7. November 2018 · Arbeitsleben · von

Gesund bleiben im Job – Mentaltrainerin Klara Fuchs über ihr Burnout und den Weg zu mehr Ausgeglichenheit

12-Stunden-Arbeitstag, Überlastung, Stress … Es scheint immer schwieriger zu werden, im Alltags- und Arbeitstrott gesund zu bleiben. Wie also schafft man den Spagat zwischen Karriere und Gesundheit? Bei unserem karriere.talk #5 am 8. November 2018 widmen wir uns genau dieser Fragestellung. Vorab haben wir dazu mit einem unserer Podiumsgäste, der Mentaltrainerin und Unternehmerin Klara Fuchs, gesprochen: über ihre ganz persönlichen Burnout-Erfahrungen und Methoden, erst gar nicht auszubrennen.

Arbeit sorgt für Sinn im Leben, aber wie viel Arbeit ist gesund? Das Leistungsdenken der Gegenwart macht sich bemerkbar: in steileren Karrieren, aber auch in Phänomenen wie Burnout und Berufsbildern wie dem „Feel Good Manager“. Was ist zu viel des Guten, wann sollte man beruflich einen Gang runterschalten und wie bleibt man im Job gesund? Bei unserem fünften karriere.talk am 8.11.2018 im Linzer Central widmen wir uns ganz dem Thema „Gesund bleiben im Job“. Die Mentaltrainerin, Sportstudentin und Bloggerin Klara Fuchs ist eine unserer Speaker und hat uns im Interview verraten, warum das Thema für sie eine Herzensangelegenheit ist:

Welche Erfahrungen hast du mit Überlastung, Burnout etc. gemacht?

Klara Fuchs: Bevor ich über meinen Werdegang von der Bloggerin hin zur Unternehmerin sprechen kann, möchte ich einen kurzen Abstecher in die Anfangszeit meiner „Blogger-Karriere“ machen: Ich habe ja bereits vor einigen Jahren mit dem Bloggen angefangen – inspiriert von schwedischen Bloggerinnen, nutzte ich meinen Blog damals als eine Art online-Tagebuch. Es ging darum, was ich den ganzen Tag mache und esse, wie mein Training verlaufen ist und welche Gedanken mir gerade durch den Kopf gehen. Anfangs habe ich das allerdings wirklich nur für mich selbst und als reines Hobby gemacht. Erst später kamen Instagram, Facebook und letztendlich auch Kooperationen hinzu, die es mir ermöglichten, mit meinem Blog Geld zu verdienen. Das lief eine Zeit lang ganz gut – ich hatte die Möglichkeit, viel herumzureisen, spannende Leute kennenzulernen und konnte all das mit etwas verbinden, das mir sowieso schon immer große Freude bereitete – dem Schreiben.

gesund bleiben im Job, Interview

Klara Fuchs

„Will ich das alles eigentlich so, wie es gerade ist?“  Der harte Kampf zurück nach dem Burnout

Letztes Jahr im Sommer kam ich allerdings an einen Punkt in meinem Leben, an dem ich zum ersten Mal richtig bewusst hinterfragt habe: Will ich das alles eigentlich so, wie es gerade ist? Entwickle ich mich in die eine Richtung, in die ich langfristig gehen möchte? Ich zweifelte plötzlich an allem, was ich tat und fühlte mich so richtig ausgebrannt und antriebslos – und das obwohl es von außen wahrscheinlich so aussah, als ob gerade alles perfekt laufen würde. Irgendwann realisierte ich dann, dass es Zeit war für Veränderung und neue Zielsetzungen. Ich entschloss mich dazu, mich in ein neues Abenteuer zu stürzen, startete meinen Podcast und beschloss, mir Schritt für Schritt ein eigenes Unternehmen aufzubauen. Durch diesen neuen Fokus war es mir möglich, mich aus dem Burnout zurückzukämpfen und von meinem alten Ich loszulassen. All das und auch der Aufbau des Unternehmens geschah natürlich nicht von heute auf morgen. Und es bedeutet auch nach wie vor viel Arbeit – aber jetzt hab ich endlich wieder das Gefühl, genau das machen zu können, worauf ich wirklich Lust habe.

Wo siehst du das Problem der heutigen Gesellschaft – warum ist es so schwierig, im Job gesund zu bleiben?

