Aktualisiert am 19. Juni 2019 · Bewerbung, Jobsuche · von

Stärken und Schwächen im Vorstellungsgespräch argumentieren

Lesezeit: 4 Minuten

Stärken und Schwächen – diese Thematik schlägt in jedem Vorstellungsgespräch auf. Personaler wollen so einen besseren Eindruck von dir als Mensch gewinnen und herausfinden, ob du ins Team passt oder nicht. Eine Antwort auf diese Fragen zu geben ist oft schwieriger als gedacht. Finde heraus, wie du deine Stärken und Schwächen identifizierst, und wie du letztere vermittelst, ohne dir ins eigene Fleisch zu schneiden!

Warum wird überhaupt nach Stärken gefragt?

Jeder Personaler möchte früher oder später etwas über deine Stärken erfahren. Diese geben ihm nämlich Aufschluss über drei ganz wesentliche Punkte: Zum einen will er wissen, ob du über eine gute Selbsteinschätzung verfügst. Deine Antwort verrät ihm gleichzeitig aber auch, ob du dir im Vorhinein Gedanken über die ausgeschriebene Stelle gemacht hast. Und schließlich zeigt sich, ob du eine Verbindung zwischen deinen Stärken und den Anforderungen der Stelle herstellen kannst.

Was sind deine Stärken?

Viele Menschen sind mit der Frage nach ihren Stärken überfordert. Zumindest dann, wenn sie sich vorher noch nie über die Antwort Gedanken gemacht haben. Wie du dich am besten selbst analysierst und einen Einblick in deine Fähigkeiten bekommst? Hier sind vier Möglichkeiten:

  • Freunde und Familie: Das sind Menschen, die dich gut und lange genug kennen, um eine realistische Einschätzung abzugeben. Aus der Reihe an Eigenschaften, die dir genannt werden, suchst du dir dann jene heraus, die gut zu deinem Traumjob passen.
  • Bisherige Tätigkeiten: Wenn du in der Vergangenheit diverse Praktika oder andere Jobs absolviert hast, solltest du einen Blick auf die ausgestellten Zeugnisse werfen. Welche Skills wurden besonders hervorgehoben und gelobt? Aber auch Hobbys und Talente, die eigentlich nur privat zum Vorschein kommen, können Aufschluss über deine Fähigkeiten geben. Überlege auch, in welchen Fächern an der Schule bzw. in welchen Kursen an der Uni du besonders erfolgreich warst.
  • Listen und Skalen: Erstelle eine Liste mit den bekanntesten Soft Skills (z.B. Problemlösungskompetenz, Empathie, Kreativität oder Analysefähigkeit) und schätze dich dann realistisch auf einer Skala von 1 bis 10 ein.
  • Persönlichkeitstests: Online gibt es eine Vielzahl an Tests, die du zur Analyse deiner Stärken verwenden kannst. Die unterschiedlichen Fragen sollen deine Kompetenzen und deine Persönlichkeit ermitteln. Als Orientierung sind solche Tests ganz in Ordnung, hinterfragen solltest du sie aber trotzdem.

Welche Stärken gibt es?

Prinzipiell wird zwischen Hard und Soft Skills unterschieden. Hard Skills sind, ins Deutsche übersetzt, die Fachkompetenzen, die du dir im Rahmen von Aus- und Weiterbildungen sowie in der Ausübung deiner beruflichen Tätigkeiten angeeignet hast. Mittlerweile sind ausgeprägte Soft Skills wie interkulturelle Kompetenz, Empathie, Anpassungsfähigkeit oder Flexibilität ebenso, wenn nicht sogar noch wichtiger als Hard Skills.

Mit der Formulierung solltest du jedenfalls vorsichtig sein, denn vermeintliche Stärken können von Personalern auch als Schwächen ausgelegt werden. Beschreibst du dich als sehr kontaktfreudig, kommt möglicherweise die Sorge auf, dass du eine Tratschtante bist. Perfektionismus als Manko anzugeben, kann dich arrogant und eingebildet wirken lassen. Und Lernbereitschaft kann darauf hindeuten, dass du größere Wissenslücken hast und dir über diese auch im Klaren bist.

Stärken formulieren: Do’s & Don’ts

Konkrete Antworten: Beschreibe deine Stärken anhand von konkreten Beispielen.Nicht unter eigenem Wert verkaufen: Versuche nicht zwanghaft, bescheiden zu wirken. Steh zu deinen Stärken!
Selbstbewusstsein: Präsentiere deine Stärken überzeugend und authentisch.Keine Standardantworten: Gib keine Floskeln wieder, die du irgendwo aufgeschnappt hast, nur weil sie gut klingen.
An Stellenprofil anpassen: Wähle jene Stärken aus, die für die jeweilige Stelle relevant sind.Schwächen nicht zu Stärken machen: Probiere nicht, deine Schwächen auf Stärken umzumünzen. Die sind ein eigenes Kapitel!
Ehrlichkeit: Sei ehrlich zu dir selbst und dichte dir keine Stärken an, die du nicht hast!Qualität vor Quantität: Lass die Finger von einer endlosen Stärken-Liste und konzentriere dich lieber auf die geeignetsten!

