Trainer-Effekt: So glänzt man in der Lehrerrolle

von in Arbeitsleben am Dienstag, 24. März 2015 um 11:38

Teambuilding, Verkaufsschulung, Kundenservice: Schulungen stehen in den meisten Unternehmen an der Tagesordnung. Meistens wird ein erfahrener Trainer dafür ins Boot geholt. Immer wieder stehen aber auch Abteilungsleiter, Führungskräfte oder Mitarbeiter eines Teams vor der Herausforderung, einer Gruppe bestimmte Inhalte zu vermitteln. Fachlich kein Problem aber: Ein spannendes Seminar selbst führen? Trainingsprofi Katja Ischebeck weiß, warum es sich lohnt, Zeit und Energie in ein gutes Trainingskonzept zu stecken.

„Machen Sie doch mal ein Trainingskonzept dazu!“

Katja Ischebeck

Katja Ischebeck

Professionelle Coaches und Trainer halten ständig Seminare oder ähnliche Veranstaltungen ab. Sie sind es gewohnt, Inhalte in ansprechender Art an den Mann und die Frau zu bringen. Auch ein Stimmungsumschwung oder negative Gruppendynamik bekommen sie schnell wieder in den Griff. Steht man als „Laientrainer“ plötzlich im Seminarraum und soll einem Team etwas beibringen, sieht die Sache schon anders aus, weiß Trainerin Katja Ischebeck: „Als Fachspezialist, aber auch als Führungskraft, kommt es immer häufiger vor, das man sich überraschend in der Trainerrolle wiederfindet, wenn es denn heißt: Sie sind doch Experte für das Thema XY, da können Sie doch sicher die Kollegen schulen. Machen Sie doch mal ein Trainingskonzept dazu!

Trainings-Novizen unterschätzen die Komplexität

„Als erfahrener Trainer hat man die eine oder andere Stolperfalle sicherlich schon einmal – hoffentlich erfolgreich – genommen. Als Trainings-Novize neigt man jedoch schnell dazu, die Komplexität der Herausforderung zu unterschätzen. Denn als Trainer managt man nicht nur Inhalte sondern wesentlich mehr“, so Ischebeck.

Wie ein Jongleur muss man im Training verschiedene Bälle gleichzeitig in der Luft halten. Laut Ischebeck ist es erforderlich, immer auf mehreren Ebenen gleichzeitig zu arbeiten – sowohl in der Vorarbeit, als auch im Training selbst:

  • Der Trainer ist Fachspezialist für seine Fachthemen.
  • Er ist Lerncoach und ermöglicht Wissensaufbau und -verarbeitung.
  • Er wählt und gestaltet die Methoden und Medien, mit deren Hilfe die Inhalte transportiert werden.

„Diese Faktoren bestimmen den Erfolg des Trainings wesentlich. Und für die souveräne Steuerung ist der Trainer maßgeblich verantwortlich. Kurzum: Als Trainer ist man ein Multitalent. Für das Fachgebiet werden meist beste Voraussetzungen mitgebracht, sonst würde man die Person vermutlich nicht mit Trainingsaufgaben betrauen wollen. Kniffliger ist zumeist die Steuerung der anderen Ebenen, da es hier oft an entsprechendem Hintergrundwissen und Handwerkszeug fehlt. Ein Fachgebiet zu beherrschen heißt noch lange nicht, es auch verständlich vermitteln zu können. Manchmal erschwert gerade ein tiefes Fachwissen das Verständnis darüber, wie Laien von dem Thema betroffen sind und wie sie es überhaupt aufnehmen können“, so die Trainingsexpertin.

Checkliste Training

Ein gutes Trainingskonzept hilft deshalb, die Vermittlung der Inhalte bereits im Vorfeld zu planen und gut vorbereitet ins Training zu gehen. Und jeder, der bereits einmal an einer Schulungsmaßnahme teilgenommen hat, weiß: Es ist nicht alles planbar. „Es geschieht immer etwas, mit dem keiner rechnet – vorhersehbar oder auch nicht. Vorhersehbar ist z. B., dass mehr oder weniger explizit infrage gestellt wird, wer hier der Chef im Ring ist oder was das Ganze soll (was manchmal auf die gleiche Frage hinausläuft). Dafür ist ein Verständnis des „Biotops Trainingsraum“ hilfreich. Aber auch für unvorhersehbare Zwischenfälle wie einen Ausfall der Technik oder schwierige Trainingssituationen kann man sich bereits im Voraus wappnen“, so die Trainerin.

Der Schulungsleiter als Autoritätsperson

Wer ein Training souverän führen muss, darf laut Ischebeck eines nicht vergessen: Menschen folgen einer Trainingsführung dann gerne, wenn sie erkennen, dass der gemeinsame Weg eindeutig ist und zu einem klaren und sinnvollen Ziel führt. Gute und methodische Vorbereitung mit einem Trainingskonzept verschafft auch Trainingsnovizen Meisterschaft über ihr Schulungsthema und führt zu natürlicher Autorität.

Training

Welche Schritte dürfen bei einem guten Training niemals fehlen?

„Für den Erfolg eines Trainings ist  die genaue Klärung des Zieles der erste – und zumeist vernachlässigste – Schritt. Dazu gehört, genau zu verstehen bzw. festzulegen, was mit dem Training erreicht werden soll“, sagt Ischebeck. Sie rät zu folgender Unterscheidung als Hilfestellung, um Lernziele zu bestimmen:

Was genau sollen die Teilnehmer nach der Schulung/dem Training: wissen (rational-kognitive Lernziele), wollen (motivationale und emotionale Lernziele), können (aktionale Lernziele)?

Dafür muss der Trainer natürlich ein klares Bild über die Teilnehmer haben: In welchen Arbeitssituationen werden sie die Inhalte anwenden müssen, welche Ziele und Probleme bestehen dort und über welche Vorerfahrungen und Vorkenntnisse verfügen sie bereits? Erst wenn diese Themen geklärt sind, kann mit der Planung der Inhalte und Methoden sinnvoll begonnen werden.

Bitte keine Seminarspiele

„Teilnehmer von heute erwarten weniger langatmige Vorstellungsrunden und Spiele, die keinen Bezug auf die Trainingsinhalte erkennen lassen. Sie erwarten vielmehr eine zügige Erarbeitung der Ziele. So hat sich die durchschnittliche Dauer von Trainings in den letzten Jahren deutlich verkürzt. Der Trainer sollte daher schnell auf den Punkt kommen und den Teilnehmern jederzeit den Nutzen und Praxisbezug der Trainingsinhalte deutlich machen“, fasst Ischebeck zusammen.

Zur Person

Katja Ischebeck ist Psychologin, Trainerin und Unternehmensberaterin. Sie ist Expertin für Konzepterstellung und Trainerentwicklung. In ihrem neuen Buch „Erfolgreiche Trainingskonzepte: Schritt für Schritt zum professionellen Konzept“ vermittelt sie Anfängern und Profis Hintergrundwissen und Tipps für erfolgreiche Trainings.

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Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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