisher höchsten Teilzeit-Anteil.
🔄 Gleichzeitig steigt die Teilzeitquote der Erwerbstätigen in Österreich wieder (32,1 Prozent im 2. Quartal 2026, laut Statistik Austria).
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Vollzeit legt in Stelleninseraten erstmals seit über zehn Jahren wieder zu #
Vollzeitstellen machen weiterhin den Großteil der Inserate auf karriere.at aus. Ihr Anteil ist über viele Jahre aber kontinuierlich gesunken. 2014 waren noch 89 Prozent der offenen Stellen in Vollzeit ausgeschrieben, 2024 waren es nur mehr 74 Prozent. Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil an Teilzeitstellen von sechs auf 16 Prozent.
2025 hat sich diese Entwicklung umgekehrt. Der Teilzeit-Anteil sank auf 15 Prozent, der Vollzeit-Anteil stieg auf 75 Prozent. Die Zahlen für das erste Halbjahr 2026 bestätigen dieses Niveau.
Anteil an Vollzeit- und Teilzeitstellen auf karriere.at:
| Jahr | Vollzeit in Prozent | Teilzeit in Prozent |
| 2014 | 89 | 6 |
| 2022 | 78 | 13 |
| 2024 | 74 | 16 |
| 2025 | 75 | 15 |
| 1. Halbjahr 2026 | 75 | 15 |
(Quelle: karriere.at Inseratsanalyse)
Etwas zurückgegangen ist auch die Zahl der Inserate, die Voll- und Teilzeit anbieten, etwa mit Hinweisen wie „ab 30 Wochenstunden“. 2024 traf das auf zwölf Prozent der Stellen zu, 2025 auf zehn Prozent.
💡 Wichtig für die Einordnung: Der Teilzeit-Anteil liegt weiterhin deutlich über dem Niveau der vergangenen Dekade. Von einem „Zurück zur Vollzeit“ kann also keine Rede sein. Die Richtung hat sich gedreht, das Niveau ist geblieben.
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Zustimmung gebenWarum sich der Trend gerade dreht #
Laut karriere.at-CEO Georg Konjovic liegt die Trend-Umkehr einerseits an der schwächeren Konjunktur und dem Wandel vom Arbeitnehmer- zum Arbeitgebermarkt, andererseits an der geringeren Nachfrage nach Arbeitskräften in Berufen, in denen traditionell viele Menschen in Teilzeit arbeiten (z.B. Assistenz, Verwaltung).
„Ob es sich um eine nachhaltige Trendwende oder lediglich um eine kurzfristige Marktschwankung handelt, wird sich zeigen.“
Ein Teil des Vollzeit-Anstiegs entsteht, weil Unternehmen in Teilzeit-starken Berufsfeldern weniger Stellen ausschreiben. Das heißt nicht automatisch, dass einzelne Unternehmen ihre Teilzeitangebote gestrichen haben. Der Mix der offenen Stellen hat sich verändert.
Wo Vollzeit dominiert und wo Teilzeit häufig ist #
Zwischen den Berufsfeldern liegen große Unterschiede. Vollzeit dominiert vor allem in männlich geprägten Bereichen, in weiblich geprägten ist Teilzeit deutlich häufiger.
(Quelle: karriere.at Inseratsanalyse, 2025 und 1. Halbjahr 2026)
Zwei Details sind hier besonders relevant und hervorzuheben:
- Erstens steht das Personalwesen (27 Prozent) selbst in den Top fünf der Teilzeit-Berufsfelder.
- Zweitens gehört auch Rechnungswesen und Controlling (25 Prozent) dazu, ein Bereich, in dem viele Unternehmen Fachkräfte suchen. Dort ist Teilzeit für viele Fachkräfte die Voraussetzung.
Die Lücke zwischen Inseraten und Arbeitsrealität #
Zwei Datenquellen, zwei Perspektiven
Die karriere.at Inseratsanalyse zeigt, welche Arbeitszeit Unternehmen anbieten. Die Teilzeitquote von Statistik Austria zeigt, wie Erwerbstätige tatsächlich arbeiten. Beide Zahlen widersprechen sich nicht. Zusammen zeigen sie, wo Angebot und Arbeitsrealität auseinanderlaufen.
Während die Inserate wieder mehr Vollzeit enthalten, zeigt die Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung von Statistik Austria für das zweite Quartal 2026 die Gegenbewegung. Die Teilzeitquote erreicht mit 32,1 Prozent Höchststand (+1,3 Prozentpunkte). Bei Frauen liegt sie bei 51,1 Prozent, bei Männern bei 14,8 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresquartal arbeiteten 57.200 Menschen mehr in Teilzeit und 57.400 weniger in Vollzeit.
Innerhalb der EU haben nur die Niederlande eine höhere Teilzeitquote als Österreich.
Viele Gründe für Teilzeit hängen nicht von der Konjunktur ab. Laut einer repräsentativen Umfrage von karriere.at arbeitet ein Drittel der Erwerbsfähigen in Teilzeit, um Care-Arbeit zu leisten.
In unserem Factsheet findest du mehr Infos, warum Menschen in Österreich Voll- oder Teilzeit arbeiten möchten.
