Erstellt am 7. Mai 2019 · Arbeitsleben · von

4 Gründe für ein Studium

Lesezeit: 4 Minuten

Wohin man auch blickt, die Hochschulen sind prall gefüllt und der Zustrom nimmt nicht ab. Wer heute nicht studiert, tanzt fast schon aus der Reihe. Doch warum ist ein Studium so attraktiv und was erwarten sich Studenten davon?

Eins steht fest: Ein Studium zu absolvieren war noch nie so einfach wie heute. Die Pforten der österreichischen Hochschulen stehen für beinahe alle Menschen sperrangelweit offen. Eine Erhebung hat ergeben, dass im Jahr 2018 circa 383.000 Studenten an einer österreichischen Universität oder Fachhochschule inskribiert waren. Forscher gehen davon aus, dass die Hochschulen auch in Zukunft starke Zunahmen verzeichnen werden. Dass sich der Anteil an österreichischen Akademikern stark erhöht hat, zeigt sich auch anhand anderer Zahlen. So verfügten 1991 nur 2,8 Prozent der Bevölkerung über einen Universitäts- oder Fachhochschulabschluss. Heute sind es dagegen bereits 18 Prozent.

Doch was macht das Erlangen eines akademischen Titels so reizvoll? Folgende Gründe nannten meine Mitstudenten am häufigsten.

#1 Der soziale Aufstieg und Prestige

Das Wort „Studieren“ kommt aus dem Lateinischen („studere“) und bedeutet so viel wie „sich bemühen“ oder „nach etwas streben“. Der Großteil der heutigen Studenten verspürt allerdings nicht den Hunger nach Wissen oder geistiger Unabhängigkeit, wie es vor ein paar Jahrzehnten noch der Fall war. Viel eher locken der soziale Aufstieg, bessere Karrierechancen und ein höheres Einkommen. Man quält sich schließlich nicht durch ein Bachelor- und Masterstudium, ohne irgendeinen Profit daraus zu ziehen. Titel wollen nicht nur getragen werden, sondern vor allen Dingen auch genutzt!

In vielen Bereichen der Arbeitswelt ist ein abgeschlossenes Studium gleichwertig mit einem Schlüssel, der die Türen in die obersten Positionen öffnet. Berufe wie Arzt, Lehrer oder Jurist lassen sich prinzipiell nur dadurch ergreifen. Hochmotivierte Menschen, die Köpfchen und den nötigen Biss beweisen, erlernen an den Universitäten und Fachhochschulen jenes Handwerk, das ihnen am Arbeitsmarkt dabei helfen wird, rasch die Karriereleiter zu erklimmen.

#2 Interesse und Weiterbildung

Das Beste am Studium? Die Möglichkeit, sich intensiv mit einer Disziplin auseinandersetzen zu können, die einen begeistert. Auch wenn die Wahl eines Faches für immer mehr Studenten zu einer ökonomischen Frage wird, gibt es nichtsdestotrotz ebenso viele, die das persönliche Interesse entscheiden lassen. Der Reiz der Geisteswissenschaften beispielsweise liegt bestimmt nicht in der Aussicht, reich zu werden. Fächer wie Philosophie, Literatur oder Geschichte studieren wir, weil uns die Materie reizt. Sie bereiten uns weniger auf das Arbeitsleben als auf das Leben an sich vor. Hier lernen Studenten alles, was vermeintlich „Fakt“ ist, kritisch zu hinterfragen, sich ein differenziertes Bild von der Welt zu machen und Selbstreflexion zu betreiben. Das sind Soft Skills, von denen jeder Mensch profitiert, unabhängig davon, in welchen Bereich es ihn beruflich einmal verschlagen wird.

Junge Menschen, die wissbegierig sind, schätzen die Hochschulen als einen Ort des Lernens, der mit imposanten Büchereibeständen lockt und wo sie mit Gleichgesinnten diskutieren und somit ihre intellektuellen Klingen für die Zukunft schärfen können. Und damit erwerben sie Fähigkeiten, von denen sie sowohl beruflich als auch privat profitieren werden.