Schwächen argumentieren

Auf Umwegen zur Frage nach deinen Schwächen

Es ist auffällig, dass Personaler mit der Frage nach den Schwächen heute weniger offensiv sind, sondern stattdessen den Weg über die Hintertür wählen. Ein Grund dafür ist, dass Bewerber sich immer akribischer auf das Vorstellungsgespräch vorbereiten. In den Tagen davor durchforsten sie das Internet auf der Suche nach Ratgebern, die ihnen sagen, welche Schwächen Personaler hören möchten. Die Fragestellungen werden also zunehmend indirekter und nehmen beispielsweise diese Formen an:

  • Welche Ihrer Eigenschaften würden Sie gerne ändern?
  • Welches Verhalten können Sie in der Zusammenarbeit mit Ihren Kollegen nicht ausstehen?
  • Wie würden Ihre Freunde Sie beschreiben?

Auf sogenannte Skalenfragen wird ebenfalls gerne zurückgegriffen. Eine mögliche Frage könnte lauten: „Auf einer Skala von eins bis zehn, wie gut schätzen Sie Ihre Teamfähigkeit ein?“ Hier solltest du weder über- noch untertreiben. Alles unter sechs ist als schlecht einzustufen, eine zehn wirkt überheblich. Du solltest deine Antwort im gleichen Zuge begründen und mit einem Beispiel untermauern.

Schwächen ausfindig machen

Kennst du deine Schwächen, können sie dir nur wenig anhaben. Dennoch setzen sich viele Bewerber immer noch zu wenig mit diesem Thema auseinander und geraten beim Gespräch ins Stocken. Manche versuchen es auf die ungenierte Art und meinen, frei von jeglichen Mängeln zu sein – und hinterlassen damit einen arroganten Eindruck. Das ist ärgerlich und muss nicht sein! Nutze eine ruhige Minute, um dich hinzusetzen und dir zu überlegen, welche deiner Eigenschaften du als Schwächen einstufen würdest. Sei dabei ruhig etwas kritischer. Danach setzt du dich mit Freunden, Familie und Eltern zusammen und bittest sie dir offen zu sagen, wo du falsch oder richtig gelegen hast und ob möglicherweise Punkte fehlen. Dann gilt es, einen Blick auf die Stellenausschreibung zu werfen. Überlege dir gut, welche Schwächen du im Bewerbungsgespräch nennen kannst, ohne dich damit ins Aus zu katapultieren.

Schwächen ins richtige Licht rücken

Sobald du zwei bis drei präsentable Schwächen ausgewählt hast, geht es in erster Linie darum, diese schön zu verpacken. Dazu benötigst du unbedingt einen Kontext! Zum Beispiel:

„Ich bin etwas chaotisch. Es gibt Tage, da will ich alles auf einmal erledigen, anstatt die Dinge nacheinander anzugehen.“

Gleich im Anschluss solltest du diese Aussage relativieren, indem du erklärst, mit welchen Maßnahmen du dagegen vorgehst. Das können To-do-Listen oder vordefinierte Zeiträume für bestimmte Aufgaben sein. Hab also auf jede Schwäche, die du anführst, eine individuelle Lösung parat. So vermittelst du den Eindruck, dass du dir nicht nur deiner Schwachstellen bewusst bist, sondern diese auch aktiv bekämpfst.

Schwächen im Lebenslauf abdecken

Auch dein Lebenslauf ist vor Schwächen nicht gefeit! Nur wenige Bewerber können von sich behaupten, einen lückenlosen Werdegang vorweisen zu können. Das kann viele Gründe haben: Studienwechsel, weil das Fach sich als todlangweilig entpuppt hat. Oder kurz aufeinanderfolgende Jobwechsel, weil es doch nicht so gepasst hat. Und eine längere Phase der Auszeit kommt auch schon mal vor.

Eine Erklärung solltest du aber trotzdem parat haben. Personalern stechen Unregelmäßigkeiten dieser Art sofort ins Auge. Dein Gesprächspartner wird also früher oder später darauf zu sprechen kommen. Ein Tipp: Steh zu deinen Entscheidungen und erkläre sachlich, warum gewisse Veränderungen in deinem Leben einfach notwendig waren. Fehltritte sind zudem nicht rein negativ zu betrachten, sondern belohnen dich mit wertvollen Erfahrungen.

Redaktion

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