Kein Jobinterview ohne diese Frage: „Wieso suchen Sie einen neuen Job?“

von in Bewerbung, Jobsuche am Dienstag, 26. Juli 2016 um 10:27

Spätestens beim Bewerbungsgespräch fällt die Frage nach den Beweggründen für die Jobsuche. „Warum suchen Sie einen neuen Job?“ Du weißt natürlich, warum du dich um eine neue Stelle bemühst – aber ist es auch klug, dem potenziellen Arbeitgeber alle Gründe auf die Nase zu binden? So machst du das beste aus dieser Frage und begründest dein Jobwechselmotiv.

Die Gründe für die Jobsuche sind vielfältig. Manche Wechselmotive sind unverfänglich, andere erfordern diplomatisches Fingerspitzengefühl. Zu viel Ehrlichkeit tut manchmal nicht gut und es gilt, die Balance zu finden zwischen gutem Selbstmarketing und der Pflicht zur Wahrheit. Es ist aber auch nicht gesagt, dass ihr alles erzählen müsst. Als Etikette-Faustregel gilt auch hier: Dem alten Arbeitgeber niemals in den Rücken fallen oder sich zu Schimpftiraden verleiten lassen. Auch dann, wenn der letzte Job wirklich übel war.

Weg vom Alten, hin zum Neuen

Abgesehen davon, dass ihr euren alten Job verlassen wollt, möchtet ihr auch hin zu etwas Neuem. Ihr habt Stellanzeigen studiert, Karrierewebsites unter die Lupe genommen und eine Bewerbung abgeschickt. Warum ihr euch bei einem Arbeitgeber bewerbt und den neuen Job wollt, ist eigentlich viel wichtiger als eure Job-Vergangenheit. Bei der Formulierung eurer Begründung solltet ihr außerdem nicht nur euch selbst im Blick haben, sondern auch den potenziellen Arbeitgeber: Welche Zukunftspläne habt ihr und was habt ihr beide davon, wenn euch dieser einstellt?

Jobwechsel begründen: Mögliche Argumente

  • Du möchtest mehr Freizeit
    Ein legitimer Wunsch in Zeiten der viel gepredigten Work-Life-Balance. Wenn du im derzeitigen Job jede Menge Überstunden anhäufst und mehr Wert auf geregelte Arbeitszeiten legst – raus mit der Sprache im Jobinterview. Die Sache kann nur einen Haken haben: Das Unternehmen, in dem du dich vorstellst, sucht Arbeitnehmer die bereit sind, auch viel Mehrarbeit zu stemmen. Lege für dich selbst fest, wie viele Überstunden okay sind. Damit startest du gut vorbereitet ins Bewerbungsgespräch: „Im Lauf der letzten Jahre hat sich mein aktueller Job so entwickelt, dass laufend sehr viele Überstunden anfallen. Natürlich bin ich bereit, Mehrarbeit zu leisten, wenn es notwendig ist. Ich weiß jetzt aber, dass mir persönliche Erholungsphasen sehr wichtig sind. Über lange Sicht leidet auch die Arbeitsleistung unter der ständigen Mehrbelastung.“
  • Dein derzeitiger Job ist ziemlich langweilig
    Du bist auf der Suche nach mehr Herausforderung – darüber sollte sich jeder Arbeitgeber freuen. Vermeide das Wort „langweilig“ und schildere statt dessen deinen Drive, dich auf neue und komplexere Aufgaben zu stürzen. Achtung: Der Personalmanager wird vielleicht nachfragen, warum du im derzeitigen Job nicht versucht hast, dich weiterzuentwickeln.
  • Du willst mehr Geld
    Das heiße Thema Gehalt. Geld ist zwar nicht alles, eine angemessene Bezahlung sorgt aber nicht nur für ein Dach über dem Kopf sondern ist auch Ausdruck der Wertschätzung. Bleibt die Gehaltserhöhung auf Dauer aus, ist das durchaus ein Grund, sich nach einem neuen Job umzusehen. „In meinem derzeitigen Job habe ich mich laufend weiterentwickelt und immer mehr Verantwortung übernommen. Mein Aufgabengebiet hat sich weiter entwickelt, mein Gehalt leider nicht. Geld ist zwar nicht alles, trotzdem weiß ich, welche Gehälter für meine Position in der Branche üblich sind.“
  • Du wurdest gekündigt
    Filialen schließen, Standorte werden zusammengelegt, Unternehmen sparen beim Personal ein: Wirtschaftliche Gründe für eine Kündigung durch den Arbeitgeber kannst du ruhig beim Namen nennen. Über andere Kündigungsgründe sprichst du auch besser offen, wenn die Frage danach fällt – Lügen sind hier tabu. Zudem besteht die Gefahr, dass der aktuelle Arbeitgeber später sowieso herausfindet, warum dein letztes Arbeitsverhältnis gekündigt wurde. Die Version, die er dann hört, ist vielleicht nicht die, die er hören sollte.
  • Es liegt nicht am Job, es liegt am Chef
    Die Arbeit wäre ja ganz okay, wenn es da die Führungskraft nicht gäbe. Wenn dein Chef Grund für den Fluchtversuch aus dem aktuellen Job ist: Die Sachlage diplomatisch, kurz und knapp formulieren oder – falls dir dabei nicht wohl ist – einen anderen Grund als Jobwechselmotiv nennen.
  • Es liegt nicht am Job, es liegt am Team
    Im schlimmsten Fall ist es Mobbing, im besten Fall nur Kleinigkeiten, warum du mit deinen Kollegen oder dem Team nicht mehr klarkommst. Wenn du besonderen Wert auf Teamwork legst und auch im neuen Job kein Einzelkämpfer sein möchtest, kannst du das etwa so argumentieren: „Mir war immer wichtig, dass ich gemeinsam mit einem Team eng zusammenarbeite. Leider arbeiten in meinem aktuellen Job alle eher für sich – nebeneinander statt miteinander. Meiner Persönlichkeit als Teamplayer entspricht das einfach nicht. Ich habe gehört, dass in Ihrem Unternehmen die Teams gut zusammenarbeiten.“

Bildnachweis: g-stockstudio/Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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