Erstellt am 14. Januar 2019 · Arbeitsleben · von

Dein volles Potenzial entfalten? Hör auf deine Stimme!

Lesezeit: 6 Minuten

Wer auf sein Bauchgefühl vertraut, der kann sein volles Potenzial nutzen. Intuitions-Coach Markus Neugebauer verrät uns, was die Stimme mit Persönlichkeitsentfaltung zu tun hat und warum Singen zu mehr Selbstbewusstsein führt, auch wenn man es gar nicht kann.

Wann hast du zuletzt etwas getan, das du wirklich wolltest? Oder dich bei einer Entscheidung so richtig gut gefühlt? Das ist womöglich schon länger her. Denn viele Menschen gestalten ihr Leben eher nach rationalen Entscheidungen als aus ihrer Intuition heraus. Dabei führt gerade die zu mehr Selbstbewusstsein, wie Schauspieler, Sänger und Coach Markus Neugebauer von Rock Your Mind Coaching erklärt. Und genau das ist der Schlüssel dazu, sein volles Potenzial zu entfalten – oder wie Markus es nennt: die Hauptrolle im eigenen Leben zu spielen.

Potenzialentfaltung: Erkenne, was in dir steckt!

Markus, was bedeutet „Spiel die Hauptrolle in deinem Leben“?
Ich glaube, dass es wirklich, wirklich wichtig ist, dass wir unser Potenzial nutzen. Wir bekommen von Geburt an von unserem Umfeld eine Richtung vorgegeben und wissen vielleicht schon bei Schuleintritt, was unsere Rolle sein soll. Und irgendwann stellen wir dann auf einmal fest: Da ist vielleicht noch mehr! Genau darum geht es, zu erkennen: Es steckt viel, viel mehr in dir, als du bis jetzt weißt. Mit „Spiel die Hauptrolle in deinem Leben“ meine ich, dass jeder von uns die Hauptrolle in seinem Leben ist. Ob wir diese Rolle annehmen oder überzeugend spielen, das liegt in unserer Verantwortung.

Was hindert uns daran, die Hauptrolle zu spielen?
Viele von uns leben eine Nebenrolle in ihrem eigenen Leben. Sie geben dem Partner die Hauptrolle oder dem Beruf, dem Erfolg, aber auch dem finanziellen oder gesundheitlichen Mangel … Und viele sagen zu mir: „Wenn ich selbstbewusster wäre, dann würde ich ja …“ Aber selbstbewusst zu sein, bedeutet eben, sich über seine eigene Gefühlswelt bewusst zu sein, die eigene Haltung zu verstehen und zu verstehen, welche Haltung hinter Entscheidungen steht. Wenn wir uns wirklich unserer Selbst bewusst sind und uns selbst zu hundert Prozent annehmen, dann können wir auch wirklich die Hauptrolle in unserem Leben spielen und unser Potenzial voll ausschöpfen.

Warum muss man dazu „eine Rolle spielen“? Reicht es nicht, man selbst zu sein?
Jeder von uns spielt viele verschiedene Rollen im Leben: In der Arbeit bist du vielleicht anders als zuhause bei deiner Familie. Ja, das klingt vielleicht oberflächlich, aber es ist etwas durch und durch Menschliches, verschiedene Rollen zu spielen. Durch Spielen und Nachahmen lernen wir, schon von klein auf. Daher sage ich auch: Wir sind alle Schauspieler. Und es schlummert viel mehr in uns, als wir glauben. Auch wenn wir sagen: Das bin ich und so bin ich halt – was das alles sein kann, das gilt es herauszufinden. Unser Kopf- und Bauchgefühl helfen uns dabei. Dabei spüren wir aber oft Widersprüche: Wir haben gelernt, was wir alles nicht dürfen, und lassen unsere eigentlichen Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche daher nicht zu.

Denken vs. Fühlen: Vertrau deiner inneren Stimme

Wie erkennt man nun sein Potenzial?
Ich habe durch meinen Beruf als Schauspieler erfahren, was noch alles in mir steckt. Und dass alle Emotionen für etwas gut sind. Darum ist es wichtig, zu wissen, wie sich die eigenen Emotionen beziehungsweise die eigene Intuition anfühlen. Wir haben aber meistens nur ein Bewusstsein für unser Denken. Das, was in unserem Körper passiert, ist jedoch zum Großteil Fühlen. Das Fühlen und Empfinden entwickelt sich auch viel, viel früher als das bewusste Denken, und trotzdem konzentrieren wir uns viel stärker darauf. Wenn ich aber weiß, was ich fühle, dann habe ich ein Selbstbewusstsein und entscheide mich immer richtig. Denn wenn es sich gut anfühlt, ist es richtig. Da kann man sich mit Mentaltrainings einreden, was man will, es wird nicht von langer Dauer sein.

Eine Zeit lang kann man sich über alles hinwegtherapieren oder Kompromisse schließen, bei denen alle Beteiligten unglücklich sind.

Markus Neugebauer

Wer aber wirklich die Hauptrolle in seinem Leben spielt, der hört auf sein Gefühl und fragt sich: Was macht mich glücklich? Und das tut man dann. Wenn wir lernen, unseren inneren Kompass zu lesen, dann funktioniert das perfekt – übrigens auch im Berufsleben: Es gibt heute so viele Berufe, die es vor ein paar Jahren noch nicht gab! Niemand muss in einem Job versauern, der ihn nicht glücklich macht – sofern er seinen Gefühlen vertraut.

