Erstellt am 3. September 2019 · Arbeitsleben · von

Bewerbungsgespräch absagen: Sei ehrlich und rechtzeitig!

Lesezeit: 3 Minuten

Wenn man als Bewerber das Vorstellungsgespräch absagen muss, kann das sehr unangenehm sein. Wie bringt man es dem beinahe-Arbeitgeber schonend bei? Und muss man Gründe angeben? Wir haben Recruiter gefragt, wann man den Termin absagen sollte und welche No-Gos besser vermieden werden.

Die Jobsuche kann zermürbend sein. Umso mehr freut man sich, wenn endlich die Einladung zum Bewerbungsgespräch hereinflattert – oder sogar mehrere. Entpuppt sich das erste dann gleich als Volltreffer, ist die Jobsuche zwar vorbei, auf die Freude folgt aber schnell die ungute Gewissheit: „Ich muss die anderen Bewerbungsgespräche absagen.“ Das ist prinzipiell kein Problem, meint Mirella Cuchiero, HR-Manager bei karriere.at: „Es ist völlig okay, sich umzuentscheiden oder eine andere Stelle anzunehmen. Wichtig ist nur, dass man das ehrlich und zeitnah mitteilt.“ Mit diesen Tipps geht die Absage gut:

Tipps, um das Bewerbungsgespräch abzusagen

Sag auf jeden Fall ab!

HR Manager Mirella Cuchiero

Mirella Cuchiero, HR-Manager bei karriere.at

Jemanden einfach warten zu lassen, gehört sich nicht. Noch schlimmer ist, wenn du gar nicht erscheinst, ohne abzusagen. „Sich nicht zu melden, ist eine kleine Unart; Bei einem Frisör- oder Arzttermin sag man ja auch Bescheid, wenn man den Termin nicht wahrnehmen kann.“

Melde dich rechtzeitig

Am besten sagst du das Gespräch ab, sobald du weißt, dass du es nicht wahrnehmen willst. Das ist im Idealfall einige Tage davor. Am selben Tag abzusagen, kommt meist nicht so gut an. Sollte dir am selben Tag etwas dazwischen kommen, melde dich am besten per Telefon, dann kannst du sichergehen, dass niemand vergeblich auf dich wartet.

Nenne einen verständlichen Grund

Ehrlich währt am längsten, das gilt auch für die Absage des Bewerbungsgesprächs. Die meisten Recruiter haben Verständnis dafür, wenn du dich für einen anderen Job entschieden hast, weil du dich dort wohler gefühlt hast oder der andere Arbeitgeber einfach schneller war. „Wir schätzen ehrliches Feedback von Bewerbern, denn nur so können wir an unserem Bewerbungsprozess auch etwas verbessern“, bekräftigt Frau Cuchiero.

Der Ton macht die Musik

Natürlich kannst du auch per Mail absagen, wenn dir das lieber ist und noch genug Zeit ist. Bei beiden Varianten gilt aber: Der Ton macht die Musik! „Wenn man die Absage nett formuliert, ist sicher niemand böse“, bestätigt Mirella Cuchiero. Beleidigungen oder Beschwerden sind unangebracht, wenn du ein Jobinterview absagen willst (siehe: No-Gos bei der Bewerbungsgespräch-Absage). Wenn dir gewisse Dinge doch nicht zusagen, formuliere es lieber diplomatisch. „Ich kann mich mit der Unternehmenskultur nicht identifizieren“ ist sehr viel höflicher als „Ihr seid mir zu unfreundlich.“

Beispielsätze: So formulierst du die Absage richtig

  1. Betone, dass es dir Leid tut und gib einen Grund für die Absage an: „Leider muss ich den Termin absagen, da ich schon eine andere Zusage erhalten habe/ da der Job doch nicht der richtige für mich ist/ da …“
  2. Bedanke dich und halte dir ein Türchen offen: „Vielen Dank für die Einladung, ich hätte Ihr Unternehmen/ das Team gern besser kennengelernt, aber vielleicht passt es in der Zukunft besser.“
  3. Verabschiede dich höflich und wünsche alles Gute: „Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Mitarbeitersuche und verbleibe mit der Bitte um Verständnis und den besten Grüßen …“

Das zweite Bewerbungsgespräch absagen: Geht das?

Nach der ersten Bewerbungsrunde hast du schon viel mehr Einblick ins Unternehmen und hast vielleicht erkannt, dass es doch nicht das richtige für dich ist. Wenn du bereits einen zweiten Termin vereinbart hast, um einen Probetag zu absolvieren oder das Team kennenzulernen, sag so schnell wie möglich Bescheid, dass und warum du nicht kommen wirst. Denn der zweite Termin ist meistens mit viel mehr organisatorischem Aufwand verbunden als der erste, bei dem du nur ein vier- oder sechs-Augen-Gespräch hattest.

No-Gos bei der Bewerbungsgespräch-Absage:

  • einfach nicht erscheinen (also keine Absage machen)
  • erst kurz vorher absagen
  • das Unternehmen anprangern („Ihr zahlt zu schlecht, ihr beutet eure Mitarbeiter aus!“)
  • sich über Tätigkeiten der ausgeschriebenen Stelle beschweren („Das mach ich sicher nicht!“)
  • die Arbeitsweise im Unternehmen kritisieren („Ihr arbeitet unprofessionell!“)
  • eine normale Stelle ablehnen und sich kurz darauf für die Teamleiter-Position bewerben

Nach einer Absage erneut bewerben?

Wenn du bereits einmal ein Bewerbungsgespräch abgesagt hast und dich nach einiger Zeit doch wieder für eine Stelle bei dem Unternehmen interessierst, kannst du dich auf jeden Fall wieder bewerben. Aus Datenschutzgründen müssen Bewerberdaten ohnehin nach sieben Monaten gelöscht werden und es erinnert sich niemand mehr daran. „Bewerber, die einen versetzt haben oder im Bewerbungsprozess anders unangenehm aufgefallen sind, merkt man sich aber meistens“, gibt Mirella Cuchiero zu bedenken. „Die Unternehmenskultur oder das Gehalt werden auch ein Jahr später wahrscheinlich nicht anders sein. Wenn man aufgrund dessen die erste Bewerbung zurückgezogen hat, wird man auch bei der zweiten nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen.“
Wenn du also ein Vorstellungsgespräch absagen musst, sei freundlich, ehrlich und rechtzeitig dran. Dann kannst du dich auch in Zukunft mit gutem Gewissen für Stellen bewerben.

Du willst mehr Infos zum Bewerbungsgespräch?

Du weißt jetzt, wie man richtig absagt … Aber weißt du fürs nächste Gespräch auch, welche Fragen du stellen solltest und was du bei der Kleiderwahl beachten solltest? Wirf doch mal einen Blick auf unseren Leitfaden, nur um sicherzugehen:

Bildnachweis: shutterstock/kudla; karriere.at

Lisa-Marie Linhart

Lisas Liebe gilt dem Wort und der Musik. Bei uns kombiniert sie beides zu wohlklingenden Blogbeiträgen mit dem richtigen Groove für Themen, die das Arbeitsleben leichter und die Karriereplanung einfacher machen.

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