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Stress Wut

Ego-Erschöpfung: Schluss mit Entscheidungsfreude und Selbstkontrolle

Zusammenarbeit Erstellt am: 03. September 2014 2 Min.

Schreitet man anfangs noch beherzt an ein Projekt, stellt man nach einiger Zeit fest: Es wird immer mühsamer, Entscheidungen zu treffen. „Ego-Depletion“ ist der Fachbegriff für ein Phänomen, das uns in Privat- und Berufsleben gleichermaßen ereilt. Unsere Willens-, Entscheidungskraft oder Selbstkontrolle ist aufgebraucht, Bedürfnisse und Emotionen (es dem Chef mal ordentlich reinsagen!) werden stärker spürbar. Psychologin Christa Schirl erklärt, was es mit der Ego-Erschöpfung auf sich hat und wie man erkennt, dass es genug ist.

Die Selbstbeherrschung macht Feierabend

Stress Essen

Den ganzen Tag lang widerstehen wir Versuchungen, treffen Entscheidungen und üben uns in Selbstkontrolle. Wir sagen dem nervenden Kunden nicht gehörig die Meinung, sondern bleiben freundlich. Beim Mittagessen fällt die Wahl auf Salat statt Pizza, dem nörgelnden Chef fällt man nicht ins Wort, den Süßigkeiten am Nachmittag wird tapfer widerstanden. Endlich Feierabend: Ab nach Hause, Kühlschrank plündern, Sporteinheit schwänzen und - im schlimmsten Fall - gereizt den Partner oder die Kinder anschnauzen.

Vorrat an Entscheidungsfreude ist nicht unbegrenzt

Christa Schirl

Christa Schirl

Warum unsere Kraft, Entscheidungen zu treffen nicht endlos ist, weiß Psychologin Christa Schirl: „Selbstkontrolle, Willenskraft und Entscheidungskraft sind vergleichbar mit einem Muskel, der ermüden kann. Wenn ich untertags viele Entscheidungen treffen muss, kann es sein, dass dieser Muskel abends erschöpft ist.“ Diese Erschöpfung betrifft nicht nur die Entscheidungskraft sondern auch die Selbstkontrolle.

„Immer freundlich zu sein ermüdet den Muskel der Selbstkontrolle“

Das bekommen vor allem Arbeitnehmer zu spüren, die in ihrem Beruf viel Kundenkontakt haben. „Wenn man immer freundlich sein muss und seine eigenen Gefühle wenig ausdrücken kann, ermüdet das unsere Selbstkontrolle. Es wird immer schwieriger, seine Impulse und sich selbst zu kontrollieren. „Dann kann es passieren, dass man nach Hause kommt und die Kinder anschreit, exzessiv shoppt oder über den Kühlschrank herfällt“, erzählt Schirl.

"Man tut Dinge, die man nicht machen würde, wenn man klar sehen würde"

Streit Buero

Wichtig ist zu erkennen, dass die Selbstkontrolle oder Entscheidungskraft immer denselben Muskel beanspruchen. Egal ob es darum geht, diszipliniert abzunehmen, im Möbelhaus Einrichtung auszusuchen oder sich im Arbeitsleben gegenüber Kollegen, Chefs und Kunden zu beherrschen. „Viele denken: Wenn ich im Job zahlreiche Entscheidungen treffen kann, dann gelingt mir das auch zu Hause. Aber so ist das nicht“, so die Psychologin. Als Faustregel gilt: Je müder der Muskel, desto intensiver werden Gefühle und Bedürfnisse spürbar. Auch Gelüste werden stärker wahrgenommen. Wer bereits untertags ermüdet, wird immer gereizter. „Dann macht man Dinge, die man nicht machen würde, wenn man klar sehen würde“, sagt Schirl. Der Muskel für Entscheidungs- und Willenskraft ist nicht bei jedem gleich stark ausgeprägt. Manche Menschen haben ein höheres Frustpotential, sind entscheidungsfähiger oder haben eine stärkere Willenskraft als andere. Bis zu einem gewissen Grad kann man seinen Muskel der Entscheidungskraft trainieren.

Tipps für den Umgang mit dem Entscheidungsmuskel

  • Selbstbeobachtung: Wo liegen meine Grenzen? Regelmäßig kontrollieren, wie es um die eigene Entscheidungsfähigkeit bestellt ist.
  • Entscheidungen vertagen: Bei komplexen Entscheidungsfindungen besser Pausen einlegen und die Entscheidung verschieben, als unter Druck weiter zu arbeiten.
  • Pausenkultur: Bei Teamsitzungen oder Meetings regelmäßig Pausen einlegen.
  • Feedback: Führungskräfte können nicht ahnen, wie es um die Belastbarkeit der Mitarbeiter bestellt ist. Arbeitnehmer müssen rückmelden, wenn nichts mehr geht. Allerdings muss der Arbeitgeber für diese Art von Feedback ein offenes Ohr haben.
  • Auf ein Ziel konzentrieren: Nicht zu viele Projekte, die eine Menge Selbstkontrolle abverlangen, anpacken. Ein komplexes Projekt im Job, Gewicht verlieren, Wohnung einrichten und ein Autokauf verlangen dem Entscheidungszentrum zu viel ab.

Bildnachweis: Ollyy /Shutterstock; Andrey_Popov /Shutterstock; Nomad_Soul /Shutterstock;


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