28. Juni 2017 · Bewerbung, Jobsuche · von

Nobody is perfect: Schwächen im Vorstellungsgespräch argumentieren

Die Frage nach den eigenen Stärken und Schwächen kommt im Vorstellungsgespräch so sicher wie das Amen im Gebet. Während Personaler so hoffen, mehr über die Charaktereigenschaften eines Kandidaten zu erfahren, schwanken diese: Ehrlich bleiben oder Gefahr laufen, zu ehrlich zu sein? Ob (zu viel) Selbstbewusstsein bei der Angabe der eigenen Stärken und Schwächen schaden kann:

Zwei Dauerbrenner im Jobinterview: Was sind Ihre Stärken? Welche Schwächen haben Sie? Egal, ob man diese Frage für sinnvoll hält oder nicht – beantworten muss man sie als Kandidat. Stellt sich nur die Frage: Wie ehrlich darf und soll man sein? Kann man dem Personaler anvertrauen, dass man dank Netflix-Marathon manchmal seinen Alltag so gar nicht auf die Reihe bekommt? Und dass Mikrowellen-Popcorn an manchen Tagen sehr wohl als komplettes Abendessen zu werten ist? Die schonungslose Wahrheit ist vielleicht nicht immer die richtige Wahl. Dann vielleicht doch lieber die Werbetrommel für sich selbst rühren mit Schwächen, die einen Vorteil verschaffen?

Antworten, die dir keiner abnimmt

Der Versuch, vermeintliche Schwächen als positives Asset zu verkaufen, ist natürlich groß. Antworten wie diese erscheinen auf den ersten Blick als optimale Lösung, dein Gegenüber wird dich allerdings rasch durchschauen (und hat diese Floskeln wahrscheinlich schon etliche Male gehört):

  • Ich arbeite oft viel zu hart und verlasse das Büro sehr spät.
  • Mein Ehrgeiz ist ziemlich groß.
  • Als Perfektionist lege ich manchmal zu großen Wert auf einwandfreie Arbeit.

Wie also am besten antworten? Am besten ehrlich und selbstbewusst. Authentizität im Jobinterview ist einer der Schlüsselfaktoren wenn es darum geht, sich den Job zu angeln. Eine Studie des University College London hat herausgefunden, dass die ehrliche Antwort auf die Frage nach den eigenen Charaktereigenschaften die Chancen auf eine Jobzusage erhöht. Einen kleinen Haken hat die Sache mit der Ehrlichkeit jedoch: Den Studien zufolge schneiden nur Top-Bewerber noch besser ab, wenn sie auf 100 Prozent Authentizität setzen. Kandidaten mit schlechten Qualifikationen kann zu viel Ehrlichkeit im Jobinterview hingegen schaden.

Die eigenen Schwächen finden

Wo Menschen arbeiten, gibt es auch Defizite, Fehler und eben Schwächen. Grundsätzlich sind die eigenen blinden Flecken nichts Verwerfliches – zu seinen Schwächen zu stehen, erfordert aber auch Mut. Im Bewerbungsprozess kratzt das nicht nur am Selbstbewusstsein, sondern verbaut im schlimmsten Fall den Weg zur Jobzusage. Es gilt also, den goldenen Mittelweg zwischen Ehrlichkeit und gutem Selbstmarketing zu finden.

Die Beschäftigung mit den eigenen Schwächen ist nicht sehr angenehm, sollte aber auf der To-do-Liste eines jeden Bewerbers stehen. Mit diesen Fragestellungen kannst du deinen eigenen Schwächen auf den Grund gehen:

  • Welche Dinge schiebe ich oft auf? Welche Tätigkeiten fallen mir schwer?
  • Welche Mitmenschen sorgen bei mir für schlechte Laune? Welche Eigenschaften nerven mich?
  • Eine Erinnerung an Misserfolge: Was war mein Anteil daran?
  • Über welche meiner Eigenschaften ärgere ich mich selbst?

Im Bewerbungsgespräch selbst aber nicht nur die Schwächen nennen, sondern auch signalisieren, dass man sich deren bewusst ist und an Lösungen arbeitet. Mögliches Resultat könnte z.B. sein: Routinearbeiten langweilen mich schnell, ein abwechslungsreiches Aufgabengebiet hält mich hingegen motiviert. Oder auch: Ich arbeite sehr strukturiert und es fällt mir manchmal schwer, mit Kollegen zu arbeiten, die das nicht tun. Vor gemeinsamen Projekten kommuniziere ich das jetzt immer bewusst.

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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