Klara Fuchs: Ich denke, dass es für viele schwierig ist, ihre Grenzen früh genug wahrnehmen zu können. Manchmal wollen wir es immer allen anderen recht machen und sagen zu allem, was von uns verlangt wird „ja“, obwohl wir uns eigentlich schon von der Gesamtsituation überfordert fühlen und lieber „nein“ sagen würden. Kein Wunder, wenn dann der Stresspegel immer weiter ansteigt. Und wenn man Warnsignale des Körpers und deutliche Anzeichen von Stress auf Dauer ignoriert, kann sich das natürlich auf unser mentales und körperliches Wohlbefinden auswirken.

An dieser Stelle finde ich es wichtig, eine klare Prioritätensetzung zu betreiben und gegebenenfalls auch mal ein wenig egoistisch zu sein. Die eigene Gesundheit sollte immer an oberster Stelle stehen. Und ja, natürlich hat jede Person mal sehr stressige Phasen, aber ich finde es trotzdem wichtig, sich nicht zur Gänze vom Stress vereinnahmen zu lassen, sondern auch bewusste Ausgleiche zum Berufsalltag zu schaffen.

Wie bewahrst du dir eine ausgeglichene Work-Life-Balance?

Klara Fuchs: Wenn man einen Job hat, der hauptsächlich online und im Austausch mit einer Community stattfindet, kann es schon mal schwer sein, Privates vom Beruflichen zu trennen – denn rein theoretisch ist man immer irgendwie erreichbar und man hat grundsätzlich auch die Möglichkeit von überall aus zu arbeiten. Manchmal hilft es mir daher, Arbeit und Privates tatsächlich auch räumlich zu trennen. Weil mir dafür in meiner Wohnung allerdings die Möglichkeiten fehlen, hab ich ein eigenes Office in einem Co-Working-Space.

Vormittags proaktiv, nachmittags reaktiv: Wie man den Tag effektiv einteilt.

Zusätzlich strukturiere ich meinen Arbeitsalltag so, dass ich an Vormittagen eher proaktiv handle und nachmittags dann eher reaktiv. Damit meine ich, dass ich mich in der Früh, wo mein Energielevel noch am höchsten ist, auf die Dinge konzentriere, die mir persönlich aktuell am wichtigsten sind. Morgens ist für mich die beste Zeit, um mich um all meine eigenen Projekte zu kümmern, die ich persönlich vorantreiben will und wo ich selbst sehr aktiv dafür sein muss. Während dieser Zeit antworte ich beispielsweise auch äußerst selten auf E-Mails oder sonstige Nachrichten, denn dafür ist am Nachmittag immer noch Zeit. Denn dann kann ich mich all den Dingen widmen, die von außen an mich herangetragen werden und eine Reaktion von mir verlangen – wie eben zum Beispiel Nachrichten etc.

Auch, wenn ich das, was ich tue, sehr gern mache und auch gerne viel arbeite, habe ich gelernt, dass ich auch mal bewusste Pausen einlegen muss und mir zum Beispiel an einem Tag pro Woche eine Auszeit von Social Media gönne und stattdessen meinen freien Tag genieße.

Du sprichst immer wieder von einem „gesunden Mindset“ – wie sieht das konkret aus?

Klara Fuchs: Wie wichtig ein richtiges Mindset ist, habe ich bereits vor mehreren Jahren gemerkt, als ich mit dem Triathlontraining angefangen habe. Denn auch, wenn ich mich meistens super vorbereitet habe, im Vorfeld ausreichend trainierte und alle äußeren Faktoren scheinbar gestimmt haben, konnte ich bei den Wettkämpfen dann teilweise trotzdem nicht die Leistung erbringen, die ich mir erwartet hatte. Darum begann ich mich mehr und mehr dafür zu interessieren, inwiefern auch der Kopf bzw. das Mentale eine wichtige Rolle beim Training spielen kann. Oft sind es die eigenen Gedanken und innere Zweifel, die uns zurückhalten, im entscheidenden Moment dann doch nicht hundert Prozent geben zu können. Natürlich fragt man sich dann, warum der erwartete Erfolg nicht eintrifft, obwohl mal körperlich alles gegeben hat. Irgendwann erkannte ich, dass eine körperliche Vorbereitung nicht ausreichend ist, sondern dass ich mich auch auf den mentalen Aspekt konzentrieren muss. Ich habe dann sehr viel diesbezüglich gelesen, was mein Interesse dazu immer weiter ausgebaut hat. Letztendlich habe ich gelernt, dass Mentaltraining nicht nur für den Sport sinnvoll und zielführend ist, sondern auch in vielen anderen Lebensbereichen.