Warum haben wir Probleme beim Fühlen?
Wir glauben ja meistens, dass wir fühlen können, aber hören beim Spüren schon auf: Mein Nacken ist verspannt, also geh ich zum Masseur. Aber warum ist mein Nacken verspannt? Warum sitze ich da wie ein U-Hakerl? Das müssten wir herausfinden. Wir haben aber gelernt, uns vor Schmerzerfahrungen zurückzuziehen, und wenn wir erfahren haben, dass wir eine von uns erwartete Rolle nicht erfüllen können, dann fühlen wir uns minderwertig. Nicht gut genug, um eine Führungsposition zu übernehmen, um einen neuen Beruf zu ergreifen oder um herauszufinden: Was will ich eigentlich machen?

Für mich war Status und Erfolg lange Zeit das Wichtigste und irgendwann hab ich erkannt: Das mache ich nur, um eine Rolle zu erfüllen, die ich mir selbst aufgebaut habe – aus einem Irrglauben.

Mein Traumberuf war Musical Star und Rockstar – da hab ich mich total ausgepowert, bis zum Burnout. Weil ich geglaubt habe, so muss Mann das machen: stark sein, durchbeißen, aushalten. Und ich weiß, dass es vielen meiner Klienten genauso geht.

Sing dich zu mehr Selbstbewusstsein

Wie kann man Fühlen lernen, und was hat Singen damit zu tun?
Man sieht das in Magnetresonanztomographen sehr gut: Beim Singen oder Tönen gibt es ein unfassbares Synapsen-Feuerwerk, das heißt, es bilden sich neue synaptische Verbindungen oder sie verstärken sich. Das stärkt unser Herz/Kreislauf-System, das Immunsystem, unsere Empathie … Singen oder auch, wenn wir Sängern zuhören, auf Konzerte gehen, das ist etwas sehr Heilendes! Es geht aber gar nicht unbedingt um Singen an sich, sondern einfach darum, bewusst Töne zu produzieren. Durch diese Töne vibriert der ganze Körper, alles versetzt sich in Schwingung, und wo Emotionen festsitzen, können sie gelöst werden; da kann es schon sein, dass Tränen kullern oder man nach dem Singen feststellt, es fühlt sich etwas leichter an, eine Blockade wurde gelöst. So entblättern wir nach und nach alles, was wir sind. Das Singen ist für mich nicht Entertainment, sondern die höchste Form der Persönlichkeitsentfaltung.

Was aber tut man, wenn man nicht singen kann?
Viele Klienten sagen mir: „Ich kann nicht singen, das hat mir schon jeder gesagt.“ Und dann frag ich immer: „Okay, wie viele Stunden pro Woche übst du das denn?“ – „Na, gar nicht.“ Unglaublich, wie groß die Scheu vorm Singen ist. Dabei geht es nicht darum, richtig oder schön zu singen, sondern einfach bewusst den Klang der eigenen Stimme zu entdecken. Insofern kann jeder singen!

Je bewusster du mit deiner Stimme umgehen kannst, umso größer ist die Farbpalette, mit der du Menschen von deinen Qualitäten, von deiner Leistung, deinem Können, deinem Produkt etc. überzeugen kannst.

Aber die Menschen haben mehr Angst davor, am Grab vor anderen zu sprechen, als selbst darin zu liegen. Durch das Tönen oder Singen kann man lernen, vollkommen bei sich selbst anzukommen, sich selbst anzunehmen und zu sagen: „Ja, das ist meine Stimme, und ich zeig sie, weil ich ja sage zu mir!“

Wie kann man das üben?
Singen ist etwas, wo wir wirklich im Hier und Jetzt ankommen müssen und die Muster durchbrechen, die wir gelernt haben. Das geht nicht nebenbei unter der Dusche, obwohl natürlich nichts dagegen spricht, das zu tun. Aber sich bewusst hinsetzen, ein paar Minuten lang Töne von sich geben und den Verstand zur Seite schieben, das macht den Unterschied. Ich kann mir übrigens gut vorstellen, dass man das auch in der Arbeit macht. Ich glaube, dass das für jede Firma eine tolle Investition wäre, eine Vocal Booth aufzustellen, wo man hingehen kann und die ganze Frustration, Erschöpfung, Wut einfach raussingt! Sich zu neuer Konzentration „tönt“ oder, wenn man sich schwach und unmotiviert fühlt, einen Powersong auflegt, um wieder Kraft zu schöpfen.

Du gibst „Seminarkonzerte“: Was ist der Unterschied zu normalen Konzerten?
Ein Seminarkonzert ist ein Konzert mit Songs, die bewegen und unsere emotionale Welt ansprechen, quasi eine Reise in unser Ich. Durch die Songs, die ich ausgewählt habe, können wir alle unsere Gefühle erleben und erkennen, wie sich etwas anfühlt und wie wir sind. Es ist eine neue Art Musik für die Persönlichkeitsentfaltung, und ich möchte, dass jeder seine eigene Hookline, den Refrain für sein Leben aus dem Konzert mitnimmt. G

Über Markus Neugebauer

Der gebürtige Wiener war viele Jahre als Musicaldarsteller und Rocksänger erfolgreich. Nach dem Motto „Die Welt ist eine Bühne, du entscheidest, welche Rolle du spielst“ hilft er seinen Klienten, die eigene Stimme zu entfalten, um gehört zu werden. Als ausgebildeter Coach und Hypnotiseur bietet er zudem Trainings in den Bereichen Kommunikation, Erfolgsstrategien und Rhetorik an.

Bildnachweis: mavo/shutterstock; Barbara Maria Hutter, Linda Koprowski/Markus Neugebauer

Lisa-Marie Linhart

Lisas Liebe gilt dem Wort und der Musik. Bei uns kombiniert sie beides zu wohlklingenden Blogbeiträgen mit dem richtigen Groove für Themen, die das Arbeitsleben leichter und die Karriereplanung einfacher machen.

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