Arbeitszeit im Wandel
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Karriere at Factsheet Arbeitszeit 2025 BF
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838 kb
Das betrifft 36 Prozent der Frauen und rund sieben Prozent der Männer. Männer nannten häufiger den Wunsch nach mehr Freizeit (32 Prozent) oder ein Studium (25 Prozent). Wer Kinder betreut oder Angehörige pflegt, erhöht seine Stunden nicht, weil sich der Arbeitsmarkt dreht.
Das spiegelt sich auch in der Einschätzung von Personalverantwortlichen wieder. Von rund 400 HR-Verantwortlichen gab die Hälfte (53 Prozent) an, dass sich Mitarbeitende vermehrt Teilzeit wünschen. In der IT waren es sogar 62 Prozent. Gleichzeitig ist die IT eines der Berufsfelder mit dem höchsten Vollzeit-Anteil in Inseraten. (Quelle: karriere.at Arbeitsmarktreport, 2025, Basis: 398 Personalverantwortliche)
Genau an solchen Stellen wird die Lücke konkret.
Was das für deine Stelleninserate bedeutet #
Die aktuelle Marktlage gibt dir mehr Spielraum, Stellen nur in Vollzeit auszuschreiben. Ob das klug ist, hängt von der Stelle und deiner Zielgruppe ab.
Wann reine Vollzeitstellen sinnvoll sind #
Es gibt gute Gründe für reine Vollzeitstellen:
- Aufgaben, die durchgehende Erreichbarkeit erfordern
- Führungsrollen mit großer Spanne
- Positionen, bei denen sich Übergaben kaum organisieren lassen
Wenn das auf deine Stelle zutrifft, schreib sie in Vollzeit aus und begründe das im Inserat nachvollziehbar.
Problematisch wird es, wenn Vollzeit aus Gewohnheit im Inserat steht. Dann schließt du ohne Not einen Teil der passenden Fachkräfte aus.
Teilzeitoption kann mehr Bewerbungen bringen #
Die Erfahrungen aus der Praxis sprechen für flexible Ausschreibungen. In der karriere.at Umfrage gaben 66 Prozent der Personalverantwortlichen an, offene Vollzeitstellen wo möglich auch in Teilzeit auszuschreiben. Die Hälfte dieser Unternehmen berichtete, dadurch mehr Bewerbungen zu erhalten.
Das gilt besonders in Berufsfeldern, in denen viele Fachkräfte ohnehin Teilzeit arbeiten, etwa in Gesundheit und Soziales, Personalwesen oder Rechnungswesen. Dort ist Teilzeit kein Sonderwunsch einzelner Bewerbender, sondern für einen großen Teil deiner Zielgruppe die Voraussetzung.
Weniger Konkurrenz bei flexiblen Inseraten #
Der Anteil an Inseraten, die Voll- und Teilzeit anbieten, ist zuletzt von zwölf auf zehn Prozent gesunken. Wenn weniger Unternehmen Flexibilität anbieten, fällt dein Angebot stärker auf. Das kann gerade in einem Arbeitgebermarkt ein Vorteil sein, weil du damit Talente erreichst, die sich bei reinen Vollzeitstellen oft gar nicht erst bewerben.
Konkreten Stundenrahmen statt „Teilzeit möglich“ angeben #
„Teilzeit möglich“ lässt offen, ob 15 oder 35 Stunden gemeint sind. Ein konkreter Rahmen wie „30 bis 38,5 Wochenstunden“ hilft Bewerbenden, sofort einzuschätzen, ob die Stelle zu ihrer Lebenssituation passt. Für dich bedeutet das weniger Bewerbungen, die an der Arbeitszeit scheitern.
Wie wichtig diese Angabe ist, bestätigt auch eine Umfrage: 84 Prozent der Erwerbsfähigen achten im Inserat auf Arbeitszeiten und Überstundenregelungen.
(Quelle: Marketagent für karriere.at, 2025, Basis: 1.013 Erwerbsfähige in Österreich)
Was sonst noch in ein gutes Inserat gehört, liest du hier:
Checkliste: Prüfe dein Arbeitszeitmodell im Stelleninserat #
☐ Muss die Stelle wirklich durchgehend in Vollzeit besetzt sein, oder ist das eine Gewohnheit?
☐ Welches Stundenminimum ist für die Aufgaben realistisch?
☐ Lässt sich die Rolle teilen, etwa über Jobsharing?
☐ Steht der mögliche Stundenrahmen konkret im Inserat?
☐ Ist das Gehalt für den angebotenen Stundenrahmen nachvollziehbar angegeben?
Welche Modelle sich in der Praxis bewährt haben, von Gleitzeit bis Jobsharing, liest du in
Du willst wissen, was die Entwicklung aus Sicht der Jobsuchenden bedeutet? Das beleuchten wir hier:
Fazit #
Ob der Vollzeit-Anteil in Stelleninseraten weiter steigt, ist offen. Klar ist: Der Spielraum, den dir der Arbeitgebermarkt gerade gibt, hängt an der Konjunktur. Die Gründe, warum viele Fachkräfte Teilzeit arbeiten, hängen daran kaum. Wenn sich der Markt wieder dreht, sind jene Unternehmen im Vorteil, die ihre Arbeitszeitmodelle nicht aus Gewohnheit zurückgefahren haben. Entscheide deshalb bei jeder Stelle, welche Arbeitszeit die Aufgabe wirklich braucht, und schreib genau das ins Inserat.