#3 Die Welt ein bisschen besser machen

Zwischen Klimawandel, vermeintlich unheilbaren Krankheiten, sozialen Ungerechtigkeiten und mit Plastik verseuchten Meeren möchte man am liebsten nur noch den Kopf in den Sand stecken und hyperventilieren. Oder man geht mit gutem Beispiel voran und versucht, diese Probleme irgendwie zu lösen. Aber wie tritt man an Missstände dieser Größenordnung heran? Man forscht, man entwickelt, man probiert aus. Das ist sowohl an einer Universität als auch in der Privatwirtschaft möglich – in den meisten Fällen aber erst, wenn man sich mit einem abgeschlossenen Studium brüsten kann.

Die Welt braucht junge Menschen, die einen Blick für die Defizite und Krisen unserer Zeit haben und sich nicht zu schade sind, selbst Hand anzulegen. Ist es naiv, ein Studium mit dem Optimismus eines Weltverbesserers in Angriff zu nehmen in der Hoffnung, irgendetwas bewirken zu können? Vielleicht. Wer es nicht probiert, wird sich davon aber kein Bild machen können.

#4 Einfluss von außen und mangelnde Selbstkenntnis

Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass viele junge Menschen sich nicht rein aus eigenem Antrieb für ein Studium entscheiden. Oft sind es die hohe Erwartungshaltung der Eltern oder die verzerrten Wertevorstellungen vonseiten der Gesellschaft, die Maturanten an die Hochschulen treiben. Scheinbar ist das Studium zu einer inoffiziellen Voraussetzung geworden, um im Arbeitsleben erfolgreich zu sein und sich nahtlos in die Gesellschaft einzufügen. Die eigenen Interessen finden unter solchen Umständen oft wenig bis gar keinen Platz – mitunter auch, weil vielen gar nicht bewusst ist, wo diese überhaupt liegen. Und Studieren ist in den Augen von manchen immer noch besser, als unentschlossen zu Hause zu sitzen und Däumchen zu drehen, weil man keine Ahnung hat, was man sonst mit seinem Leben anstellen soll.

Unter diesem Druck, von außen aufgezwängten Vorstellungen gerecht zu werden, brechen nicht wenige Studenten. Derzeit verlässt jeder Dritte eine Hochschule, ohne sie abgeschlossen zu haben. Irregeleitet von Werten, die nicht die eigenen sind, studieren junge Menschen oft Fächer, die sich nicht mit ihren Interessen oder Begabungen decken. Man darf also nicht verwundert sein, wenn man manchen von ihnen maulend, unmotiviert und frustriert in den Hörsälen begegnet.

Studieren: Die richtige Wahl?

Diese Entscheidung kann einem niemand abnehmen. Es gibt triftige Gründe dafür, ein Studium zu absolvieren. Wichtig ist jedoch, dass die Motivation intrinsischer Natur ist und man sich als junger Erwachsener nicht zu sehr von äußeren Einflüssen beeindrucken lässt. Wer die ersten Jahre nach der Matura lieber in unterschiedliche Berufe hineinschnuppert oder ein paar Monate auf Reisen gehen möchte, der sollte das auch tun, anstatt sich gezwungenermaßen in einem Fach zu inskribieren, für das er nicht brennt. Glücklicherweise laufen die Hochschulen nicht davon. Immer öfter kehren Menschen auf die Schulbank zurück, weil sie sich beruflich neu ausrichten oder ihren intellektuellen Horizont erweitern möchten. Und manchmal kommt erst mit dem Alter etwas, das ganz wesentlich für die Wahl eines Studiums ist: eine (zumindest halbwegs) klare Vorstellung von dem, was danach einmal sein soll.

Bildnachweis: shutterstock/4 PM production

Bianca Schedlberger

Biancas Traumjob seit Kindertagen? Schriftstellerin, irgendwann. Bis dahin wird für karriere.at fleißig getextet, unter anderem auch Blogposts.

karriere.at verwendet Cookies, um dein Benutzererlebnis zu verbessern und personalisierte Werbung anbieten zu können. Weitere Informationen und deine Opt-Out Möglichkeit findest du auf unserer Datenschutzseite.