Erstellt am 2. Mai 2019 · Arbeitsleben, Gehalt · von

Finanztipps vom Profi – Teil 3.2: So teilst du dein Gehalt richtig ein

Lesezeit: 5 Minuten

Das Gehalt richtig einteilen, wie macht man das? Und wie kann man sparen, wenn man nicht viel verdient? Ein Finanzexperte erklärt in diesem Artikel, wie du dein Gehalt optimal nützt, damit am Ende des Monats mehr übrig bleibt.

Zur Erinnerung: Im letzten Artikel erklärte uns Florian Märzendorfer, Finanzplaner und CEO von FiP.S, warum Versicherungen ein wichtiger Baustein in der Finanzplanung sind. Insgesamt hast du es mit fünf Bausteinen zu tun, die du wie Bälle jonglierst:

Ein Gastartikel von Florian Märzendorfer

Die fünf Jonglierbälle, um dein Gehalt einzuteilen

  • Fixkosten für Wohnen, Essen & Co.
  • mittelfristige Ziele (Haus, große Reisen und anderes, was du dir in den nächsten zehn Jahren leisten willst)
  • Spaßbudget für alles, was du in deiner Freizeit machen willst
  • Altersvorsorge: das Geld, das dir im Alter zu finanzieller Sicherheit verhilft
  • persönliche Absicherung – all deine Versicherungen

Geld anlegen: Sichere dein Gehalt für später!

Florian Märzendorfer

Florian Märzendorfer, CEO von fip-s.at

Eine langfristige Anlage ist die wichtigste Sparanlage, die du machen kannst – das gilt für jeden, egal wie viel du verdienst. Nicht dein vorübergehender Liquiditätstopf, ob du für das Eigenheim in zehn Jahren ansparst, oder dein täglich fälliger Sparkontozins sind entscheidend. Den größten Einfluss auf deine finanzielle Fitness hat deine langfristige Anlage, also deine Altersvorsorge. Das ist wie bei deiner körperlichen Fitness. Den größten Einfluss wird das haben, was du langfristig machst. Gehst du drei Monate lang jeden Tag laufen und danach nicht mehr, dann hat das keine große Auswirkung.

Bleiben wir beim Jonglierbeispiel von oben: Der Altersvorsorgeball liegt sehr oft in der Ecke und hats gar nicht geschafft, mitzuspielen. Doch je früher er im Spiel ist, desto leichter ist er und desto einfacher kannst du ihn jonglieren. Je länger er verstaubt in der Ecke liegt, desto schwieriger kann man ihn vernünftig ins Spiel bringen. Von Jahr zu Jahr wird er schwerer, bis du ihn gar nicht mehr jonglieren kannst.

Wieso spielt Zeit eine so entscheidende Rolle beim Thema Altersvorsorge? Das liegt am Zinseszins. Einfach definiert bedeutet der Zinseszinseffekt, dass deine erzielten Zinsen dem bestehenden Kapital hinzugefügt und wiederverzinst werden. Der leicht verwirrende Satz wird klarer mit einem Beispiel: Sagen wir, du legst 1000 € an. Jedes Jahr bekommst du 4 Prozent Zinsen. Im ersten Szenario allerdings immer nur auf die 1000 €. Im zweiten Szenario immer auch auf die 4 Prozent Zinsen im nächsten Jahr (d. h. im zweiten Jahr dann also auf 104 € und nicht mehr 100 €).

Zinsentwicklung bei langfristiger Anlage

Wie du siehst, steigt die zweite Linie exponentiell an. Je länger du Zeit hast, desto massiver wirkt sich das Ganze aus. Was bedeutet das jetzt praktisch für dich? Du solltest so früh wie möglich anfangen, einen (kleinen) Teil deines Geldes langfristig zu sparen. Vergiss die neueste „werde schnell reich”-Masche. Ich habe dafür ein Zitat von Warren Buffett für dich:

„Someone’s sitting in the shade today because someone planted a tree a long time ago.”

Buffett meint damit, dass erfolgreiches Investment Zeit braucht. Bei deiner persönlichen Altersvorsorge hast du diese Zeit. Du musst sie nur nutzen.

Richtig anlegen: Wo wird wirklich mehr aus meinem Gehalt?

In Niedrigzinsphasen gibts am Konto Null Komma irgendwas. Wie soll man da den Zinseszinseffekt nutzen? Wenn du langfristig anlegst, dann ist das Konto, das Sparbuch oder ein Bausparvertrag das falsche Tool. Das wäre, wie wenn du vorhast, in den USA Urlaub zu machen, aber du die Reise nicht mit dem Flugzeug antrittst, sondern den atlantischen Ozean durchschwimmen willst. Entweder du scheiterst oder du brauchst sehr, sehr lange und viel Energie.

