21. März 2018 · Arbeitsleben, Arbeitsrecht · von

Vom Rauchverbot bis zum Raucherkammerl: Ein Stimmungsbild

Beim Thema Rauchen gehen die Wogen hoch und auch im Arbeitsleben sorgt das Thema für Zündstoff: Wo darf geraucht werden? Arbeiten Raucher wirklich weniger? Wie denkt ihr über ein unternehmensweites Rauchverbot? Wir haben euch gefragt und beim Arbeitsrechtsexperten nachgehakt: Totales Rauchverbot, geht das?

Wir haben karriere.at-User gefragt, was sie zum blauen Dunst am Arbeitsplatz sagen. 604 User auf Arbeitnehmerseite haben online so abgestimmt: 45 Prozent meinen, dass Rauchen in Gebäuden fehl am Platz sei. Im Freien ist die Zigarettenpause aber okay. Ein Viertel der Befragten würde die Glimmstengel generell vom Firmengelände verbannen. Ebenso viele könnten sich jedoch auch mit einem „Raucherkammerl“ anfreunden – das würde ohnehin nur von Rauchern besucht werden. 5 Prozent finden, dass man überall rauchen können sollte – allerdings nur, wenn es niemanden stört.

Umfrage Rauchverbot am gesamten Arbeitsplatz

Noch eindeutiger ist die Meinung der befragten 173 Unternehmensvertreter (HR-Manager und Führungskräfte) zu diesem Thema. Mehr als jeder Zweite (55 Prozent) akzeptiert Rauch ausschließlich an der frischen Luft. Für ein Verbot am gesamten Unternehmensgelände würden 27 Prozent der befragten Unternehmens-User eintreten. Nur 14 Prozent, und damit deutlich weniger als auf Seiten der Arbeitnehmer, halten Raucherkammerl für eine gute Lösung. 4 Prozent sagen, dass man überall rauchen dürfen sollte, wenn es die Kollegen nicht stört.

Arbeitsrecht und blauer Dunst

Ernst Stummer, Rechtsexperte der Arbeiterkammer Oberösterreich, sagt: „Das Thema Rauchverbot ist bei uns in der Beratung nicht wirklich präsent. Das liegt daran, dass aufgrund bestehender Regelungen die Mehrheit der Arbeitgeber schon seit langem Rauchverbot in Arbeitsräumlichkeiten etabliert hat. Fast jedes Unternehmen hat Regelungen, die das Rauchen in eigens dafür eingerichteten Bereichen ermöglichen.“

Die Rauchpausen verbieten: Geht das überhaupt und macht es einen Unterschied, ob es einen Betriebsrat im Unternehmen gibt, oder nicht?

Stummer: Arbeitnehmer haben kein Recht auf Rauchpausen, außer es gibt dazu eine Betriebsvereinbarung zwischen Unternehmen und Betriebsrat oder es liegt eine lange betriebliche Übung vor (die allerdings bei notwendiger Anpassung aufgrund gesetzlicher Vorgaben geändert werden kann).

Gegen das Rauchen in den offiziellen Arbeitspausen kann ein Arbeitgeber sowieso nicht vorgehen?

Stummer: Rauchen in den offiziellen Arbeitspausen kann nicht untersagt werden, allerdings kann der Arbeitgeber bestimmen, wo geraucht werden darf.

Wenn ein Arbeitgeber verlangt, dass Raucher für die Rauchpause „ausstempeln“ müssen, muss er das bezüglich aller Arbeitsunterbrechungen so handhaben – z.B. Arbeitnehmer, die zwar nicht rauchen, aber ebenfalls kurze, nicht-offizielle Pausen zwischendurch machen?

Stummer: Der Arbeitgeber ist nicht wie der Gesetzgeber an den strengen Gleichheitsgrundsatz gebunden, sondern es gilt das weniger strenge arbeitsrechtliche Gleichbehandlungsgebot. Eine unterschiedliche Behandlung von Rauchpausen und sonstigen (Kaffee)Pausen wäre daher allenfalls problematisch, wenn sie (vom zeitlichen Umfang) vergleichbar sind. Selbst dann könnte eine unterschiedliche Behandlung unter Umständen vom Arbeitgeber mit Gesundheitsschutzerwägungen gerechtfertigt werden.

Wie steht es um die Pausen, die nach jeweils 50 Minuten ununterbrochener Bildschirmarbeit gemacht werden müssen? Können sich Raucher auf die Bildschirmpause als Grund für eine Rauchpause berufen?

Stummer: Bildschirmpausen sind keine Freizeit, sondern Arbeitszeit, und sind für andere Tätigkeiten gedacht. Raucher können sich auf diese Bildschirmpause als Grund für eine Rauchpause nicht berufen.

Pausenkultur: Raucher vs. Nichtraucher?

Abgesehen vom gesundheitlichen Aspekt und dem Nichtraucherschutz geht es beim Thema Rauchen am Arbeitsplatz viel öfter um eine ganz andere Sache: Die Frage der Gerechtigkeit. Wie viele Pausen machen die Raucher, wie viele die Nichtraucher? Arbeitspsychologin Veronika Jakl hat in diesem Beitrag bereits erklärt, warum man sich von der Pausenkultur der Raucher sogar etwas abschauen kann:

 

Martina Kettner

Martina Kettner hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at hat sie lange über Karrierethemen gebloggt, jetzt führt sie ihre eigene Karriere in den USA weiter.

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