„Wie rede ich eigentlich den ganzen Tag mit mir selbst?“  Über positive Umprogrammierung

Ich habe gelernt, wie wichtig das richtige Mindset ist und welche Methoden und Strategien es gibt, mit diversen Hürden im Leben besser umgehen zu können. Unsere Gedanken und generell alles, was so in unseren Köpfen vorgeht, kann wirklich einen wahnsinnig großen Einfluss auf unser Leben haben – angefangen von der Stimmung, Lebensqualität und Leistungsfähigkeit bis hin zum Erfolg oder Stressmanagement. Ein „gesundes Mindset“ fängt für mich schon mit der Frage an: Wie rede ich eigentlich den ganzen Tag mit mir selbst? Wenn man sich diese Frage stellt, merkt man oft, wie sehr sich unsere innere Sprache auf unser Körperbewusstsein auswirken kann – sowohl im Positiven, als auch im Negativen. Wenn du dir bisher den ganzen Tag eingeredet hast Ich kann das nicht, ich schaff es ja eh nicht, warum soll ich mich überhaupt bemühen, alle anderen sind sowieso besser, ich bin nicht genug und ich bin es nicht wert… dann macht das einen gewaltigen Unterschied, wenn du deine innere Sprache plötzlich auf Erfolg umprogrammierst und du dir sagst Ich kann es schaffen, ich bin gut genug, ich bin es wert und ich vertraue auf meine Fähigkeiten!

Was sind deine ganz persönlichen Methoden, um nach einem anstrengenden Tag abzuschalten?

Klara Fuchs: Ganz klar: Sport. Bewegung, frische Luft, Natur, Adrenalin – das ist für mich pure Selbstliebe! Sport gibt mir jedes Mal ein so gutes Gefühl, versorgt mich mit einer Menge neuer Energie und hilft mir dabei, abzuschalten und einen Ausgleich zu schaffen. Auch hier spielt das richtige Mindset wieder eine große Rolle: Ich mache Sport nicht, weil ich mich für etwas bestrafen will oder weil ich mich gerade im Moment unwohl in meinem Körper fühle, sondern weil ich dankbar dafür bin, wie leistungsfähig mein Körper ist, und ich mir selbst etwas Gutes tun will.
Die sportliche Betätigung muss dabei gar nicht immer erst am Ende des Tages bei mir am Programm stehen – mir hilft eine kurze Yoga-Einheit am Morgen oder mal spontan zwischendurch genauso gut weiter, um mich wieder neu fokussieren zu können.

Daneben habe ich auch Meditation für mich entdeckt und gemerkt, wie gut es mir tut, regelmäßig kurze Meditationseinheiten in meinen Alltag zu integrieren. Und ja: natürlich entspanne auch ich gerne mal bei einem gemütlichen Filme- oder Serienabend mit meinem Freund Axel. :-)

 

karriere.talk #5 „Gesund bleiben im Job“

Du willst mehr zum Thema erfahren und mitdiskutieren? Am Donnerstag, 8. November 2018, laden wir dich herzlich ein zu unserem karriere.talk #5 im Central Linz. Der Eintritt ist kostenlos, für Verpflegung ist gesorgt und außerdem erwartet dich eine kleine Überraschung. Wir freuen uns auf dich!
Hier gehts zum Facebook-Event mit allen Infos.

 

Über die Person

Klara Fuchs führt einen Blog (www.klarafuchs.com) und einen Podcast („Foxi Mind“), arbeitet an einem Buch sowie an einem Onlinekurs, veranstaltet Events und studiert außerdem Sportwissenschaften. Daneben hält sie sich mit Triathlontraining fit. Die Themen Persönlichkeitsentwicklung, Motivation, Mentaltraining und Selbstliebe ziehen sich durch all ihre Arbeitsbereiche. Ihr auserkorenes Ziel ist es, so vielen Leuten wie möglich dabei zu helfen, ihren ganz persönlichen Erfolgsweg zu finden und ihr gesamtes Potenzial auszuschöpfen.
Bei unserem karriere.talk #5 wird sie unter anderem davon berichten, wie sie in ihrem vollgepackten Alltag bewusst Pausen setzt und wie wir alle mehr Ausgleich finden können.

Bildnachweis: Kite_rin/Shutterstock, Klara Fuchs / Julian Koch

Tanja Karlsböck

Tanja macht Instagram, YouTube & Co. für karriere.at und als Abwechslung Blogposts, denn Schreiben ist ihre liebste Kulturtechnik.

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