Wenn du für die Altersvorsorge das falsche Tool verwendest, dann wird es dir ähnlich gehen. Was exakt das richtige Instrument ist, hängt von deinem Alter ab bzw. wie lange du noch Zeit hast. Egal, welches Tool du verwendest, du solltest dein Geld investieren! Falls du Angst vorm Investieren hast, dann schau dir mal dieses Chart zur Aktienveranlagung an:


Dargestellt werden fast die letzten 50 Jahre, immer mit einem Veranlagungszeitraum von 30 Jahren. Der allererste Balken zeigt also die Veranlagung von Anfang 1971 bis Ende 2000. Der letzte Balken zeigt die Veranlagung von Anfang 1988 bis Ende 2017. Es gab in dem Fall in den letzten 50 Jahren also keinen einzigen 30-jährigen Anlagehorizont, bei dem unter 6 Prozent Rendite pro Jahr erzielt wurde. Selbst, wenn man in den großen Krisenjahren 2008 oder 2009 ausgestiegen wäre.

Das bedeutet natürlich nicht, dass du dein langfristiges Investment zu 100 Prozent in Aktien veranlagen musst. Es bedeutet auch nicht, dass die nächsten 50 Jahre genau gleich verlaufen. Was es aber sehr wohl zeigt ist, dass dein Veranlagungsrisiko sinkt, wenn du sehr lange Zeit hast.

Finanzplanung leicht gemacht: So teilst du dein Gehalt richtig auf

Du jonglierst also alle Bälle, die wir oben erwähnt haben. Deine Fixkosten, deine mittelfristigen Ziele, dein Spaßbudget, deine Altersvorsorge und deine persönliche Absicherung. Wie solltest du dein Gehalt jetzt auf die einzelnen Bälle aufteilen?

gehalt richtig aufteilen

Wenn wir von einem Gehalt von ca. 2.000 € netto ausgehen, dann bedeutet das monatlich …

  • deine Fixkosten: ca. 1.000 bis 1200 €, also 50 bis 60 Prozent
  • deine mittelfristigen Ziele: 200 bis 300 €, also 10 bis 15 Prozent
  • dein Spaßbudget: 200 bis 300 €, also ebenfalls 10 bis 15 Prozent
  • deine Altersvorsorge: 160 € bis 240 €, also 8 bis 12 Prozent
  • deine persönliche Absicherung: 60 bis 100 €, also 3 bis 5 Prozent

Die Aufteilung ist natürlich nur ein Grobindikator. Sie gilt vor allem, wenn du gerade mit dem Studium fertig geworden und frisch im Job eingestiegen bist oder gerade deine ersten Berufsjahre hinter dir hast. Ist es schlimm, wenn du bei der Altersvorsorge statt 160 € nur 120 € sparst? Nein. Solltest du dein Spaßbudget reduzieren, wenn dir ein mittelfristiges Ziel enorm wichtig ist? Ja. Nochmals, es handelt sich hier um Grobindikatoren. Wenn deine Fixkosten aktuell höher oder niedriger sind, dann werden sich die Werte natürlich auch verschieben. Wenn du dich aber ungefähr in diesem Bereich bewegst, dann kann langfristig nichts schiefgehen.

Bei Gehaltserhöhungen solltest du dann NICHT deine Fixkosten oder nur dein Spaßbudget erhöhen, sondern je nach Situation auch einen Teil davon in die Altersvorsorge und die mittelfristigen Ziele geben. Je nach Lebenssituation (Kinder, Eigentumserwerb, …) können und werden sich die Werte natürlich verschieben. Was sich jedoch niemals ändern sollte ist, die Konzentration auf alle Bälle des Jonglier-Spiels deines Finanzlebens. Kümmerst du dich um den einen oder anderen zerbrechlichen Ball nicht, dann wird dieser bald komplett aus dem Spiel sein. Denn eines sollte klar sein: Dein Spaßbudget-Ball ist beispielsweise aus Gummi. Wenn er dir mal runterfällt, dann ist er nicht kaputt, sondern springt wieder nach oben. Genau das passiert bei den Bällen Persönliche Absicherung und Altersvorsorge eben nicht, sie können zerbrechen.

Falls du noch mehr erfahren willst, dann kannst du dir den ultimativen Finanzplanungsguide für Uni- und FH-Absolventen von FiP.S downloaden. Dort erfährst du noch mehr dazu, was du über Versicherungen, Vorsorge, Geldanlage & Co wirklichen wissen musst. Und wie du die typischen Fehler vermeidest.

Mehr Tipps vom Finanzprofi

Wie du dir das optimale Einstiegsgehalt aushandelst und warum du beim Bewerbungsgespräch nie dein aktuelles Gehalt verraten solltest, erfährst du in den ersten beiden Artikeln unserer Reihe „Finanztipps vom Profi”.

Bildnachweis: shutterstock/IMDz; FiP.S

Redaktion

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